5 Minuten Schulleitung – Metaphern

Position im Schuljahr:

  • mitten in der Abschlussprüfungzeit (zwischen dritter und vierter Konferenz, von vier Konferenzen)
  • kurz vor Notenschluss der restlichen Jahrgangsstufen
  • Endphase der Vorbereitung der 10-Jahres-Feier
  • und noch drei Wochen bis zu den Ferien

Letztes Jahr durfte ich ja zum ersten Mal die Abschlussprüfungskonferenzen allein vornehmen, jedenfalls die ersten drei. Dieses Jahr habe ich darum gebeten, es noch einmal zu übernehmen, um weiter zu lernen und routinierter zu werden.

Unterm Strich: Ich mache nicht weniger Fehler, sondern andere. Und ja, ich weiß, jeder macht Fehler. Aber mir fallen meine Fehler ein, wenn ich abends im Bett liege oder morgens, kurz vor dem Aufwachen. Und dann will mir schier der Kopf platzen.

Es ist krass – manchmal weiß ich den ganzen Vormittag den Vertretungsplan auswendig, den ich morgens gemacht habe. Und wenn ein mir unbekannter Schüler einer Klasse, die ich nicht unterrichte, fragt, in welchem Raum er jetzt Vertretung hat und ich es ihm ohne zu Zögern sage, dann ist das der helle Wahnsinn.

Wenn ich andrerseits am Tag vor der Konferenz ein Formular neu entwerfe und optimiere, es dann kopiere für die Konferenz und dann in der Konferenz bei der Begrüßung bemerke, dass ich das Formular mit einem anderen verwechselt habe, unterbreche, losgehe und das andere Formular in seiner alten Fassung ausdrucke, neu kopiere, austeile – und mir dann abends im Bett einfällt, dass ich wahrscheinlich vergessen habe, das korrekte Datum aufzudrucken – ja dann…

Ich versuche einiges. Die Tür von meinem Büro zu schließen, klappt gut. Dann bin ich wirklich allein und kann konzentriert arbeiten. Das Problem ist, dass eine Wand meines Büros das Archiv aller Leistungskontrollen ist, d.h. da müssen immer mal wieder Kollegen ran. Die kommen zwar still rein, und bewegen sich ohne zu reden – aber sie sind halt da.

Einer Kollegin/Freundin habe ich erklärt, dass ich mich grad so fühle, als wenn ich an einem leeren Tisch säße und jemand würde einen Sack Murmeln auf diesem ausleeren. Mein Auftrag wäre es, mit meinen Armen und Händen alle Kugeln am Herunterfallen zu hindern.

Was wiederum dazu führt, dass ich fast ununterbrochen mit einem schlechten Gewissen herumlaufe oder der Angst, irgendwas vergessen zu haben. Letzteres ist nahezu immer wahr.

Die wirklich einzig entlastenden Stunden, in denen mein Kopf nahezu frei von diesen Gedanken ist, finden auf dem Golfplatz statt. Und ich müsste morgen meiner Frau danken, dass sie mir vor fast zehn Jahren einen Gutschein für einen Schnupperkurs geschenkt hat. (Aber Schatz, du wirst dieses Posting ohnehin morgen schon gelesen haben über den Twitterlink – Danke.) Mein Golfspiel ist, überraschend genug, derzeit exorbitant gut.

Ich habe schon immer Referendaren und Junglehrern empfohlen, sich Hobbys zu suchen, bzw. ihre Hobbys in der Ausbildung und am Anfang im Beruf nicht aufzugeben, um keinen Preis. Das ist auch auszudehen auf den Einstieg in Funktionsstellen.

Wenn mir jetzt nur jemand einen Tipp geben könnte, wie ich weniger vergesslich sein kann.

Das ist eine ernsthafte Frage an die Leser.

PS: Wenn jemand bis hierhin das Gejammer gelesen hat, dann kann ich auch weiter fragen. Derzeit teste ich das Stundenplanprogramm „Turboplaner“ von Haneke.de. Wir haben an der Schule das Programm von „Klinger“, also ABC-Soft, welches ich nicht so gern mag. Ich kenne sonst noch WILLI, was mich derzeit überfordert. Und Untis, was sehr teuer ist.

Meine Fragen wären a) Lohnt es sich, beim Turboplaner über die Anfangsschwierigkeiten (Ich habe grad Probleme mit den Räumen/Raumplanung) hinaus am Ball zu bleiben? und b) Welche Programme sind noch zu empfehlen? Womit arbeitet ihr?

