Ein Fehler in der Matrix – für Herrn Rau und Herrn Schreiner, vom Krankenbett aus

Ich habe Herrn Rau irritiert in einer Twitter-Diskussion entdeckt und dann folgte ein Blogeintrag, nach dem er verreist ist. Es ging um den Begriff des „Bulimie-Lernens“ – Also das schnelle Anfressen von Wissen, um es bei der Prüfung auszukotzen und dann wieder schnell zu vergessen. Bzw. darum, dass man das als Fehler in der Matrix des (bayerischen) Schulsystems ansieht, was Herr Rau nicht teilt.

Ich kenne das ebensowenig wie Herr Rau aus eigener Erfahrung, rechne das aber dem zu, dass ich als Schüler nie eine bayerische Schule von innen gesehen habe – nur in Hamburg und dann in NRW. Aus dieser Perspektive und der eines Schulleiters einer bayerischen Realschule aber würde ich einige Beobachtungen hinzufügen. Nichts davon soll beweisen, dass diese Art des Lernens strukturell oder nicht ist. Ich bin auf keiner Mission. Ich erzähle nur.

Beobachtung 1: Während des Studiums Aushilfsjob im Baumarkt. Mehr als einmal musste ich mir vom Stift (Mittlere Reife) anhören, dass das Schulsystem in Bayern ja so streng und so gut sei und dass er in seiner Abschlussklasse Aufgaben gelöst hätte, die da, wo ich herkomme, im Abitur drankämen.

Ironie und Widersprüchlichkeit waren nicht sein Ding.

Beobachtung 2: Wenn ich im Referendariat (1998) an der Einsatzschule mit einem Pack Arbeitsblätter in den Geschichtsunterricht kam, wurde es im Raum stiller als ich es je hätte durch meine natürliche Autorität erreichen können. Ich habe erst nach einiger Zeit bemerkt, dass Arbeitsblätter zweierlei bedeuten in einem Alltag von bayerischen (Real)Schulen, die nicht Seminarschulen sind:

A) Er schreibt jetzt einen unangekündigten Test (Ex)

B) Er schreibt nächste Stunde einen unangekündigten Test (Ex)

Gleiches gilt für Tafelbilder: Macht der Lehrer ein Tafelbild, dann gibts

A) Eine Ex.

B) Eine Abfrage.

Das Konzept Abfrage war mir bis Bayern nahezu unbekannt.

Exkurs: Ein Lehrer aus meiner Schulzeit in NRW fragte in Englisch ab, gern mich, wenn er mich morgens auf dem Weg zur Schule rauchend gesehen hat. Das war der Lehrer, der mit 22 als Unteroffizier am Strand der Normandie gefangengenommen wurde und in der Nachkriegszeit sein Abitur und Studium nachgemacht hatte. Wir sahen ihn später im Fernsehen wieder, am Strand der Normandie, in einem Gedenkjahr, vom Krieg sprechend. Wir lachten damals, weil er dort in der Normandie beim Sprechen wie bei der Abfrage immer auf den Zehenballen wippte, die Hände gefaltet oder hinterm Rücken.

Beobachtung 3: Gern von Eltern gehört – Es gibt „Lernfächer“ und andere Fächer. Gern in folgendem Satz: Ich weiß auch nicht, warum mein Kind so schlecht in Geschichte ist – das ist doch nur ein Lernfach.

Das andere Fach ist das, wo man nicht nur lernen, sondern auch verstehen muss. (Sic!)

Beobachtung 4: Gespräche, die ich oft mitbekommen habe in den letzten Jahren, auf Gängen, zwischen SchülerInnen und LehrerInnen.

„Warum habe ich eine 3 (auf dem Zeugnis)?“

„Weil der Schnitt deiner Noten eine 2,9 ergibt.“

Ende des Gesprächs.

Exkurs 2: Es gibt im Schulrecht im Kapitel über Leistungsfeststellung im Hinblick auf das Schuljahresende und Vorrücken eine Stelle im Kommentar, die ich grad aus dem Kopf zitieren muss, weil der Kommentar in der Schule steht. Dort heißt es, dass die Feststellung einer Jahresleistung nicht allein das Ergebnis einer logarithmischen Berechnung sein darf, sondern die Lehrkraft in voller pädagogischer Verantwortung die Gesamtpersönlichkeit des Schülers mit einbeziehen muss.

Exkurs 3: Es gibt Klagen, in denen es um Noten geht. Dort wird abgefragt, ob die Notengebung unter formalen Bedingungen richtig erfolgt ist.

Exkurs 4: In der einzigen Klage, die ich bisher durchstehen musste, begründete das Gericht am Ende (ich zitiere grob) – auch auf der Basis meiner Argumentation: „dass pädagogische Entscheidungen in der Schule gerichtlich nicht abbildbar sind und das Gericht dies auch nicht anstreben kann“.

Exkurs 5: Wenn ich in NRW nach meinen Noten gefragt habe, wurde mir ausführlich erklärt, wie die zustande kamen.

Beobachtung 5: Vor mehr als 18 Jahren habe ich mal mit einer Kollegin gesprochen, wie sie ihre Noten in Deutsch mache. Antwort war: Ich schreibe in einem Schuljahr vier Schulaufgaben, in jedem Halbjahr zwei Exen und fragen jeden Schüler im Halbjahr ein Mal ab.

