18 Jahre Schulleiter: Rhythmus-Veränderungen

Weihnachten ist erreicht – nach bayerischer Ferienzeit-Messung ist das immer eine große Hürde. Ich erreiche diese Ferien in der Regel mit einer Erkältung, die aber dieses Jahr eher diffus bleibt und sich nur in großer Müdigkeit zeigt.

Erst vor einigen Wochen habe ich für mich entdeckt, dass neben vielen kleinen Veränderungen mir vor allem auffällt, dass sich mein Schuljahresrhythmus verändert seitdem ich Schulleiter bin. War er vorher – also mit mehr Unterricht – noch geprägt von den Abfolgen eines Lehrers mit Schulaufgaben, also der Notengebung insgesamt, damit in Zusammenhang mit Elternsprechtagen und Zeugniskonferenzen, so bestimmen nun andere Eckpunkte meinen Rhythmus:

  • Lehrerkonferenzen
  • Sitzungen von Gremien: Elternbeirat, Schulforum, Schulentwicklung
  • Verlautbarungen und Anweisungen aus dem KM
  • Wochenbriefings mit den Kollegen
  • Dailys innerhalb der Schulleitung (= tägliche Treffen in einem Büro, morgens vor dem Unterricht, zwanglos, Austausch von Tages-Informationen)

Bald steigen wir ein in den Ablaufplan zur Abschlussprüfung, dann kommt schon das Halbjahreszeugnis und leider kündigen sich die ersten Disziplinarausschüsse an. Dazu kommen Treffen mit externen Partnern, bzw. solchen, die man dazu machen möchte (Grundschulen, Firmenvertretern). Sitzungen mit allen Beteiligten rund um das Schulhaus. Sitzungen mit der FOS als zweite Schulart innerhalb des Gebäudes. Und dazu die Fortbildungen für neu ernannte Schulleiter in Dillingen.

Sonstige Änderungen:

  • Es wird jetzt wirklich, echt schlagartig ruhig, wenn ich ein Klassenzimmer betrete, das Lehrerzimmer kann sich noch nicht immer entscheiden, wie ruhig es wird, wenn ich komme
  • Schüler erkundigen sich besorgt bei Ihrem Lehrer, was ich denn wolle, wenn ich einen Unterrichtsbesuche mache und glauben, ich höre sie hinten nicht
  • Kollegen werden noch starrer, wenn ich sie im Lehrerzimmer bitte, zu mir ins Büro zu kommen (ich gehe jetzt dazu über, Zettel zu hinterlegen, auf denen ich notiere, dass ich eine Rücksprache wünsche) – ich führe Gespräche einfach lieber in meinem Büro als im Lehrerzimmer, wo doch viele zuhören
  • Ich gebe Aufgaben ab – manchmal erst nachdem ich tagelang ein schlechtes Gewissen mit mir herumschleppte, dass ich mit der Sache noch nichts angefangen habe, bis ich dann merke: Hey, das war meine Aufgabe als Konrektor, also gebe ich sie doch auch dem Konrektor, dem einen oder dem anderen
  • Wir haben eine Lehrerband (erster Auftritt war schon an meiner Amtseinführung, zweiter jetzt an Weihnachten in der Aula) und ich darf den Bass spielen (wer widerspricht mir schon?)

Als wesentliche Baustellen habe ich / haben wir in der Schulleitung u.a. festgestellt, dass wir Abläufe in der Schule nicht nur bestimmen, sondern auch fixiern müssen, um sie transparent zu machen und so zu vermitteln, dass jeder weiß, wann er was zu tun hat. In eingesesssenen Kollegien läuft das in der Regel, mehr oder minder, manchmal auch parallel zu dem wie es eigentlich sein soll. Bei uns gibt es manchmal Reibungsverluste, die wir beheben wollen. Diese Reibungsverluste entstehen z.B., wenn das Kollegium einen großen Wandel erlebt (hier wurde 25% gerade ausgetauscht bzw. aufgesattelt), wenn die Schule noch relativ jung (Wir: 6 Jahre), wenn es altersmäßig recht homogen ist oder man insgesamt größere Veränderungen in den Jahren durchmacht (starkes Wachstum von Schülerzahlen, Umzüge, Wechsel der Schulleitungen.)

Interessant für uns und mich als Schulleiter ist es, dass es ja viele Vorschriften gibt (Schulordungnen, Verwaltungsvorschriften usw.), dass aber jede Schule diese Vorgaben durchaus unterschiedlich auslegt, interpretiert bzw. in unterschiedliche Verfahrensprozesse überführt. Natürlich sind Rechtsvorschriften einzuhalten, daran besteht kein Zweifel, aber selbst diese sind manchmal, wohl auch absichtlich, offener formuliert, so dass es vor Ort durchaus möglich ist, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Bei Gelegenheit versuche das hier mal einem Beispiel zu erläutern. Bin grad unsicher, wie weit ich hier grad meinen Kopf aus dem Fenster stecke.

Final zu erwähnen ist, dass gerade das Ende des aktuellen Beurteilungszeitraums eingeläutet wird. Das heißt ich sitze an der Erstellung der dienstlichen Beurteilungen für den Zeitraum 2015-2018. Und damit sind meine Weihnachtsferien eigentlich auch schon umfassend erklärt.

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