#wasmachteigentlichderchef 29.10.

Auto, weil ich Sachen holen und zu meiner Schule bringen musste: Schulbücher und Schachausrüstung.


Erledigte Aufgaben

  • Sachen und Bücher abholen von der alten Schule
  • Lehrprobe als Zweitprüfer abgenommen (2,5h)
  • Postausgang
  • Telefonate: KM und Therapeut eines Schülers
  • Besprechung erweiterte Schulleitung
  • Besprechung Sozialpädagoge
  • Schüler diszipliniert
  • Rundgang Schulhaus, einige Dinge kontrolliert
  • Sitzung mit Personalrat
  • Nachmittags in Ruhe ein wenig Papierkram verschiedenster Art erledigt
  • Leistungsprämie verteilt, mit dem ÖPR besprochen

Gestern habe ich vergessen, Bilder zu zeigen. Die Hintergrundgeschichten dazu kennen Sie ja. Also die Geschichte von Frida Furchtlos und Michel de Montaigne. Blättern Sie mal ein wenig im Buch. Übrigens hat Herr Mess mir mal dankenswerterweise bestätigt, dass das lateinische „Certum nihil esse certi et homine nihil miserius aut superbius“ das bedeutet, was es sollte.

Nichts ist überheblicher und eingebildeter als der Mensch. Das war der Gedanke, den ich festhalten wollte. Übertrieben gesagt, die beständige Erinnerung daran, dass ich als Chef auch „nur“ ein Mensch bin – wie platt. Ich erinnerte mich an die Triumphzüge der Antike:

Ein Staatssklave, der hinter dem Triumphator auf dem Wagen stand, hielt ihm, heißt es, die sonst im Jupiter-Tempel aufbewahrte goldene Eichenlaubkrone (corona Etrusca) über das Haupt und mahnte ihn ununterbrochen: Respice post te, hominem te esse memento („Sieh dich um; denke daran, dass auch du ein Mensch bist“).

aus wikipedia

Ich hatte lange nur diese Idee, ohne Motiv, was sehr nervig ist.

Dann fiel mir, als ich mal durch das Lehrerzimmer ging, eine Kollegin auf, die ein Kinderbuch las. Neugierig ließ ich es mir zeigen und erzählen. Das war die Geschichte von Frida Furchtlos. Von der Gans, die sich nicht vom Wolf, dem Bären und dem Löwen erschrecken ließ. Die, die diese Tiere zu sich einlud, als ein noch viel größeres Tier die drei erschreckte.

Meine Lehre, die ich auch bei der Begrüßung in diesem Schuljahr unter die Kinder brachte: Auch wenn du angeblich so stark bist, gibt es immer was Schrecklicheres als dich und dann brauchst du einen Freund wie Frida, wenn du dich fürchtest.

Oder für Erwachsene: Pump dich nicht so auf.

Und in Bildform

Frida ist so angebracht, dass sie meinen Gegenüber immer anschaut, wenn ich vor ihm stehe.

Tagesende SL 2020-09-14 Montag

Fahrrad.

Eine Brücke, die ich noch nie selbst überquert habe – ich bin nicht mal sicher, was die verbindet.
Wöhrder See – Park. Morgens mit Nebel und Hunden

Erledigte Aufgaben

  • Bisschen Post: Personalsachen
  • Gespräche: Sozialpädagoge, Kollegen
  • Unterrichtsplanung
  • zwei Stunden Unterricht in der 7. Klasse
  • mehrere Telefonate mit der Schulaufsicht

Irgendwann, schnell war es vier Uhr nachmittags. Zwischendrin mal wieder mit dem Anwalt bedroht worden und dem Gang zum KM. Ich bin dieser Sachen überdrüssig. Habe gelernt, mich innerlich zu distanzieren – gelernt kann man eigentlich nicht sagen. Es war kein bewusster Vorgang. Es ist wie Hornhaut. Ich winke müde ab.

Karl Popper.