Das entspricht exakt der Vorgabe, die die Realschulordnung vorgibt als Mindestmaß.

Ich habe über Umwege gehört, dass die Kollegin, deutlich jünger als ich, mittlerweile ihrem Burnout nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Abschluss

Grundgedanke/Theorie: Wir arbeiten alle im gleichen bayerischen Schulsystem. Nicht.

Beobachtung 6: Vorrücken auf Probe

§ 31 (Gymnasium)

Vorrücken auf Probe

(1) 1Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9, die das Ziel der jeweiligen Jahrgangsstufe erstmals nicht erreicht haben, können mit Einverständnis ihrer Erziehungsberechtigten auf Probe vorrücken, wenn nach dem Gesamtbild aller erzielten Leistungen erwartet werden kann, dass sie im nächsten Schuljahr das Ziel der Jahrgangsstufe erreichen. 2Dies gilt für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 nur, wenn sie das Ziel der Jahrgangsstufe wegen Note 6 in einem oder Note 5 in zwei Vorrückungsfächern, darunter in Kernfächern keine schlechtere Note als einmal Note 5, nicht erreicht haben; bei Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 kommt es darauf an, ob erwartet werden kann, dass sie das Ziel des Gymnasiums erreichen. 3Die Entscheidung trifft die Lehrerkonferenz auf der Grundlage einer Empfehlung der Klassenkonferenz.

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayGSO-31

§ 26 (Realschule)

Vorrücken auf Probe

(1) Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9, die wegen Note 6 in einem oder Note 5 in zwei Vorrückungsfächern das Ziel der jeweiligen Jahrgangsstufe erstmals nicht erreicht haben, können mit Einverständnis ihrer Erziehungsberechtigten auf Probe vorrücken, wenn sie in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und in dem jeweiligen gruppenspezifischen Wahlpflichtfach nach § 35 Abs. 1 Satz 1 keine schlechtere Note als einmal Note 5 haben und die Lehrerkonferenz auf der Grundlage einer Empfehlung der Klassenkonferenz zu der Auffassung gelangt, dass nach dem Gesamtbild aller erzielten Leistungen erwartet werden kann, dass sie im nächsten Schuljahr das Ziel der Jahrgangsstufe erreichen.

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayRSO-26

=> Zum Unterschied:

Am Gymnasium ist die Entscheidung über das Vorrücken auf Probe eine überwiegend pädagogische Entscheidung in 5-9. Unabhängig davon, wieviele Fächer mit 5 oder schlechter bewertet werden.

An der Realschule ist es an Fächer gebunden und an die Anzahl der mangelhaften Fächer.

Das BayEUG (steht ja über allem)orientiert sich eher am Gymnasium:

Art. 53 (BayEUG)

(6) 1 Schülerinnen und Schülern, die die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten haben, kann in einzelnen Schularten und Jahrgangsstufen nach Maßgabe näherer Regelungen in den Schulordnungen das Vorrücken auf Probe gestattet werden; das Vorrücken kann ihnen noch gestattet werden, wenn sie sich einer Nachprüfung zu Beginn des folgenden Schuljahres erfolgreich unterzogen haben. 2Schülerinnen und Schülern, die infolge nachgewiesener erheblicher Beeinträchtigungen ohne eigenes Verschulden wegen Leistungsminderungen die Voraussetzungen zum Vorrücken nicht erfüllen (z.B. wegen Krankheit), kann das Vorrücken auf Probe gestattet werden, wenn zu erwarten ist, dass die entstandenen Lücken geschlossen werden können und das angestrebte Bildungsziel erreicht werden kann.

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG-53

Letzter Exkurs: In Coronazeiten wurde das alles zusammengeführt in einer „Allgemeinverfügung zur Änderung der Schulordnungen in Folge der Corona-Pandemie“ vom 24. Juni 2021

Änderung der Bekanntmachung über den Vollzug der Bayerischen Schulordnung (BaySchO)

Allgemeinverfügung zur Änderung der Schulordnungen in Folge der Corona-Pandemie

Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 24. Juni 2021, Az. II.1-BS4610.2/30

1.1 Nach Nr. 1.4 wird folgende Nr. 1.5 angefügt:

„1.5 1Für Schülerinnen und Schüler, für die ein Vorrücken aufgrund ihrer Leistungen nicht möglich ist, sind im Schuljahr 2020/2021 Entscheidungen über ein Vorrücken auf Probe nach Art. 53 Abs. 6 Satz 2 BayEUG zu treffen. 2Dabei wird die im Einzelfall zu Leistungsminderungen führende erhebliche Beeinträchtigung infolge der COVID-19-Pandemie in besonderem Maße gewichtet, auch hinsichtlich der Erwartung, ob die entstandenen Lücken geschlossen werden können, und der Prognose, ob das angestrebte Bildungsziel erreicht werden kann.

https://www.verkuendung-bayern.de/files/baymbl/2021/442/baymbl-2021-442.pdf

Zur Erklärung, weil ich es selbst auch falsch verstanden habe und entsprechend Entscheidungen zurücknehmen musste: Das Vorrücken auf Probe war hiermit keine Entscheidung mehr auf der Basis von Noten oder Noten in bestimmten Fächern, aber auch keine pädagogische Entscheidung mehr.

Wer es bis hier durchgehalten hat.

