5 Minuten Schulleitung – mein Büro oder Demut lernen

Ein Chef sagte mal, dass er jeden Vormittag der Direktor seiner Schule sei, dass er 50 Kollegen anleiten würde, dass 630 Schüler die Schule besuchten und mit gemischten Gefühlen sein Büro betreten würden – und wenn er, der Chef, nach Hause käme, wäre es so, dass ihm ein herzhaftes „Hast du den Müll noch nicht rausgebracht?“ von seiner Frau entgegenschallen würde.

Sprung.

Das größte Privileg meiner Stellung an der Schule ist eindeutig ein eigenes Büro. Es ist 2,05 Meter breit und etwas mehr als 4 Meter lang. An einer kurzen Seite ist über die gesamte Breite ein Fenster – auf meinen Wunsch hin wurde ein Kippfenster eingebaut.

Mit der Einrichtung meiner Konrektorenstelle war, da zum ersten Mal an dieser Schule ein Zweiter Konrektor eingesetzt wurde, auch eine bestimmte Summe an Geld verknüpft zur Einrichtung seines Büros. Im ersten Jahr allerdings wurde der Raum bestückt mit Möbeln, die der Hausmeister irgendwo im Keller gefunden hatte. Das hat schon gereicht, auf Dauer allerdings war es recht unbequem. Die Tische hatten z.B. nicht die richtige Höhe, so dass ich schnell Rückenschmerzen bekam und zu nah am Computerbildschirm saß. Das Regal war eigentlich ein Regal,was von zwei Seiten zugreifbar war und deshalb ziemlich deplatziert aussah. Nunja, provisorisch eben. Das Geld wurde erst nach geraumer Zeit bereitgestellt, weil, auch das lernt man, das Schuljahr nicht mit dem Haushaltsjahr des Sachaufwandsträgers  übereinstimmt. Heißt: Im September braucht man Geld, bekommt es aber erst nach dem Januar.

Apropos Geld. Es ist übrigens Usus, dass man ein neues Amt erstmal zu denselben Bedingungen wie vorher erfüllt. Erst nach einem Jahr bekommt man den Titel und das Geld. Manchmal dauert’s auch länger.

Für mein Büro wollte ich etwas Besonderes haben und sah mich in der Gegend nach regionalen Möbelbauern um. Nach einem Angebot der Möbelmacher konnte ich mir eine große Schreibtischplatte und ein Regal mit kleiner Garderobe leisten – habe aber 200,- aus eigener Tasche gezahlt. Das war es mir wert, weil ich wusste, dass ich an diesem Tisch lang sitzen würde. Und da wollte ich nicht Pressspan/Lichtgrau sehen, sondern fränkische Rotkernbuche.

Witzigerweise gab übrigens der Computer, der in meinem Büro stand, seinen Geist auf, als ich ihn das erste Mal anschaltete. Wie übrigens fast alle Rechner der Etage gleichzeitig. Aber wie gesagt: Schuljahr ungleich Haushaltsjahr. Also brachte ich von zuhause erstmal einen größeren Bildschirm mit und kaufte einen gebrauchten Macmini für das Büro. Der Macmini steht seit Kurzem als Leihgabe im Studiokeller einer jungen Band, mit deren Schlagzeuger ich einen Tätowierer teile. Mittlerweile gehört nämlich auch ein richtiger Computer zu meiner Büroausstattung.

httpv://www.youtube.com/watch?v=XjMUjMZTYZA

Das Büro ist ein Privileg, in vielfacher Hinsicht. Ich muss z.B. meinen Rechner nicht mit 60 anderen teilen, habe eine eigene Kaffeemaschine und kann die Tür hinter mir zumachen. Das allerdings sollte ich öfter tun. Das Problem ist einfach, dass ich, der ich schon als Kollege an der Schule war, es irgendwie als seltsam empfinde, meine Kollegen klopfen zu lassen, wenn sie mit mir sprechen wollen. Aber es hilft mir eben auch, meine Arbeit in Ruhe zu machen.

Und heute half es mir eben, meine Ruhe zu haben. Einfach so, weil ich mir nicht sicher war, ob ich den Tag heute schaffen würde, ohne noch ein, zwei Tränen wegen Marie zu verdrücken. Und das wollte ich unbeobachtet.

Sprung.

