Nichts. Was im Leben wichtig ist

Irgendwie ist da ja wieder ein Medienhype an mir vorbeigegangen. Ich stand einfach beim local Buch-Dealer meines Vertrauens und brauchte Lektüre für die Weihnachtsferien. Dabei heraus kamen Dorfbeben und Nichts. Was im Leben wirklich wichtig ist.

Nachdem ich nun letzteres gelesen habe, bekam ich beim Nachforschen im Netz mit, dass hier offensichtlich eine größere Diskussion im Gange ist, in der hin und her gestritten wird.

Ich fand einfach nur, dass ich ein nachdenkenswertes und gutes Buch gelesen hatte.

Eine 7. Klasse in Dänemark. Pierre Anthon äußert am Anfang des Schuljahres plötzlich, dass alles im Leben keine Bedeutung habe und er deswegen auch nicht weiter zur Schule ginge. Stattdessen hockt er sich auf den Pflaumenbaum im elterlichen Garten, wirft mit Pflaumen und verspottet jeden Mitschüler, der vorbei kommt.

Seine Klassenkameraden können diese Äußerung nicht einfach stehen lassen und wollen ihn vom Gegenteil überzeugen, erst durch Argumente, dann mit Steinen. Dies gelingt ihnen aber nicht. Schließlich treffen sie den Entschluss, dass sie in eine stillgelegtem Sägewerk auf einem Haufen alles sammeln wollen, was irgendeine Bedeutung hat,  um Pierre zu überzeugen.

Auf diesem Berg sammeln sich nun einfache Gegenstände, z.B. ein Paar grüne Sandalen. Doch schon bald werden die Gegenstände skurriler: ein großes Kruzifix aus der Kirche soll hinzukommen, der Gebetsteppich eine muslimischen Mitschülers. Doch es spitzt sich immer weiter zu und als sie schließlich auf den Friedhof ziehen, um den kleinen Bruder einer Mitschülerin auszugraben, wird jedem Leser klar, dass es hier eine bittere Wendung nehmen wird.

Der Streit um das Buch, soweit ich das nachgelesen habe, dreht sich einerseits um den angeblichen Medien-Hype, den es erzeugt hat oder der erzeugt wurde und damit Erwartungen aufbaute, die es nicht halten konnte.

Andere stören sich daran, dass das Buch als philosophisches Buch daher kommt, aber keine Auflösung bietet.

Einige unterstellen der Autorin, alles infrage zu stellen, aber keine Werte, Regeln usf. an die Stelle des Nichts zu erheben.

Wieder andere finden den Stil schlecht, stören sich an unterkühlten Erzählerin.

Wenn ich eine Meinung äußern sollte, dann halte ich das Buch als Erzählung für eine gelungene Story, die dem Leser wirklich nichts anbietet, was irgendeiner Erklärung nahekommt. Die Erzählerin berichtet ohne sichtbare Regung oder Reflexion sämtliche Grausamkeiten, ohne diese auch nur annähernd zu bereuen. Schüler werden so ganz nebenbei verprügelt – und es wird keine Geste des Bedauerns erkennbar. Dennoch frage ich mich, wie viel Anteil wir nehmen an den alltäglichen Grausamkeiten, die uns umgeben. Wir reden darüber, betroffen und wichtig – aber ohne dass es eine wirkliche Bedeutung hätte, eine Konsequenz.

Der Leser bleibt schließlich allein und fragt sich zwanghaft, was in seinem Leben irgendeine Bedeutung (ich frage mich, ob dieses Wort so richtig aus dem Dänischen übersetzte wurde) hat und wie weit er dafür gehen will oder muss, um diese Bedeutung zu beweisen.

Insgesamt erinnert mich der gesamte Duktus der Geschichte und des Erzählens irgendwie an Georg Britting und „Brudermord im Altwasser“. Ich weiß aber immer noch nicht genau, worauf das Buch abzielt. Ich habe es staunend und fast atemlos gelesen. Wenn dann geht es wohl am ehesten um diese nagende Frage nach dem, was im Leben eines Menschen Bedeutung hat und nach dem schwer zu unterdrückenden Gefühl, dass das, was man dafür hält, ziemlich austauschbar ist. Am Ende steht dann die Entscheidung, was ich mit dieser Erkenntnis mache.

(das Cover wurde über die Verlagsseite des Hanser Verlags verlinkt)

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