8 Tipps zum Thema “Korrigieren”

Mandree schreibt immer so schöne Listen. Ich füge meine über das Korrigieren hinzu. Speziell Deutsch.

1. Nicht jammern.

Ich denke es mir oft: In der Zeit, in der andere jammern, habe ich schon 3 Schulaufgaben korrigiert.  Und: Es bringt ja nichts. Und: Dafür wird man auch bezahlt.

2. Abschied von der Perfektion.

Nein, ich finde sicher nicht jeden Fehler in einer Korrektur. Und ich werde auch keine 100%ige Objektivität erreichen. Ich kann nur versuchen irgendwie dahin zu kommen, aber mehr eben auch nicht.

Und die, die meinen, dass ein und derselbe Aufsatz von 7 verschiedenen Lehrern korrigiert, 10 verschiedene Noten bringt, sollten erstmal einen korrigieren. Wenn man sich innerhalb einer Fachschaft austauscht, wird man feststellen, dass die Notenabstände hier marginal sind. Und das zählt. Mich interessiert ehrlich nicht, was der Kollege aus Hildesheim unter den Aufsatz meines Schülers geschrieben hätte.

Und wenn ich Profi statt Perfektionist bin, dann hat auch meine Subjektivität nichts mit meiner Note zu tun. Bzw. wird die Korrektur insofern einen Maßstab anlegen, der sich auf meinen Unterricht bezieht. Woran soll sich auch sonst eine Korrektur richten? (Vgl. dazu 6.)

3. Schnell entscheiden.

3 oder 4? 1 oder 2? Das kann man schnell entscheiden. Und das kann man trainieren.

Anfangs habe ich jede Schulaufgabe ein Mal durchgelesen und mir dann spontan eine Note aufgeschrieben. Danach habe ich sie dann korrigiert mit einem Schema, welches 4 bis 8 Einzelnoten aufwies, die wiederum nach einer Formel einen Durchschnitt errrechnete. Im Vergleich beider Noten stellte ich nach einiger Zeit fest, dass sich beide immer mehr annäherten, so dass ich nun in unteren Klassen auf ein Schema verzichte. In den oberen Klassen dient es mir i.d.R. als Grundlage für die Verbalbeurteilung unter der Schulaufgabe.

Aber ich entscheide mich schnell – normalerweise weiß ich die Note, wenn ich den letzten Satz korrigiert habe – aber ich denke wenig mehr als einige Minuten drüber nach, in denen ich mir die Vorzüge und Mängel der Aufsätze durch den Kopf gehen lasse.

Ansonsten gilt grundsätzlich: Im Zweifel für den Angeklagten.

Korrekturbögen, Einzelnotenschemata mit mehr als 4 Einzelnoten usw. finde ich hinderlich, wenn ich das klassische Korrigieren betrachte. Zum einen zeigt die Erfahrung, dass eine Anhäufung von Einzelnoten bei der Korrektur zur Nivellierung führt (je mehr Einzelnoten, desto öfter nähert sich das Ergebnis der 3 an). Zum anderen erzeugt dies eher eine Scheinobjektivität, die aber fehl geht, denn der klassische Aufsatz im Fach Deutsch ist nun mal mehr als die Summe seiner Einzelteile. Es ist ein Gesamtwerk, welches auch als solches behandelt werden sollte.

Was mir bei meiner schnellen Entscheidung hilft, sind folgende Dinge: Erstens mein Sprachgefühl, welches sich durch Interesse, Studium und Lesegewohnheiten ausgebildet hat. Zweitens meine Fähigkeit, Texte schnell zu erfassen. Drittens die Fülle an Textmustern im Kopf, die zum Vergleich herangezogen werden können.

Im Kern also drei Dinge, die ein Studium in meinem Bereich voraussetzt.

Zum schnellen Entscheiden gehört auch, dass die Notenskala voll ausgeschöpft wird. Vor allem auch in Deutsch. Das schließt eindeutig die Noten 1 UND 6 mit ein. Beides muss möglich sein.

4. Nicht nach Stück korrigieren, sondern nach Zeit

Diese Erkenntnis hat mich am weitesten gebracht.

