Auch gelesen: James Salter

James Salter. Alles, was ist. Berlin Verlag.

„Gelesen“ ist übertrieben. Ein wenig durchgekämpft. Und mir gedacht: Der Anfang war super – der Rest eher behäbig.

Bei Zeit-Online heißt das so:

Aber er ist ein Mann, auf den kein Schicksal wartet, denn dieses liegt bereits hinter ihm. Die Dramaturgie seines Lebens gleicht einem kurzen Orkan, dem ein langes Plätschern folgt. Und ebendiese Dramaturgie überträgt Salter konsequent auf den Roman. Die ersten dreizehn Seiten erzählen von Philip Bowman als Lieutenant der U. S. Navy, der an der Schlacht um Okinawa im Pazifikkrieg 1945 teilnimmt. Die folgenden 358 Seiten vom Zivilisten Bowman.

Zeitungen (preiswert) lesen am iPad

In den Ferien bin ich gut zum Lesen gekommen, vor allem auch der Zeitung. Im guten Dreiersprung habe ich so die regionale Pegnitz-Zeitung, die Süddeutsche und die tageszeitung lesen können, so wie man eben Zeitung liest (=> nicht alle Artikel, aber alle, die einen interessieren, z.B. über den Beginn der Karpfen-Saison in der Region). Dass ich jetzt täglich drei Zeitungen überhaupt in den Händen halte, ist vor allem auch der Preispolitik geschuldet, die sich scheinbar doch immer weiter verbessert.

Die Pegnitz-Zeitung beziehen wir ohnehin schon seit Jahren aus naheliegenden Gründen (Infos aus der Region, kurzer schneller Überblick über Tagesaktualitäten, Unterrichtsmaterial, Schüler entdecken, wenn sie in ihrer Freizeit erfolgreich und engagiert sind, z.B. im Sport). Hinzu kam ein SZ-Wochenendabo, welches vom Verlag aus irgendwann auf Freitag UND Samstag ausgedehnt wurde und zusammen mit der Regionalzeitung schon morgens da ist. Schließlich dann das Wochenend-Abo der taz seit einem Jahr, welches samstags per Post kommt.

Vor einem halben Jahr dann das Angebot der SZ, dass man zunächst die SZ-App kostenlos testen dürfe bis Ende 2011 und somit täglich Süddeutsche lesen könnte. Danach gab es dann die Möglichkeit, für zusätzlich 12,50 €/Monat zum Wochenendabo täglich die SZ auf dem iPad zu beziehen. Damit lag der Gesamtpreis immer noch unter dem regulären Papier-Abo-Preis einer Süddeutschen.

Vor wenigen Wochen rückte die taz nach. Hier liegt das Angebot noch günstiger: für nur einen Euro (1€!) Zuzahlung pro Woche zum Wochenendabo, ist es nun möglich, die tägliche taz herunterzuladen und z.B. in iBooks zu lesen.

Der Unterschied hierbei liegt nur in den Möglichkeiten der Apps. Die Süddeutsche präsentiert sich meiner Meinung nach in der aktuell ausgereiftesten App, die das Blättern, Lesen, Verenden und Archivieren von Artikeln am einfachsten und besten gelöst hat. Die taz geht zwei Wege: Das angesprochene Abo ist ein sogenanntes ePaper. Dieses ist in vielen Dateiformaten ladbar – so kann man sie als pdf, mobi, ibook, epub, text/-zip, html/-zip herunterladen und lesen. Die taz hat aber auch eine Art App herausgebracht, die in Verknüpfung mit textunes läuft – die iTaz. Während ich hier die Ausgaben einzeln (reduziert) kaufen und lesen kann, ist das ePaper sozusagen mobiler, weil ich bei jedem Download entscheiden kann, welches Format ich nehme – entsprechend könnte ich es auf die verschiedenen Geräte verteilen: iPhone, Android-Phones, Tablets, Kindle, iMac, meinetwegen auch PC.

In iBooks ist das Lesen der taz meiner Meinung nach etwas umständlicher. Man kann durch eine Faksimile-Ausgabe blättern und wenn auf einen Artikel tippt, erscheint dieser in einer einfach formatierten Version, anderen Ende dann die üblichen Buttons zum Verteilen an Twitter und/oder Facebook zu finden sind – ebenfalls per Email versendbar.

Letztlich

Neben dem einfachen Lesen der Zeitung (einfacher als das riesige Format der SZ am Frühstückstisch zu bändigen), neben der Preisgeschichte (es ist günstig) sind aber für mich bedeutsam die Einsparung von Papier-Ressourcen, der Anfahrtswege und die Entlastung der Papiertonne.

Ja, ja, aber Strom, wird der Nörgler wieder nörgeln. Ja, ja, sag ich, der Strom.

Achja, die digitalen Ausgaben bekommt man immer schon am Abend vorher.

