Briefing 2021-10-03

Sehr geehrte KollegInnen,

Anbei die neuen Anweisungen zur Umsetzung ab morgen, den 4.10.2021.

Wegfall der Maskenpflicht

Die Maskenpflicht entfällt

  • im Unterricht,
  • bei sonstigen Schulveranstaltungen,
  • in der Mittagsbetreuung,

auch wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. 

Ebenso entfällt die Maskenpflicht im Außenbereich, also auf dem Pausenhof.

Ansonsten bleibt sie bestehen auf den Gängen und in Treppenhäusern, also den sogenannten Begegnungsflächen. Die genaue Umsetzung mit der Mensa besprechen wir morgen.

Sportunterricht/Musik

Sportunterricht kann weiterhin ohne Maske durchgeführt werden, Außensport ist zu bevorzugen, ebenso Außenmusik (sic!). Empfohlen wird das Abstandsgebot einzuhalten und möglichst Sportarten ohne Körperkontakt zu unterrichten. 

Ich hänge den genauen Wortlaut für Sport und Musik hier anbei.

3G Regel für Schulveranstaltungen

Die 3G Regel gilt nicht für schulische Veranstaltungen, in denen Beratung und Eltern-Schule-Kommunikation im Zentrum stehen.

Für Veranstaltungen, wie z.B. Weihnachtsfeier oder Schulfeste aber doch.

Anmerkungen und Kommentar

Wir haben überlegt, die Maskenpflicht auf dem Pausenhof weiterhin aufrechtzuerhalten. Dies vor allem im Hinblick auf die weiter steigende Inzidenz in Nürnberg (freilich ohne Berücksichtigung der Hospitalisierungen, bzw. des neuen Ampelmodells).

Wir haben uns dagegen entschieden, weil hier Diskussionen und Konflikte mit Eltern und Kindern zu erwarten sind, die wir nicht gewinnen können, da das KMS eindeutig ist. Außerdem würde es zu einer Mehrbelastung bei jeder Aufsicht führen, die nicht vertretbar ist.

Wir weisen aber deutlich darauf hin, dass der Wegfall der Maskenpflicht nicht bedeutet, dass man nicht doch Maske tragen darf, wenn man dies für sinnvoll hält.

Klar ist an diesem KMS allerdings auch, dass es nicht mehr darum geht, Infektionen in der Schule zu vermeiden. Vielmehr konzentriert man sich dann wohl auf die Nachverfolgung im Infektionsfall.

Ergänzend sei hinzugefügt, dass die uns bekannten aktuellen Infektionsfälle nach unserer Erkenntnis außerhalb der Schule ihren Ursprung haben.

Getestet wird weiterhin.

Thomas Kuban, Schulleiter

With the lights out, it’s less dangerous
Here we are now, entertain us
I feel stupid and contagious
Here we are now, entertain us

Smells like teen spirit. Nirvana. Nevermind. 1991

https://www.youtube.com/watch?v=hTWKbfoikeg (Original)

https://www.youtube.com/watch?v=WudaLBOCrBE (Robert Glasper)

#wasmachteigentlichderchef 2021-10-01

E-Scooter. Weil ich am Abend vorher erst um 21 Uhr aus dem Schulhaus gekommen bin und irgendwie keine Lust auf Radeln hatte. Stattdessen mit dem Roller heim. Also warum nicht morgens mit dem Roller wieder hin. Schultasche hatte ich eh stehenlassen. Kalt, ziemlich.


Erledigte Aufgaben:

  • eine Stunde Unterricht Sozialkunde 10f
  • Gespräch mit neuer Kollegin, die nicht antritt, aber mit der halt Papierkram zu erledigen ist
  • Gespräch über Unterrichtsbesuch vom Mittwoch
  • Peronalangelegenheiten per Telefon
  • Schulleitungsbesprechung (etwas kürzer als sonst, weil ich zum Zahnarzt musste)

Die Kollegin schrieb mir eine Mail, in der sie fragte, wann wir besprechen wollten, es sei ja keine „Sternstunde“ gewesen, aber sie hätte gern mein Feedback.