Früher habe ich gesagt: Heute korrigiere ich 5 Aufsätze. Und dann habe ich 5 Aufsätze korrigiert, den ganzen Tag eben. Und dann sagte ich: Puh, heute habe ich den GANZEN TAG korrigiert!

Heute sage ich: Ich setze mich jetzt 1,5 Stunden hin und korrigiere.

Und dann schaffe ich 5 Aufsätze.

Und danach gehe ich Golf spielen.

5. Mit der Eieruhr korrigieren

Der Tipp stammt nicht von mir, hilft mir aber bis heute.

Das Ding ist einfach: Einfach eine Eieruhr stellen und dann in der vorgegebenen Zeit den Aufsatz durchkorrigieren. Die Eieruhr dabei in Sicht- und Hörweite aufstellen. Mit ein bisschen Training schafft man es in der vorgebenen Zeit.

Der Vorteil: Man kann nur 60 Minuten einstellen. SCHERZ!

Der Vorteil: Man kann sich trainieren. Für einen Aufsatz in den Klassen 5 und 6 stelle ich 5-10 Minuten ein. Für 7 und 8 10-15. Für 9 und 10: 15-20.

Anfänger können auch eine längere Zeit einstellen – aber es ist hilfreich, sich ein wenig unter Druck zu setzen. Je nach der eigenen Fähigkeit oder Möglichkeit. Letztlich wird man merken, dass die Korrektur eine Minutensache ist – und nicht die empfundene Ewigkeit.

6. Immer mit Erwartungshorizont (auch dem Schüler zuliebe)

Ich habe ungefähr 6-7 Jahre ohne Erwartungshorizont in den Klassen 8-10 gearbeitet. Das Ergebnis war oft so, wie ich mittlerweile weiß, dass Schüler eher schlechter abgeschnitten haben, weil ich viel erwartet habe.

Nun setze ich mich regelmäßig hin und löse meine eigene Aufgabe in der vorgebenen Zeit, um eine “Musterlösung” zu erarbeiten. Dabei erkenne ich oft, dass ich auch nicht immer besser schreiben kann in kurzer Zeit oder aber mehr Argumente finde. Das entspannt mich und nutzt den Schülern.

Außerdem hilft es mir, die Note schneller einzuschätzen.

Ich würde jedem empfehlen, mal die eigenen Schreibaufgaben selber zu lösen. Ab und an jedenfalls.

7. Impulse ableiten, aber nicht verdrängen

Jeder kennt das: Man setzt sich an die Korrekturen und schon nach 5 Minuten schweifen die Gedanken ab. Man könnte ja z.B. das Bad putzen, nach einem neuen Laptop recherchieren, den neuen Blogpost zum Korrigieren schreiben. Anstatt nun diesen Impulsen nachzugeben, schreibe ich sie nebenbei auf. Früher habe ich einzelne Zettel dazu benutzt, letztes Wochenende einen schwarzen Schreibklotz von Manufactum.

Der Effekt ist einfach der, dass die Impulse sozusagen ernst genommen werden, indem man sie aufschreibt, aber die Ausführung auf später verschoben wird. Am Ende kann man dann eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten. In der Regel fällt die Hälfte weg, weil sie nur Fluchtimpuls waren.

Hier zum Abschluss meine Impulsliste vom Wochenende, nach 1,5 Stunden Korrektur:

Ok, einen noch – 8. Verbalbeurteilung gleich schreiben

Ich korrigiere grundsätzlich mit laufendem Computer (Ausnahme: schlechte Konzentration, dann lenkt mich die Möglichkeit des Surfens zu sehr ab). Es werden die Noten schnell vergeben und dann gleich nach dem Korrigieren die Bemerkungen geschrieben. Diese dann später in die Schulaufgaben geklebt.

Grund: Ich habe gemerkt, dass ich mich nach einer Stunde oder einem Tag nicht mehr an den Aufsatz erinnern kann, selbst wenn ich mir Notizen gemacht habe – dann muss ich ihn noch einmal lesen. Direkt danach ist der Eindruck am besten. Außerdem versuche ich, jedes Stück Papier, was ich bearbeite, auch nur einmal anzufassen.