5 Minuten Schulleitung – Fortbildungen

Nachdem ich mich vier Jahre gewehrt habe, an Führungsfortbildungen teilzunehmen, orientiere ich mich grad um. Die Gründe dafür waren unterschiedlich. Zum einen vermutete ich in solchen Veranstaltungen stromlinienförmigere Beamte als mich – vielleicht wollte ich das auch nur glauben und mich stilisieren – zum anderen dachte ich mir frech: Höher hinaus will ich eh nicht und bis hier bin ich ohne Führungsfortbildung gekommen – so what?!?

Dass ich nun anders denke, liegt eventuell daran, dass ich mir einfach eingestehen muss, dass ich bestimme Dinge lernen muss in meiner Position und für sie. Da komme ich nicht drumherum. Klingt spießig, ist es auch – who cares?!?

Schulleitung lesen

In den vergangenen Jahren seit 2009 (Bestellung zum Zweiten Konrektor) habe ich mir verschiedene Literatur angeschafft und immer wieder interessante Erkenntnisse gewonnen.

Zum einen zwei Veröffentlichungen des Raabe-Verlags:

  • Stellvertretung werden – Stellvertretung sein
  • Mein Stellvertreter – Das unbekannte Wesen

Beides bezieht sich, wenn ich es recht verstanden habe, auf die professionalisierte Ausbildung von Führungskräften in Niedersachen. Vor allem erstes bietet Raum für eigene Reflexionen und neue Perspektiven. Es nimmt die Widersprüche des Amtes und des Systems in den Blick und bringt mir ein Vokabular, mit dem ich bestimmte Erfahrungen, die ich schon gemacht habe, in Worte und dann eben auch in Gedanken fassen kann. Mir geht es oft so, dass ich über Dinge grüble, ohne sie wirklich packen zu können und erst wenn ich ein Wort oder eine Phrase dafür gefunden habe, kann ich das vorher  Unbekannte irgendwie am Schopf packen und einordnen.

Beispiele dafür

  • „Nesthocker und Nestflüchtlinge“ – Im Buch passt wohl der Begriff Nesthocker am besten auf mich, also diejenigen, die in der eigene Schule, wo sie schon Kollegen waren, aufsteigen. In Abgrenzung zum Nestflüchter werden hier Vor- und Nachteile des jeweiligen Modells beschrieben.
  • „Alleinsein in Führungspositionen“ – Benutze ich in meinem Denken ohne Bezug zum Inhalt des Buches. Für mich steht das für die Situation, in denen ich Entscheidungen treffe, die nicht nur mich und meinen Schulalltag betreffen, sondern eben das ganze Kollegium mit oder sogar die gesamte Schule. Hier geht es um Erwartungsdruck von sich und anderen.
  • Ambiguitätstoleranz – Mein neues Lieblingswort. Beschreibt  in dem Buch die Toleranz gegenüber den Widersprüchen und Dilemmata des Amtes bzw. des Systems. Die Fähigkeit, diese nicht an sich herankommen zu lassen und – so deute ich es auch – ohne grundlegende Zweifel am Gesamstystem aufkommen zu lassen.

Zum anderen aus dem Carl Link und Luchterhand Verlag

  • Neu in der Schulleitung von Helmut Lungershausen; Eigentlich eine Handreichung für Schulleiter, aber nicht ganz uninteressant.
  • Praxiswissen Schulleitung aus dem Luchterhand Verlag; Eine Reihe,die alle Bereiche der Schulleitung abdeckt, von der Kommunikation über Führungshandeln über Zeitmanagement, Schulentwicklung bis hin zu Networking, Selbsteinschätzung und Rechtsfragen.

Schulleitung lernen

In Bayern ist seit 2006 per KMS ein System von Fortbildungen vorgeschrieben für den Fall, dass man in die /der Schulleitung aufsteigen möchte. In einem Portfolio soll der Besuch bestimmter Module eines Curriculums nachgewiesen werden, wenn man sich auf Führungspositionen bewirbt. Gültig sei es ab 2008 gewesen, die erste Vorlage soll ab 2009 vorgeschrieben worden sein. Ich habe nicht einmal 2012 einen Nachweis vorweisen können. Vielleicht bin ich einfach so gut. Keine Ahnung.

