5 Minuten Schulleitung – Reden wir mal über’s Geld

Prolog

Über Geld redet man ja recht ungern – also man, Hm, die anderen, ich hab da weniger Probleme mit. Ich halte mich für gut bezahlt, weiß, dass ich über dem Bundesdurchschnitt liege und in Verbindung mit einigen Beamtenprivilegien sieht das schon gut aus. Sehr gut. Und ich lasse mir diese Überzeugung auch nicht von pfennigfuchsenden Kollegen kleinreden.

Ich meine hier die Bezahlung als Realschullehrer, besoldet mit A13 – wobei ich persönlich das nicht mehr bin, aber langsam.

Bei dieser Geldsache hängt natürlich auch immer wieder drin, welchen Maßstab man so anlegt. Und ja zugegeben, ich komme aus einer Schicht, die man heute eher als Unterschicht bezeichnen würde – wobei dies nicht mit den heutigen Assoziationen geschieht. Es geht dabei eher um ein Milieu der Arbeiterschicht, aufgewachsen im Sozialen Wohnungsbau, den man heute gentrifzieren möchte (Hamburg Wilhelmsburg). Ich bin das „berühmte“ Arbeiterkind, was den Aufstieg geschafft hat. Übrigens auch im Zusammenspiel mit dem ständigen, unterbewussten Gefühl, nicht dazuzugehören. Bis heute nicht. Ich habe erst vor kurzer Zeit entdeckt, dass es ein Netzwerk gibt mittlerweile, in dem sich typische Arbeiterkinder zusammen tun und getan haben. Überraschung. In meiner Schullaufbahn habe ich vielleicht zehn andere Lernende mit demselben Hintergrund kennengelernt. Höchstens. Eine davon habe ich geheiratet.

Wer meinen Blog verfolgt, hat mal sicher gelesen, dass in meiner Familie schon Lehrer existierten. Dies aber hat eine Generation mit mir übersprungen und die Lehrer, von denen wir hier sprechen, sind Volksschullehrer, die in Schlesien von Dorf zu Dorf zogen und die jeweils 40 bis 60 Kinder unterrichteten. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass hier ein Bruch durch den Krieg stattfand, der bestimmte Lebenswege neu ausgerichtet hat.

Ich, also der Aufsteiger, also mit dem guten Gehalt. Kein Haus, was gebaut wurde oder abbezahlt werden muss, kein sonstiger Grundbesitz, auch kein zu erwartendes Erbe, kein Elternhaus im Sinne eines Hauses aus Ziegeln. Die einzigen Kredite, die ich laufen habe, sind das Auto und – *hüstel* – das Smartphone.

Dies nur als lange Einleitung zum eigentlichen Thema.

Geld

Wenn man eine Schule von außen betrachtet, erscheint einem das Kollegium als relativ homogene Gruppe. Auch wenn man als Kollege darin arbeitet, ist dies i.d.R. der Fall. Seit meinem Weg in die Schulleitung habe ich mehr und mehr mit den verschiedenen Anstellungsarten und Beschäftigungsverhältnisse zu tun, in denen die Kollegen bei uns arbeiten.

Der Regelfall an der bayerischen Realschule ist der verbeamtete Lehrer, der nach A13 bezahlt wird. Für den Aufstieg gibt es wenige Möglichkeiten: die Verwaltungslaufbahn, den Weg als Seminarlehrer/Zentralen Fachleiter, die Ausbildung zum Beratungslehrer, den Einsatz als Systemadministrator oder der Weg über die Mittlere Führungsebene (die gerade anläuft).

Man muss hier immer unterscheiden zwischen den Aufgaben, die ein Amt mit sich bringt und dem Amt an sich, was auch die Besoldungsstufe beinhaltet. Als Beispiel: Ich habe ein Jahr gearbeitet und „die Aufgaben eines Zweiten Realschulkonrektors“ übertragen bekommen, erst dann wurde ich befördert, bekam den Titel (ZwRSK) und die Besoldungsstufe A14+Z (Z ist die Amtszulage, die sich aus der Größe der Schule ergibt, hier: mehr als 520 Schüler). Derzeit arbeite ich in den Aufgaben eines „Ständigen Stellvertreter des Schulleiters“, bin aber eben immer noch ZwRSK und werde dann irgendwann zum RSK (Realschulkonrektor) befördert, inklusive der Besoldungsstufe A15. Sollte ich irgendwann ein RSD werden (Realschuldirektor), wird das Gehalt auf A15+Z erhöht. Wen es interessiert, kann also mal nachschlagen, was besoldungsmäßig zwischen mir und meinem Chef für ein Unterschied existiert. Das Ergebnis ist nicht sehr witzig – für ihn. PS: Seminarlehrer z.B. arbeiten erheblich länger als solche, bevor sie ein Beförderung bekommen (man spricht von 5-8 Jahren). Automatische Beförderungen wie am Gymnasium gibt es an der Realschule nicht.