Ich wollte spontan zurück schreiben: „Wenn ich Sternstunden will lege ich mich ins Bett und mache die Augen zu.“ Aber das erschien mir zu anzüglich. Also schrieb ich ihr zurück, dass ich mich während Ihrer Stunde an meine eigene Stunden zum Thema Schilderung erinnerte und dies gute Erinnerungen waren, weil ich es für ein schönes Thema halte. Außerdem dachte ich wieder mal an Edward Hopper (den hatte ich früher für Schilderungen verwendet) und surfte ihm im Netz ein wenig nach, um dann antiquarisch ein Buch zu bestellen. Ich freue mich schon drauf. Und ich folgte ein wenig den Gedanken, dass es eine Verbindung zwischen Hopper und Tom Waits gibt. Während ich weiter an diese Stunde dachte, fiel mir ein Erzählband von Hemingway ein, mit dem ich im Ganzen nicht so viel anfangen kann. Aber ich bin mal auf auf die Erzählsammlung „Paris – ein Fest fürs Leben“ gestoßen und da gibt es zu Beginn eine Story, die in einem oder mehreren Cafés spielt. Aus der Sicht des Schriftstellers. Hat mich sehr angesprochen, so dass ich sie noch einmal las.

Ich hatte eine Stunde Deutsch am Vormittag besucht und mein Nachmittag war angefüllt mit Lesen und Schauen.


Oft sehe ich, dass die KollegInnen etwas ungläubig schauen, wenn ich sage, dass jede Stunde für mich etwas Spannendes oder Interessantes zu bieten hat. Aber es ist so. Als Schulleiter ist es ein unglaubliches Privileg in jede Stunde jeder LehrerIn reinschauen zu dürfen. Und ja, eine meiner Fragen zur Reflexion ist immer: Was habe ich selbst in der Stunde gelernt?

Ich erinnere mich an eine KollegIn aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Engagiert in ihrem Fach und im dienstlichen Sinne. Manchmal vielleicht etwas zu „angespannt“ und eher nüchtern auf mich wirkend. Aber in der Stunde, die ich besuchte, sah ich eine Lehrerin, die mit SchülerInnen auf eine sehr wenig angespannte und sehr wenig nüchterne Art und Weise Mathematik unterrichtete. Mit den SchülerInnen auf einer Augenhöhe sprach und dies sehr lebendig – so wie ich dieses Fach in meiner eigenen Schulzeit nie erlebt habe.

Manchmal gibt es Stunden, die offenbar nicht so laufen wie geplant. Und ich erkenne dann Klassen, die sich so sehr ins Zeug legen, wie sie nur können, damit die Lehrkraft vorn sich nicht vor dem Chef blamiert. Und wenn dann die Stunde wirklich kein Highlight war, weiß ich doch, dass die anderen Stunden so sein müssen, dass etwas ganz richtig läuft, wenn sich die SchülerInnen für die Lehrkraft derart in die Bresche werfen. Und das macht mich froh.


Die Besprechung mit der Lehrkraft von oben beinhaltete das Feedback, dass ich eine abgerundete Lehrerpersönlichkeit gesehen hatte. Und dies in einer Stunde, in der die SchülerInnen zu jedem Zeitpunkt wussten was ihre Aufgabe war. Die Stunde besaß eine Struktur und es war erkennbar, worauf es hinauslaufen sollte. Ihre Präsenz im Raum war deutlich erkennbar und sie sprach sehr offen und direkt mit den SchülerInnen. Die SchülerInnen hatten etwas gelernt und deutlich etwas mitgenommen aus der Stunde. Und die Kollegin hatte im Gespräch mit mir viele gute Ideen, um sich und die SchülerInnen näher an die Sterne zu bringen.


Am Donnerstagnachmittag, während ich auf die Klassenelternabend wartete, Gespräche mit vier KollegInnen gehabt, nacheinander und unabhängig voneinander über unterschiedliche Themen geführt.

Und jedes davon hat Spuren in meinem Erleben und Nachdenken hinterlassen. Vielleicht ist dieser Eintrag hier ein Ergebnis daraus.

#wasmachteigentlichderchef 2021-09-30

Fahrrad. Spätestens auf der Jansenbrücke gedacht, dass ich langsam mal in den Keller muss, um die Mützen, Schals und Handschuhe zu suchen. Ansonsten wie immer: Wow. Blick über die Bahngleise in Richtung Hauptbahnhof, wenn die Sonne aufgeht.


Erledigte Aufgaben

  • Doppelstunde Sozialkunde 10a
  • Unterrichtsbesuch Referendar
  • Telefonate
  • Besprechung Referendar
  • Telefonate
  • Hilfeplangespräch
  • Sitzung Schulleitung zum Thema Ganztag
  • Zum Lidl geradelt und Vesper gekauft
  • Gespräch verschieden, mit Kollegen
  • US-Prüfungen durchlaufen lassen
  • Elternabend Sprint
  • danach noch Klassenelternabende

Es ist jetzt 17:41 Uhr. In 20 Minuten schmücke ich durch Anwesenheit den Elternabend SPRINT. Danach habe ich nicht mehr viel zu tun. Ich denke, um 20 Uhr werde ich grob das Schulhaus verlassen. Vielleicht 20:30 Uhr.


