Gelesen: Herrndorf. Bilder deiner großen Liebe.

Ein krasser Roman im eigentlichen Sinn. Alles, was es über ihn zu berichten gibt, steht ja schon zum Nachlesen bereit.

Und:

Die Literatur hat einen neuen ersten geilen Satz.

„Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert.“

Und einen Erzähltyp, der mich mit sich gezogen hat (ich habe in einem Zug gelesen, auf dem Sofa liegend, an dem heutigen sonnigen Sonntag, hinter heruntergelassenen Jalousien – nun gut, sonnige Sonntage sind eh nicht so meins), bei dem man nicht wusste, was als nächstes kommt, zu keiner Zeit und der schon so allein atemlos machte. Ein Roman, bei dem das Krasse neben dem anderen (Schönen?) steht. Eine Erzählerin, die scheinbar die Hälfte der Zeit im Delirium spricht, träumt und diese Träume noch modelliert, Tagebuch schreibt, erzählt und mittendrin mit kurzen Nebensätzen weit über sich und den Roman hinausweist.

„Kennst du überhaupt Schriftsteller?“

„Keinen aus der Gegenwart. Nur Klassiker. Ich les nur Klassiker.“

„Ah, die junge Dame hat Geschmack und ist gebildet. Und wen kennen wir da so?

„Alle.“

„Alle. Und wer ist da der Beste? Der Superpromi? Der sexyste Superstar des siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts?“

„Karl. Philipp. Moritz.“

Ob man das Fragmentarische durch den Hintergrund des Romans erklären lässt oder ob es nicht viel mehr genialisches Erzählprinzip, Charakter und Grundlage ist, sei dahingestellt.

Und ja, Tschick und Maik kommen auch drin vor. Als eine „Fortsetzung“ von Tschick sehe ich es aber nicht. Vielmehr eine von den vielen Geschichten, die in Tschick nicht erzählt wurden und die irgendwie fehlen. So wie Herrndorf weiter fehlen wird.

Gelesen: Schuljahr – Der ganz normale Wahnsinn. Erlebnisse eines Schulleiters.

Ulrich Knoll: Schuljahr.

Normal lese ich solche Bücher nicht oder nur ungern. Im Kern nicht mehr als eine Anekdotensammlung, literarisch/erzählerisch wenig anspruchsvoll und, naja, über meinen Beruf brauche ich keine Satire zu lesen – das habe ich täglich, und das ist nicht übertrieben und ohne Lachen gesagt.

Ich habe es dennoch gelesen, als E-Book, weil es natürlich pikant war aus verschiedenen Gründen:

  • der Autor war Schulleiter einer Realschule, die hier in der Nähe liegt
  • einige Kollegen, die beschrieben werden (und nur sehr unzureichend namentlich unkenntlich gemacht), kenne ich persönlich

Knoll unterteilt sein Buch nach den verschiedenen Phasen des Schuljahres, z.B. die Anfangswochen, bis Weihnachten, bis zum Zwischenzeugnis usw. Dabei tauchen verschiedene Lehrerrollentypen auf, die sicherlich so an jeder Schule existieren.

  • diejenigen, die noch vor Beginn der Unterrichtszeit auftauchen und bei den Stundenplanmachern herumlungern, um den Machern einige Vorteile im Plan herauszuholen und vor allem ihnen die Zeit zu stehlen
  • diejenigen, die immer jammern und der Meinung sind, dass auf ihren schultern alles ruht und sie alles zu stemmen haben, obwohl sie doch so angeschlagen sind
  • die eifrigen, die faulen, die unfähigen Lehrer

Kenn ich alles. Spannend ist es also nicht wirklich. Ich hatte gedacht/gehofft/gefürchtet, dass das Buch böse würde, aber das war es nicht. Dennoch grundsätzlich kathartisch. Ich habe heute in einer zehnten Klasse die Frage durchdenken lassen, warum wir (Menschen) überhaupt Geschichten erzählen und, noch viel wichtiger, Geschichten lesen, die andere erzählen. Und natürlich war einer der Punkte, dass es entlastet, und zwar das Schreiben und das Lesen. Entsprechend sehe ich die Lektüre. Neben dem schon beschriebenen Voyeurismus.

