5 Minuten Schulleitung – Bremsen, Atmen

Osterferien. Ich war schon eine Woche krankgeschrieben, bevor diese begonnen haben.

Meinungen.

Mein Arzt: Entzündung der Nebenhöhlen, des Kehlkopfes, Bronchitis, Reizung der Stimmbänder.

Meine Frau: Mit Erkältung am Freitag zur Schule gegangen, mittags Vortrag in Nürnberg und dann noch nach München fahren, um einen weiteren Vortrag zu halten. Kein Wunder.

Ich: Aber mir hat das Spaß gemacht. Röchel.

Dieses Posting will ich seitdem schreiben. Je nach Tageslaune oder -umständen bekommt es einen anderen Grundton. Ich weiß nicht, worauf es jetzt hinausläuft. Es geht mir seit 11 Tagen nicht so gut.

Wollte schreiben über Belastungen meines Berufs. Über innere Defizite, die ich mir bewusst machen muss, weil ich wahrscheinlich mit meiner Arbeit diese auszugleichen versuche. Über die Erkenntnis, dass Improvisation und Bauchgefühl für meine Arbeit als Lehrer lange Zeit hilfreich waren – dass sie mir Probleme in meiner derzeitigen Position machen. Über das Problem Privatleben und Arbeit voneinander zu trennen, was immer schwerer geworden ist – manchmal habe ich das Gefühl, ich habe den Versuch zu trennen schon aufgegeben. Über das Fehlen von guten Unterrichtsideen im Alltag. Über das Abwiegeln der eigenen Belastung mit immer demselben „aber andere arbeiten auch sehr viel und schaffen mehr.“

Ich merke.

Auf der einen Seite sehe, lese und höre von vielen guten Ideen und Projekten, für den Unterricht, die Schulleitung, Schule insgesamt. Und alles klingt spannend, manches witzig, vieles interessant. Und ich kann nicht mal einen Bruchteil davon umsetzen. Projekte in der Schule sind oftmals sehr schwer in Gang zu halten, selbst wenn ich mit wirklich guten und engagierten Kollegen zusammenarbeite (diese berichten mir ähnliche Erfahrungen). Manchmal sind Schüler schwer in einem Termin zusammenzufassen. Manchmal hat man selbst arbeitsintensive Phasen und muss sich selbst antreiben. Manchmal frustrieren schulische Verwaltungswege, die lang und ermüdend sind. Dann sind Ferien. Und Prüfungen. Und dann über solche Phasen die Spannung zu halten, ist wirklich schwierig.

Und dann habe ich noch nicht einmal unterrichtet oder in meinem Büro gesessen und Vertretungspläne usw. gemacht.

Und dann kommen eben die ganzen Projekte, die ich für mich machen möchte. Die mir Spaß machen. Ich rede halt auch gern über die Sachen, die ich so mache. Und merke, dass die mich auch anstrengen.

Dann erkälte ich mich.

Kurzum.

  1. Ich habe einige meiner Projekte gestrichen, bzw. vertagt und
  2. versuche mich auf zwei oder drei zu konzentrieren.
  3. Ich nehme erstmal keine externen Termine mehr an.
  4. Ich habe zwei Karten für Dockville 2014 bestellt.
  5. Ich mache kurze Listen.

Epilog I.

Ich denke über Coaching nach, nicht über schulnahe Coaches.

Epilog II.

Mich erreichte heute eine Email. Sie endet mit:

„Abschließend:
Danke für die Mühe die Sie sich damals gemacht haben um einen Schüler außerhalb des Unterrichts ein bisschen zu fördern,
manchmal sind es genau diese kleinen Dinge die ein Leben in eine bestimmte Richtung drehen und genau dafür werde ich Ihnen immer dankbar sein!“

Ich bekomme solche Nachrichten nicht so oft.

Zum Glück aber zum richtigen Zeitpunkt.

4 Antworten auf „5 Minuten Schulleitung – Bremsen, Atmen“

  1. 1. Wie heißt ein alter Bestseller so schön: Ich bin okay, du bist okay. Okay reicht nämlich, mehr als okay muss gar nicht sein.

    2. Ich glaube wenig an innerre Defizite.

    3. Tolle Projekte macht man, um sich nicht zu langweilen. Nachhaltig sind sie in der Regel eh nicht.

      1. Gute Frage, ich hatte tatsächlich die Lehrerperspektive. Die Punkte 1 und 2 bleiben aber unverändert.

        (Nebenbei: So viel ich an den Schulleitungen auszusetzen habe, die ich näher kenne, und was ich als örtlicher Personalrat auch vorbringe – so sehr fürchte ich, dass die eher noch gut über dem Durchschnitt sind.)

        Punkt 3 muss ich dann aber relativieren: Als Schulleitung hat man die Möglichkeit, etwas dauerhaft zu ändern. Leicht ist das sicher nicht. Und wenn andere Schulleitungen ihre tollen Projekte vorstellen, sollte man immer das Kollegium dazu befragen können.

        1. Bei 3 gebe ich dir sicherlich recht, in Maßen, denn dadurch können sich Projekte noch mehr verzögern oder schwieriger gestalten. Aber da gilt es wahrscheinlich wie bei allem anderen abzuwägen.
          1 muss ich mal näher betrachten.
          Ich merke, in dem Maße, in dem ich gesunde, kehrt auch ein gewisses inneres Gleichgewicht wieder.

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