Unlimited tolerance must lead to the disappearance of tolerance. If we extend unlimited tolerance even though those who are intolerant, if we are not prepared to defend a tolerant society against the onslaught of the intolerant, then the tolerant will be destroyed, and tolerance with them.

In this formulation, I do not imply, for instance, that we should always suppress the utterance of intolerant philosophies; as long as we can counter them by rational argument and keep them in check by public opinion, suppression would certainly be unwise. But we easily turn out that they are not prepared to meet us on the level of rational argument, but begin by denouncing all argument; they may forbid their followers to listen to rational argument, because it is deceptive, and teach them to answer arguments by the use of their fists or pistols. We should therefore claim, in the name of tolerance, the right not to tolerate the intolerant. We should claim that any movement preaching intolerance places itself outside the law, and we should consider incitement to intolerance and persecution as criminal, in the same way as we should consider incitement to murder, or to kidnapping, or to the revival of the slave trade as criminal.

Karl Popper. The Open Society And Its Enemies. 1945

https://www.goodreads.com/quotes/25998-the-so-called-paradox-of-freedom-is-the-argument-that-freedom

Hervorhebungen von mir.

Deutsch auf Wikipedia.

Öffentlich Reden als Schulleiter

Anlass: Zeugnisvergabe an Abschlussschüler
Ort: Turnhalle, mit Abstandsregeln
Vorbereitungszeit: 2 Wochen
Aufgeschrieben: Am Abend vorher zwischen 21:10 und 22:00 Uhr
Vergessen: Im Drucker meines Büros
Unzufrieden.

Hier also die Vorlage. Die Rede selbst aus der Erinnerung improvisiert.

Die linke Hälfte.

Rede Abschluss 2020

Als ich im Januar irgendwann zum ersten Mal davon gehört habe und kurz darauf alle Welt davon sprach, dachte ich bei mir: Super, jetzt habe ich eine Idee für meine Rede am Ende des Schuljahres auf der Abschlussfeier.

Als ich dann am 13.3. aus dem Fernsehen erfuhr, dass meine und alle anderen Schulen schließen würden, fühlte ich mich schon etwas komisch.

Als nach einem Monat die Schulen immer noch geschlossen waren, machte ich schon weniger Scherze.

Und heute weiß ich eigentlich nicht wirklich, wie es weitergehen soll und ob ich darüber überhaupt Scherze machen kann.

KLICK

Heute ist ein wichtiger Moment für euch. Ihr bekommt das Zeugnis, was die Belohnung für das Durchhalten, die Arbeit und der Fleiß ist – bei den meisten von euch.

Ihr bekommt ein Zeugnis, was euch neue Chancen eröffnet und neue Wege. Es ist bei Weitem kein Ende, es ist ein vorsichtiger Anfang.

KLICK

Ja, es ist schade, dass ihr heute nicht so feiern könnt, wie es andere vor euch getan haben. Und Freund und Eltern sind hier nicht dabei. Es gibt keine Musik. Eure Lehrer sind nicht alle da.

Ihr seid vielleicht genervt.

KLICK

Aber: Sophie Passmann sagte dazu neulich auf Instagram unter dem Hashtag #abschlussfeier2020:

„Ihr seid jetzt erwachsen und erwachsene Menschen müssen manchmal einfach auch genervt sein und Dinge aushalten. Das nervt auch am Erwachsensein. Aber niemand hat gesagt, dass es cool ist.

Seid ein bisschen stolz auf euch. Lasst euch nicht so viel reinreden bei der Frage, was ihr mal beruflich macht. Denn später seid ihr die einzigen, die diesen Beruf auch machen müsst.

Und jetzt schlaft euch erstmal so richtig aus.“

KLICK

Also:

Die schönsten Tage werden noch kommen. Nicht bei jedem zur selben Zeit, nicht in derselben Qualität, aber sie kommen.


KLICK bezog sich auf eine Präsentation, in der sich stufenweise folgendes Bild enthüllte.

This moment is nothing in relation to your overall life | Need The ...