Ich vermute allerdings, dass viele Geschichten des Buches über die bayerischen Grenzen hinaus nicht nachvollziehbar sind, weil einige der krassesten Anekdoten eben gebunden sind an die Hauptpersonen und an ihren Charakter, abhängig von der hiesigen Schulhierarchie. Da mag man in Niedersachsen nicht ganz den Witz erkennen.

Apropos Witz. Ein (mittlerweile pensionierter) Amtsinhaber einer mir vorgesetzten, mittleren Schulbehörde der Realschule hat schon mal Einzug gehalten in die Literaturgeschichte, angeblich, und zwar als Dietmar Lodenbacher in den Allgäuer Kluftinger-Krimis (Einer der Autoren war selbst Realschullehrer in Bayern). Sein realer Nachfolger taucht in diesem Buch hier auf.

Angesichts einiger, dieser Umstände im Buch, so dachte ich bei mir, muss ich wohl bis zu meiner Pensionierung warten, bis ich nicht mehr wegen meiner unbedeutenden, begrenzten Meinungsäußerungen hier im Blog vor Vorgesetzte zitiert werde, weil oberschlaue Hochgebildete kein Problem darin sehen, über den Dienstweg unpassende Meinungen beiseite zu schaffen, die ihrem Selbstbild nicht entsprechen. Dann also offensichtlich ist alles möglich.

Jenseits von allem also immer Hoffnung.

Gelesen: Henry David Thoreau. Das reine Leben, Knesebeck-Verlag (Graphic Novel)

FotoAuslage im Literaturcafé in Nürnberg, wo wir ab und an zum Frühstücken gehen. Hier stehen nicht nur Zeitungen zur Auswahl, sondern auch Bücher. Während des Frühstücks gelesen.

Nach „Freud“ ist dies die zweite Graphic Novel, die ich aus dem Knesebeck Verlag in die Hand genommen habe und auch die gefällt mir ausnehmend gut. Das Thema hier ist vielleicht etwas weniger komplex als Freud, dadurch die Bilder aber etwas lebendiger/unmittelbarer/erzählhafter.

Ich frage mich, ob eine Graphic Novel, die eher Geistesgeschichte darstellen will, nachvollziehbarer ist, wenn man die zugrundeliegenden Zusammenhänge schon kennt – oder ob man daraus auch lernen, bzw. diese zumindestens als Einstieg für eine Vertiefung hernehmen kann.

Jedenfalls wird wohl aus dem Knesebeck-Verlag als nächstes eine der Kafka Novels auf meiner Liste stehen.

Späte Antwort: Buchhändler des Vertrauens

Timo Off schrieb schon im Oktober einen Blogpost, der mir seitdem auch im Kopf umherschwirrte. Hat etwas gedauert die Antwort, aber an so einem verregneten Feiertag geht das dann auch. Hanjo Iwanowitsch hat schon längst darauf geantwortet. Herr Rau auch.

Mit blieb das vor allem deshalb so lang im Hinterkopf, weil ich kurz nach Erscheinen des Posts nach Köln fuhr, genauer nach Refrath, vor den Toren Kölns, um meine Tante zu besuchen, die wiederum von meiner Mutter besucht wurde. Da meine Mutter eigentlich bei Bremen wohnt, ist das immer ein gutes Wegstrecke weniger für mich. Außerdem ist Bergisch Gladbach (Refrath gehört dazu, wie auch Bensberg, wo ich mein Abi machte) der Ort, wo ich die Jahre zwischen 14 und 20 verbrachte (1984-1990), die Jahre zwischen Hamburg und Franken sozusagen.

Gleichzeitig die Jahre, die mich literarisch prägten. Also auch die ersten Jahre mit den BuchhänderInnen.