Völlig ohne Ironie und Sarkasmus oder väterliche Attitüde: Realschule und Gymnasien in Bayern sind unterschiedliche Schularten (ja…) und pflegen eine unterschiedliche Kultur. Daher reden die Beteiligten reden oft aneinander vorbei.

Ich ärgere mich oft im Alltag über die Gymnasien, mit denen ich zu tun habe – und wenn ich mich ärgere, ärgert sich in der Regel im Anschluss einer am Gymnasium über mich und die Realschule.

In Nürnberg gibt es zwei Schulen, an denen drei Schularten unter einem Dach sind. Ich bilde mir manchmal ein, dass da das Miteinander entspannter ist.

Und ich hoffe, dass die Realschule, die ich sehr mag, und jede andere Schule auch, die Kultur der pädagogischen Notengebung stärker kultivieren würde – und nein, wie gehabt, das heißt nicht, dass immer die bessere Note gegeben wird.

Den Faden wiederfinden

Wie schon manches Mal hier im Schreiben habe ich seit ein paar Wochen den Faden verloren. Ich glaube das lag ein wenig an einem Gespräch mit einem klugen Menschen – und ich meine das „klug“ in einem anerkennenden Sinne. Klug in dem Sinne, dass ich mich nicht dumm fand in der Gegenwart dieses Menschen, nicht zu klein, um nicht Fragen zu stellen, zu oberflächlich, um diesen klugen Menschen nicht auch zum Stutzen zu bringen.

Und das kam so.

Ich fragte den Menschen nach der Arbeit, für die er seinen Doktor bekommen hat. Überraschend hörte ich, dass es eine philosophische Arbeit war über Henri Bergson, einen französischen Philosophen. Er erklärte mir die Grundgedanken. Er erwähnte Kierkegaard, den ich immer mal verstehen wollte. Ich versuchte mit Montaigne zögerlich zu entgegnen.

Der kluge Mensch liest meinen Blog, als Kollege eben. Und er offenbarte, dass ihm die – ich erinnere nicht mehr das Wort, das er verwendete – offene / offenherzige / freimütige Art meines Schreibens nichts sei für ihn selbst. Nicht dass er es nicht schätze, aber für ihn, nein.

Ich dachte kurz nach und äußerte dann, dass ich eigentlich für mich immer eine Trennung sähe – zwischen mir, der schreibt und dem, über den ich schreibe. Also die klassische Trennung zwischen Autor und Geschriebenem.

Das mag überraschend klingen und der kluge Mensch stutzte wirklich.

Aber sehen wir uns es doch mal an: Ich wähle zwischen allen den Ereignissen meiner Tage aus. Die Kriterien dafür mögen sein, dass es bezeichnend ist für meine Stimmung in der Minute, in der ich das Schreiben beginne. Oder es mag symptomhaft für meinen Berufsalltag sein. Oder es wird eine besondere Pointe erzeugt. Oder ich will etwas aus meinem Kopf bekommen, was mich stört – auf gute oder blöde Art und Weise.

In jedem Fall verkürze ich es, dass es in diesem Rahmen bestehen kann. In jedem Fall setze ich es aus Einzelstücken so zusammen, dass es passt. Ich montiere. Glätte. Dass es eine Logik erzeugen mag. Dass es einem roten Faden folgt. Ich versuche mich immer an etwas zu erinnern. Richtig zu erinnern.

In keinem Fall erzähle ich von mir.

Ich erzähle Geschichten.

Dass man mich kennen mag, ändert nichts daran.


Und dieses Gespräch hängt mir so nach, ebenso wie Montaigne. So lang bis ich es jetzt aufgeschrieben habe. Auch weil ich seit drei Tagen auf mich selbst zurückgeworfen bin.

Bücher, die fehlen

Ein Jahr nach dem Umzug habe ich festgestellt, dass mir Bücher fehlen. Manche sehr. Also habe ich eine Medimops Shopping Tour gemacht:

  • Anton Reiser. Karl-Philipp Moritz
  • Reisebilder. Heinrich Heine
  • Buddenbrooks. Thomas Mann
  • Der Schüler Gerber. Friedrich Torberg
  • Die Verwirrungen des Zögling Törleß‘. Robert Musil
  • Der Vater eines Mörders. Alfred Andersch
  • Mars. Fritz Zorn
  • Gedichte. Gottfried Benn
  • Hand an sich legen. Jean Amery
  • Fabian. Erich Kästner
  • Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke. Erich Kästner
  • Das ist kein Liebeslied. Karen Duve
  • Taxi. Karen Duve
  • Anständig essen. Karen Duve
  • Tiere essen. Jonathan Safran Foer
  • Deutschstunde. Siegfried Lenz
  • Vom Nachteil geboren zu sein. E.M. Cioran
  • Berlin Alexanderplatz. Alfred Döblin
  • Weihnachten mit Thomas Müller. Karen Duve
  • Über das Wetter reden. Peter Bichsel
  • Paare, Passanten. Botho Strauß
  • Die Widmung. Peter Handke

Von einigen der Autoren auch noch andere Werke bestellt: Duve, Foer, Kästner, Handke. Dazu: Selim Özdogan. Einige hatte ich schon vor dem Umzug lange nicht mehr gesehen.


