Peter O. Chotjewitz. Fast letzte Erzählungen. Verbrecher Verlag

Beim Verbrecher Verlag schau ich öfter mal rein. Hier eine Leseprobe gefunden. Dann angefangen zu lesen und bemerkt, dass u.a. von Meinhof und Baader erzählt in einer Art, die große Nähe vermuten lässt. Dann doch mal nachgelesen, wer hier schreibt. Spannende Spontan-Lektüre.

Die anderen fast letzten Erzählungen mal im Hinterkopf behalten.

Zuende gelesen am ersten Ferientag, an dem ich wenig überraschend um halb sechs wach wurde.

Ryder Carroll. Die Bullet Journal Methode. (Nur als Aufhänger.)

The Bullet Journal Method: Track the Past, Order the Present ...
(Auf deutsch gelesen)

Seit einigen Jahren kämpfe ich gegen extremste Konzentrationsprobleme in manchen Phasen. Meine Vergesslichkeit erzeugte viel Heiterkeit bei meiner Frau – anfangs. Mein neuer Posten hat nicht unbedingt zu einer Besserung beigetragen, aber die Notwendigkeit erhöht, daran zu arbeiten.

Ein erster Schritt war es in den zurückliegenden Wochen daher, entgegen meiner Technikbegeisterung gedanklich mal zurückzugehen bis zu dem Zeitpunkt, wo ich konzentriert arbeiten konnte. Und ich stieß auf folgende Punkte, die bei mir mit Erinnerungen an lange Phasen konzentrierten Arbeitens verknüpft sind:

  • Handschriftliches Notieren auf Papier, am besten mit Füller oder Bleistift
  • Mindmapping
  • Lesen von Papier
  • Anstreichen auf Papier

Und ja, das entsprach in etwa der Arbeitsweise in der Endphase meines Studiums Mitte 90er Jahre. Bei Hausarbeiten immer vorarbeiten mit Stift und Papier (Exzerpieren und Strukturieren), die Abgabefassung dann auf dem Computer tippen und ausdrucken.

Und jetzt, 20 Jahre später, verhilft mir handschriftliches Notieren aller wichtigen Dinge, die im Tagesablauf entstehen, dabei, mir diese auch länger zu merken und in andere Systeme, die mich erinnern sollen, einzupflegen.

Diese Erkenntnisse, zusammen mit der Lektüre und Umsetzung einiger Elemente von Ryder Carroll und seinem Bullet Journal (zu dem es zahlreiche Artikel im Internet und in allen sozialen Medien gibt), haben aktuell zu einer Besserung geführt. Vor allem, wenn ich z.B. Gespräche schriftlich vorbereite. Dann noch ein paar Spritzer GTD dazu und es funktioniert eigentlich recht gut.

Interessanterweise verstärkt es den Effekt, wenn ich Druckbuchstaben bei Notieren verwende (Ryder empfiehlt sie). Eine Art des Schreibens, die ich nie mochte, weil ich meine Handschrift dann sehr hässlich fand. Ich habe aber gemerkt, wenn ich langsamer schreibe und bewusster, dann werden die Buchstaben ansprechender und ich habe wiederum das Gefühl, mir mehr zu merken. Außerdem habe ich mir dadurch angewöhnt kürzer und prägnanter zu formulieren, weil ich Druckbuchstabenschreiben von der Muskulatur her als anstrengend empfinde.

Mindmapping hat dabei vor allem die Funktion mich zu entlasten – hier aber digital. Dies geschieht nach meiner persönlichen Erfahrung dadurch, dass ein Brain Dump schon beim Aufschreiben eine Sruktur erhält und somit das Chaos weniger chaotisch erscheinen lässt. Darüber hinaus ergibt sich die Möglichkeit bei meinem digitalen System bestimmte Punkte in Aufgaben umzuwandeln. Mindmaps schätze ich schon sehr lang und bringe sie im Unterricht auch immer wieder an – aber immer nur als Grundgerüst. Erst jetzt habe ich mir ein Buch von Tony Buzan im Antiquariat besorgt, um mir die Methode als Ganzes anzuschauen.

Alles in Bewegung derzeit. Manches scheint gut zu sein.

Mein wichtigstes Ziel ist es, die Momente zu mehren, in denen ich nicht hinterherarbeite, sondern vornweg. Damit wäre schon einiges erreicht.

Jaron Lanier. Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst.

Ich bin ja eher so ein assoziativer Leser, das heißt, ich gerate manchmal auf eine Schiene und dann lese ich mich von einer Fußnote zur nächsten.

Sozusagen.

Und dann kommen verschiedene Motivationen zusammen.
 
Hier kam eine Menge Überdruss und Unzufriedenheit zusammen.