Ich verdiene gut. Die zurückliegenden Jahre liefen gut, waren erfolgreich. Auf anderer Ebene wird schon gefragt, wann ich die nächste berufliche Stufe der Schulleitung nehme und warum nicht jetzt. Ich dachte, ich hab’s im Griff.

Und doch setze ich am Abend eine kleine Katze von meinem Schoß auf den Boden, um zum Elternsprechabend zu fahren. Und komme dreieinhalb Stunden später wieder nachhause, um diese Katze aus einem Karton mit Heu zu nehmen und in ein Loch im Garten zu legen. Und merke: einen Scheiß hab ich.

 

5 Minuten – Aufgaben der Schulleitung

Eine der häufigsten Fragen nach meiner Ernennung zum Zweiten Realschulkonrektor war: „Und wie ist es so mit dem Vertretungsplan?“

Also mal zur Aufklärung: Der Konrektor macht nicht automatisch den Vertretungsplan.

Vielmehr ist es so, dass der Schulleitung bestimmte Aufgaben zufallen, die sie unter sich aufteilt oder aber weiter an andere Kollegen delegiert. Mit bestimmten Aufgaben verbunden sind dann natürlich auch Ermäßigungsstunden, die das wöchentliche Stundenkontingent reduzieren. Nachvollziehbarerweise gibt es Aufgaben, die unmittelbar beim Schulleiter liegen, z.B. die Unterrichtsverteilung, Klassenbildung oder auch höhe Ordnungsmaßnahmen. Andere werden verteilt.

Die Anzahl der Schulleitungsmitglieder hängt i.d.R. von der Größe der Schule ab. Wir z.B. sind so groß, dass es drei Mitglieder gibt. Sinken die Schülerzahlen, wird nicht etwa der 2. Konrektor entlassen, sondern er bleibt in diesem Amt bis zu seiner Pensionierung und dieser Platz wird nicht neu besetzt.

Achja, um das nächste Fehlurteil aufzulösen: ich bin nicht der Stellvertreter des Chefs. Dieses Amt fällt nur dem Ersten Konrektor zu. Daher steht auch bei mir an der Bürotür nicht „Stellvertreter“, sondern „Mitarbeiter der Schulleitung“. Als solches, nur mal beispielhaft, fallen mir u.a. folgende Aufgaben zu: Organisation der Vergleichstests, Pflege der Schulhomepage, Organisation und Durchführung des Probeunterrichts, Betreuung von Praktikanten, Organisation der Aufsichten und Sprechstunden u.v.m.

Neben diesen Aufgaben bin ich noch Fachbetreuer des Faches Deutsch und neuerdings Medientutor oder -berater. Ja. Aber letzteres muss noch gedanklich und inhaltlich gefüllt werden. Vielleicht hilft mir das Netz dabei.

Darüber hinaus sucht man sich logischerweise auch eigene Aufgaben. Bei mir war das von Anfang an die Verbesserung des Informationsflusses innerhalb und außerhalb der Schule und die Unterstützung der Klassleiter in ihren Arbeiten.

Wie bei vielen Aufgaben und Bereichen in der Schule, liegt es an der Person, wie das Amt be- und ausgefüllt wird. Der Handlungsspielraum dabei ist oft größer als man denkt.

5 Minuten Schulleitung

Letzte Woche war nicht. Ich war krank. Einen Tag lang. Danach damit beschäftigt über die Ziellinie Wochenende zu kommen.

Diese Woche nun zwei Anmeldungen zu Fortbildungen.

Erstens: Fortbildung für MiB-Tutoren

Da war ich neulich schon mal. MiB Tutoren werden an den Realschulen eingesetzt und fortgebildet, um an jeder Schule einen Medienberater zu haben, der in alle Richtungen multiplizieren soll – ins Schulentwicklungsteam, die Schulleitung, die Fachschaften, zu den Schülern und zu den Eltern.

Ich bin hin, weil ich mich für medienaffin halte – und weil von jeder Schule da welche hinsollten, und sich keiner freiwillig meldet, naja.

Ich war schon mal da, wie gesagt – die zarten Diskussionen drehten sich um „Facebook ist böse“, „Videoschnitt im Unterricht“ und „Moodle“ (in seiner speziellen Realschulausrichtung).

Um Moodle soll es diesmal auch wieder gehen.