Komisch, dass mir plötzlich Bücher fehlen. Dass mir aus dem Stegreif so viel Bücher fehlen.

wasmachteigentlichderchef 2022-03-27 (Roger Willemsen)

Nachdem ich Deutschlandreise von Roger Willemsen bestellt hatte, bemerkte ich, dass auf Spotify das Ding als Hörbuch liegt. Da ich in letzter Zeit mehr und länger unterwegs bin, habe ich nun gleich dies gehört. Und mit der Stimme des Autors wird diese besondere Form des Reiseberichts noch einmal eindrucksvoller. Habe manchmal gelacht im Auto, was ich als selbstbeherrschter Mensch auch außerhalb nur sehr überlegt mache*1

Ach, geiler Satz.

Jetzt fast drei Tage nicht in meiner Wohnung gewesen. Merke, dass ich bei allem ruhiger werde, wenn ich nicht meinen Schreibtisch sehe.

Zwei Sätze aus der letzten Zeit in dem Zusammenhang, die nachhallen:

„Manchmal möchte ich wissen, was in deinem Kopf vorgeht.“ *1

„Du lachst schon viel mehr.“ *1

Aber echt: Ich kann mich aus meiner Zeit in der Schulleitung (also seit 2009) nur an drei Ereignisse erinnern, wo ich mich nicht gut unter Kontrolle hatte. Zwei Mal habe ich mich geärgert, ein Mal angefangen zu weinen.

Ich neige offenbar dazu, Sachen in mich reinzuschaufeln und da dann zu lassen. Letzte Woche beim Coaching gefragt worden, wie immer, womit ich denn anfangen wolle. Schon auf dem Weg dorthin dachte ich mir, dass eigentlich nichts Aufregendes anliegt. Als ich dann anfing etwas zu erklären, kam ich von einem zum Anderen, holte weiter aus und noch weiter, um mich am Ende dann mit der Frage konfrontiert sehen: Wollen Sie nicht ein paar der Dinge loslassen?

Ich radelte erleichtert nach Hause.


Nächster Woche beginne ich die Golfsaison.


Westpark, morgens, wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge große Schatten.

Gostenhof, Nürnberg, Spaziergang

Es ist alles gut so wie es ist.

#wasmachteigentlichderchef 2022-03-19 (Deadline. Bov Bjerg)

Glaubenssatz: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Leichte Abwandlung, schlimmer: Ohne Arbeit kein Vergnügen.

Typischer Samstag: Vorfreude aufs Ausschlafen, Aufwachen mit Kopfschmerzen zwischen 5 und 6, früher als in der Woche der Wecker klingelt. Socialmedia leerlesen. Sich leer fühlen. Aufstehen, Kaffeekochen, aufs Sofa gehen, mit Decke, den angefangenen Roman „Deadline“ (Bov Bjerg) zur Hand nehmen.

Glaubenssatz: Ein Buch liest man immer über mehrere Tage.

Nach anderthalb Stunden ausgelesen, mehr Kaffee getrunken, Brötchen gefrühstückt vielleicht muss man nur so lesen, damit man Bezüge erkennt und „das Gesamte“. Vielleicht muss man öfter mit dem Vergnügen beginnen.

Auf der weiteren Leseliste:

  • Faserland, Christian Kracht
  • Deutschlandreise, Roger Willemsen

Letzte Woche von der Kollegin, die die Schülerbücherei betreut, nach den Lektüren gefragt worden, die ich in 10 als Referate verteile und welche davon noch für die Bücherei geeignet wären. Einer meiner Schüler hatte nach einem Roman gefragt („Habe ich dir eigentlich schon erzählt“ von Sibylle Berg). Ich ging meine Leseliste durch und blieb an „Deutschland umsonst“ von Michael Holzach hängen, was mich um 20 herum unheimlich fasziniert hat – und immer noch tut. Las weiter, stieß auf die oberen beiden. Bestellte. Nach dem Umzug sind einige der Bücher nicht mehr da.

Mehr Vergnügen nötig und immer zuerst.

Gestern beim Kochen einer Hühnerbrühe/-suppe für eine Freundin drei Straßen weiter, die Corona hat und stärkere Erkältungssymptome, …(Gedanken verloren, weiß nicht, was ich hier schreiben wollte)

Der Freundin die Suppe gebracht, auf Abstand, vor die Wohnungstür gestellt, danach durchs Viertel, nach Einbruch der Dunkelheit, Fotos gemacht, keine Lust auf die eigene Suppe mehr gehabt(heute kommt Besuch, da wird sie eine Rolle spielen) und TK-Pizza vom Aldi mitgenommen, kurz mit L. gesprochen vor dem Milchregal, trotz Ausbildung Spätschicht und Samstag im Einsatz, Personallücken überall.

Mit Lesenwollen hat das alles mal angefangen, mit Lesenmüssen – und mit Schreiben.

wasmachteigentlichderchef 2022-02-09

U-Bahn, morgens, Breze holen, eine Tasche voll für die KollegInnen, die ins Gespräch müssen. Nachmittags dann U-Bahn, essen gehen und auf dem Roller wieder heim.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Deutsch mit Referaten
  • Im Sekretariat gesessen, weil mein Büro besetzt war, beschäftigt getan, trotz Rückenschmerzen wegen des kleinen Stuhls

Schulbesuch

Wenn ich das alles mal wieder richtig verstanden habe, dann kann man sagen, dass der Schulbesuch eines Ministerialbeauftragten dem Unterrichtsbesuch gleichkommt, den der Chef (Ich) bei den KollegInnen mache. Oberflächlich mag man monieren, dass ja der Unterricht nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus der Tätigkeit ist, die eine LehrerIn ausübt. Aber auch aus meiner Perspektive kann man hier viel mehr sehen und erkennen, als nur, dass der Kollege seinen Unterricht gut plant, magische didaktische Experimente vollführt usw.