Tagesende SL 22.07.2020 – Mittwoch

Erledigte Aufgaben

  • Daily, kurz
  • über 100 Abschlusszeugnisse unterschrieben, danach die Beglaubigungen, Unterlagen für die externe Schule klar gemacht
  • Termine zur Anstellung von Lehrkräften, Anträge, Unterschriften: zwei heute, einer gestern
  • Telefonat mit NEST Nürnberg, Termin vereinbart für September wegen Vertiefung der Kooperation
  • Telefonat Absprachen wegen modifizierter Orientierungstage im kommenden Halbjahr
  • Telefonate mit neuen KollegInnen (2)
  • Leistungsprämie Angestellte: verteilt, Formulare ausgefüllt, Vergabeschreiben aufgesetzt, gefaxt
  • Postausgang
  • Elternbrief aufgesetzt
  • Lehrerbriefing geschrieben und verschickt
  • Telefonat Schulaufsicht, wegen Statistik, Beurteilung, Elternproblem
  • kleine Beurteilungssachen KM erledigt
  • Bisschen Gespräche über Klassenverteilung

Um 19:15 Uhr das Schulhaus verlassen, wegen kurzem Besuch einer kleinen Veranstaltung in der Schule.

Erschreckender Gedanke am Nachmittag: Wenn alle weg sind und nur die Putzfirma durch die Gänge geht, kann ich super arbeiten. Konzentriert. Ausdauernd.


Auf dem Heimweg zum Amerikaner essen gegangen. Zum ersten Mal seit Corona. Pommes doof. Burger super. Und entspannend bei schlechter Musik. Und da gesessen und den Gedanken zugeschaut.

Deutsches Tempo

„Wenn du Sonntag nachmittags in einem Park auf das grüne Gras gehst, obgleich eine Tafel mit dem deutschesten Wort davor steht: Verboten! – dann stellt dich bestimmt irgendein Aufseher, ein Schupomann, ein Kriminalbetriebsassistent, kurz: ein von dir bezahlter Beamter, und du glaubst gar nicht, wie schnell du dein Strafmandat in der Tasche hast. Vorladungsfristen, Zahlungsfristen – es geht bei der großen Menge ähnlich wichtiger Geschäfte ziemlich rasch.

Wenn aber ein strammer Deutschnationaler Waffen ansammelt und verbirgt, um dereinst glorreich gegen Frankreich zu ziehen (und die andern als Helden sterben zu lassen) – dann rührt sich nichts. Justitia, diese Göttin der Gerechtigkeit in der kaiserlich deutschen Republik, lehnt dann müde an der Wand, das Schwert hat sie in eine Ecke gelehnt, die Augenbinde auf die Stirn hinaufgeschoben, und die Waage, die schon immer ein bißchen nach rechts ausgeschlagen hatte, abgestellt. Sie schlummert. Ab und zu spricht sie aus dem Schlaf. Aber es hört keiner hin.

[…]

Wir sehen zu und denken: es wird schon werden – und stehen dabei, wie der Staatswagen gemütlich, in deutschem Tempo, immer hübsch langsam voran, dahinbummelt. Wir sollten dem Kutscher seine schwarz-weiß-rote Peitsche aus der Hand nehmen, den Wagenschlag öffnen und rufen: »Alles aussteigen –!« Und die Tafeln abreißen, auf denen zu lesen ist: »Rechts fahren!« – Und nicht dulden, dass wir eine Fahrt bezahlen, die, wenn sie so weitergeht, auf den Rieselfeldern enden wird.

 Ignaz Wrobel (Kurt Tucholsky), Welt am Montag, 07.08.1922.

Tagesende SL 02.07.2020 – Donnerstag

Fahrrad. Morgens recht frisch, in der Stadt schon schwül.


Erledigte Aufgaben: Um 7:45 Uhr das Schulhaus betreten. Um 11.45 Uhr zum ersten Mal an den Schreibtisch gesetzt, um die eigene Todo-Liste abzuarbeiten.