Die ersten Bücher, an die ich mich erinnere, holte ich allerdings in einer Leihbücherei, die eine Zweigstelle nur eine Querstraße entfernt von unserer Wohnung hatte. Eine Barracke aus schwarzem Holz, Wände und Boden. Wenn man dort zwischen den Regalen entlang ging, neigten sich diese zur Mitte hin, also zu dem, der da durchging – das war schon etwas gruslig. Ich weiß noch, dass ich irgendwann anfing, Bücher nach ihrem Titel auszuwählen und zu lesen. An zwei aus dieser Zeit erinnere ich mich noch: „Der Steppenwolf“ von Hesse und ein Sachbuch (Tiefenpsychologie) mit dem Titel „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann. Irgendwann wurde diese Barracke abgerissen und die Bibliothek zog um an den Anfang der Fußgängerzone, wo ich dann nicht mehr so oft hingegangen bin.

In Bensberg gab es damals zwei Buchläden: den „Funk“, der aber eher für Schulbücher zuständig war, und die Schlossbuchhandlung. Letztere war interessanter, weil irgendwie die Auswahl der Auslagen spannender war. Heute, habe ich gesehen, existiert die Schlossbuchhandlung nicht mehr – nicht einmal der Laden ist neu vermietet. Und der „Funk“ ist in die fast ausgestorbene Fußgängerzone gezogen.

Mit dem Ende der Schulzeit las ich mehr und mehr und da ich „verdiente“ (BaföG und so), kaufte ich auch mehr und mehr Bücher. Da ich der einzige in meinem Umkreis war, der viel las, bekam ich wenig Tipps, sondern suchte weiterhin nach drei Methoden aus:

1. Spannenden Titeln

2. Erwähnungen von Titeln in Büchern, die ich las

3. Dem Buchhändler schildern, was ich lesen will und dann seinen Tipps vertrauen

Mit dem Plan 3 hatte ich in der Schlossbuchhandlung gute Erfolge. In die Schlossbuchhanldung bin ich mal rein und habe der Buchhändlerin genau beschrieben, was für eine Art Liebesroman ich lesen möchte. Herausgekommen bin ich mit Kunderas „Die Unterträgliche Leichtigkeits des Seins“ und „Drachenblut“ von Christoph Hein.

Während des Zivildienstes in Köln lief ich regelmäßig eine andere Buchhandlung an, deren Name ich nicht mehr weiß. Ich weiß nur, dass ich mal tagelang an deren Auslage entlanggelaufen bin, um ein Buch zu umschleichen, dessen Klappentext und Titel mir nachgingen: „Das Buch der Unruhe“ von Fernando Pessoa. Ein Buch, was mich nach Kauf und Lese lang begleitet hat.

Dort, wo sich die Auslage befand, sieht es heute so aus.

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Während des Studiums in Würzburg war ein regelmäßiger Anlaufpunkt der Buchladen „Neuer Weg„. Ein Laden, in dem man immer Geld ausgeben konnte. Der prall gefüllt war mit Lesestoff. Hinzu kam ein Antiquariat mit verbilligten Büchern und Remittenden. Meine Lieblings-Remittende war „Der Schüler Gerber „von Friedrich Torberg.

Den „Neuen Weg“ gibts heute noch.

Eine Randnotiz: In den 90er Jahren entstanden Gerüchte um den „Neuen Weg“, dass er zu einer Sekte gehöre. In Würzburg liegt bis heute der Sitz des „Universellen Lebens“, daher glaubte man, dass hier Verbindungen existierten. Die Begründungen für diese Vermutung waren u.a.

1. Der Name.

2. O-Ton: „Die Leute da sind immer so unglaublich nett und lächeln so viel“ (Jeder, der Würzburg kennt, kann das einordnen)

Zwei Buchhändler kommen noch.

Zum einen die Buchhandlung Dienstbier in Lauf, wo ich wohne. Hier werde ich mit Namen begrüßt. Hier arbeitet ein ehemaliger Schüler von mir (So stolz!). Und Herr Dienstbier und seine KollegInnen besorgen mir alles, was ich brauche, vor allem Lektüren, unglaublich schnell und zuverlässig.

Zum anderen habe ich jetzt wieder eine Buchhandlung gefunden, in die ich reingehen kann, über meine (und ihre/seine) Vorlieben mit den Inhabern quatsche und dann mit einem kleinen Stapel Bücher rauskomme: Uslar &Rai,  Einziger Nachteil: Sie ist in Berlin, auf der Schönhauser Allee, U-Bahn Eberswalder Straße.

