5 Minuten Schulleitung: Schule hat ’ne Scheiß-PR

Allein diese Überschrift hängt mir schon seit Jahren im Hinterkopf. Angefangen hat das, als mir mal ein Schüler so nebenbei sagte: „Ja, Herr K., unsere Schule hat ja einen total schlechten Ruf.“ Als ich verdutzt nachfragte, was denn so schlecht sei, meinte dieser: „Na hier ist es auf jedem Schulfest so streng: man darf nicht rauchen, es gibt keinen Alkohol. Und überhaupt sind alle Lehrer so streng bei Hausaufgaben und so. Das spricht sich rum.“

Ein paar Jahre später bekamen wir einen Schüler neu und kurzfristig an die Schule. Er wurde aufgenommen unter ganz bestimmten Bedingungen und genau festgelegten Regeln. Nach drei Tagen hat er diese bewusst übertreten und wurde der Schule verwiesen. Am Ende des Jahres kam ich mit einem Schüler ins Gespräch, der mir erzählte, dass er das Gefühl hätte, unsere Schule sei rassistisch. Zu dieser Erkenntnis sei er gekommen, weil wir am Anfang des Jahres ja „den Türken“ von der Schule geworfen hätten, einfach weil er Türke war. Das wisse „ja jeder“.

Nichts von dem und allem, was ich noch erzählen könnte, ist wirklich böse gemeint gewesen. Aber ich habe mich jedes Mal geärgert, dass es für ein Schule nicht möglich ist, solche Dinge richtig zu stellen. Logischerweise nicht. Denn wir können natürlich nicht mit internen Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Und so hängen uns Gerüchte ewig nach und über Umwege finden sie wieder zu uns zurück.

Das Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz kennt Erziehung- und Ordnungsmaßnahmen – ganz schön aufgeführt in einer Info des BLLV (Hier mit einem besonderen Hinweis auf Seite 2 unten, weil ich oft sehr erhitzte Diskussionen verfolgen musste um die Frage, ob man Schüler vor die Tür setzen darf oder nicht). Entsprechend gibt es die Möglichkeit, einen Schüler von der Schule zu verweisen. Oft kommt es vor, dass es nach Verhängung auch dieser Maßnahme zu Aussagen kommt, wie „Ich habe nur x, y gemacht und deswegen bin ich geflogen“.

Nicht erwähnt wird in solchen Fällen, dass in der Regel in den Wochen vorab schon Gespräche stattgefunden haben, mit dem Schüler, mit den Eltern, dass Fachleute eventuell herangezogen wurden, dass Klassenlehrer, Verbindungslehrer, Vertrauenslehrer, Beratungslehrer, Schulleitung involviert waren und nach Lösungen gesucht haben. Dass es vorab schon Erziehungsmaßnahmen gab und dass am Ende eben x,y das Fass zum Überlaufen brachte.

Nicht erwähnt wird auch, dass auch nach dem Aussprechen der Entlassung die Arbeit im Hintergrund weiter geht. In der Regel setzt sich die Schulleitung mit der nächstgelegenen Schule in Verbindung und versucht einen neuen Platz zu finden, um einen Neuanfang zu gewährleisten. In der Regel bleibt man auch weiterhin in Kontakt. Und in Einzelfällen nehmen sich einzelne Lehrer am Nachmittag Zeit, um Schülern weiter unter die Arme zu greifen.

Und ja natürlich machen wir uns eine solche Entscheidung nicht leicht. Und ja natürlich sehen wir das in der Regel auch als Niederlage für unsere pädagogischen Möglichkeiten oder zumindestens als Grenze. Als Scheitern auch immer ein wenig.

Aber all das wandert als Gerücht eher nicht herum. Und in den Jahresbericht kommt es auch nicht.

Und schlimmer noch: Der eigene Arbeitgeber nimmt das nicht wahr. Es gilt wohl als „im Preis inbegriffen“.

Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

3 Antworten auf „5 Minuten Schulleitung: Schule hat ’ne Scheiß-PR“

  1. Ich habe mich kurz angesprochen gefühlt, bei deinem Satz „Herr K …“ 😉
    Man kann die „internen Fälle“ zwar nicht an die große Glocke hängen, kann aber zumindest immer versuchen, jedes kleinste bisschen Gutes hervorzuheben. Aber ob das immer hilft?

    Ist halt wie im normalen Leben auch – kleine Unstimmigkeiten werden ausgewalzt, gute Sachen werden als „normal“ hingenommen.

    Markus

    1. Ja, man kann es versuchen – ich habe dafür ja auch „Kanäle“. Aber es bleibt halt immer was hängen.

      Achso, und es gibt mehr als einen – Herrn K. 🙂 – oder: Es kann nur einen geben?!

  2. Bei manchen Sachen kann man gegensteuern („Nein, der Schulneubau ist nicht extra so gestaltet worden, dass es keinen Handyempfang gibt“), bei vielen anderen muss man leider die Klappe halten. Bei uns ist das im Moment besonders akut wegen eines Zeitungsartikels und Kommentaren dazu.

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