Vorher:

  • Daily: Was war gestern, als ich nicht in der Schule war?
  • Kurze informelle Orga-Gespräche
  • Langes Gespräch mit Vertreter der Jugendsozialarbeit an Schulen und dem Sozialpädagogen (1,5h)
  • Nachgesprochen mit Sozialpädagogen über das Vorgespräch
  • Besprechung iPad Klasse
  • Besprechen von drei akuten Schülerfällen
  • Besprechung, Durchsicht und Unterschrift im Falle der Androhung des Schulzwangs/Erhebung von Bußgeldern
  • Telefonat KM Personalfragen
  • Fertigmachen von Post an KM und LfF
  • Weitere Besprechungen mit innerer SL, u.a. Stornofragen zu abgesagten Fahrten
  • Zeugnisbemerkungen zweier Abschlussklassen gelesen

Nachmittags Freund getroffen zum Tapasessen. Tapas waren mittelmäßig. Im Gespräch nicht herausgefunden, wann wir uns das letzte Mal getroffen haben.

Bzw. Haben wir uns am Dienstag vorher gesehen. Und das war so:

Tagesende SL 29.06.2020 – Montag

Auto, weil Termine, wichtig.


Erledigte Aufgaben

  • Brief an den Oberbürgermeister fertig gemacht und in die Post gegeben
  • Email an die Stadtratsfraktion der Partei, in der ich Mitglied bin, geschrieben, mit dem Brief an den OB als Anhang und der Bitte uns in dieser Sache zu unterstützen
  • Termine ausgemacht für die aktuelle und die kommende Woche
  • vier Anträge auf Anstellung von Lehrern auf MB Mittel fertig gemacht und abgesendet
  • längeres Telefonat mit Kollegen über die Gesamtsituation
  • Schulhomepage bisschen umgeschichtet
  • drei Mal Masernimpfungen bestätigt und dokumentiert
  • Ablage Leistungsnachweise
  • angefangen den neuen Aktenplan in meine Aktenschubladen umzulegen
  • Beratunggespräch Eltern
  • Besprechung wegen der Konferenz morgen
  • Absprachen über Arbeitstage in den Ferien

Mantra: Mach deinen Scheiß einfach mal fertig.

Erklärung: Heute nach der Schule in einen Baumarkt gefahren, den ich nicht kannte. Wollte ein Brecheisen kaufen, um zwei Paletten zu zerlegen. Da ich den Markt nicht kannte, irrte ich umher und fand ein Werkzeug, mit dem man verlegte Bodenpaneele, die auseinander rutschen, wieder in Nut und Feder bringen kann. Zwei Haken, Dings. Hammer bei, druff gehauen, fertig. Seit zwei Jahren in etwa ärgere ich mich über zwei Fugen in meinem Arbeitszimmer, die ich mit Teppichen abgedeckt habe und natürlich dennoch immer wusste, dass sie da sind. Und mich ärgerte. Dieses Werkzeug kenne ich und habe es dennoch nie gekauft. Heute schon. 5 Euro. Dann nach Hause, Hammer geholt, druff gehauen, drei Mal je, fertig. Im Unterschied zu sonst mich im Anschluss nicht beschimpft, sondern gelobt. Danach in den Keller gegangen und das Werkstück, welches ich vor vier Wochen angefangen habe, soweit weiter verbastelt, bis das Material dafür ausging. Morgen nehme ich die Paletten auseinander, dann habe ich wieder Material für den Rest. Scharniere im Baumarkt holen, das ganze Ding anstreichen, fertig, nächste Party. Meine Güte. Mach den Scheiß halt einfach mal fertig.

Tagesende SL 22.06.2020 – Montag

Fahrrad. Unbedingt. Man merkt, dass Sommer ist. Abfahren und es ist schön frisch, in der Stadt aus dem Wald kommen und man merkt, dass es schwül wird.