Ich war am Laden eigentlich schon fast vorbei, als mein Blick an einer Postkarte mit einem Gedicht von Thomas Brasch hängen blieb . Und mein Rückschluss war: Wo solche Postkarten hängen, gibt es auch gute Bücher und nette Buchhändler. Und ich hatte recht. Schade, dass er so weit weg ist. Aber auch wiederum ein weiterer Grund, regelmäßig nach Berlin zu fahren.

Mitgenommen habe ich von James Salter „Alles, was ist“ und „Freud“ als Graphic Novel. Außerdem die Empfehlung  für „Kapital“ von John Lanchester, den ich mir noch für die Sommerferien bereitgelegt habe.

Als Anhang das Gedicht, gelesen vom Autor.

httpv://www.youtube.com/watch?v=6jIUDU8Lh8g

gelesen: Bunker Diary.

Als Ebook. Von: Kevin Brooks.
Wird in der Ankündigung in eine Reihe gestellt mit Nichts von Janne Teller. Daher habe ich es angefangen zu lesen.
Beginnt im Ansatz ein wenig wie Herr der Fliegen, entwickelt sich aber übler. Angeblich würden Buchhändler empfehlen, die letzten Seiten im Hellen und nicht allein zu lesen.
Interessante Erzählerperspektive, starke Kost für Schüler.

gelesen: Irgendwas Mit Schreiben. mikrotext.

Aus dem mikrotext-Verlag, Untertitel: short digital reading.

Ebook für 1,99€.

Eine Zusammenstellung von Texten durch Jan Fischer. Allesamt Autoren, die die „Hildesheimer Schreibschule“ (Studienrichtung Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus) durchwandert haben und nun versuchen, ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben zu verdienen.

Spannend, witzig, aufschlussreich. Ebenso wie der Verlag, der es rausgebracht hat.

Ich grüble seit einer Stunde, wie ich eigentlich auf dieses Buch gestoßen bin.

Blog-Kuschel-Zeit

Ich habe gerade festgestellt, dass ich gute Noten in der „Fokussierung“ habe, weniger Sterne aber bei „Theoretisches“ und „Anekdoten“. Das ist sehr nett, Danke.

Fontanefan hat zur Blogparade aufgerufen in Bezug auf Lehrerblogs und Wahl zum Blog des Jahres, wenn ich das alles recht verstanden habe – ist schon spät, habe gerade noch ein Screencast zu Evernote aufgenommen und Devonthink. Wollte auch noch eine Folge schauen von…hrrrmmm Fokussierung!!!

Blogs vorstellen.

Mein Feedly-Verzeichnis weist 23 Einträge auf unter der Rubrik „Lehrer“. Leider höre ich von einigen nichts mehr, z.B. von Widerspiegel.

Sehr gern und oft lese ich – abgesehen von denen, die schon erwähnt worden sind (Halbtagsblog, Hauptschulblues, Herr Rau):

MAW Spitau

Weil er gern mit Dingen mit Kabeln frickelt und darüber schreibt. Außerdem hat er eine schöne Bandbreite von Themen.

Breuer Info DE

(Ich sehe grad, dass die Seite den Untertitel trägt „Die Infoseite für meine Schüler….ist das noch Lehrerblog?) Weil hier schöne Hausaufgaben verzeichnet sind für die Schüler von Herrn Breuer.

ATS20.de

Weil er so abartig viel liest (mehr als du Herr Rau, gefühlt) und mich allein durch die Masse dazu gebracht hat, auch wieder mehr zu lesen. Schön übrigens, dass du jetzt immer noch einen Satz dazu schreibst, wenn du die Buchtitel angibst.