Dies sind ja alles keine großen Geheimnisse – alles ist nachzulesen.

Seit zwei Jahren werden neue Lehrkräfte auf A12 eingestellt, teils um Geld zu sparen, teils, um den Aufstieg zu ermöglichen, bzw. Anreize dafür zu schaffen. A13 wird damit zur Aufstiegsstufe. (Da habe ich mich wohl geirrt – ich weiß aber, dass dies mal im Gespräch war. Offenbar war diese Rückstufung der Einstellungsstufe zeitlich begrenzt – vgl. Kommentare)

A11 ist die Beförderungsstufe für Fachlehrer an der Realschule – auch dafür muss man manches Jahr schon gearbeitet haben. Fachlehrer sind diejenigen Lehrer, die nicht über ein Studium an der Universität Lehrer geworden sind, sondern über die Ausbildung an einem Staatsinstitut. Voraussetzung dafür ist ein Mittlerer Bildungsabschluss. Nach ihrer Ausbildung, die 4 Jahre dauert, werden sie in A10 eingeordnet. Fachlehrer unterrichten bei uns z.B. IT oder Haushalt/Ernährung oder Werken. Die Stundenzahl liegt bei 29, zum Vergleich: die anderen unterrichten 24 Stunden.

Die A-Besoldung gilt natürlich für die verbeamteten Lehrer. In einem durchschnittlichen Kollegium arbeiten aber auch angestellte Kollegen, entweder im unbefristeten oder befristeten Angestelltenverhältnis. Daneben Lehrer zur Aushilfe mit unterschiedlichen Stundenzahlen, manche für wenige Wochen, andere für Monate, einige für das ganze Schuljahr. Manche Kollegen werden daher am Anfang des Jahres eingestellt, manche zum Halbjahr, andere mitten in den Jahren.

In meinen ersten beiden Schuljahren als Lehrer wurde ich besoldet nach BAT 2a, wenn ich mich recht entsinne. Davon aber nur 2/3, weil ich eben nur eine 2/3-Stelle besetzte. Das hieß dann eben 2/3 von allem, auch vom Trennungsgeld und den Reisekosten…überall wurde 1/3 abgezogen. Die Verbeamtung erfolgte dann in meinem vierten Jahr. In meinem siebten Jahr bekam ich die erste Beurteilung – das ist insofern von Bedeutung, als dass ich dort dann wie ein „Anfänger“ beurteilt wurde, mit der entsprechenden Beurteilungsstufe.

Was bleibt unterm Strich?

Innerhalb eines Kollegiums ist die unterschiedliche Bezahlung oder Anstellung selten ein Thema, man arbeitet als Kollegen zusammen. Und jeder macht seine und vielfach auch die gleiche Arbeit.

Also ist die Aufgabe der Schulleitung unter diesen vielen Vorbedingungen auch gleiche und gerechte Verhältnisse herzustellen.

Nachtrag

Ich weiß nicht, wie das in der sogenannten „freien Wirtschaft“ ist, ob dort auch die Bandbreite der Verdienste so weit gefasst ist – für eine ähnlich oder gleiche Arbeit.

Angesichts dessen aber empfinde ich die deutlich unterschiedliche Bezahlung aber als ungerecht. Sage dabei aber deutlich: Ich fühle mich nicht über-, sondern eher die anderen unterbezahlt.

PS: Vergessen habe ich noch die Schulsekretärin. Ihr Vertrag wird jedes Jahr neu unterzeichnet und richtet sich nach der Anzahl der Schüler. Das bedeutet eben auch, dass ab einer bestimmten Grenze aus der ganzen Sekretärin eine 3/4 Sekretärin wird: mit der 4/4 Arbeit – und der 3/4 Bezahlung. Und der Hausmeister ist auch noch da – aber ich habe grad keine Ahnung, was der verdient.

3 Antworten auf „5 Minuten Schulleitung – Reden wir mal über’s Geld“

  1. Treffend beschrieben, nur eine Kleinigkeit: Die Sache mit A12 ist doch schon wieder Geschichte, das waren doch nur zeitlich begrenzte Sparmaßnahmen…

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