Die Pest in den Ohren

Was muss passieren, wenn man morgens aufwacht und die ersten Zeilen, die einem durch den Kopf sausen, lauten

„Moskau, Moskau, Liebe schmeckt wie Kaviar, Mädchen sind zum Küssen da…“

Mal abgesehen davon, dass ich beim ersten Hören immer verstanden habe „Liebe schmeckt wie Kabeljau…“ – aber nun habe ich den ganzen Tag die Pest in den Ohren gehabt.

Die kurze Version? Ne, ne…so kommt ihr mir nicht davon.

Vor zwei Jahren kam eines Nachts, wie berichtet wurde, die katholische Religionslehrerin auf die Idee, dass die Klassleiter der Abschlussklassen auf der Zeugnisverleihungsfeier zusammen einen Song performen sollten.

Der Klassleiter der 10d war Feuer und Flamme – er ist Musiklehrer. Die Klassleiterin der 10c schnappte die Gitarre – sie war die bewusste Religionslehrerin. Der Klassleiter der 10b steuerte den Song bei, den er schon zu anderer Gelegenheit gesungen hatte. Und der Klassleiter der 10a konnte weder singen noch beherrschte er ein Instrument – das war nämlich ich. Also drückte man mir einen E-Bass in die Hand und malte vier Töne auf Papier auf. Ein Schüler machte das Schlagzeug – fertig war der Lack.

Folgender Song kam zur Aufführung.

httpv://www.youtube.com/watch?v=5bsT1OBJ5mA

Ein Jahr später – die Idee lebte weiter. Ich wurde zu Sting, ohne dass ich Klassleiter war, aber als Zweiter Realschulkonrektor kann man sich schon mal reindrängen.

Sting, Stewart, Adams

Mittlerweile hatte ich mir einen Bass-Lehrer gesucht, der zwar 23 Jahre jünger als ich ist, aber meine Frau bürgte quasi für ihn, nachdem er in Geschichte am Gymnasium gegenüber wohl einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Außerdem ist er haartechnisch ein Geistesverwandter.

Dieses Jahr. Ich spiele ab und zu mit dem Musiklehrer im Musikraum ein paar Takte. Unser Favorite:

httpv://www.youtube.com/watch?v=__CgYU8eNoM

Ich spiele immer noch E-Bass. Ich liebe dieses Stück.

Gestern gab es den alljährlichen Musikabend an der Schule – den ich jedes Mal genieße, weil ich einen Teil meiner Schüler dort sehe, wie sie mit viel Spaß und viel Freude und Arbeit etwas Tolles schaffen. Ich könnte mich in nicht unerhebliche Sentimentalität ergehen, wenn es meine Art wäre.

Der Musiklehrer hatte es nicht nur geschafft, mich für ein neues Stück zu gewinnen, sondern auch den Direktor dazu zu bringen, seine Trompete zu entstauben. Und heraus kam – in einer kürzeren Fassung –

httpv://www.youtube.com/watch?v=cqwmDNPegnM

Erstaunlich fand ich bei mir selbst, der ich tagtäglich vor Schülern stehe und meine eigene Performance abliefere, dass das Lampenfieber so derart groß wurde.

Nun gut – kurz. Letzte Woche kam der Musiklehrer mit einem Song für den Lehrerchor mit Lehrerbandbegleitung (! Wir sind schon „Lehrerband“). Mit Hilfe meines Basslehrers konnte ich ihn in wenigen Tagen lernen und auch der Song kam gestern.

Und seitdem habe ich die Pest in den Ohren.

 


PS: Basslehrer.

httpv://www.youtube.com/watch?v=SGkMmt1_Hlg

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