Also, was ich in einer Stunde sehen kann – Auswahl:

  • ob die Stunde einen roten Faden, also einen logischen Zusammenhang hat (Planung und Gesprächsführung)
  • welche Haltung die Lehrkraft grundsätzlich den SchülerInnen gegenüber hat
  • Wie sorgfältig er sein Material vorbereitet und präsentiert
  • Wie er mit Unruhe und Störungen umgeht (auch die gibt es manchmal, wenn ich drin bin)
  • wie er anleiten kann, den Starken und den Schwachen
  • Wie präsent er ist
  • Wie sehr ihm die SchülerInnen vertrauen
  • Wie gut SchülerInnen mit Methoden und Inhalten vertraut sind
  • Wie gut er sein Fachgebiet beherrscht (ist nicht gleichbedeutend mit „alles wissen“)
  • Wie gut er improvisiert, wenn die Stunde nicht oder nicht gut vorbereitet ist

Das alles geht über die Einzelstunde deutlich hinaus.

Dazu kommt, dass ich merke, wie die KollegIn außerhalb des Unterrichts über die Kinder spricht und über sich und seine Arbeit. Ich erkenne einiges daran, wie man mit mir über Probleme mit SchülerInnen spricht. (Es geht nicht darum, dass jemand NIEMALS Probleme hat und alles meistern kann) Manche KollegInnen haben mit den Augen gerollt, wenn sie zu mir kamen mit einer „rechtlichen“ Frage und ich sie zurückfragte, was sie denn pädagogisch entscheiden würden.

Und überhaupt umfasst die Beurteilung ja noch so Vieles mehr. Und ja, manches sieht man nicht so ohne Weiteres – da Missmanagements aktiv nachschauen: Elternarbeit, außerschulische Aktivitäten, Zusammenarbeit.

Umgemünzt denke ich, kann der MB abschätzen, wenn er mit den KollegInnen redet, wie ich als Chef ihnen gegenüber bin. Und er wird mich einschätzen können von den Malen, die ich mit ihm rede. Und ja, ich vertraue ihm da.

Was meinen Umgang mit dem Schriftverkehr angeht, werde ich mehr Arbeit und Orga und Sorgfalt reinstecken. Da komme nicht umhin und brauche nicht rumheulen.

Der Tag des Besuchs war lang und am Ende das Gespräch mit ihm unter vier Augen zu kurz. Eine Ergänzung wird es dieser Tage geben. Wie gesagt, ich sehe es überraschend gelassen. Gelassen, weil ich für mich weiß, dass da nichts ist, was ich nicht noch lernen kann.

Bilder des Tages

Ich war wieder essen. Gehen Sie doch auch mal zum Thai Food II. Ist einfach gut.

wasmachteigentlichderchef 2022-02-08

U-Bahn. U-Bahn zurück, dann zum Teil mit VAG-Rad, weil die U-Bahn ein Türenproblem hatte.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Unterricht
  • Beurteilung eröffnet
  • Briefing geschrieben
  • Absprachen zu Konferenzen
  • Teilzeitanträge sortiert
  • Ablage aufgeräumt
  • Schreibtisch aufgeräumt
  • Unterschriften
  • gestern verleugnetes Telefonat geführt
  • man bittet mich, nicht mehr dem Oberbürgermeister zu schreiben
  • Kaffeemaschineneinstellung gefunden, die mich nicht umbringt
  • Gespräch zum Erasmus-Programm

Morgens von der Sekretärin angesprochen worden: Ob ich das gesehen hätte, am Rande des Schulgeländes hätte ein Lastwagen Müll abgeladen, mitten da, wo die Schüler bald kommen würden. Und sie hätten dann mit dem Feuerlöscher dagestanden und gefilmt. Ob das wohl ein Kunstprojekt sei.

Als ich am Ort des Geschehen eintraf, fröhliche Arbeiter der Stadt. Man erklärte mir, dass sie mit dem Müllwagen unterwegs waren, als sie plötzlich Rauch bemerkten aus dem Wagen. Dann, so die Auskunft, sei die Order, eine Nebenstraße zu finden, den Müll abzukippen und zu löschen. Dies habe man schon getan. Es sei schon ein anderer Wagen beordert, der den Müll wieder aufklaube. Ob ich nicht ein paar Nachsitzer hätte, die helfen könnten. Ich bot ihnen 300 Nachsitzer an, mindestens. Sie alle hatten das, also einen kokelnden Müllwagen, schon mehrfach erlebt.

Weil ich runterfahren musste und keine Lust aufs Kochen hatte, noch schnell raus aus der Wohnung und die Straße runter und rein in die Brauereigaststätte.

Zwei Rotbier und ein Bauerngröstl, offenbar Rest vom Sonntag, weil mit geschnittenen Kloß und Schäufele-Fleisch. An der Hast, mit der ich die Biere kippte, gemerkt, dass vielleicht der MB-Besuch morgen doch nicht spurlos an mir vorübergeht wie ich es gern hätte.

Auf dem Heimweg noch beim Kiosk und Hermes-Shop Gencebay vorbei. Nachtisch geholt, der für jemanden wie mich gemacht war: Einem Mann, der den ganzen Tag im Bergwerk gearbeitet hat.