Zweitens: Konni-Fortbildungen (Konni=Konrektoren)

Es gibt seit einiger Zeit Module für die Fortbildung von Konrektoren. Seltsamerweise getrennt nach ersten und zweiten Konrektoren. Einerseits wird gemunkelt, man bräuchte die Scheine für die weiteren Bewerbungen und den steilen Weg weiter nach oben. Andrerseits soll es wohl auch eine, begrüßenswerte, Professionalisierung der Ausbildung von Schulleitungsmitgliedern gehen.

In meiner Bewerbung für den aktuellen Posten jedenfalls war kein „Führungskräfte“-Modul enthalten. Ich muss irgendwas anderes geboten haben können.

Jedenfalls weiß ich, dass es früher solche Fortbildungen nicht gab. Da ist man halt Konni geworden und dann musste man sehen. Einzig die Bedienung der verschiedenen Schulverwaltungs-Programme (Schülerdatei, Lehrerdatei) wurden geschult. Das war/ist aber weiß Gott absolut notwendig gewesen, denn intuitiv und logisch war schon immer anders.

Ein weitere Punkt der Tagesordnung soll Moodle sein. Murmeltier, ick hör dir trapsen.

Ob ich mich auf die Fortbildungen freue?

Ein eindeutiges: Geht so. Kann nicht erklären, warum.

Dieses Mal aber liegts auch am Termin. Die Fortbildung dauert zwei Tage und endet an einem Freitag um 16 Uhr. Damit könnte ich leben. Leider ist der Veranstaltungsort im westlichsten Mittelfranken – eine im Prinzip schöne Gegend – ich aber wohne im östlichen Mittelfranken, 100km entfernt.

VOR ALLEM ABER: die A6, die ich zurückfahren müsste, liegt dort genau auf der Strecke völkerwandernder Horden, die von Spanien in Richtung Weißrussland unterwegs sind – bevorzugt also mit Draht und Konservendosen reparierte LKWs und bevorzugt am Wochenende.

Vor einiger Zeit habe ich da mal zwei Jahre gearbeitet und wusste freitags immer, dass es ein Problem wird, wenn ich nach halb zwei das Schulhaus verlasse. Dann nämlich musste ich Zigarettenvorräte kaufen und zwei Flaschen im Auto haben (eine leer, eine voll). Die Rückfahrt, die mit meinem kleinen Alfa normalerweise 30 Minuten dauerte, dehnte sich dann schon mal auf das Drei- bis Vierfache aus. Das macht mir einfach keine Freude.

Aber was macht man nicht alles auf dem steilen Weg nach oben?

5 Minuten Schulleitung

Diese Artikelserie wird wohl zwei Wochen aussetzen. In der nächsten Woche begleite ich eine 10. Klasse nach Berlin, nicht als Mitglied der Schulleitung, und danach gibt es hier eine Woche Herbstferien – oder: schulfreie Tage um Allerheiligen herum…wie auch immer.

In der letzten Woche hat die Telekom plötzlich angefangen ein Loch vor der Schule auszuheben, d.h. ein etwa 50jähriger türkisch anmutender Arbeiter buddelte zwischen der 2. und der 4. Stunde, während ihm abwechselnd vier ingenieurmäßige Menschen dabei zuschauten. Am meisten verblüffte mich aber die Geschwindigkeit, in der ein 2mx2mx150 großes Loch ausgehoben wurde, allein mit einer Schaufel. Respekt.

Schön war dann auch am Donnerstag zu bemerken, dass dieses Loch dazu führte, dass das Internet wieder lief.

Thema in dieser Woche war ein Fehler, den ich schon zu Beginn des Schuljahres gemacht hatte und der aber erst in dieser Woche von mir korrigiert wurde. Fehler mache ich ja nun einige, aber dieser war irgendwie seltsam, daher dies Ganze etwas ausführlicher.

Jemand sprach mich an und meinte, dass man doch wieder zwei Aufsichten in der Aula installieren sollte und nicht nur eine. Entrüstet meinte ich, dass es doch zwei Aufsichten gäbe. Der Blick auf den Aufsichtsplan jedoch belehrte mich eines besseren. Ich hatte aus Versehen am Anfang offensichtlich eine falsche Liste ausgedruckt (die Kollegen tragen sich bei uns selbständig ein) und diese dann einfach übernommen. Die Übersicht vom letzten Jahr war im Zuge der Umstellung meines Büros auf das neue Computer-Netzwerk-System auf meinem Mac verblieben, der zuhause im Keller lag.