Hören und noch mehr lesen

Die erste Woche ist vorbei, in denen ich ein Feriengefühl hatte – mal abgesehen von den drei Tagen in Hamburg auf dem Dockville. Nach Jahren auf RIP (Rock im Park / Nürnberg) war dies ein entspannend „anderes“ Festival. Mit vielen Bands, deren Namen ich nicht kannte, deren Musik mir aber gefiel: Wye Oak, The Jezabels, Tune Yards uvm. Darüber hinaus als Finale: Tocotronic, live. Und als persönliches Highlight sah/hörte ich, ohne dass ich es vorher wusste, Mischa-Sarim Vérollet auf der Slam-Bühne.
http://open.spotify.com/user/1134740725/playlist/2PaBEzzuMLbOYbwwptl2ba
Auf dem Festival hatte ich mich außerdem mit einem ehemaligen Schüler verabredet, den ich in meinem ersten Schuljahr als fertiger Lehrer unterrichtet hatte – also 1999/2000. Es war derselbe Schüler, der mir das erste Tape zusammen geschnitten hatte. Entsprechend wurde er mein musikalischer Führer auf dem Festival. Und seine Tipps waren zum überwiegenden Teil auch für mich eine Erweiterung des musikalischen Horizonts. Manchmal muss man sich halt reinhören. 😉

Und ins Lesen bin ich wieder gekommen zwischen Planten un Blomen und der Alster. Etwas planlos vielleicht, aber hartnäckig. Empfehlenswert dabei: Charles Dantzig – Wozu lesen?  Wenn man die Formulierung „ein kluges Buch“ verwenden möchte, dann wohl am ehesten hier. Ich habe es, wie so oft, nach dem Titel gekauft und weil mich die Buchhandlung ungemein angesprochen hat: eine Filiale von Boysen&Mauke nahe dem Rathausmarkt in Hamburg. Dort griff ich gleich noch zu einer Manesse-Ausgabe von „Walden“ (Thoreau), weil ich meine eigene daheim nicht mehr finden konnte. Mittlerweile habe ich noch „Männerseelen“ von Björn Süfke inhaliert. Und kaue, aber schon länger, an „Die Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafon.

Weiterhin warten darauf gelesen zu werden im Regal hinter mir:

  • Mein Kind ist bei Facebook – Thomas Pfeiffer, Jöran Muuß-Merholz
  • Helmut Lungershausen – Neu in der Schulleitung
  • Mein Stellvertreter – das unbekannte Wesen – Raabe Verlagsbuchhandlung
  • Medienerziehung – Dieter Spanhel

Ja, man merkt, worauf es hinausläuft.

Aber bis dahin gibt es so einiges anderes, draußen, auf dem Hof, im Gartensessel, umringt von Katzen.

 

Lehrer lesen

Auf dem Nachttisch…

so lautete die Überschrift, unter der Kurt Tucholsky Bücher besprach. Bei Zeno.org (hier über die Schriften Freuds) konnte ich einige dieser Texte aus den Gesammelten Werken entdecken – allerdings habe ich eine Gesamtausgabe ohnehin im Regal stehen.

Bei Lehrern dürfte es auch einen Ort geben, auf dem sich die Bücher stapeln – bis die Ferien beginnen.

 

Auf meinem Gartentischchen in den Pfingstferien

H.D. Thoreau – Aus den Tagebüchern.
Tewes Verlagsbuchhandlung

Ausgewählt, weil ich mein Projekt „Dichter als Staatsfeinde“ ausgebaut habe, d.h. um Erich Mühsam und Thoreau (Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat) erweitert habe. Walden hatte ich schon gelesen vor einigen Jahren – die Ausgabe steht hier aber nicht mehr, ich meine, ich hätte sie mal an einen Schüler oder eine Schülerin verliehen.

 

David Foster Wallace – Das Mädchen mit den komischen Haaren

Eine Bekannte schickte mir den Hinweis auf den Vortrag „Das hier ist Wasser“ von D.F. Wallace. Einen Vortrag vor den Absolventen des Kenyon College. (Besprechung in der SPEX) Sein Grundgedanken umkreisten die Fragen „Was ist Denken?“ und „Wie erreiche das 30. Lebensjahr, ohne mir eine Kugel in den Kopf zu jagen?“ Die Rede scheint auf den ersten Blick banal zu sein. Ist sie aber nicht.

Jedenfalls folgte aus dieser Begegnung nun dieser Band mit Kurzgeschichten. Ich bin gespannt. Es scheint das Sperrigste der drei zu werden.

 

Jonathan Franzen – Anleitung zum Alleinsein

OK, ich gebe zu, dass ich hier nach Titel ausgesucht und nicht den Klappentext gelesen habe. Allein aus den stressigen beiden Wochen heraus. Entgegen meiner Hoffnung, auf die Anleitung zum Alleinsein zu stoßen, fand ich hier nun eine Sammlung von gesellschafts- und kulturkritscher Essays aus den Jahren 1994 bis 2001.

Franzen kenne ich bisher nur von Die Unruhezone, was ich als schönes Hörbuch zwischen Berlin und Nürnberg genossen habe. Als solches ein genial witziges, spannendes und persönliches Buch – ohne allzusehr voyeuristisch zu sein.