Ein Tag, der mit Magenschmerzen beginnt und sie tagsüber immer wieder auftreten. Mir schlagen Sachen gern auf den Magen, was früher den Vorteil hatte, dass ich dann auch abgenommen habe – für ein paar Wochen. Aber das funktioniert aktuell auch nicht mehr so.

Warum Magenschmerzen? Weil ich ab und an mit einer Liste im Kopf aufwache, bildhaft, auf der alle Aufgaben stehen, die ich bewältigen muss, jetzt und in nächster Zeit. Und ich weiß schon, dass ich abends zwar ein paar Dinge abgearbeitet habe, dass diese Liste nicht kleiner geworden ist. Und im schrecklichsten Fall ist die Liste abends länger geworden.


Der Freund, der gestern am Herzen operiert wurde, hat sich heute gemeldet.

Manche Tage sind einfach schwierig.


Ich wollte heute den Westpark fotografieren, aber meine Hände waren zu kalt.

Daher so:

#wasmachteigentlichderchef 2021-09-29

Fahrrad. Der Westpark ist um diese Jahreszeit morgens einfach der Hammer. Morgen kommt mal ein Foto.


Erledigte Aufgaben

  • Unterrichtsbesuch
  • Besprechung Unterrichtsstunden, zwei Mal
  • Gespräch Hausmeister
  • Emails versendet zu den Änderungen der Unterrichtsverteilung
  • Anrufe und Gespräche wegen einer Beurteilung
  • Unterlagen für Kommisssärsschule letztes Schuljahr rausgesucht und versendet
  • Fortbildung zur US-Abgabe, ASV am Nachmittag

Kommt mir so wenig vor heute.

Aber nach dem Unterrichtsbesuch (7. Klasse Schilderung) habe ich eine kurze Pause gemacht und im Internet zwei Dinge gesucht:

  • Auszüge aus Hemingways „Paris, Ein Fest fürs Leben“ (Leseprobe, die erste gefällt mir ausnehmend gut)
  • Bilder von Edward Hopper

Zu Edward Hopper einen Band gefunden, der schön klang und antiquarisch bestellt.


Foto des Tages

Mein Büro ist vom Style her ziemlich erbärmlich. Ich habe einer Freundin mal ein Foto geschickt und sie zeigte sich geschockt. Seitdem möchte sie innenarchitektonisch aktiv werden. Heute habe ich ihr dieses Foto geschickt und erlaubt, sich was zu überlegen. Erstmal nur für den Tisch. Bin gespannt. Ich weiß, sie will auch an die Wand dahinter….

PS: Ich lache grad. Die Anordnung der Stühle stammt noch von gestern, als der Personalrat da war.

#wasmachteigentlichderchef 2021-09-28

Fahrrad, analog. Frisch morgens, sehr schön.


Erledigte Aufgaben

  • Gespräch Schulaufsicht über Personal, wenn alles gut läuft, habe ich die letzte Lücke der Unterrichtsverteilung am 18.10 gefüllt
  • Orga-Gespräch SL
  • Gespräch Hausmeister, der mich darauf aufmerksam macht, dass mein Blog ein Problem hat
  • Unterricht in 10
  • Monatsgespräch mit Personalrat
  • Gespräch mit Kollegin über Unterrichtsbesuch
  • Gespräch Sekretärin wegen Ablage Personalakten
  • US-Abgabe vorangetrieben, in dem Zusammenhang
  • Telefonat KM wegen Teilzeiten
  • Vorbereitung Monatsgespräch ÖPR

Heute mal zur Abwechslung versucht, möglichst lang ohne feste Nahrung auszukommen. Geht auch. Mehr Wasser und Kaffee.


Schlimmer als unregelmäßiges Essen und nicht Trinken bleibt die innere Unruhe, die ich besser aber nicht endgültig im Griff habe. Meine Meditation habe ich täglich wieder aufgenommen, die Erinnerung ans abendliche Sitzen und Atmen tagsüber hilft runterzufahren. Klingt bescheuert, aber nun, auch schon egal.


Foto des Tages

Hinten übrigens am Ende der Straße ein Museum.

