5 Minuten Schulleitung – Friday’s Blues

httpv://www.youtube.com/watch?v=b8cdFgjHy1g

Mein / Unser erster Stundenplan ist nun eine Woche alt und er funktionierte – fast. Leider schaffen es die Kollegen nicht, 50 Schüler aus der 5. und 8. Klasse in einem Werkenraum unterzubringen, der für 16 ausgelegt ist. Dumm das. Nunja, wir haben also nachgebessert und es ergaben sich nur wenige Änderungen bei einigen Kollegen.

Der Fehler der Raumdoppelbelegung wurde mir am Montag gemeldet und leider hatte ich von da ab jedes Mal, wenn ein Kollege den Kopf durch meine Bürotür steckte, einen Adrenalinschub, weil ich Angst vor noch mehr Problemen hatte. Ergo: eine stressige Woche. Sichtbarstes Zeichen übrigens mein rechter Daumen, der zwischenzeitlich ganz schön gelitten hat und nun ein wenig vernarbt. Ich nenne das immer den „Piddelfinger“ – sichtbarer Ausdruck von innerer Anspannung.

Der Stress kam nicht nur vom Stundenplan, der eigentlich doch recht gut aussieht, sondern auch vom Vertretungsplan, in dessen Programm ich mich einarbeiten musste. Ich kannte es zwar, aber mit dem Umzug ins neue Büro sind alle meine Einstellungen verloren gegangen, was ich aber auch erst am zweiten Tag bemerkte. Da wies mich eine freundliche Schülerin darauf hin, dass es doch besser wäre, wenn nicht nur die Lehrerkürzel auf dem Plan stünden, da ja einige Kollegen doch noch nicht bekannt wären. Schlaues Kind, nett von ihr. Und nach einiger Zeit habe ich den Haken auch richtig setzen können.

Ansonsten typische erste Woche: Einfinden in das Tagesgeschäft, Lernen, wieder mit 120 bis 200 Menschen am Vormittag in geschlossenen Räumen unterwegs zu sein. Am Freitag war zum Glück Wandertag – zum Glück für mich, der ich dann wenigstens mein Schreibtisch mal entlasten konnte.

Unterschiede zu den vorangegangenen Jahren? Mehr Anspannung, weil mehr Verantwortung. Mehr Stress, weil mehr Fehler. Mehr Papier, mehr Listen, mehr alles.

Dass der Stress nachließ, merkte ich am Freitagvormittag und vor allem jetzt, wenn ich das hier schreibe. Eine fetzige Erkältung hat sich festgesetzt, sodass ich diese Woche leider nicht mit einer Golfpartie beenden kann.

Ich bin diese Woche 43 geworden. Aus diesem Grund habe ich das gerahmte Foto von Tom Waits, eines meiner frühen Helden, auf meinen Büroschreibtisch gestellt. Ausgeschnitten aus einer Zeitung, Unterzeile: „Der Hobo trinkt nicht mehr.“

 

5 Minuten Schulleitung

Eine Woche Arbeit als Ständiger Stellvertreter des Schulleiters.

Einzige Aufgabe (in meinem Kopf jedenfalls): Mach einen Stundenplan.

Lange Rede, kurz erzählt: In einem Team von mit mir vier Kollegen konnte bis Freitag 11 Uhr (Beginn: Dienstag 10 Uhr) ein Stundenplan erstellt werden. Ob er hält, werden wir nächste Woche merken. Die Arbeit war anstrengend, vor allem wegen der vielen Fehler, die wir machten und ausbessern mussten. Die Arbeit war fantastisch teammäßig, weil wir uns gut hinsichtlich der Problemlösungen ergänzten. Ich muss einräumen, dass ich vorher dachte, dass sei nicht möglich – aber es war die wirklich beste Zusammenarbeit, die ich bisher erlebt habe.

Dennoch eine bisher nicht gekannte Anspannung über vier Tage hinweg.

Ein letztes Problem, was ich noch habe: bisher lobten alle Kollegen, mit denen ich sprach, ihren Plan. Ich bin schon so sehr in der Rolle, dass ich dahinter vermute, dass wir noch einen finalen Fehler eingebaut haben.

Jedenfalls muss ich mich nun noch in das Vertretungsplanprogramm einarbeiten.

Gewöhnungsbedürftig auf jeden Fall dieser Schuljahresbeginn – bisher habe ich noch vor keiner Klasse gestanden und weiß auch nur grob, wo ich in der nächsten Woche loslegen will. Auch noch keine effektiven Gedanken darüber, wie die Ablagen zu gestalten sind – das zusätzliche Papieraufkommen (Posteingang), was jetzt schon angefallen ist, muss bewältigt werden. Muss definitiv einige Arbeitsabläufe besser in den Griff bekommen.

