#wasmachteigentlichderchef 2021-11-01

U-Bahn, weil Regen. Auf dem Rückweg zu Fuß gegangen, also etwas mehr als 3km, nichts Weltbewegendes, wollte aber Zeit an der frischen Luft, um über folgendes Posting nachzudenken. Es wird ein Wütendes sein. Normal versuche ich solche Postings ein paar Tage zu lagern, bis sie emotional entschärft sind. Aber ich will das nicht mit in die Ferien nehmen.

Also bitte: Es könnte sein, dass ich Ihre Gefühle verletzen werden, den guten Geschmack oder die Regeln eines erwachsenen Gedankenaustausches. Kann sein, dass es mir später auch wehtut. Kann sein, dass es durcheinander ist.


Erledigte Aufgaben

  • Schreibtisch in Ordnung bringen
  • Post von Freitag in Aufgabenliste überführen, digital und real
  • Ablage überblicken
  • bisschen ausgehende Post machen

Außerdem kam ein Pfadfinder des Stammes, für den ich Material im Schulkeller aufbewahre. Sie haben ein neues Lager gefunden und wollen dort renovieren. Dazu benötigten Sie Dinge aus meinem Keller.


Ich wollte eigentlich mehr Zeit in der Schule verbringen, im Büro, am Schreibtisch in Ruhe, weil Feiertag. Leider hatte ich aber dann wieder mehr mit der Polizei zu tun. Man hatte nämlich versucht an mehreren Stellen mit Brandbeschleuniger in meine Schule zu kommen oder wollte einfach nur Schaden anrichten.

Natürlich bin ich wütend auf diese Idioten, auf so vielerlei Art und Weise. Aber das ist nicht der Kern.


Gründe es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 02/10: Sie verarschen dich. (Ursprungstitel: Das Telefon als Brecheisen)

In den vergangenen Monaten kommt es vermehrt zu Vandalismus an meinem Schulgebäude und auf dem Gelände. Darunter ist von Graffiti bis Brandstiftung alles vertreten. Der Begriff Brennpunktschule erhält damit einen ganz seltsamen Beigeschmack.

Überraschend für mich ist dabei, dass die einzigen, die Verständnis für meinen Unmut haben, die Polizisten sind, die meine Anzeigen aufnehmen.

Innerhalb Nürnbergs sind wir nicht die einzigen, die damit zu tun haben. Andere Schulleiter berichten mir von regelmäßigen Grillpartys auf dem Schulgelände, Einbrüchen, Müllablagerungen – einer der letzten Geschichten drehte sich um LKWS, die am Wochenende auf dem Schulgelände abgestellt wurden, wenn der entsprechende Kollege Feierabend hat und zuhause war. Dies wurde dann untersagt, weil der Boden/die Pflasterung dafür nicht vorgesehen war und Schaden nahm – sehr bezeichnend übrigens, dass es erst dann untersagt wurde, vorher schien das kein Problem zu sein. Neulich war ich nachts in der Südstadt unterwegs, einem Stadtteil, den ich sehr gern mag. Dabei ging ich an einer Mittelschule vorbei und in der Dunkelheit konnte ich hören, dass auf dem Pausenhof die Post abging.

Wenn ich aber, wie in den vergangenen Monaten, immer wieder anmahne, dass man etwas dagegen unternehmen sollte, höre ich sehr oft, dass es einen Stadtratsbeschluss gäbe, der alle Pausenhöfe, ja die Schulgelände allgemein, zu Spielhöfen erkläre. Nürnberg als kinderfreundliche Stadt eben. Daher könne man die Gelände nicht einzäunen, dürfe man keine Mauern ziehen.

Der Beschluss stammt, wenn ich diesen Artikel richtig deute, von 1955. Mehr finde ich dazu im Internet nicht.

Die Zaunbegehung von letzter Woche hatte auch dies zum Inhalt. Es ging dabei um eine teilweise Einzäunung des Schulgeländes, um wenigstens eine optische Barriere zu schaffen und den Zugang zu den uneinsehbaren Teilen des Geländes zu erschweren. Mit zwei Hauptargumenten dagegen sahen wir uns konfrontiert: Geld und „der Stadtratsbeschluss“.

Bis hierhin reicht meine Vernunft noch, wenngleich ich dem Totschlagargument „Stadtratsbeschluss“ nicht nur in diesem Zusammenhang begegne. Wobei ich schon Probleme damit habe, dass man Beschlüsse von 1955 nicht irgendwann mal überprüft oder nachbessert. Aber nun – ich sprach gestern von stabilen Verhältnissen in Bayern.

Die einzige Maßnahme, die man also durchgeführt hat in der Vergangenheit, war es, Schilder aufzuhängen, die vor einer Videoüberwachung warnen. Das ist allemal billiger als wirklich Kameras aufzuhängen.