#wasmachteigentlichderchef 2021-09-27

U-Bahn. Nun die erste volle Woche, in der ich das Auto nicht benutzt habe. Eine Woche lang: U-Bahn, Fahrrad, E-Scooter, VAG-Rad (600 Freiminuten für Abo-Monatskarte), zu Fuß. Seitdem ich wieder in der Stadt wohne, steht das E-Bike im Keller. Für eine Fahrt zur Schule lohnt es nicht (13 Minuten mit dem analogen Bike). Ich vermisse manchmal die zwei Stunden E-Bike am Tag.


Heute erledigt:

  • zwei Unterrichtsbesuche
  • ein Kollegengespräch
  • mehrere Telefonate, vor allem Personalangelegenheiten
  • Anträge rausgeschrieben und rausgeschickt
  • Gespräch Hausmeister (über das Wochenende, weil das Schulhaus eins von fünf Nürnberger Briefwahlzentren war)
  • Gespräch HVE vor Ort
  • Schreibtisch angefangen von links nach rechts aufzuräumen, vor allem die beiden Mini-Schnaps-Flaschen, die man mir vor den Sommerferien mal geschenkt hat, nachdem man mein Gesicht sehen musste
  • Bewerbergespräch am Telefon
  • Treffen KIT-Team wurde abgesagt/verschoben
  • weitere Unterrichtsbesuche für die Woche terminiert
  • ASV Doku angefasst für Abgabe US
  • Elternbrief Masernschutzabfrage überarbeitet und rausgeschickt
  • mehrere Orga-Gespräche innerhalb der Schulleitung

7:36 an den Schreibtisch im Büro gesetzt. 17:45 aufgestanden und gegangen. Keine nennenswerte Pause. Drei große Becher Kaffee mit Milch. Eine große Handvoll Gummischlangen von Haribo. Drei Stücke Bananen-Schokokuchen (Wo kam der eigentlich her?). Ich war müde, weil ich am Abend vorher selbst Wahlhelfer an einer anderen Schule war, die als Briefwahlzentrum eingerichtet worden war.

In der Zeit ab 16 Uhr habe ich Ruhe im Büro, weil da auch die Sekretärin gegangen ist. In den 1,5h danach schaffe ich mittlerweile meinen Papierkram, der tagsüber liegengeblieben ist.

Ich mache das nicht jeden Tag.


Heute dann nach der Arbeit direkt zum Essen gegangen.

Wollen Sie mal sehen?

Danach war’s wieder gut.


Aber auf die Reue bei dem Entschluss Schulleiter zu werden komme ich bald noch mal zurück.

Lebenszeichen – Kaleidoskop

Versuche reinzufinden.


Mitte August fuhr ich mit Arne zu einem Burgergrill irgendwo in Niedersachsen. Und dabei fragte er mich im Auto, ob ich es bereut hätte, mich damals als Schulleiter zu bewerben. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich für eine Antwort brauchte, gefühlt war es – er mag mich korrigieren – nicht lang. Jedenfalls beantwortete ich die Frage mit einem „Ja“.

Seitdem, also seit gut einem Monat, versuche ich das in Worte zu fassen und schaffe es nicht. Als ob es eine Erklärung braucht, um einigermaßen aufrecht weiterzumachen.


Heute habe ich abends um halb sechs ein paar Faxe aus dem Sekretariat versendet und mich danach kurz ins Büro gesetzt, um zu überlegen, was ich jetzt noch erledigen kann. Es war sowieso ein Tag, an dem nach jedem Telefongespräch vor jedem Telefongespräch war. Da merkte ich, dass mir die Ohren rauschten, mein Tinnitus frohen Aufstand feierte. Ich packte und ging.


Und tat das einzig Richtige: Braten essen, Bier trinken. Hastig.


Ich fahre seit drei Tagen ohne vorderes Nummernschild durch die Gegend. Dachte erst, das darf man nicht. Aber der Polizist, der meinen Wildunfall aufnahm, meinte, das ginge schon – aber ich glaube, er ging davon aus, dass es nicht dauerhaft sei. Meine Alfa-Front sieht ohne Nummernschild viel besser aus. Die Fellreste neben dem Scudetto trüben aber den Eindruck etwas.


Was mich am meisten bereuen lässt? Dass ich mir 5-7 Stunden an einem Arbeitstag (und darüber hinaus) nicht mehr selbst gehöre. Nicht mal meine Gedanken gehören mir. Dass ich unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem ich ins Bett gehe, um 5 wach werde. Und dass mir dann als erstes etwas Schulisches in den Kopf kommt.