Diese Ecke auf meinem Radweg wollte ich schon länger mal fotografieren.
Heute morgen, ich war später dran als sonst, musste ich zwei Mal anhalten, weil große Gruppen mit Gänsen und Jungtieren auf dem Weg standen. Und mich anfauchten.

Erledigte Aufgaben

  • Telefonat KM, Abklären der Unterrichtsplanung, das „Go“ erteilt: jetzt werden alle angeforderten Stellen zusammen gesucht, das spannende Tetris der Personalversorgung angeworfenb- und wie immer die Angst, dass man irgendwas übersehen hat
  • Telefonat KM, andere Stelle, ein Stockwerk tiefer, andere Personalangelegenheiten
  • Telefonate mit KollegInnen, die aktuell nicht unterrichten
  • Gespräch mit Stellvertreter: Besprechung der Abschlussprüfungskonferenz morgen, Austausch über Privates
  • Briefvorlagen entworfen für die Versetzung und das Wiederholen der SPRINT-Schüler
  • Eine Einschätzung während der Probezeit (Beurteilung) aufgesetzt
  • Mehrere Emails, Terminabsprachen
  • vier Geschichtsbücher 8 begutachtet und eigene Meinung an Fachbetreuerin abgegeben (grundsätzliche Meinung – und ich habe selbst an welchen mitgeschrieben vor zehn Jahren – es wird auf dem Sektor nichts gewagt, traurig)
  • ein paar Gespräche über Notengebung, Vorrücken auf Probe
  • Protokollansatz für die externen Prüflinge
  • Beratung über Geburtstagsgeschenk für einen Kollegen

Will aktuell ein wenig mit Ernährung experimentieren. Mein Übergewicht ist nicht schön und ich finde momentan die Vorstellung ätzend an einer Herz-Kreislauf-Sache frühzeitig den Abgang zu machen – zu viele Risikofaktoren wie ich finde. An manchen Tagen probiere ich dieses Intervall-Fasten ohne Frühstück. Bin ja aufgewachsen mit der Devise, dass man morgens essen muss. Also habe ich immer gegessen, bevor ich das Haus verließ, immer. Naja, unter anderem. Heute vorgenommen, die Käsebreze erst um 12 Uhr zu essen und ohne Frühstück loszufahren. Ging. Ziel: Ich entscheide, ob ich was esse – nicht die Uhrzeit und nicht der Stresslevel.


Probiere grad neue Ordnungssysteme. Dieses Ausprobieren besteht aktuell vor allem in der Reduktion von Ablagen, analog und digital. Besteht auch daraus, sich im Alltag Zeit dafür zu nehmen, Dinge da abzulegen, wo sie hingehören.

Dabei jetzt schon zwei Mal die komische Erfahrung gemacht, dass ich Sachen suche wie ein Doofer und sie am Ende da finde, wo sie hingehören – da hatte ich aus Gewohnheit natürlich nicht nachgeschaut.

Tagesende SL 19.6.2020 – Freitag

Erledigte Aufgaben:

  • Ergänzende Lehrerinfo formuliert, weil ich Dinge vergesssen hatte
  • Telefonat Schulaufsicht wegen externen Prüfern
  • Telefonat mit KM nicht funktioniert, stattdessen Email geschrieben: Rückmeldung, dass die Werte aus dem Gespräch übernommen wurden und funktionieren; Montag folgt Gespräch

Um 10:30 die Schule verlassen zu einem Termin beim Ministerialbeauftragten. Eine Urkunde bekommen. Hätte mir gewünscht, dass dort irgendwo steht: „Geboren in Hamburg“. Aber man kann halt nicht alles haben.

Ich gehe davon aus, dass der Freistaat Bayern recht verzweifelt sein muss.

Ich habe nicht gefeiert. Es muss niemand gratulieren.