Verdammt, jetzt habe ich es verraten.

Wo es dann aber bei mir aussteigt, ist der Zeitpunkt, zu dem mein Gegenüber mir sagt, dass ich mich damit abfinden muss, weil man da halt nichts machen kann. Verbales Schulterzucken.

Also noch mal zum Mitdenken:

Da lässt also eine Stadt ein Schulgebäude bauen für etwa 66 Millionen Euro. Und wenn da Leute kommen und es anzünden wollen, bin ich als Schulleiter dazu aufgerufen, es hinzunehmen.

Mir sind Probleme einer verschuldeten Kommune durchaus bewusst, ebenso halte ich demokratische befasste Beschlüsse für bindend, auch wenn sie mir persönlich Nachteile bringen. Dass man aber öffentliche Investitionen derart vernachlässigt, will mir nicht in den Kopf.

Ja, sie verarschen mich und das nicht erst seit letzter Woche.

Kurzes Luftholen.

Was ich tun werde:

Ich schreibe „an den Stadtrat“, die Parteien, den Bürgermeister, wo man halt so hinschreibt. Ich habe da so Email-Verteiler, die ich manchmal/selten bediene.

Aber.

Leider weiß ich, dass die Verarsche dann weitergeht. Als Antwort auf meine Briefe werden nämlich Leute bei mir anrufen. Diese stehlen mir dann die Zeit damit, dass sie wortreich erklären, was ich oben schon geschrieben habe. In wiederholt denselben Worten, je nach dem, auf welche Sprachregelung man sich im entsprechendem Amt geeinigt hat.

Am Ende solcher Gespräche habe ich das Gefühl, dass meine Lebenszeit verschwendet wurde, denn es kommt nichts dabei raus. Nichts. Nie.

Ich nehme daher auch bei bestimmten Nummern im Display meines Telefons nicht mehr ab.

Sie mögen mir den Vorwurf machen, dass man nicht mit mir reden kann. Ich kann Ihnen dann gern die Email weiterschicken, die nicht an mich gerichtet war, sondern in der ich Thema war – leider hatte der entsprechende Mitarbeiter der Stadt auf „Allen Antworten“ geklickt.

Ich telefoniere ungern, sowieso schon. Habe gemerkt, dass Leute in meinem Bereich gern telefonieren, wenn sie nicht arbeiten wollen. Oder sie telefonieren, um sich zu rechtfertigen, und zwar so, dass es unverbindlich bleibt, ohne dass man sie hinterher drauf festlegen kann oder auch nur zitieren.

„Ich habe sie schnell angerufen, weil eine Email doch zu unpersönlich ist und es doch so schneller geht.“

Für mich ist ein Anruf, der so beginnt, eine Brechstange, mit der man in mein Büro einbricht. Eine Belästigung.

Bitte rufen Sie mich nicht an.

4 Antworten auf „#wasmachteigentlichderchef 2021-11-01“

  1. Wie sehr kann ich Deine Wut verstehen. Auch ich hatte immer wieder Vandalismus bis zu Einbrüchen in die Schule. Den Pausenhof als Nicht-Spielstätte für die Jugendlichen haben wir mit Hilfe der Polizei verteidigt. Es gab genügend Spielplätze und Grünflächen in unmittelbarer Umgebung.
    Die Jugendbeamten der Polizei waren große Unterstützer – bei den politischen Parteien erntete man Schelte und Unverständnis.
    Dann kam ich drauf, Schüler und Ehemalige zum Schutz des Gebäudes einzusetzen, ein verpöntes Vorhaben. Es gelang aber ganz gut, vor allem in der sog. Freinacht und an Halloween.

  2. Das ist unglaublich und deine Wut kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch bei uns im ländlichen Raum interessiert es niemanden, dass wir es nicht normal finden, wenn Menschen direkt vor der Schule den ganzen Tag vorbeilaufen auf einem Weg, der zum Schulgelände gehört (Schule sehr abgelegen, nur Spaziergänger, die auch 10m weiter auf dem Gehweg laufen könnten) und ihre Hunderln dann auf unser Pausengelände unter die Spielgeräte (vom Geld der Schüler vom Sponsorenschwimmen angeschafft) scheißen lassen. Viele Bitten doch für eine sichtbare Abgrenzung des Geländes, welches auch zunehmend Nachts als Partyplatz und zum Konsumieren von ich weiß nicht was allem genutzt wird, zu sorgen, stoßen auf taube Ohren bzw. „Kosten“, „da kann man nix machen“ … Brandstiftung hatten wir noch nicht, aber dafür Symbole jedweder Art, ausgekippte Müllcontainer etc. … aber auch wir werden nicht gehört …

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