Ich, Lehrer, und der, die, das Blog

Warum bloggen?

Ich hatte anfangs mit Herrn Rau kurz einen Austausch darüber, ob man an den Anfang des Bloggens eine quasi-theoretische Grundlage schafft, warum man eigentlich „im Internet schreibt“. Er selbst hatte zwar daran gedacht, es aber nie getan. Das war mir sehr sympathisch. Es reicht, wenn man sich dabei ein paar Gedanken macht.

Ja, anfangs schreibt man so ins Leere und wundert sich dann ein wenig über den ersten Kommentar – naja, eigentlich freut man sich wie ein Schneekönig. Und da man sich freut, versucht man bei anderen auch Kommentare zu hinterlassen, inhaltliche, logisch, aber auch aus Freundlichkeit.

Dann erkennt man: wenn man bei „bekannten Bloggern“ etwas hinterlässt, kommen auch wieder mehr auf den eigenen Blog.

Und dann schreibt man und schreibt und die Zugriffszahlen steigen – vor allem bei den üblichen verdächtigen Stichworten: „ipad“, „iphone“. Dann merkt man, dass einzelne Artikel verlinkt werden, auch ohne Namedropping bekannter Tech-Marken – und freut sich darüber auch, natürlich noch mehr.

Also: Hej, das macht Spaß.

Warum als Lehrer bloggen?

Vorbemerkung: Ich jammere nicht, ich finde meinen Beruf toll, ich mag meine Schüler, deren Eltern und meinen Chef auch. Echt.

Ich bin der Meinung, dass „der Lehrer“ zu wenig Stimme und damit zu wenig Gewicht in der öffentlichen Diskussion und dem Umgang mit ihnen hat.

Wenn ich Sven Regener heißen würde, ähnliche Wut im Bauch hätte, eine ähnlich seltsame Sicht der Welt und nicht sowas wie ein Vorbild wäre, könnte ich mich eines ähnlichen Vokabulars bedienen, wenn es um da Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit geht.

Aber ich tu’s nicht. Bin nach meinem Empfinden kein Internet-Hooligan.

Ich will mich aber auch nicht auf die Verbände verlassen, die vorgeben, mich und meine Interessen zu vertreten – weil ich mich nicht immer sicher bin, ob das wirklich meine Interessen sind.

Wenn ich was will, dann: meine eigene Stimme sein.

Aber hier beginnt schon das Problem: Ich kann nicht meine Stimme sein, weil ich als Lehrer, ob verbeamtet oder nicht, in einem großen Geflecht verschiedener Gruppierungen stehe, die ihrerseits genaue Vorstellungen darüber hat, was ein Lehrer darf und was nicht. Nicht ohne Grund ist der Lehrer in seinem Rollenmuster für mich immer wieder das anschaulichste Beispiel zu Beginn des Sozialkundeunterrichts.

Und so ist er doch relativ gut eingerahmt:

  • moralisch: Du bist deinen Schülern / Kollegen / Eltern verantwortlich
  • verwaltungspolitisch: Du bist Staatsbeamter und daher weisungsgebunden
  • fachlich/methodisch: Du bist an die neuesten Erkenntnisse gebunden, auch in der 6. Stunde im Juli am Tag vor den Ferien und musst immer abwechslungsreich, innovativ, kreativ und motiviert sein
  • bildungspolitisch: Hier hast du den Lehrplan, mach was Schönes draus

Aber – und das fällt oft unter den Tisch – ist er doch dazu aufgerufen, immer eine Person zu sein, individuell, original. Bzw. um in meinem Sozialkundeunterricht zu bleiben: der Rollenträger hat immer auch zur Aufgabe, seine Rolle selbst zu gestalten und nicht nur einfach zu übernehmen.

Und so etwas versuche ich eben auch, auch hier.

Was bringt das Bloggen noch so?

Im Hintergrund läuft immer eine Statistik-Software-Geschichte mit, die mir anzeigen kann, welche Artikel besonders beliebt sind, mit welchen Suchwörtern Besucher meine Seite finden, wieviele Besucher so im Schnitt meine Seite anklicken uvm. Mein WordPress zeigt mir zudem, wieviele Artikel ich geschrieben habe (177) und wieviele Kommentare dazu abgegeben wurden (303).

Meine eigene Statistik mache ich mir parallel dazu im Kopf. Die hat sich so seit Oktober 2010 auch ergeben.

Kommerzielle Anfragen, irgendwelche Links zu verkaufen/kaufen: 1

Anfragen, bei anderen Projekten (kommerziell und non-kommerziell) mitzuschreiben, jetzt oder in der näheren Zukunft: 4

Anfragen, bei PR-Geschichten mitzuschreiben: 1

Darüber angenommene geldwerte Geschenke: 1

Beschwerden über Artikel: 2

Daraufhin gelöschte Artikel: 1,75

Gesprächswünsche für journalistische Artikel aufgrund einzelner Postings: 1

Ständig verlinkte Postings auf größeren Plattformen: 1 (die ich kenne)

Angebotene Schlafplätze von Fremden in anderen Städten aufgrund meines Blogs: 1-2

Verdientes Geld mit dem Blog: 0

Am Anfang habe ich mal kurz bei Herrn Rau nachgefragt, inwieweit, vor allem die oberste Anfrage, das alles seriös ist. Danach habe ich versucht, auf mein Bauchgefühl zu hören.

Die meisten, die hier lesen, kenne ich nicht. Manche aber eben schon.

Meiner persönlichen Eitelkeit wird manchmal geschmeichelt – dennoch weiß ich um die Begrenztheit meiner selbst und meines Blogs. Ich kenne mittlerweile viele andere (auch Nicht-Lehrer-)Blogs, die besser geschrieben und unterhaltsamer sind als dieser hier.

Ich versuche zwischen all meinen Kollegen einfach meine Nische zu finden

Und

Einer der ersten Lehrerblogs, das ich gelesen habe, war übrigens das von Gerhard Sennlaub. Den/das finde ich im Ton und Inhalt immer noch sehr lesbar und überzeugend. Angesichts der Aussage eines Gesprächspartners darüber, dass ich mit meinen 42 Jahren der älteste Lehrer mit Facebook-Account sei (was ich sicherlich nicht bin), den er gesprochen habe, dann erscheint mir ein 70jähriger Lehrer-Blogger als ein Vorbild.

2 Antworten auf „Ich, Lehrer, und der, die, das Blog“

  1. Und irgendwann ist man dann plötzlich der Kubiwahn oder der Tommdidomm, das kommt auch noch zu diesem Bloggen dazu. Den kann man sich dann entweder als Vorbild nehmen oder als Bildnis des Dorian Gray, je nach Wunsch.

    1. Ja, und ich frage mich, ob das dann so das Ziel ist :D. Da fällt mir ein, dass ich mit dir in München über das Anonyme und Halbanonyme sprechen wollte. Ein Punkt auf meiner Liste für das nächste Mal.

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