Fahrrad. Durch den Weg zum MB eine andere Strecke heimgenommen (von Süd nach Nord, sonst eher die Ost-West-Achse). Wollte eigentlich über die Schleuse Nürnberg, weil man von dort aus einen tollen Blick auf den Fernmeldeturm hat, aber irgendwie habe ich mich verradelt. Der Himmel war sehr fotogen – hier noch besser als auf Insta. Die Radwege eine Zumutung – stellenweise musste man auf die Straße ausweichen, wenn man kein Schütteltrauma erleiden wollte.

Fernmeldeturm, an dessen Fuße 1,5 Jahre mein Büro war.
Nopitschstraße, Blick zum Dianaplatz – hier habe ich bei Fahrstunden viel Zeit verbracht.
Volksfestplatz, gleichzeitig Reichsparteitagsgelände, hinten erkennt man den Kongressbau.
Businesstower, nicht das schönes Gebäude der Stadt.

Morgens schon entdeckt, dass die Johannisbeeren in Gostenhof noch stehen und Früchte tragen.


Weiterhin müde.

Tagesende SL 17.06.2020 – Mittwoch

Fahrrad. Beste Entscheidung.

Viel Druck im Fluss.


Teller benutzen. Wunderbar. Nächster Schritt: Nicht am Schreibtisch essen.


Hausmeister schickt mir ein Bild aufs Handy. Kommentar dazu: „Corona kann kommen.“

Wir haben eine Sonderlieferung Hand- und Flächendesinfektionsmittel bekommen. Eins von beiden als Konzentrat, muss also verdünnt werden. Ich schlage dem Hausmeister vor, dass wir es mit Saft verdünnen und dann Party machen. Er recherchiert Möglichkeiten im Internet.

Zusätzlich bekommen wir Spender, in denen das Zeug abgefüllt werden soll. Diese sind so billig, dass die Deckel nicht richtig halten. Ich bin grad wieder zu müde für Kommentare.


Erledigte Aufgaben

  • Daily Morgenbriefing mit der SL
  • 2,5 Stunden Telefongespräch mit KM zum Abgleich der Unterrichtsplanung
  • danach eine Stunde versucht wieder auf andere Sachen zu konzentrieren, überwiegend vergeblich – ich kann mich an nichts erinnern
  • Nachmittags noch mal Audio-Konferenz der Realschulleiter mit Schulaufsicht, 1,5 Stunden
  • ich glaube zwischendrin hauptsächlich Erinnerungsmails geschrieben für Dinge, die ich brauche
  • Telefongespräch mit Baufirma des Hauses wegen eines Baufehlers, der mein Büro betrifft und bisher nicht von allein verschwunden ist, so dass nun in den Ferien mehrere (!) Firmen anrücken müssen, um das zu beheben; gebaut wurde das Haus zwischen 2015 und 2017
  • erschreckend, aber ich kann mich wirklich nicht an viel mehr erinnern, irgendwas werde ich schon noch getan haben, jedenfalls habe ich mehrere Seiten handschriftliche Aufzeichnungen von heute; lese ich am besten morgen durch; ich schweife ab

Die Überschrift „Tagesende SL“ ist sehr lustig ist mir heute auf dem Rad eingefallen. Sie suggeriert, dass ich damit Feierabend mache, sobald ich den Post veröffentliche. So wie jetzt, um 22.35 Uhr. Lustig.

Tagesende SL – 25.05. Montag

Fahrrad. Frisch am Morgen, kein Regen wie angekündigt. Windig. Hinfahrt entspannend. Auf der Rückfahrt auf dem Rad viele Konfliktgespräche geführt, mit mir und anderen nicht auf dem Rad anwesenden Personen.

Schafe gesehen.


Weniger als 5 Stunden geschlafen. Nicht gut. Starke Konzentrationsprobleme als Folge.