Die Essays des vorliegenden Bandes sind bisher sehr vielversprechend. Grundsätzlich scheint es um eine Phase zu gehen, in der Franzen wenig bis gar nichts schreiben konnte/wollte. Eines der zentralen Essays ist somit wohl das Harper’s Essay über seine Depression nach zwei von der Kritik glänzend besprochenen Romane, die aber seiner Meinung nach kaum einer lesen will. Dabei dreht er Kultur, Medien und die damit verknüpfte amerikanische Gesellschaft durch die Mangel, was mich bisher glänzend unterhält. Manche Kritiker halten es für ein jammerndes Stück Literatur – ich nicht.

Ebenso spannend ein Essay über das Verhältnis von Privatsphäre und Öffentlichkeit: Riesenschlafzimmer. Spannend, weil von 1998 – Prä-Facebook sozusagen. Und es enthält dennoch einige prägende Gedanken, die in der aktuellen Diskussion um #postprivacy nicht unerwähnt bleiben sollten.

Bei der Entstehung des Essays schien aber der sogenannte Starr-Report Einfluss genommen zu haben, der die Vorgänge um die Beziehung zwischen Bill Clinton und Monica Lewinski „erhellen“ sollte. Seine Haltung dabei ist die, dass die Privatsphäre oder das Private nicht gefährdet sind, sondern eher „explodieren“. Das Private, so äußert er, belästige ihn eher, vor allem, wenn er damit im öffentlichen Raum konfrontiert werde in Form des laut telefonierenden Mitbürgers oder dem Lieferanten, der auf Bürgersteig pinkelt.

Ebenfalls erwähnt wird sein (unser) zwiespältiges Verhältnis zum Thema Datenschutz.

„Das Risiko, dass jemand mein Maut-Konto anzapft, erscheint mir erträglich gering, verglichen mit dem Plus an Bequemlichkeit.“

Aber auch die Hysterie rund um das Sammeln von Daten.

„Dass aber Powers (gemeint ist Richard Powers, der über den Verlust des Privaten schrieb) Kreditkartenbetrug und abgehörte Handygespräche ernstlich mit einem thermonuklearen Ernstfall vergleichen kann, zeigt in erster linie, wie ansteckend die Angst vor dem Verlust der Privatsphäre ist. Wo ist denn >registriert<, was Powers oder sonst jemand denkt, sieht, sagt, hofft, plant, träumt und peinlich findet? Ein digitaler Ulysses, der aus nichts anderes als einer Liste der Einkäufe seines Helden und anderer Verrichtungen besteht, die sich dokumentieren lassen, beliefe sich höchstens auf vier Seiten: War an Leopold Blooms Tag wirklich mehr passiert?“

Bei Franzen habe ich zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder einen Bleistift gezückt, um Seitenmarkierungen anzubringen.

Besprechung in der FAZ und auf BlogEdition.

 

Unterm Strich

Ich habe mich gefragt, warum so viele der Lehrer, die ich kenne, auf die Frage, was sie in den Ferien machen, oft anworten: „Lesen.“ Sicherlich geschieht dies, um auf andere Gedanken zu kommen. Andrerseits merke ich bei mir gerade, dass es vor allem auch darum geht, wieder Worte zu schöpfen. Nach 6 Wochen Unterrichts und 4 Wochen kontinuierlichen Korrigierens fehlen mir jedenfalls die Worte – auch im wörtlichen Sinn.

Seltsamerweise fällt mir grad wieder der Tucholsky ein und seine Frage nach Lichtenberg.

Auch was gelesen. Das Leben und das Schreiben – Stephen King

Das war nun, nach Der Anschlag, der zweite King nach etwa 15 Jahren.  Zwei Dinge überraschten mich. Zum einen die lange ausführliche Leseliste am Ende von den Büchern, die King während der Jahre zwischen seinem Unfall 1999 und 2009 gelesen hat. Manche Sachen klingen so interessant, dass ich sie als Einkaufsliste hernehmen kann. Inklusive der im Buch selbst angesprochenen King-Romane und Erzählungen.

Das zweite ist das Buch an sich. Ich hatte erwartet zu erfahren, wie er das Schreiben sieht – als blanke Theorie. Stattdessen verstand er es als Handbuch oder Anleitung für angehende Schriftsteller. Und dies auch noch sehr kurzweilig – eben so, wie er selbst u.a. das Schreiben verstanden wissen will.

Erschreckenderweise bekommt man gleich Lust, sich hinzusetzen und loszuschreiben. Erschreckend, weil wohl keiner auf den Roman eines Deutschlehrers wartet :D.

Obwohl…

PS: Zusammen mit dem King habe ich mir bei Amazon von Antonio Tabucchi Wer war Fernando Pessoa? bestellt. In einem Nachruf hatte ich von diesem Büchlein gelesen. Pessoa selbst hatte ich vor etwa 22 Jahren inhaliert. Am Ende einer Reihe, in der sich auch Thomas Bernhardt, Jean Amery, Camus und Sartre befand. Jetzt lese ich parallel Das Buch der Unruhe und den Tabucchi. Und fühle mich seltsamerweise noch angesprochen.