Jedenfalls erstellte ich einen neuen Plan, bei dem ich nach Rücksprache die fehlende Aufsichten ergänzte.

Wie gesagt, das war nicht das, was mich ins Grübeln brachte. Viel mehr dachte ich darüber nach, warum bisher keiner kam und mir den Fehler auf die Nase gebunden hat. Ich hätte es nicht krumm genommen, es war ja wirklich ein dummer Fehler.

Meine erste Erkenntnis war, dass sich durch meinen „Aufstieg“ in die Schulleitung das Gewicht meiner Aussagen irgendwie verändert hatte. Schon in den zurückliegenden Monaten hatte ich bemerkt, dass meine Äußerungen quasi als „Worte der Schulleitung“ interpretiert wurden – und nicht mehr als die persönliche Einschätzung eines Kollegen. Also war wohl der „neue“ Aufsichtenplan eingeschätzt worden als „die Schulleitung will es so“. Ich muss also vorsichtiger werden, wenn ich was sage…?

Nach Rücksprache mit einer Kollegin meines Vertrauens kam noch eine andere Perspektive hinzu. Sie meinte, dass keiner der Kollegen mich darauf aufmerksam machte, weil jeder dachte: „Oh, nur noch eine Aufsicht – das ist bestimmt in irgendeiner Konferenz mal besprochen und entschieden worden, zu einem Zeitpunkt, an dem ich geschlafen habe. Besser mal nichts sagen, damit das nicht auffällt.“

Als eines meiner wichtigsten Arbeitsgebiete habe ich ursprünglich den Informationsfluss zwischen Schulleitung und Kollegium angesehen – es scheint noch viel zu tun zu geben.

PS: Ich habe gestern am Samstag auch ganz schön gegraben. Mein Fischereiverein rief zum Arbeitsdienst. Die Aufzuchtteiche mussten abgefischt und ein paar andere Teiche winterfest gemacht werden. Bei -4 Grad morgendlichen Temperaturen und Nackenschmerzen vom vielen Sitzen am Computer also ein idealer Start ins Wochenende. Aber ich musste viel an den Mann vor der Schule denken, der mit dem Loch. Und auch wenn ich hier lächle – nur kurze Zeit später lag ich zuhause im Bett und bewegte mich erstmal nicht weiter.

Das Informationsflussproblem hier lag dabei vor allem in meinem Problem, den Kapo („Vorarbeiter“) in seinem Dialekt zu verstehen. Aber letztlich war es denkbar einfach: Baumstämme ranschaffen, Ränder befestigen, Lehm einbringen und mit Erde verdichten.

5 Minuten Schulleitung

Fast ein wenig spät. Ist aber nicht meine Schuld.

Ich wollte ja diese Woche die Ergebnisse der Jahrgangsstufentests online eingeben. IIICH wollte ja fleißig am Freitag meine 5 Minuten schreiben.

Und was ist dazwischen gekommen? Die Telekom. Jawoll. Mit dem Satz: Wir verdoppeln Ihre DSL-Geschwindigkeit und legen eine zweite Leitung.

Und das Ergebnis? Ab Dienstag kein Online-Zugang mehr in der Schule. Kein Internet, kein Nix. Für niemanden.

Und ich habe ja schon erwähnt, dass unsere Wände so betonig sind, dass da keine Funkstrahlen durchkommen.

Daher keine 5 Minuten.

5 Minuten

In meinem ersten Jahr als Mitglied der Schulleitung hatte ich schnell ein schlechtes Gewissen. Durch die Tätigkeit war meine Unterrichtsstundenzahl in der Woche herabgesetzt und ich saß viel in meinem Büro, wo ich natürlich auch arbeitete. Darüber hinaus aber sagte ich immer: Heute nix gearbeitet, aber viel gequatscht.

Denn wie es so läuft: Kollegen schauen vorbei, fragen, reden usf. Man selbst läuft ins Sekretariat, fragt, redet usf. Dasselbe im Lehrerzimmer.

Und immer der Gedanke: Ich muss arbeiten, ich rede zu viel.

Bis mir mein Chef dann mal erklärte, dass dies zum Job dazu gehört. Ansprechbar zu sein für die Kollegen, Fragen zu beantworten, Vorschläge zu bestätigen, Probleme zumindestens anzuhören. Dass mir gegenüber die Kollegen dabei offener seien, war klar, denn ich kam ja selbst aus ihren Reihen.