Erledigte Aufgaben:

  • zwei Beurteilungen eröffnet
  • bisschen Anmeldungssachen
  • acht Schreiben aus dem KM (noch mal) gelesen, stellenweise mit Anhängen, eine Mitschrift der Direktorentagung, eine Zusammenfassung der Schulaufsicht
  • Lehrerinfo aus der Essenz gebastelt: Corona Info 11, 14 Seiten
  • Konferenz zum Probeunterricht beigewohnt
  • Abends noch Email des Personalrats beantwortet, Lehrerinfo fertiggestellt
  • Ich müsste die letzte Beurteilung noch schreiben (erledigt)

Termin bekommen zur Überreichung der Urkunde mit der Ernennung zum Realschuldirektor auf Lebenszeit (glaube, dass das drauf stehen wird). In leichter Abwandlung von Groucho Marx: Der bayerische Staat muss verzweifelt sein.


Realschuldirektorenpose.

Weil ich anmerkte, dass ich mir den Bart abgenommen habe: Ein aktuelles Foto von mir, stilecht auf dem Lehrerklo. Und immer streng nach aktueller Hausordnung.

Ich sehe grad, dass ein Hemdknopf offen ist. Super, den ganzen Tag so rumgelaufen.

Tagesende SL – 19.05. Dienstag

Auto.

Am Donnerstag werde ich probieren mit dem Rad ohne Handschaltung zu fahren. Werkstatttermin ist erst am 27.5.


Bei der Autofahrt darüber nachgedacht, dass dies der ruhigste Frühling seit Jahren ist. Kein Disziplinarausschuss seit Anfang Oktober („normale “ Anzahl zwischen Januar und Juli: 15-20 Sitzungen), keine Bußgeldbescheide, keine Ordnungsmaßnahmen, kein Ausschluss vom Unterricht. Kein Nachschub für unsere Kiste im Safe mit den schulfremden Gegenständen.

Eine aus Australien stammende Instrumentallehrerin, die ich neu anstellte und die neulich zum ersten Mal da war, zeigte sich überrascht, dass man das Schulhaus „einfach so“ ohne Eingangskontrolle betreten könne. Erzählte ich das schon?

Gestern war sie da, um den Vertrag zu unterschreiben. Dabei fragte sie, ob es irgendwelche Kleidungsvorschriften für Lehrer gäbe innerhalb der Schule – sie kenne das aus Australien. Ich verneinte. Sauber sollte sie sein. Und die SchülerInnen nicht vom Lernen abhalten.

Heute mehrere ruhige Gespräche mit KollegInnen geführt. Geschichten aus anderen Leben gehört. JedeR KollegIn ihr eigenes Universum.


Ich musste nach Anruf aus dem KM die UP (Unterrichtsplanung) noch einmal nachmelden. Ich hatte einen Denkfehler gemacht, daher kamen nicht die richtigen Zahlen bei den Schülern durch. Das war in 30 Minuten gelöst.


Erledigte Aufgaben:

  • Nachmelden der UP
  • Einige Unterschriften von Kollegen einfordern und dabei Gespräche führen
  • Zwei Beurteilungen eröffnen, zwei weitere schreiben, weitere Gespräche
  • Ablage gemacht
  • Ein paar wenige Anmeldungen bearbeitet
  • Organisatorische Gespräche mit meinen Stellvertretern und den anderen Mitgliedern der Erweiterten Schulleitung

Dass der Druck nachlässt, merke ich daran, dass plötzlich neue Ideen an die Oberfläche kommen. Dass alte Pläne wieder auftauchen. Dass, dramatisch-theatralisch formuliert, das wieder Anspruch erhebt, was ich als Ich betrachten würde.

Seit einigen Tagen bin ich dabei – zum x-ten Mal – Struktur in meine Arbeit zu bringen. Nein, das ist keine Koketterie. Ich war früher eher der aus dem Bauch handelnde, von dem ich ja genug besitze. Zahlen, Termine waren für mich immer eher Empfehlungen, aber nicht unbedingt Stressoren.

Angesichts der Tatsache, dass mir meine Arbeit stellenweise auf die psychische und physische Gesundheit geht/ging, sehe ich mich genötigt, für Entlastung zu sorgen.

Und bin dabei wie ein Teenager, der erwachsen wird und endlich das umsetzt, was die Eltern ihm jahrelang gepredigt haben.