Andreas Kalt

Weil er aus meiner Sicht spannende Sachen mit seinen Wikis macht und ich immer hoffe, dass der Grad der Organisiertheit, den seine Postings ausstrahlen, irgendwie auch mein Chaos ein wenig besser macht. (Und weil er immer wieder auf meine Wiki-Macbook-Fragen antwortete)

Aber es gibt eigentlich einen Blog, das ich immer wieder gern lese, auch wenn es quasi schon beendet wurde. Aber es war mein zweites Blog, nach Edushift von Felix Schaumburg, welches mich dazu brachte, selbst mal WordPress zu installieren. Und ich vergesse regelmäßig den Namen und die Adresse. Verdammt. Ah, jetzt:

Gerhard Sennlaub

Weil er einen grandiosen Ton hat in seinen Postings und eine tolle Haltung seinem Beruf, seinen Kollegen und den ehemals Vorgesetzten gegenüber. Wenn ich hier demnächst mal davon schreibe, wie ich mich als Mitglied einer Schulleitung sehe, werde ich ihn wohl mal zitieren.

Danke übrigens Herr Rau, dass du immer auf meine Fragemails antwortest. Und dass du mich an „Ich. Alles. Sofort“ erinnert hast. Das Blog war irgendwie aus meinem Fokus gerutscht.

Müde. Gute Nacht.

gelesen: Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

UnknownMagical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt. Sven Regener.

Am Ende denk‘ ich mir: Schön, dass Karl Schmidt wieder da ist und den Weg vor Augen hat. Musste mich ein paar Tage in die spezielle Erzählart einlesen, aber dann nahm mich der Flow mit ;).

Netter Fernsehbericht des rbb.

Auch gelesen: James Salter

James Salter. Alles, was ist. Berlin Verlag.

„Gelesen“ ist übertrieben. Ein wenig durchgekämpft. Und mir gedacht: Der Anfang war super – der Rest eher behäbig.

Bei Zeit-Online heißt das so:

Aber er ist ein Mann, auf den kein Schicksal wartet, denn dieses liegt bereits hinter ihm. Die Dramaturgie seines Lebens gleicht einem kurzen Orkan, dem ein langes Plätschern folgt. Und ebendiese Dramaturgie überträgt Salter konsequent auf den Roman. Die ersten dreizehn Seiten erzählen von Philip Bowman als Lieutenant der U. S. Navy, der an der Schlacht um Okinawa im Pazifikkrieg 1945 teilnimmt. Die folgenden 358 Seiten vom Zivilisten Bowman.

Zeitungen (preiswert) lesen am iPad

In den Ferien bin ich gut zum Lesen gekommen, vor allem auch der Zeitung. Im guten Dreiersprung habe ich so die regionale Pegnitz-Zeitung, die Süddeutsche und die tageszeitung lesen können, so wie man eben Zeitung liest (=> nicht alle Artikel, aber alle, die einen interessieren, z.B. über den Beginn der Karpfen-Saison in der Region). Dass ich jetzt täglich drei Zeitungen überhaupt in den Händen halte, ist vor allem auch der Preispolitik geschuldet, die sich scheinbar doch immer weiter verbessert.

Die Pegnitz-Zeitung beziehen wir ohnehin schon seit Jahren aus naheliegenden Gründen (Infos aus der Region, kurzer schneller Überblick über Tagesaktualitäten, Unterrichtsmaterial, Schüler entdecken, wenn sie in ihrer Freizeit erfolgreich und engagiert sind, z.B. im Sport). Hinzu kam ein SZ-Wochenendabo, welches vom Verlag aus irgendwann auf Freitag UND Samstag ausgedehnt wurde und zusammen mit der Regionalzeitung schon morgens da ist. Schließlich dann das Wochenend-Abo der taz seit einem Jahr, welches samstags per Post kommt.

Vor einem halben Jahr dann das Angebot der SZ, dass man zunächst die SZ-App kostenlos testen dürfe bis Ende 2011 und somit täglich Süddeutsche lesen könnte. Danach gab es dann die Möglichkeit, für zusätzlich 12,50 €/Monat zum Wochenendabo täglich die SZ auf dem iPad zu beziehen. Damit lag der Gesamtpreis immer noch unter dem regulären Papier-Abo-Preis einer Süddeutschen.

Vor wenigen Wochen rückte die taz nach. Hier liegt das Angebot noch günstiger: für nur einen Euro (1€!) Zuzahlung pro Woche zum Wochenendabo, ist es nun möglich, die tägliche taz herunterzuladen und z.B. in iBooks zu lesen.