Und ich wusste, dass der erste Urlaub seit Jahren eher schlecht für mich ist. Weil ich da eben plötzlich wieder eigene Gedanken habe.

Und weil ich auf einem klapprigen E-Scooter nachts um halb 12 vom Charlottenburger Schloss aufbreche und einmal quer bis zum Alexanderplatz rollern kann, durch den Tiergarten, an der Siegessäule vorbei bis zum Brandenburger Tor und Unter den Linden entlang bis zum Alexanderplatz.

Das sollten Sie mal machen.

Und dann drücken Sie halt jemandem das Smartphone in die Hand und lassen sich mit einem feisten Lachen fotografieren.


Es gibt Schlimmeres , sowieso immer, und ich habe viel vor, Braten und Bier, Berlin, die See und den Hafen in Hamburg. Immer wieder. Morgen werde ich 52.

2021-09-10 #wasmachteigentlichderchef

Auto, weil es regnen soll.

Dennoch: Ohne Autos sieht der Parkplatz in der untergehenden Sonne toll aus (vor ein paar Tagen).


Bauarbeiten in der Schule weitgehend abgeschlossen. Paar Umkleidekabinen brauchen noch Regips-Platten-Anstriche.

Im Laufe des Vormittags rinnt in der Lehrerküche Wasser von der Decke und tropft auf die Kaffeemaschine. Ein Lehrer bringt die Maschine in Sicherheit und stellt einen Topf drunter.

Ich zucke mit den Schultern und melde es der HVE.


Anfang der Woche hinter dieser Tür gearbeitet.

…und wie die Sekretärin versucht, Kontakt zu mir aufzunehmen, wenn ich mein Telefon nicht abnehme.


Die Spiele mögen beginnen.

15 Jahre Schulleiter – öffentlich reden

Anlass: Zeugnisübergabe an AbschlussschülerInnen

Ort: Turnhalle der Schule

Zeit: Mitten am Tag

Vorbereitungszeit: eine Woche, erste und einzige Version aufgeschrieben 16 Stunden vorher

Hintergrund: Wollte eigentlich die vom letzten Jahr nehmen, die ich im Drucker vergessen und völlig schräg improvisiert habe. Wäre keinem aufgefallen. Aber meine Ehre stand mir im Weg. Also arbeitete ich den Gedanken neu aus.

Beim ersten Durchgang (Hygienekonzept erlaubte uns zwei Durchgänge) hatte ich das Skript zwar dabei, aber auf dem Stuhl vergessen als ich auf die Bühne ging. Es ist zum Erbrechen. Also improvisierte ich. Diesmal jedoch inhaltsgleicher. Im zweiten Durchgang ließ ich Sophie Passmann weg. Das ging auch und die version war besser.


Manuskript

Liebe SchülerInnen,

Ich freue mich: Ihr bekommt heute Abschlusszeugnisse, die euch eine Reife attestieren, eine sogenannte „mittlere“, aber eine Reife. Und dies kann euch keiner mehr nehmen.

Liebe SchülerInnen,

Es tut mir leid: Ihr seid noch nicht am Ziel. Dies ist nur ein Durchgangsstadium, welches ihr gebührend feiern dürft und sollt. Und ihr erinnert euch später daran, 100pro, aber ob ihr wollt oder nicht: Es geht noch weiter.

Ich habe in meinem Leben oft den Satz auf Hochzeiten gehört, dies sei „der schönste Tag meines Lebens“. Und ich habe immer still in mich hineingewundert, dass es ziemlich komisch sein muss, wenn ich mit Mitte 20 oder früher schon den schönsten Tag in meinem Leben hatte. Was passiert dann noch im Rest meines Lebens?

Und das Leben? Ja, das Leben! Das ist so groß, dass es Platz hat für eine Unmenge an Partys, an Lachen und Glück – ebenso wie alles andere. Und letztlich kommt es doch immer so anders.

Ich bin alt, ich darf eine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Wie ich es geschafft habe, dass ich im August ins Paradies fahre.

Und die Geschichte dazu geht so. Ich habe 1989 Abitur gemacht in der Nähe von Köln. Und ich habe ein richtig schlechtes Abitur gemacht mit einem Schnitt jenseits von 3,0 und nur weil eine Englischlehrerin Mitleid mit mir hatte – Danke!!! Es gab nur noch einen, der hieß auch Thomas, der hatte ein noch schlechteres Abitur. Mit dem bin ich in eine WG gezogen zum Studieren. Heute ist er Rechtsanwalt in Köln und ich, naja, ich bin halt ich. Schulleiter in Bayern. YOLO.