Im zweiten Jahr meiner Tätigkeit tauchte aber ein Problem auf, denn meine Wochenstundenzahl ging hoch und damit auch der Zeitdruck. Dann wurde es zum Problem, ansprechbar zu sein. Und ich bemerkt, wie wie ich innerlich mit den Fingern auf der Tischplatte klopfte, wenn ein Kollege kam und mein Büro, wenn auch freundlich, belagerte. Denn alles, was ich quatschte, musste  nach dem Unterricht nachgeholt werden.

Im Rückblick sah ich dann auch jeden meiner eigenen früheren Besuche im Chefbüro mit schlechtem Gewissen, denn ich war natürlich der Meinung gewesen, dass MEIN Anliegen wichtig und mein Auftreten kein Zeitdieb war. Und seitdem überlege ich auch jeden Gang nach oben genau und versuchte sie auf ein effizientes Maß zu reduzieren.

Jetzt bin ich im dritten Jahr – und quatsche einfach so.

5 Minuten Schulleitung

Die erste Woche, die ich durchgehend unterrichtet habe und gleichzeitig Schulleitung war – in diesem Schuljahr. Geht schon.

Die Listen wurden komplettiert, Elternbriefe verschickt, die Homepage weiter aufgefüllt.Besonders letztere hängt mir quer, weil sie eigentlich ein Update vertragen könnte – eine generelles Reinemachen. Aber ich weiß, was da an Zeit dran hängt. Früher habe ich so etwas zuhause nachts gemacht. Jetzt habe ich ein Büro und einen Computer an der Schule – und bezahlte Arbeitszeit dafür.

Schulleitung diese Woche war also eher quatschen – aber dazu nächste Woche mehr.

Bezeichnend: der Donnerstagmorgen war der erste Morgen seit Beginn der Schule, an dem ich morgens um 6 aufgewacht bin und NICHT eine Stunde wach lag, um darüber nachzudenken, was ich am Vortag nicht geschafft habe und am aktuellen Tag machen muss. An jenem Morgen habe ich mich einfach umgedreht und bin wieder eingeschlafen.

Nicht dass die Arbeit weniger wurde – aber ich sehe ein Ufer. Und das heißt langes Wochenende. und nach diesem Eintrag gehe ich nach Hause, Rasen mähen.

Was mich geärgert hat diese Woche: man (=ich in der Hauptsache) arbeitet am Elternbrief, korrigiert Dinge, die man übersehen hat, spricht mit Sekretärin und Chef und Konchefin…und am Ende schickt man Hunderte Emails raus an die Eltern, die im Anhang nicht die endgültige Fassung des Briefes haben – sondern eine fehlerhafte Vor-Version.

Was mich gefreut hat diese Woche: der Donnerstagmorgen.

5 Minuten Schulleitung

Auf meiner Position in der Schulleitung dreht sich Vieles wirklich nur um Listen und papierne sonstige Organisation. Diese Woche habe ich die Listen der letzten Woche in die richtige Form gebracht und an die verschiedenen Stellen weiter verteilt, also: Sekretariat, Schulleitung weiter oben, Homepage, Lehrerzimmer.

Hinzu kommt die Organisation der verschiedenen Testformate zu Beginn des Schuljahres: Grundwissenteste Mathematik 7 und 9, Jahrgangsstufenteste Mathematik und Deutsch 6 und 8, Jahrgangsstufentest Englisch 7. Vera 8 kommt noch im Frühjahr für Deutsch. Organisation in diesem Zusammenhang heißt nur, dass ich die versiegelten Umschläge an die jeweiligen verantwortlichen Fachbetreuer aushändige, bzw. im Fach Deutsch an die entsprechenden Kollegen, die in 6 und 8 unterrichten. Viel witziger wird jedoch wie jedes Jahr dann die Aufgabe, die Ergebnisse in ein wahnsinnig aufwändig programmiertes Online-Formular einzutragen.

Zum Glück aber habe ich mit einer anderen Schulleitungsaufgabe nichts zu tun: Statistik. Man glaubt nicht, was in Zeiten der elektronischen Datenverarbeitung alles an Papier erzeugt wird, um Daten von A nach B zu senden. Lehrer Zu- und Abgang, Schüler Zu- und Abgang, Schülerzahlen, -herkünfte, Klassenstärken und und und. Dies alles wird in einer großen Datei weiter nach oben geschickt. Zusätzlich wird es ausgedruckt und auch nach oben geschickt. Verschiedene andere Stellen brauchen bestimmte Teile dieser Statistiken – die bekommen auch Post von uns. Diese Papierstapel zeigt uns der Chef jedes Jahr aufs Neue – und sie sind, ungelogen, mehrere Zentimeter dick.