Der Unterschied hierbei liegt nur in den Möglichkeiten der Apps. Die Süddeutsche präsentiert sich meiner Meinung nach in der aktuell ausgereiftesten App, die das Blättern, Lesen, Verenden und Archivieren von Artikeln am einfachsten und besten gelöst hat. Die taz geht zwei Wege: Das angesprochene Abo ist ein sogenanntes ePaper. Dieses ist in vielen Dateiformaten ladbar – so kann man sie als pdf, mobi, ibook, epub, text/-zip, html/-zip herunterladen und lesen. Die taz hat aber auch eine Art App herausgebracht, die in Verknüpfung mit textunes läuft – die iTaz. Während ich hier die Ausgaben einzeln (reduziert) kaufen und lesen kann, ist das ePaper sozusagen mobiler, weil ich bei jedem Download entscheiden kann, welches Format ich nehme – entsprechend könnte ich es auf die verschiedenen Geräte verteilen: iPhone, Android-Phones, Tablets, Kindle, iMac, meinetwegen auch PC.

In iBooks ist das Lesen der taz meiner Meinung nach etwas umständlicher. Man kann durch eine Faksimile-Ausgabe blättern und wenn auf einen Artikel tippt, erscheint dieser in einer einfach formatierten Version, anderen Ende dann die üblichen Buttons zum Verteilen an Twitter und/oder Facebook zu finden sind – ebenfalls per Email versendbar.

Letztlich

Neben dem einfachen Lesen der Zeitung (einfacher als das riesige Format der SZ am Frühstückstisch zu bändigen), neben der Preisgeschichte (es ist günstig) sind aber für mich bedeutsam die Einsparung von Papier-Ressourcen, der Anfahrtswege und die Entlastung der Papiertonne.

Ja, ja, aber Strom, wird der Nörgler wieder nörgeln. Ja, ja, sag ich, der Strom.

Achja, die digitalen Ausgaben bekommt man immer schon am Abend vorher.

Hören und noch mehr lesen

Die erste Woche ist vorbei, in denen ich ein Feriengefühl hatte – mal abgesehen von den drei Tagen in Hamburg auf dem Dockville. Nach Jahren auf RIP (Rock im Park / Nürnberg) war dies ein entspannend „anderes“ Festival. Mit vielen Bands, deren Namen ich nicht kannte, deren Musik mir aber gefiel: Wye Oak, The Jezabels, Tune Yards uvm. Darüber hinaus als Finale: Tocotronic, live. Und als persönliches Highlight sah/hörte ich, ohne dass ich es vorher wusste, Mischa-Sarim Vérollet auf der Slam-Bühne.
http://open.spotify.com/user/1134740725/playlist/2PaBEzzuMLbOYbwwptl2ba
Auf dem Festival hatte ich mich außerdem mit einem ehemaligen Schüler verabredet, den ich in meinem ersten Schuljahr als fertiger Lehrer unterrichtet hatte – also 1999/2000. Es war derselbe Schüler, der mir das erste Tape zusammen geschnitten hatte. Entsprechend wurde er mein musikalischer Führer auf dem Festival. Und seine Tipps waren zum überwiegenden Teil auch für mich eine Erweiterung des musikalischen Horizonts. Manchmal muss man sich halt reinhören. 😉

Und ins Lesen bin ich wieder gekommen zwischen Planten un Blomen und der Alster. Etwas planlos vielleicht, aber hartnäckig. Empfehlenswert dabei: Charles Dantzig – Wozu lesen?  Wenn man die Formulierung „ein kluges Buch“ verwenden möchte, dann wohl am ehesten hier. Ich habe es, wie so oft, nach dem Titel gekauft und weil mich die Buchhandlung ungemein angesprochen hat: eine Filiale von Boysen&Mauke nahe dem Rathausmarkt in Hamburg. Dort griff ich gleich noch zu einer Manesse-Ausgabe von „Walden“ (Thoreau), weil ich meine eigene daheim nicht mehr finden konnte. Mittlerweile habe ich noch „Männerseelen“ von Björn Süfke inhaliert. Und kaue, aber schon länger, an „Die Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafon.