Die Module der Fortbildungen sind vorgeschrieben und festgelegt.

module

 

Und wie gesagt: Ich fange jetzt an, die Dinger abzuarbeiten. Erster Teil: Kommunikation. Ist wichtig, klingt auch bekannt aus dem entfernten Studium. Und viel kommt bekannt vor, aber es besteht doch ein Unterschied zwischen „bekannt“ und „erleben und erdulden und positiv anwenden“.

Interessanterweise läuft dieses Modul zur Hälfte aus einem Online-Seminar über drei Wochen (ab dem 1.12.). Hier werden Skripte abgearbeitet und über Moodle mit den anderen 18 Teilnehmern diese Skripte diskutiert. Dazu kommt Ende Januar ein Präsenz-Seminar in Dillingen über drei Tage, in denen alle Teilnehmer zusammenkommen und … nun … keine Ahnung, wahrscheinlich das Ganze noch einmal vertiefen.

Die vorbereitenden Module A1 und A2 werde ich wohl auslassen. Stattdessen interessieren mich  Dinge wie „Führung“, „Schulverwaltung und Schulorganisation“, „Zeit und Selbstmanagement“.

Coaching

Mein Chef erzählt immer gern von seinen Runden des Kollegialen Coachings. Hier trafen sich neu ernannte Schulleiter anfangs zusammen mit einem professionellen Coach, der den Teilnehmern beibrachte, wie man effektiv und zielorientiert solche Coachingrunden organisiert, bei denen man sich gegenseitig über Erlebnisse, Erfahrungen und Probleme in seinem Alltag als Schulleiter berät. Nach einigen Runden kamen sie dann ohne diesen Coach aus und bis heute finden diese Treffen regelmäßig statt.

So wie er berichtet, ist dies eine wirklich spannende und interessante Geschichte.

Für die unteren Ränge stand so etwas auch seit einigen Jahren im Raum und dieses Jahr scheint es ernst zu werden. Erste Einladungen habe ich bekommen – und abgelehnt. Dies hat zwei einfache Gründe: Ich konnte mir die Teilnehmer nicht aussuchen, ebensowenig hatte ich ein Mitspracherecht beim Coach.

Kommunikation

Wollen Sie mal wissen, warum Kommunikation meine erste Fortbildung ist? Dann stellen Sie sich mal folgende Szene vor.

Lehrerzimmer, Musiklehrer geht herum und teilt die Notenblätter aus, die für die Probe des Lehrer-Weihnachtssingens gedacht sind, die am selben Nachmittag stattfindet. Der Musiklehrer bittet, dass möglichst viele kommen. Eine neue Kollegin meint, sie könne nicht, weil sie noch Nacharbeiter am Nachmittag habe (=Schüler, die zur „Strafe“ nachsitzen müssen). Im Gehen äußerte ich spontan in die Runde: „Nehmen sie diese doch mit zum Singen. Das ist dann wohl Strafe genug, wenn die zuhören müssen.“

Ehrlich – Wollen Sie an einer Schule arbeiten mit einem derartig kommunikativen Konrektor?

Wer glaubt da nicht, dass ich noch viel lernen muss?

2 Antworten auf „5 Minuten Schulleitung – Fortbildungen“

  1. Ich hab eine ganze Menge von diesen Fortbildungen schon gemacht – bring gute Nerven mit…

    Was wirklich toll ist: eine kollegiale Fallberatungsgruppe mit netten Leuten.

    1. Das versuche ich, danke.

      Das mit den kollegialen Coaching finde ich wie gesagt prinzipiell in Ordnung. Aber die Gruppe muss stimmen. Da sehe ich noch das Problem. Es gibt ein paar Konnis, mit denen ich mich zwei Mal im Jahr treffe, aber das ist eher informell und ohne Coaching. Eher ergänzender Informationsaustausch, gegenseitiges auf die Schulterklopfen. Das passt schon auch.
      Schreib mir mal, wie du zu deiner Gruppe gekommen bist, wenn du magst.

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