Und – ist man damit informiert? Hm, gemessen an den Anrufen mit Nachfragen, die danach immer noch kommen, offensichtlich nicht. Wie auch – ich kann mir kaum jemanden vorstellen, der sich hinsetzt und diese Stapel durchsieht.

Gut gelaufen diese Woche: habe mich zusammengerissen und jede Aufgabe zeitnah erledigt. Darüber hinaus die Ablage von diesem Jahr (und vom letzten *räusper*) gemacht. Aktenordner gefüllt. Unterrichten nebenbei lief auch ordentlich.

Geärgert diese Woche: als Schulleitungsmitglied passiert es mir immer wieder, dass ein Kollege den anderen Kollegen etwas fragt (in der Regel etwas zum Thema Schulrecht), der darauf keine Antwort weiß – dieser zeigt dann mit dem Finger in meine Richtung und meint: „Die Schulleitung steht neben dir, frag doch die.“ Wenn ich dann keine Antwort weiß, kommt dann noch ein: „Ich dachte, du seist Schulleitung. Muss man das da nicht wissen?“

Abgesehen davon, dass die Antwort auf diese spezielle Frage (nach bestimmten Vorgaben von Leistungsfeststellungen), die in dieser Woche kam, für denjenigen, der die Frage stellte, eigentlich hätte klar sein müssen – weil er den entsprechenden Vorgang seit einigen Jahren regelmäßig durchführt (ich übrigens nicht), ärgere ich mich über die seltsame Vorstellung, dass man als Mitglied der Schulleitung ein wandelndes Auskunftsbüro sein soll. Und dass es dann jeden diebisch freut, wenn man keine Antwort weiß, finde ich ebenfalls seltsam.

5 Minuten Schulleitung aus dem Off (Alternativtitel: „42“)

Die erste Schulwoche vorbei. Montag Konferenz und anschließender pädagogischer Tag – Thema: Burnout – Ursachen, Symptome, Gegenmaßnahmen. Dienstag Klassleiterstunden. Von Mittwoch bis Freitag Unterricht nach Spezialplan – den ich aushecken musste, freihändig, ohne Computer. Freitag Schulgottesdienste. Ab Montag dann Unterricht nach Plan.

Für die Schulleitung war dies natürlich die zweite Arbeitswoche, da wir drei sowohl die erste als auch die letzte Ferienwoche vor Ort sein müssen. In der letzten Woche besteht meine Hauptaufgabe übrigens in der Planung und Durchführung der Prüfungen (Aufnahme-, Nachprüfung und Wiederholungstermin für den Probeunterricht).

Daneben wird der Unterricht verteilt und jeden Tag darauf gewartet, dass man alle Zuweisungen der Planstellen/Lehrer bekommt. Unsere Schule ist mit ca. 50 Lehrern bestückt, davon werden aber in jedem Jahr etwa 1/4 ausgetauscht, durch Versetzungen, Referendarabgang, Neuzuweisung oder Aushilfskräfte. Vor drei Jahren noch hatten wir ein Jahr, in dem 1/3 aller Kollegen ausgetauscht wurde.

Daraus ergibt sich der Umstand, dass der Stundenplan, an dessen Erstellung ich nicht beteiligt bin, erst sehr spät angegangen werden kann, denn es zeigt sich weiterhin, dass man zwar irgendwann alle Zuweisungen hat, die genaue Stundenzahl der Stellen aber noch mal ein paar Tage später kommen.

Nicht zu vergessen, dass unsere Schule zwar jung ist (2003/04 gebaut), aber schon von vornherein an den entscheidenden Stellen zu klein geplant wurde. Dies bedeutet, dass wir 16 Klassenzimmer, aber mittlerweile 25 Klassen haben. Man wartet auf den Schülerrückgang – seit mehreren Jahren schon. Dies engt den Stundenplan weiter ein.

Eine Entlastung hat gebracht, dass gerade eine zweite Sporthalle gebaut wird, so dass der Sportunterricht nicht mehr bis 17 Uhr gehen muss.

Mittlerweile steht der Stundenplan aber und muss sich ab Montag dem Alltagstest unterziehen.