Weiterhin warten darauf gelesen zu werden im Regal hinter mir:

  • Mein Kind ist bei Facebook – Thomas Pfeiffer, Jöran Muuß-Merholz
  • Helmut Lungershausen – Neu in der Schulleitung
  • Mein Stellvertreter – das unbekannte Wesen – Raabe Verlagsbuchhandlung
  • Medienerziehung – Dieter Spanhel

Ja, man merkt, worauf es hinausläuft.

Aber bis dahin gibt es so einiges anderes, draußen, auf dem Hof, im Gartensessel, umringt von Katzen.

 

Lehrer lesen

Auf dem Nachttisch…

so lautete die Überschrift, unter der Kurt Tucholsky Bücher besprach. Bei Zeno.org (hier über die Schriften Freuds) konnte ich einige dieser Texte aus den Gesammelten Werken entdecken – allerdings habe ich eine Gesamtausgabe ohnehin im Regal stehen.

Bei Lehrern dürfte es auch einen Ort geben, auf dem sich die Bücher stapeln – bis die Ferien beginnen.

 

Auf meinem Gartentischchen in den Pfingstferien

H.D. Thoreau – Aus den Tagebüchern.
Tewes Verlagsbuchhandlung

Ausgewählt, weil ich mein Projekt „Dichter als Staatsfeinde“ ausgebaut habe, d.h. um Erich Mühsam und Thoreau (Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat) erweitert habe. Walden hatte ich schon gelesen vor einigen Jahren – die Ausgabe steht hier aber nicht mehr, ich meine, ich hätte sie mal an einen Schüler oder eine Schülerin verliehen.

 

David Foster Wallace – Das Mädchen mit den komischen Haaren

Eine Bekannte schickte mir den Hinweis auf den Vortrag „Das hier ist Wasser“ von D.F. Wallace. Einen Vortrag vor den Absolventen des Kenyon College. (Besprechung in der SPEX) Sein Grundgedanken umkreisten die Fragen „Was ist Denken?“ und „Wie erreiche das 30. Lebensjahr, ohne mir eine Kugel in den Kopf zu jagen?“ Die Rede scheint auf den ersten Blick banal zu sein. Ist sie aber nicht.

Jedenfalls folgte aus dieser Begegnung nun dieser Band mit Kurzgeschichten. Ich bin gespannt. Es scheint das Sperrigste der drei zu werden.

 

Jonathan Franzen – Anleitung zum Alleinsein

OK, ich gebe zu, dass ich hier nach Titel ausgesucht und nicht den Klappentext gelesen habe. Allein aus den stressigen beiden Wochen heraus. Entgegen meiner Hoffnung, auf die Anleitung zum Alleinsein zu stoßen, fand ich hier nun eine Sammlung von gesellschafts- und kulturkritscher Essays aus den Jahren 1994 bis 2001.

Franzen kenne ich bisher nur von Die Unruhezone, was ich als schönes Hörbuch zwischen Berlin und Nürnberg genossen habe. Als solches ein genial witziges, spannendes und persönliches Buch – ohne allzusehr voyeuristisch zu sein.

Die Essays des vorliegenden Bandes sind bisher sehr vielversprechend. Grundsätzlich scheint es um eine Phase zu gehen, in der Franzen wenig bis gar nichts schreiben konnte/wollte. Eines der zentralen Essays ist somit wohl das Harper’s Essay über seine Depression nach zwei von der Kritik glänzend besprochenen Romane, die aber seiner Meinung nach kaum einer lesen will. Dabei dreht er Kultur, Medien und die damit verknüpfte amerikanische Gesellschaft durch die Mangel, was mich bisher glänzend unterhält. Manche Kritiker halten es für ein jammerndes Stück Literatur – ich nicht.

Ebenso spannend ein Essay über das Verhältnis von Privatsphäre und Öffentlichkeit: Riesenschlafzimmer. Spannend, weil von 1998 – Prä-Facebook sozusagen. Und es enthält dennoch einige prägende Gedanken, die in der aktuellen Diskussion um #postprivacy nicht unerwähnt bleiben sollten.

