wasmachteigentlichderchef 2022-04-05 (Christian Kracht. Faserland)

Seltsamer Roman. Soll Kontroversen hervorgerufen haben. Soll Zustandsbeschreibung einer ganzen Generation (meiner) darstellen. Nach der Lektüre suche ich Kracht im YouTube-Fernsehen und finde wirklich vom Habitus her und vom Auftreten ein Abbild der Figur aus dem Roman. Und das ist nicht mal ein Kompliment.

Aber auch selten so ein Auf und Ab der inneren Einstellungen (Gefühle) gehabt: Anfangs dachte ich noch, dass liest sie so wie „American Psycho“, also so wie ich es mir vorstelle, denn gelesen habe ich das nicht. Dann wurde es langsam rund. Ein gelangweilter Yuppie auf Reisen, der alles wahrnimmt, oberflächlich bleibt und vor allem Gelenkigkeit und abgestumpft. Da dachte ich bei aller Naivität, ob man das als modernen Simplicissimus beschrieben kann? Zum Ende immer zäher, das Ende selbst oberflächlich tiefgründig.

Ließ mich ratlos zurück. Irgendwer beschreibt das als „Bildungsroman“ – das macht mich noch ratloser.

Danach ein wenig in dem Bücherdurcheinander meines Regals rumgeschaut. Jurek Becker rausgezogen, die Briefe gelesen, dann „Aller Welt Freund“ eingelesen – und das war ein wenig Aufbauarbeit nach Faserland.

Müsste man nicht als Road-Novel nach diesen zwei noch Heines Deutschlandreisen lesen, wieder? Die Harzreise („Der beste Blick auf Göttingen ist der mit dem Rücken“), Deutschland. Ein Wintermärchen.

wasmachteigentlichderchef 2022-03-27 (Roger Willemsen)

Nachdem ich Deutschlandreise von Roger Willemsen bestellt hatte, bemerkte ich, dass auf Spotify das Ding als Hörbuch liegt. Da ich in letzter Zeit mehr und länger unterwegs bin, habe ich nun gleich dies gehört. Und mit der Stimme des Autors wird diese besondere Form des Reiseberichts noch einmal eindrucksvoller. Habe manchmal gelacht im Auto, was ich als selbstbeherrschter Mensch auch außerhalb nur sehr überlegt mache*1

Ach, geiler Satz.

Jetzt fast drei Tage nicht in meiner Wohnung gewesen. Merke, dass ich bei allem ruhiger werde, wenn ich nicht meinen Schreibtisch sehe.

Zwei Sätze aus der letzten Zeit in dem Zusammenhang, die nachhallen:

„Manchmal möchte ich wissen, was in deinem Kopf vorgeht.“ *1

„Du lachst schon viel mehr.“ *1

Aber echt: Ich kann mich aus meiner Zeit in der Schulleitung (also seit 2009) nur an drei Ereignisse erinnern, wo ich mich nicht gut unter Kontrolle hatte. Zwei Mal habe ich mich geärgert, ein Mal angefangen zu weinen.

Ich neige offenbar dazu, Sachen in mich reinzuschaufeln und da dann zu lassen. Letzte Woche beim Coaching gefragt worden, wie immer, womit ich denn anfangen wolle. Schon auf dem Weg dorthin dachte ich mir, dass eigentlich nichts Aufregendes anliegt. Als ich dann anfing etwas zu erklären, kam ich von einem zum Anderen, holte weiter aus und noch weiter, um mich am Ende dann mit der Frage konfrontiert sehen: Wollen Sie nicht ein paar der Dinge loslassen?

Ich radelte erleichtert nach Hause.


Nächster Woche beginne ich die Golfsaison.


Westpark, morgens, wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge große Schatten.

Gostenhof, Nürnberg, Spaziergang

Es ist alles gut so wie es ist.

Margaret Atwood. Der Report der Magd. Graphic Novel von Renée Nault.

Vorschauen im Serien-TV ja schon öfter gesehen, aber nie genau gewusst, worum es geht. Dachte immer, das wäre so eine Amish-Geschichte.

Dann aber die Graphic Novel in der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit gefunden und für den kleinen Pfennig bestellt. Und nicht bereut.

https://www.blz.bayern.de/publikation/der-report-der-magd-graphic-novel.html

In der BLZ auch gefunden als Graphic Novel: Das Tagebuch der Anne Frank.

Aras Ören. Berliner Trilogie. Drei Poeme. Verbrecher Verlag.

Sehr stark.

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Geklaut von der Seite des Verlags:

»Aras Ören ist es gelungen, die Spannungen zwischen der trüben Umwelt der Naunynstraße und der Erinnerung an die Türkei, die sich mit den Jahren zur Illusion verdichtet, sowie die Illusion vom Leben in Deutschland und die soziale Realität in der Türkei in kräftigen Bildern und Handlungsabläufen wiederzugeben – ein Zeugnis der türkischen Odyssee und mehr, Zeugnis einer Erfahrung, die nicht nur auf die Türkei zurückwirken wird«, schrieb Ingeborg Drewitz 1973 im Tagesspiegel.