Und dann musste ich auch noch mal „Wem gehört die Zukunft?“ in die Hand nehmen.

Ganz ohne Posting, ohne Manifestationen und Ankündigungen.

Aktuell bin ich hier gelandet.

Auch nicht ganz ohne Grund.

Der tägliche Stoiker. Ryan Holiday.

Entdeckte ich kurz vor Beginn des 2. Halbjahres im Februar letzten Jahres, in dem ich allein in der Schulleitung arbeitete. Kurzausschnitte aus den philosophischen Werken Senecas, Marc Aurels und Epiktets, mit mehr oder weniger passenden Auslegungen und Mordernisierungen. Das Problem war, dass meist die Überschrift jeder Seite schon eine Deutung enthielt, die dann beim Lesen des Auszugs störte – ich gewöhnte mir nach einiger Zeit an, diese auszublenden.

Schien mir aber insgesamt eine gute Lektüre für meine Situation zu sein. War es insofern auch, da ich mir die drei Hauptwerke der drei Autoren, die darin angesprochen waren, dann schließlich doch in Übersetzung als Ganzschrift in einem Antiquariat besorgte und weitgehend las. Insofern gut.

Wichtigster Grundgedanke: Den Unterschied erkennen zwischen den Dingen, die man ändern kann und denen, die nicht in der eigenen Macht liegen.

Lieblingszitat: „Sei misstrauisch, wenn man gut von dir spricht.“

Sarah Bakewell. Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten

Außerordentlich gut, wenn man sich mal mit Montaigne beschäftigt hat oder beschäftigen will. Außerordentlich dichte Hintergrunddarstellung (Epoche, Zeit, Biografie, Denken), den Gedankenzusammenhängen der Essais, inklusive der Rezeption nach seinem Tod bis in die Gegenwart.

Seit langer Zeit nicht mehr so gefangen gewesen von einem Buch.

 

Matt Haig. Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

9783423429139Über Kanäle drauf gestoßen worden, die ich seit einiger Zeit besuche.

Lovelybooks

Buchkolumne

Vor allem in diesem Fall letztere Seite, auf der ein Artikel zum Thema „Bücher gegen Depressionen“ veröffentlicht wurde. Auf der Facebook Seite wurde gefragt, ob man die Liste verlängern kann. Mir fielen dazu noch zwei Bücher ein, die ich zu Beginn der 90er Jahre gelesen habe:

Und ja, natürlich habe ich damals auch die einschlägige Selbstmord-Literatur gewälzt: Ohne wirklich den Hintergrund zu erfassen – Hand an sich legen von Jean Amery. Außerdem: Vom Nachteil, geboren zu sein von E.M. Cioran; Die Anthologie „Der Selbstmord“ hg. von Roger Willemsen.  Ein wenig Camus, Fernando Pessoa. usf.

Matt Haig liest sich manchmal unglaublich banal – nun, vielleicht ist „das Ganze“ mit den Gründen, am Leben zu bleiben auch banal.

Matt Haig kann aber an anderen Stellen recht bildhaft beschreiben, wie sich eine Depression mit Angststörung „anfühlen“ kann. Und die Liste mit „Prominenten, die unter Depressionen leiden oder litten“ ist doch recht umfangreich und ich ertappte mich auch beim plumpen „Wie kann so jemand depressiv sein, pffff“. An anderen Stellen wird aber ein guter Blick auf seine Ausprägung einer Depression mit Angststörung geworfen. Sein aus meiner Sicht bester Rat ist aber der Hinweis darauf, dass man nicht allein ist und nicht an einer Krankheit leidet, die nur einen selbst betrifft.

Literarisch kein großer Wurf, aber inhaltlich stellenweise überraschend und nachdenkenswert.

Das Buch wird einen Depressiven sicher nicht heilen. Vielleicht kann es den Gang zu einem Therapeuten aber erleichtern. Wenn ich recht nachdenke, kam Therapie als solche in dem Buch nicht vor.

Eine Leseprobe.

King. The Stand. Das letzte Gefecht. Hörbuch

666 Kapitel. Ungekürzte Fassung. Laut Angabe des Verlags 54 Stunden Hörbuch. (Unglaublich gut) Gelesen von David Nathan.

Und nur die letzten 5% waren eher mau.

Ansonsten stellenweise einfach fantastisch erzählte Geschichten, die aber letztlich doch ein Gesamtes ergeben.

Hat mich manchmal länger im Auto sitzen lassen, bevor ich ausstieg.

So gut, dass ich mir nun auch noch die Verfilmung besorgt habe.

Hier auch mit Hörprobe. Ich habe es mir über Spotify zugefügt.