Bei der Entstehung des Essays schien aber der sogenannte Starr-Report Einfluss genommen zu haben, der die Vorgänge um die Beziehung zwischen Bill Clinton und Monica Lewinski „erhellen“ sollte. Seine Haltung dabei ist die, dass die Privatsphäre oder das Private nicht gefährdet sind, sondern eher „explodieren“. Das Private, so äußert er, belästige ihn eher, vor allem, wenn er damit im öffentlichen Raum konfrontiert werde in Form des laut telefonierenden Mitbürgers oder dem Lieferanten, der auf Bürgersteig pinkelt.

Ebenfalls erwähnt wird sein (unser) zwiespältiges Verhältnis zum Thema Datenschutz.

„Das Risiko, dass jemand mein Maut-Konto anzapft, erscheint mir erträglich gering, verglichen mit dem Plus an Bequemlichkeit.“

Aber auch die Hysterie rund um das Sammeln von Daten.

„Dass aber Powers (gemeint ist Richard Powers, der über den Verlust des Privaten schrieb) Kreditkartenbetrug und abgehörte Handygespräche ernstlich mit einem thermonuklearen Ernstfall vergleichen kann, zeigt in erster linie, wie ansteckend die Angst vor dem Verlust der Privatsphäre ist. Wo ist denn >registriert<, was Powers oder sonst jemand denkt, sieht, sagt, hofft, plant, träumt und peinlich findet? Ein digitaler Ulysses, der aus nichts anderes als einer Liste der Einkäufe seines Helden und anderer Verrichtungen besteht, die sich dokumentieren lassen, beliefe sich höchstens auf vier Seiten: War an Leopold Blooms Tag wirklich mehr passiert?“

Bei Franzen habe ich zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder einen Bleistift gezückt, um Seitenmarkierungen anzubringen.

Besprechung in der FAZ und auf BlogEdition.

 

Unterm Strich

Ich habe mich gefragt, warum so viele der Lehrer, die ich kenne, auf die Frage, was sie in den Ferien machen, oft anworten: „Lesen.“ Sicherlich geschieht dies, um auf andere Gedanken zu kommen. Andrerseits merke ich bei mir gerade, dass es vor allem auch darum geht, wieder Worte zu schöpfen. Nach 6 Wochen Unterrichts und 4 Wochen kontinuierlichen Korrigierens fehlen mir jedenfalls die Worte – auch im wörtlichen Sinn.

Seltsamerweise fällt mir grad wieder der Tucholsky ein und seine Frage nach Lichtenberg.

Auch was gelesen. Das Leben und das Schreiben – Stephen King

Das war nun, nach Der Anschlag, der zweite King nach etwa 15 Jahren.  Zwei Dinge überraschten mich. Zum einen die lange ausführliche Leseliste am Ende von den Büchern, die King während der Jahre zwischen seinem Unfall 1999 und 2009 gelesen hat. Manche Sachen klingen so interessant, dass ich sie als Einkaufsliste hernehmen kann. Inklusive der im Buch selbst angesprochenen King-Romane und Erzählungen.

Das zweite ist das Buch an sich. Ich hatte erwartet zu erfahren, wie er das Schreiben sieht – als blanke Theorie. Stattdessen verstand er es als Handbuch oder Anleitung für angehende Schriftsteller. Und dies auch noch sehr kurzweilig – eben so, wie er selbst u.a. das Schreiben verstanden wissen will.

Erschreckenderweise bekommt man gleich Lust, sich hinzusetzen und loszuschreiben. Erschreckend, weil wohl keiner auf den Roman eines Deutschlehrers wartet :D.

Obwohl…

PS: Zusammen mit dem King habe ich mir bei Amazon von Antonio Tabucchi Wer war Fernando Pessoa? bestellt. In einem Nachruf hatte ich von diesem Büchlein gelesen. Pessoa selbst hatte ich vor etwa 22 Jahren inhaliert. Am Ende einer Reihe, in der sich auch Thomas Bernhardt, Jean Amery, Camus und Sartre befand. Jetzt lese ich parallel Das Buch der Unruhe und den Tabucchi. Und fühle mich seltsamerweise noch angesprochen.