Es gab eine Schülerin bei uns, die ein sehr gutes Abitur gemacht hat. Damals mit einem Schnitt von besser als 1,0. Das geht, ja, wenn man besonders gut ist. Selbstredend hatte ich mit ihr an der Schule nichts zu tun. Andere Liga, ganz eindeutig. Ich stand ständig in der Raucherecke oder schwänzte mal die Schule. Sie war woanders. Es gab absolut keine Berührungspunkte.

Mehr als 30 Jahre später findet ein Abitur-Jubiläumstreffen statt und wir kommen ins Gespräch. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin und ist Kirchenmusikerin. Wir tauschten unsere Lebensgeschichten aus und nach so langer Zeit hatten wir uns plötzlich was zu sagen.

Und nachdem ich ihr von meinen Erfahrungen und Erlebnissen als Schulleiter erzählt habe, erzählt sie mir von ihrem Paradies, in welches sie sich regelmäßig mit der Familie zurückzieht – einem Camper auf der Insel Rügen. Und sie sagt zu mir: Komm nach Berlin, wenn die Sommerferien hier vorbei sind und ich gebe dir den Schlüssel. Und dann verbringst du einige Zeit im Paradies.

Wer kann so ein Angebot ablehnen?

Was ich euch sagen will: Hier und heute ist nichts zuende, nicht in eurem Leben nicht mit den Menschen, die euch umgeben. Hier fängt’s erst richtig an. Und vielleicht ist nicht alles möglich, aber doch mehr als ihr euch jetzt vorstellen könnt. Freut euch drauf.

Und am Ende lasse ich die große Philosophin Sophie Passmann dazu sprechen:

https://www.instagram.com/p/CCqBieBip5a

Max Porter. Lanny. Kein&Aber 2019

Heute mal etwas ausprobiert. Nach dem Heimkommen mit dem angefangen, was ich mir immer für später vornehme: Lesen – in diesem Fall den Roman zu Ende gelesen. Normalerweise nehme ich mir vor im Bett zu lesen, vor dem Schlafengehen, aber meist läuft es nur auf Schlafen hinaus.


Lanny ist ein Roman, als Thriller gekennzeichnet, der ein bisschen die Lesegewohnheiten durcheinander bringt. Und darin seinen größten Reiz hat.

Eindrucksvoll.

Perlentaucher.

Süddeutsche.


Ein Kollege beichtete mir neulich, dass er schon vor Wochen aufgehört hätte in meinem Blog zu lesen, weil die Einträge zu deprimierend waren. Und wahrscheinlich hat er recht.

Meine Müdigkeit hat wieder Ecken von mir erreicht, wo nicht mal Licht hinkommt.


Aufgaben und Termine, die ich mir aufgeschrieben habe:

  • Beurteilungen (Vorbereitung)
  • „Schüler“ nachfragen
  • Vorbereitung Gespräch Beratungslehrer Grundschule
  • Vorbereitung Bewerbergespräch
  • Terminierte Aufgaben
    • 08.20-09.05: Unterrichtsbesuch 1 . Stunde
    • 09:10 – 09.30 Besprechung Unterrichtsbesuch letzte Woche
    • (Vorbereitung andere Gespräche)
    • Telefonat KM
    • 10.55 – 11.15 Besprechung Unterrichtsbesuch letzte Woche
    • 12.30 Gespräch Grundschulberatungslehrer
    • 13.45 – 14.15 Gespräch neu gewählter Personalrat
    • 14.15 – 14.45 Bewerbergespräch

Was dazu kam:

  • Absprache Polizeistreife wegen neuem Vandalismus (die vierte Anzeige in 8 Tagen)
  • Drei Telefonate mit KM, statt einem
  • Einem Telefonat Schulaufsicht, eigentlich am Tag selbst auf 11.30 gelegt, dann aber erst 12 Uhr möglich
  • Absprachen wegen Abschlussprüfung morgen, weil Infektionen in zwei Familien von AbschlussschülerInnen (Orga machen die Konrektoren)
  • Gespräch über iPads und Probleme mit Wlan
  • Fünf (!!) KMSe gesichtet
  • Bewerberin kam eine halbe Stunde zu früh

Folgen:

  • keins meiner Gespräche konnte ich wirklich vorbereiten, was ich gern mache, damit ich mir nicht wie ein stotternder Idiot vorkomme, der ständig den Faden verliert
  • ich brauchte bei jedem Gespräch die ersten Minuten, um mich zu sammeln, weil ich noch im vorangegangenen steckte
  • zwei Kaffee waren die einzige Flüssigkeitszufuhr zwischen 8 und 15 Uhr
  • Müdigkeit
  • keine der nicht-terminierten Aufgaben habe ich auch nur angefasst

Ja, ziemlich deprimierend. Aber gut, das meiste kann ich ja beeinflussen.