Beispiel 1: Tür zu

Eine geschlossene Tür erhöht die Produktivität eines Tages um ein Vielfaches. Ich muss es nicht weiter ausführen.

Beispiel 2: Delegieren

Ich war auch in der Falle, wo ich Aufgaben an mich zog, weil ich dachte, das muss so sein. Und ich konnte sie nicht abgeben, weil ich nicht „faul“ wirken wollte.

Aktuell habe ich Aufgaben abgegeben (die schon lange angefangen und halb brach bei mir lagen) und merke, dass es mir besser geht, da ich nicht nach der Erledigung jeder großen Aufgabe nicht zum Ausruhen komme, weil schon das nächste Ding auf mich wartet.

Und was heißt faul sein? Eine Aufgabe zu delegieren heißt vielleicht ja auch, dass ich sie jemandem gebe, der es besser kann als ich. Und dies aus verschiedenen Gründen, z.B. vielleicht auch, weil er mehr zeitliche Ressourcen hat, mehr Verständnis von Zahlen oder einfach Spaß hat sich in etwas einzufuchsen, was mich eher quält.

Beispiel 3: Pause machen

Heute wieder mal früher gegangen als ich denke, dass ein ordentlicher Chef gehen soll – was ein verquaster Gedanke. Ich war fertig mit meiner Arbeit. Und bin gegangen.

Ich habe heute auch den Gedanken gefunden, dass ich die Chef-Arbeit ebenso betrachtete wie die Lehrerarbeit: Ein Teil wird in der Schule erledigt, ein Teil zuhause. Das führte dazu, dass ich in der Schule zu jeder Zeit verfügbar wurde für das Tagesgeschäft und meine anderen Arbeiten (Beurteilungen schreiben z.B.) zuhause machte, abends, nach 20 Uhr, nachdem ich zwischen 17 und 18 Uhr aus der Schule kam. So geht das nicht weiter.


Ich möchte mir ein eigenes System schaffen aus den Arbeitsmethoden und -einstellungen, die bisher ganz gut funktioniert haben bei mir oder die mich ansprechen. Ich habe noch 15 Jahre Arbeit vor mir.


Symptome der Arbeitssucht (Auszug). Von der Homepage der Anonymen Arbeitssüchtigen.

http://www.arbeitssucht.de/index.html

  • Du beurteilst dich und deinen Tag fast ausschließlich nach der Menge der geleisteten – mehr noch der nicht geleisteten Arbeit
  • Du glaubst, „erst etwas leisten“ zu müssen und dir dein Lebensrecht durch Arbeit beweisen zu müssen

Heute war ein guter Tag.

Tagesende SL – 18.05. Montag

Auto. Fahrrad ist ja ein wenig defekt. Schnell an der Schule. Aber die Autobahn wird nicht schöner.


Morgens vom Kater verabschiedet worden.


Erledigte Aufgaben:

  • Ein paar Anmeldungen erledigt
  • Beurteilungen, drei, auf den Weg gebracht
  • Sideboard hinter mir und die Schreibtischschubladen aufgeräumt
  • Früher gegangen

Die Übermittlung der Unterrichtsplanung am Samstag ist fehlerfrei gelaufen, es gab keine Fehlerrückmeldungen.

Für Insider – die schönen Meldungen:


Heute sind die 5./6. zum ersten Mal gekommen. Schulhaus wird voller. Viele Masken. Ich glaube, die Schüler nehmen es gelassener als wir. Meine Masken sind alle zu klein, vor allem für den Bart. Neue Masken sind bestellt.

Mohameds Maske war zu groß, als ich mit ihm auf dem Gang sprach, rutschte ihm das Ding immer über die Augen.

Ich mache meine Bürotür öfter und länger zu. Experimentiere grad ein wenig mit Arbeitsweisen, Ordnung und wieder mehr mit Papier.

Heute ein untypischer Montag: Keine Hektik, kein gefühltes Durcheinander.