Daher war meine weitere Aufgabe diese Woche, einen Plan für die stundenplanlose Zeit zu stricken. Dies war aufgrund verschiedener Rücksichtnahmen etwas schwierig. Und obwohl ich das im dritten Jahr als Konrektor mache, fällt es mir offensichtlich noch schwer, „Arbeit zu verteilen“. Ich merkte aber gleichzeitig, dass beim Großteil der Kollegen die Schwierigkeiten erkannt wurden und ich (persönlich) wenig bis kein Gemecker hörte. Dass diese Anfangszeit ohnehin immer holprig ist für alle Beteiligten, weiß ich selbst seit dem ersten Jahr.

Und auch wenn mir Listen charakterlich schon sehr abhold sind, bastelte ich noch einen Aufsichtenplan – der bei uns so gestaltet wird, dass ich eine leere Liste aushänge und die Kollegen sich selbst eintragen. Lücken, die entstehen, fülle ich dann aus. Dieses Jahr war der Plan gefüllt, als ich ihn abhing. Die Arbeit war schnell gemacht. Nächste Woche muss ich dann noch die Sprechstunden eintreiben. Dann die Homepage mit diesen Inhalten füllen.

Schwierig diese Woche: Ruhig zu bleiben, wenn irgendwas nicht  läuft, was ich mir vorher einfach dachte.

Schön diese Woche: sehen, dass die Kollegen mitdenken und -fühlen. Und das Freunde Freunde bleiben, auch wenn ich ein eigenes Büro und einen Titel habe.

Achja, die ersten Stunden Unterricht hatte ich auch. Fühlte sich aber eher fremd an. Wird sich ändern.

PS: 5 Minuten aus dem OFF hat jetzt 15 Minuten gedauert. Eigentlich wollte ich es auch gestern schreiben, in den letzten zehn Minuten meines Dienstes, bevor mich meine Frau abholte. Zu dieser Zeit fragte mein Chef nach den Briefen, in denen den Eltern die Prüfungsergebnisse mitgeteilt werden…Und ich bemerkte, dass ich 12 Elternbriefe in zehn Minuten schreiben kann.

Nun hoffe ich, wenn ich am Montag in die Schule komme, dass diese Briefe auch alle gestimmt haben.

Man wird halt älter. Ich übrigens heute 42. Und meine Frau sagt gerade: Ein Vorteil der Arbeit ist, dass sich das Wochenende wieder wie Wochenende anfühlt.

5 Minuten Schule aus dem Off.

Timo-off schrieb mal, dass er sich Schulleiter-Blogs wünschte. Ich fand das damals schwierig, vor allem auch, weil ein Schulleiter ja nun auch eher dezent sein muss mit dem, was er so aus der Schule erzählt.

Gerade letzteres habe ich in den letzten Jahren, seitdem ich selbst in der Schulleitung sitze, als besonders schwierig erachtet. Vor allem, wenn Entscheidungen, die in der Schule fallen, nach außen getragen werden, um sich dort dann zu Gerüchten zu verdünnen. Die große Schwierigkeit dabei ist, dass der Schule selbst weitgehend die Hände gebunden sind, denn sie kann natürlich über innere Vorgänge nicht öffentlich sprechen. Dies betrifft Konflikte zwischen Schülern und Lehrern ebenso wie disziplinarische Maßnahmen.

Nicht zuletzt auch einer der Gründe für temporär „erfolgreiche Veröffentlichungen“ vom Schlage des grad irgendwo gesehenen „10 Gründe, warum ich die Schule hasse“ – oder so.

Achja, seit einer Woche läuft die Schule schon bei mir. Die Schulleitung darf ja schon in der letzten Woche der Ferien die Arbeit aufnehmen, um das neue Schuljahr zu planen.

Niemand soll mir bei diesen Zeilen Jammerei unterstellen. Diese Arbeit ist sehr angenehm, wenn noch keine Lehrer oder Schüler im Schulhaus sind. Außerdem kann ich so das Büro vor-lüften, was sehr wichtig ist.

Zuhause noch mal Papier entsorgt. Dabei das Buch gefunden, welches ich mir zu Beginn der Ferien kaufte, mit dem Vorsatz es zu lesen: „Politik. Ein Studienbuch zu politischen Bildung“. Hm, ich habe dann mal heute angefangen – wirkt interessant.

In diesem Sinne: Mögen die Spiele beginnen.