Der Montag war schon genauso gewesen. Als ob deprimierend nicht manchmal auch schöne Folgen hat.

So endete der Montag.

2021-06-30 #wasmachteigentlichderchef

Ja, was macht der eigentlich?


Urkunden entgegennehmen z.B.


Lesen. (Im Bild: Das Papier, welches für die erste Woche Unterricht nach Ende der Pfingstferien zu bearbeiten war. Bedenken Sie: Dort begann hier in Nürnberg zum ersten Mal wieder der Vollpräsenzunterricht seit dem 16.12.2020)

Ich lese auf Papier, ja, mittlerweile wieder, weil ich seltsamerweise ein besseres Gedächtnis für Seiten habe, wenn ich sie auf Papier lese und markiere.

T-Shirt-Drucke überlegen


Neue Wege mit dem Rad beradeln.

Aber egal, wie ich neuerdings radle, am Ende bleibt immer der West-Park.


Oder der Flughafen bei Nacht.


Und so geht es eben weiter.


Und den noch, auch wenn ich nichts zu schreiben habe.

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https://youtu.be/-UtAV_azaBc

15 Jahre Schulleiter – Öffentlich reden

Anlass: Nachruf/Trauerrede auf einen verstorbenen Kollegen 2019
Ort: Katholische Kirche außerhalb von Nürnberg
Vorbereitungszeit: 9 Tage, von der Bitte, die an mich gerichtet wurde, bis zum Tag der Beerdigung; 3 Versionen, die letzte 12h vor Termin in einem Zug aufgeschrieben
Dauer: Weniger als 10 Minuten


Vor 1,5 Jahren das Manuskript nicht veröffentlicht. Im Jahresbericht ist sie allerdings vollständig erschienen. Im Folgenden überwiegend der Teil, der von mir handelt. Gekürzt, verändert.

In letzter Zeit auch zwei Beerdigungen von Schülern besucht, ein ehemaliger und vor wenigen Wochen ein aktueller (wahrscheinlich der Anlass für diesen Post), und mich an einen Gedanken erinnert, den ich seit der Beerdigung meines Vaters 1992 immer wieder habe: Dass man an einem Grab immer ein bisschen weniger den betrauert, der da nun liegt, sondern eher sich selbst, weil man zurückgelassen wird, etwas einsamer als man es vorher ohnehin schon war.


Sehr geehrte Trauergemeinde,

Ich bin kein Freund und kein Verwandter, ich habe den Verstorbenen „Herr _____“ genannt und er sagte „Chef“ zu mir. Und dennoch verbinde ich mit ihm einen Moment, vor dem ich mich ähnlich gefürchtet habe wie vor dem jetzigen. 

Es war im Februar 2018 die Nacht, in der ich als Stellvertretender Schulleiter schlafen ging und als kommissarischer Schulleiter wieder aufwachen sollte. Um kurz nach Mitternacht erreichte mich auf Whatsapp eine Nachricht, an die ein Video angehängt war. Dort konnte ich sehen und hören wie einige KollegInnen ein Lied für mich sangen, das mir Mut machen sollte. Die Runde war sich nicht sicher, ob man mir das schicken sollte – Er tat es. Er hatte die Gruppe dazu angestiftet.

So einer war er: Dem Chef Mut machen wollen, wenn dieser sich fürchtet.

Wenn ich von ihm als Lehrer sprechen soll, muss ich sagen, dass er ein guter Lehrer war. Ich habe mich bei der Vorbereitung auf heute etwas schwergetan den Anwesenden zu erklären, was ein Schulleiter wie ich darunter verstehe. 

Ein guter Lehrer – stellt sich nicht jeder etwas anderes darunter vor?