#wasmachteigentlichderchef 2022-02-04

Fahrrad. War ein spontaner Gedanke unter der Dusche. Draußen festgestellt, dass es regnet. Das hatte mein iPhone nicht gesagt. Kurz gezögert, dann geradelt, Regenjacke hatte ich eh an. Schön frisch, schön dunkel, schön einsam im Westpark. Sollte ich öfter machen.

Erledigte Aufgaben

  • Vorlage Email erstellt zum Versenden der Zugangsdaten zum Versetzungsportal
  • Emails versendet zum Versetzungsportal
  • Stunde Sozialkunde
  • paar Emails mehr
  • ein Problem mit dem Medienkonzept, welches über drei Institutionen läuft, versucht zu lösen, Telefonate, Emails
  • eine Stunde lang Besprechung mit dem Sicherheitsbeauftragten über die anstehenden Pooltests (mit viel Kopfschütteln)
  • Sitzung zum Gebundenen Ganztag und seiner Neuausrichtung
  • Interne Sitzung Schulleitung
  • Gespräch Hausmeister draußen vor dem Schulaschenbecher

Foto des Tages

Wochenende, Fischerkurs, Gefühle, griechisches Essen, Lasagne.

#wasmachteigentlichderchef 2022-02-03

U-Bahn. Verkatert den ganzen Tag. U-Bahn zurück, dann zu Fuß, am Ende mit einem Dürüm in der Hand.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Deutsch
  • Stunde Sozialkunde
  • Briefing geschrieben
  • KMS gelesen
    • Neue Regelungen Infektionsschutz
    • Pooltestungen
    • Versetzung
  • Unterrichtsplanungsordner angelegt
  • drei Krapfen gegessen
  • Gespräch Chef von der FOS
  • Absprache Konrektor
  • Telefonat Chef andere RS

Fußweg heim durch Gostenhof vom Plärrer aus.

15 Jahre Schulleiter – öffentlich reden

Anlass: Zeugnisübergabe an AbschlussschülerInnen

Ort: Turnhalle der Schule

Zeit: Mitten am Tag

Vorbereitungszeit: eine Woche, erste und einzige Version aufgeschrieben 16 Stunden vorher

Hintergrund: Wollte eigentlich die vom letzten Jahr nehmen, die ich im Drucker vergessen und völlig schräg improvisiert habe. Wäre keinem aufgefallen. Aber meine Ehre stand mir im Weg. Also arbeitete ich den Gedanken neu aus.

Beim ersten Durchgang (Hygienekonzept erlaubte uns zwei Durchgänge) hatte ich das Skript zwar dabei, aber auf dem Stuhl vergessen als ich auf die Bühne ging. Es ist zum Erbrechen. Also improvisierte ich. Diesmal jedoch inhaltsgleicher. Im zweiten Durchgang ließ ich Sophie Passmann weg. Das ging auch und die version war besser.


Manuskript

Liebe SchülerInnen,

Ich freue mich: Ihr bekommt heute Abschlusszeugnisse, die euch eine Reife attestieren, eine sogenannte „mittlere“, aber eine Reife. Und dies kann euch keiner mehr nehmen.

Liebe SchülerInnen,

Es tut mir leid: Ihr seid noch nicht am Ziel. Dies ist nur ein Durchgangsstadium, welches ihr gebührend feiern dürft und sollt. Und ihr erinnert euch später daran, 100pro, aber ob ihr wollt oder nicht: Es geht noch weiter.

Ich habe in meinem Leben oft den Satz auf Hochzeiten gehört, dies sei „der schönste Tag meines Lebens“. Und ich habe immer still in mich hineingewundert, dass es ziemlich komisch sein muss, wenn ich mit Mitte 20 oder früher schon den schönsten Tag in meinem Leben hatte. Was passiert dann noch im Rest meines Lebens?

Und das Leben? Ja, das Leben! Das ist so groß, dass es Platz hat für eine Unmenge an Partys, an Lachen und Glück – ebenso wie alles andere. Und letztlich kommt es doch immer so anders.

Ich bin alt, ich darf eine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Wie ich es geschafft habe, dass ich im August ins Paradies fahre.

Und die Geschichte dazu geht so. Ich habe 1989 Abitur gemacht in der Nähe von Köln. Und ich habe ein richtig schlechtes Abitur gemacht mit einem Schnitt jenseits von 3,0 und nur weil eine Englischlehrerin Mitleid mit mir hatte – Danke!!! Es gab nur noch einen, der hieß auch Thomas, der hatte ein noch schlechteres Abitur. Mit dem bin ich in eine WG gezogen zum Studieren. Heute ist er Rechtsanwalt in Köln und ich, naja, ich bin halt ich. Schulleiter in Bayern. YOLO.

Es gab eine Schülerin bei uns, die ein sehr gutes Abitur gemacht hat. Damals mit einem Schnitt von besser als 1,0. Das geht, ja, wenn man besonders gut ist. Selbstredend hatte ich mit ihr an der Schule nichts zu tun. Andere Liga, ganz eindeutig. Ich stand ständig in der Raucherecke oder schwänzte mal die Schule. Sie war woanders. Es gab absolut keine Berührungspunkte.