12 Antworten auf „5 Minuten Schulleitung – Metaphern“

  1. Brrrrr. Haneke-Software. Wir haben deren Schulverwaltungsprogramm Hera – es wirkt wie ein Dinosaurier aus DOSZeiten: Überfrachtet mit Buttons, nützliche Funktionen fehlen oder dauern ihm Netzwerkbetrieb und der Support ist… nun ja… antiquiert.

    Das sagt jetzt – vom Support abgesehen, wenig über den Turbo-Planer aus, doch ich kenne zwei Schulen, die vom TP zu Untis gewechselt sind und sich zurückblickend fragen, warum sie den Wechsel nicht früher vorgenommen haben.

    Ja, Untis ist teuer. Aber Qualität hat ihren Preis.

    1. Dasselbe Gefühl hatte ich eben bei Haneke auch. Der „Klinger“ ist da noch steinzeitlicher, wenn ich manchmal einzelne Dateien quasi händisch optimiere, damit es schneller geht. Erinnert mich an die Zeit von Linux, wo man seine Druckertreiber selbst coden musste.
      Vielleicht besorge ich mir eine Demoversion von untis.

  2. Zum Stundenplan-Programm kann ich nichts sagen. Aber ich „spiele“ ja derzeit Chef … und kann all das unterschreiben, was du oben schreibst.

    Markus

    1. Ich habe einiges installiert gehabt, aber immer wieder gemerkt, dass ich mir vorab erstmal angewöhnen muss, alles wirklich aufzuschreiben und/oder dann auch regelmäßig anzuschauen.
      Ich mache aber ab heute einen enuen Versuch – mit Omnifocus. (Und ja, in GTD will ich mich auch mal einarbeiten)
      Das Problem dabei wird sein, dass es viel um Sachen geht, die so zwischen tür und Angel abgesprochen werden. Ich bin im Lehrerzimmer und ein Kollege spricht mich an, ich will in mein Büro, um das umzusetzen – auf dem Weg dorthin sprechen mich zwei andere an. Wenn ich im Büro bin, habe ich es vergessen. viele Sachen sind so klein, dass ich NOCH denke, ich brauche sie nicht aufzuschreiben und dann sind sie eben so klein, dass ich sie garantiert vergesse. Ich finds aber auch blöd, alles aufzuschreiben – komme mir dann vor wie der Oberkellner, der jede Bestellung notiert.
      Aber vielleicht sollte ich da über meinen Schatten springen.

  3. >Ich finds aber auch blöd, alles aufzuschreiben – komme mir dann vor wie der Oberkellner, der jede Bestellung notiert.

    Selbst ich schreibe *alles* auf Zettelchen, obwohl ich mir sicher weniger zu merken habe als du.
    Und ich sage den Direktoratsmitarbeitern (meist den Vertretungsplanern) so gut wie nie etwas mündlich, sondern schreibe es selbst auf einen Zettel und drücke den denen dann in die Hand. Weil: Einer muss es sich ja eh aufschreiben, die oder ich, und dann kann es doch gleich ich sein, da ich ja meist etwas will.

    1. Ich fordere mittlerweile auch alles schriftlich, alternativ per Mail, so dass ich es eventuell in meine digitalen Hilfen einspeisen kann. Bestimmte Sachen laufen ohnehin über Formulare, was ich grad auch zu optimieren versuche. Wollte aber diesen Schriftkram nicht überbetonen – muss wohl umdenken.
      Überlege auch grad an meiner Bürotür eine Vorrichtung anzubringen, mit der (schriftliche) Kommunikation möglich ist, wenn ich nicht da bin. Hab da ein Vorbild am Gymnasium gegenüber, deren Bürotür ich noch mal ansehen muss.
      Ich bin einfach schlecht in solchen Sachen – für mich hats immer gereicht. Und wenn ich da was vergessen habe, wars locker auszubügeln – ist jetzt natürlich was anderes.

  4. aSc Timetables
    Sehr zu empfehlen: intuitiv, leistungsstark und preiswert
    (Sind allerdings aufgrund unseres Systems jetzt zu Untis gewechselt)

    1. Danke. 🙂 Ich habe es mir heruntergeladen. Allein die Tatsache, dass die Demoversion nicht eingeschränkt ist in seiner Funkktionalität, scheint mir sehr freundlich. Leider fehlt, oder ich habs nicht gesehen, eine Importmöglichkeit für die Daten des neuen Schulverwaltungsprogramms in bayern (ASV). ABer wenn ich es recht erkenne, kann ich die alten WinLD Dateien per Hand so ändern, dass es sie schluckt. Mal sehen.

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