Aber in dieser Woche hat mir eine Kollegin, die ihn besser kannte, berichtet, dass er mal von sich gesagt habe: „Ich habe zwei wichtige Dinge von meinem Vater geerbt: Streng zu sein, aber auch herzlich.“ 

Nichts fasst einen guten Lehrer besser zusammen und nichts von beidem kann ohne das andere wirklich wirksam sein. /…/

Nur von einem solchen Lehrer lernen Schüler, nur einen solchen schätzen sie als Vorbild, nur einem solchen folgen sie. 

Und nur so einen beweinen sie, wie ich es in den vergangenen Tagen an meiner Schule erlebt habe, als Schüler um ihn weinten.

/…/ (Ich habe mit vielen KollegInnen über ihn gesprochen)

/…/ es war am Ende /…/ immer ein Lächeln bei meinem Gegenüber. Und das Lächeln barg die Erinnerungen an / ihn / und es beinhaltete immer auch die Idee, dass man einen persönlichen Traum, den man hat, nicht auf später verschiebt, sondern ihn jetzt mit beiden Händen anpackt, sich anstrengt und ihn verwirklicht. (wie er es getan hat) 

Und dann ganz einfach das Surfbrett in den Bus schiebt und losfährt.

Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Punkt erreichen und dass wir uns nicht erst dann daran erinnern, wie gern wir mit ihm gelacht haben.


#derchefweißauchnichtweiter 2021-05-19

Der Hausmeister schickt mir Bilder. Der Kollege FOS wird ein Telefonat führen. Ich schicke eine Mail an meine RealschulleiterkollegInnen in Nürnberg und frage um Rat. In nächster Zeit wird sich ein Treffen ergeben.

Der Hausmeister versichert mir, dass es jeden Morgen so aussieht. Immer wieder aufs Neue.

Der Sachaufwandsträger verweist darauf, dass es im Arbeitsbereich des Hausmeisters liegt, hier für Ordnung zu sorgen.

Der Hausmeister macht weiter Bilder – keine gute Werbung für die Schule, keine gute Werbung für die Stadt.

Und es sind Wahlen, sagt man. *rolleyes*

Das Schulgebäude auf Apple-Karten. Die Bilder zeigen den Bereich unten links vom Transporter. Der hintere Pausenhof sieht nach dem Wochenende ähnlich aus. Im Bereich links ebenfalls.

2021-04-27 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Hilft mir. Waldstrecke genommen, Umweg in Kauf genommen. Wald hilft mir auch.

Morgens noch viel Mond über dem Haus.

Erledigte Aufgaben:

  • telefoniert mit KIBBS für Realschulen an der Staatlichen Schulberatung
  • zusammen Plan gezimmert für den Umgang mit dem Todesfall
  • Sortiert mit anderen Mitgliedern der Schulleitung
  • Diszi-Bescheide fertig gestellt und verschickt
  • Bescheide Leistungsprämie Beamte und Angestellte fertig gestellt und versendet
  • Konzeptgespräch iPad-Klasse, kurz, weil überschattet, vertagt auf kommende Woche
  • Gespräch mit Stellvertreter über Ausgabe Leistungsstand und Zwischenzeugnisse
  • Absprachen DELF
  • Besprechung Unterrichtsstunde von letzter Woche
  • Teams-Sitzung Krisenteam
    • Vorgehen
    • Information
    • Trauerarbeit
    • Kondolenz
  • Eltern angerufen und Absprachen bezüglich Beerdigung und Umgang mit SchülerInnen getroffen, informiert über das weitere Vorgehen
  • Kranzbestellung wieder storniert
  • Emails geschrieben
    • an die Eltern der Klasse
    • an die Elternschaft insgesamt
    • an die Gremien der Schule, die Lehrer, die Schulaufsicht
    • KollegInnen über Impfmöglichkeiten informiert

Die Müdigkeit ist eigentlich das Schlimmste. Wieder mal.


Fahrradfahren hilft.

2021-04-26 #wasmachteigentlichderchef

Fahrrad. Auf dem Rückweg den Wald erkundet und geschaut, wie ich durchkomme. Fühlte sich nach großen Umweg an.

Vor dem Turm sind über Nacht vier Kräne aufgetaucht.

Erledigte Aufgaben:

  • auf dem Anrufbeantworter der Schule eine Nachricht: am Tag vorher ist einer unserer Schüler gestorben
  • mit den Eltern telefoniert und erste Absprachen getroffen, in der Schulleitung abgesprochen
  • Personalpflege zur Unterrichtsplanung (UP)
  • Klassen eingerichtet (UP)
  • Personalakten hinterher telefoniert
  • Termin Krisenteam gesetzt für den folgenden Tag

Müde. Ein bisschen geweint.