Mehr als 30 Jahre später findet ein Abitur-Jubiläumstreffen statt und wir kommen ins Gespräch. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin und ist Kirchenmusikerin. Wir tauschten unsere Lebensgeschichten aus und nach so langer Zeit hatten wir uns plötzlich was zu sagen.

Und nachdem ich ihr von meinen Erfahrungen und Erlebnissen als Schulleiter erzählt habe, erzählt sie mir von ihrem Paradies, in welches sie sich regelmäßig mit der Familie zurückzieht – einem Camper auf der Insel Rügen. Und sie sagt zu mir: Komm nach Berlin, wenn die Sommerferien hier vorbei sind und ich gebe dir den Schlüssel. Und dann verbringst du einige Zeit im Paradies.

Wer kann so ein Angebot ablehnen?

Was ich euch sagen will: Hier und heute ist nichts zuende, nicht in eurem Leben nicht mit den Menschen, die euch umgeben. Hier fängt’s erst richtig an. Und vielleicht ist nicht alles möglich, aber doch mehr als ihr euch jetzt vorstellen könnt. Freut euch drauf.

Und am Ende lasse ich die große Philosophin Sophie Passmann dazu sprechen:

https://www.instagram.com/p/CCqBieBip5a

#derchefweißauchnichtweiter 2021-05-19

Der Hausmeister schickt mir Bilder. Der Kollege FOS wird ein Telefonat führen. Ich schicke eine Mail an meine RealschulleiterkollegInnen in Nürnberg und frage um Rat. In nächster Zeit wird sich ein Treffen ergeben.

Der Hausmeister versichert mir, dass es jeden Morgen so aussieht. Immer wieder aufs Neue.

Der Sachaufwandsträger verweist darauf, dass es im Arbeitsbereich des Hausmeisters liegt, hier für Ordnung zu sorgen.

Der Hausmeister macht weiter Bilder – keine gute Werbung für die Schule, keine gute Werbung für die Stadt.

Und es sind Wahlen, sagt man. *rolleyes*

Das Schulgebäude auf Apple-Karten. Die Bilder zeigen den Bereich unten links vom Transporter. Der hintere Pausenhof sieht nach dem Wochenende ähnlich aus. Im Bereich links ebenfalls.

#wasmachteigentlichderchef 21-03-17

Home-Office macht der Chef.

Die Schnapp-Atmung lassen wir mal wirken, lesen Sie weiter bis unten, bevor Sie sich beschweren.


Home-Office, geht als Schulleiter auch. Es passiert nicht viel Wesentliches in der Schule. Das war eine der ersten Erkenntnisse, die ich in Corona-Zeiten hatte: Den Großteil meines Stresses am Tag machen die Ereignisse aus, die ich nicht beeinflussen kann. Und viele dieser Sachen (Disziplinarisches, Rechtliches, Pädagogisches…) sind aktuell nur sehr eingeschränkt. Manches davon fehlt mir nicht.

Da fällt mir ein, es gab lange kein Sippentreffen mehr auf dem Parkplatz vor der Schule. Kennen Sie das? Zwei Parteien streiten sich in der Schule. Dann wird ihnen zugetragen, dass die eine Partei die „familia“ per Smartphone in der Stadt informiert hat. Und schon treffen PKW-Konvois auf dem Schulparkplatz ein. Und dann gehen sie hin, in ihrem Kopf spielt eine Mundharmonika, und sie weisen die Versammlung darauf hin, dass das Rauchen auf dem Schulgelände verboten ist. Und so fort.


Morgen wieder Fahrrad. Diesmal wohl meine ausgetüftelte Normalstrecke. Ich freue mich. Es soll schneien.


Home-Office.

Auch ich habe ein Leben neben dem Fahrradfahren und der Schulleitung. Zum Beispiel gehe ich Golfen (Sonntag der erste Termin in diesem Jahr) und Angeln (absolut zu selten). Weiterhin gebe ich mit anderen aus meinem Fischereiverein Kurse zur Erlangung des Fischereischeins. Und ab und an treffen wir uns daher, an der frischen Luft, auf Abstand, um besondere Dinge zu besprechen. So wie heute Nachmittag.

Und dabei eine einfache Grundmontage mit Mais. Aber es war zu kalt. Hat nix gebissen.

Aber es ist mal wieder ein Baum umgefallen.


Wenn du dich verbessern willst, sei damit zufrieden, ahnungslos oder dumm zu wirken, wenn es um irrelevante Dinge geht – tue nicht so, als wärest du besonders gescheit. Und wenn dich jemand wichtig findet, misstraue dir selbst.

Epiktet

#dumusstjazeithaben

Habe mich daran erinnert, dass ich am 31.10.2010 meinen ersten Blogeintrag geschrieben habe. Kubiwahn.de existiert als Domain schon seit 2003, der Vorgänger war www.der-kubi.de seit etwa 2000.

(Kubiwahn.de 2004 auf postnuke)

2010 war ich schon ein Jahr in der Schulleitung als zweiter Konrektor und hatte mir grad die Dreadlocks abgeschnitten – auch weil sie offenbar keine Hürde für meine erfolgreiche Bewerbung gewesen waren.

Angefangen hat es mit HTML-Handarbeit, weil ich meine erste Stelle weiter entfernt von Nürnberg antrat (heute verzichtet man übrigens eher auf eine Stelle als in die Provinz zu gehen oder wenn der Staat die Frechheit besitzt, keine Schule direkt neben dem Eigenheim zu errichten, wobei dann muss man sich ja über den Lärm und den ständigen Gong beschweren, ach…) und mir langweilig war, weil ich nur eine 2/3 Stelle besetzte und sonst niemanden kannte.

Dann probierte ich ab 2003 phpnuke oder postnuke. Vgl. Screenshot oben.

Dann eine andere CMS-Software: Conpresso. Mit der habe ich auch Schulhomepages programmiert.

Dann lag die Domain lange brach.

2010 kaufte ich eins der ersten iPads und es ging eigentlich alles recht schnell. Ich las Herrn Rau zu der Zeit und Felix Schaumburg und Jochen Englisch, ohne genau zu wissen, was sie da machen.

WordPress installiert auf meinem Webspace. Und seitdem läuft das Ding.

Nebenbei kam Twitter dazu, Instagram.

Obwohl ich – immer noch – die drei Herren oben sehr schätze, hat mich Miguel Guhlin aus Texas anfangs sehr beeinflusst, bzw, ein Gedanke, den ich bei ihm zum ersten Mal gelesen habe und der für mich, neben allen persönlichen Befindlichkeiten meines und denen der anderen Lehrer-Blogs, weiterhin im Zentrum steht.

Miguel Guhlin hier und hier und hier.

Dort schrieb er:

WHY JUMP IN?

Christopher Parsons shares that we need to do four things with the overwhelming amount of unorganized content — information, ideas, tips and how-to’s, and personal information — we receive; the kind of content that might be useful in the future but today might be thrown away or filed away in a way — paper notes, e-mail, bookmarks — that would not be useful and would probably be forgotten. Those four things are:

  • Read: Read/watch/listen to the entirety of the content that you are presented with.
  • Evaluate: Consider what the content means to you, and whether or not it is a source of information that intuitively seems appropriate/acceptable for a task at hand.
  • Critique: Moving beyond evaluate, seriously reflect on the material and then form your own opinion of it.
  • Write Share your critique with others, so they can engage with you and the original content to develop a cohesive knowledge-product.

In the past, reading, evaluating, and critiquing were done to different degrees by each of us individually. It was rare that any of us actually published our critiques for others to read. Now, it is possible for me to share how what I read, evaluate, and critique connects with my own personal learning and schema. That’s powerful, because individuals like you and me now have the power to publish at will to an audience of millions. The key thing to remember is that as we externalize our thinking, it becomes less of “I am an expert expounding on what I know” and more of “I am a learner, just like you, sharing what I’m learning so that we can learn together through our common errors and maximize our breakthroughs.” Consider that our understanding of learning is changing. We need to think of learning as an experience that happens when we connect with others.

Und mehr muss ich dazu eigentlich auch nichts sagen.

Eigentlich wollte ich am zehnten Jahrestag eine Art Abrechnung schreiben. Aber erstens habe ich grad Kopfschmerzen und zweitens fand ich es dann auch unpassend über Leute zu schreiben, die mehrseitige Briefe an meine Vorgesetzten schrieben über etwas, was ich hier auf dem Blog veröffentlicht haben, weil sie darin sich und ihre Institution verunglimpft sahen. Die mir im persönlichen Gespräch noch nebenbei mit der Anwaltskiste drohten, was ich erst danach kapierte (Ich habe das mal einem Freund gezeigt, der Rechtsanwalt ist…joviales ernstes Gesicht…) und heute hier in der Edu-Bubble ein großes Wort führen, mich aber immer noch auf Twitter blockiert haben. Aber nun, in der Twitterwelt verwende ich meist dieselben Methoden wie in der realen Welt: Abwenden, gehen, nicht ins Haus lassen. Kotzen geht leider nicht online.

Mittlerweile bekomme ich Anrufe vorgeschalteter Ebenen nur noch in größeren Abständen. Bin aber immer wieder überrascht, dass sie genau dann kommen, wenn ich mir beim Schreiben schon denke, dass es jetzt an der Grenze ist.

Was ich aber letztlich betonen möchte, ist: Es hat mir bisher noch niemand das Bloggen untersagt. Man erinnert mich offensiv und unterschwellig an meine Loyalität in diesen Gesprächen, was nicht nötig ist, aber es ging nie darum, den Blog aufzugeben. Und ich betone: Ich lebe in Bayern und bin bayerischer Beamter! (Einziges Ausrufezeichen hier)

Manchmal aber, so vermute ich, denkt und fürchtet man, dass ich die Absicht habe, ein Buch zu schreiben, wie ein Kollege aus dieser Gegend hier vor einigen Jahren. Da ich mir aber, im Gegensatz zu diesem Kollegen, sehr im Klaren über meine begrenzten literarischen Fähigkeiten bin, besteht hier kaum Gefahr.

Und doch, ja, ich bin nachtragend und ich verzeihe eigentlich eher selten, Bigotterie niemals (das Wort wollte ich schon immer mal verwenden). Ich bin eigenbrötlerisch und pflege einen bitteren Humor, für den ich mich ab und an entschuldigen muss, wenn er die Falschen trifft. Und mit mir verheiratet oder auch nur befreundet zu sein ist sicher nicht immer ganz einfach.

Vielleicht blogge ich deswegen so ausdauernd. Weil ich da über mich schreiben kann, ohne jemandem nahe zu sein.

Aber das klingt jetzt echt bitter.

Jedenfalls gilt hier weiter die Regel: Kein Posting über 1000 Wörter. (Hier: 940).