Ansonsten: größeres Büro, größerer Parkplatz, immer noch kein Anzug – aber seit dem ersten Frühfrost auf den Autoscheiben vom Donnerstag keine kurzen Hosen mehr. Vielleicht mal Frisör demnächst. Werde ja nun schon 43. Bald.

5 Minuten Schulleitung

„Einem Club, der mich als Mitglied aufnimmt, möchte ich nicht angehören.“ (Groucho Marx)

Ich war nie der „geborene Lehrer“, auch wenn einige, die mich früher kannten, dies gern behaupten. Dass ich einer bin, finde ich aber ziemlich in Ordnung. Irgendwie lag’s ja schon in der Familie, in der Lehrer (in Schlesien) großväterlicher-, onkeliger- und großmütterlicherseits bis ins 19. Jahrhundert nachzuweisen sind. Nunja.

Dass ich darüber hinaus als „Mitarbeiter in der Schulleitung“ gelandet bin, mag meine Mutter zu einem typischen, explosiven Lachen hingerissen haben, inklusive der Erinnerung, wie sie in meiner „kreativsten Phase“ während der 8. Klasse (1982/1983!) (mal wieder) im Gang vor dem Direktorzimmer sitzen musste, um mit dem Rektor über mich zu sprechen. Daran erinnert sie mich jedes Jahr mindestens einmal.

Im selben Atemzug wird sie erwähnen, dass mein Klassenlehrer in einem dieser Momente vorbeikam, kurz stehenblieb und ihr in Bezug auf mich zuraunte: „Wir müssen ihm den Rücken stärken!“

Mein erstes Lehrervorbild. Nicht nur deswegen, aber bis heute. Auch wenn meine Erinnerung sehr blass ist – und was wusste man schon damals von seinen Lehrern?

Warum ich das alles erzähle? Wieder mal ein wenig Post-Privacy-Schwäche?

Nein. Einfach nur eine lange Vorbereitung. Denn ich habe mich vor einigen Wochen wieder beworben. Und ohne lang herumzureden, die kultusministerielle Wahl fiel auf mich. Dies bedeutet nun, dass ich ab dem nächsten aktuellen Schuljahr an meiner neuen Bürotür ein neues Schild anbringen kann, das ergänzt wird um den Zusatz „Stellvertretender Schulleiter“. Korrekt gesagt ziehe ich um in das größere Büro.

Dies mag einige erschrecken, die mich kennen. Vielleicht auch die, die aus meinem Blog und anderen Social-Media-Beiträgen heraus Beschwerdebriefe an meine Vorgesetzten formulieren. Mich selbst hat es nicht so sehr überrascht, wenn das auch überheblich klingen mag. Aber wenn man im Geschäft ist, dann kann man dies oder jenes abschätzen. Von daher.

Vor den Ferien hatte mir dieser Posten, den ich noch nicht besetzte, der aber frei wurde, sehr viel mehr Arbeit eingebracht, bzw. neue Aufgaben. Und davon so viele, dass dieser Blog zum ersten Mal brach lag. Was das noch an Umbruch bringen wird, mag ich noch nicht abschätzen.

Wahrscheinlich werde ich mir aber jetzt so etwas wie einen Anzug kaufen müssen. Irgendwann.

Dass mir als erstes der Satz von Groucho Marx einfiel, ist darüber hinaus vielleicht etwas seltsam – und mir ist auch nicht so klar, warum –  Warum sollte ich den Verein ablehnen, für den ich mich beworben habe? Spricht es nicht eher FÜR den Verein, dass er so jemanden wie mich aufnimmt?

Jedenfalls habe ich mal den Lehrer von oben gegoogelt. Er ist beruflich bis in die obere Hamburger Schulbehörde gekommen. Dass er schon früher Trompete gespielt hat, auf dem Jungfernstieg in Hamburg, war mir noch in Erinnerung. Dass er Mitglied des Orchesters „Tuten und Blasen“ ist, wusste ich auch. Die Geschichte des Orchesters jedoch ist mir neu gewesen und wird hier für den Sender Tide zusammengefasst. Das werde ich mal meiner Mutter vorspielen müssen. Sie wird fragen, ob er immer noch die alte speckige Lederjacke trägt.

httpv://www.youtube.com/watch?v=PivUN8AwGoQ

Mein erwähntes Lehrervorbild ist übrigens keiner von den Interviewten. Aber dieses Porträt beeindruckt mich, weil es mich auch in meiner Überzeugung bestätigt, dass ein Lehrer immer auch über die vier Wände seines Klassenzimmers hinaus engagiert und wirksam sein kann – soll – muss?

Nachtrag

Bezüglich meiner Erinnerung war ich nicht ganz sicher und habe daher eine Mail an die Kontaktadresse „Tuten und Blasen“ geschickt. Doch es stimmte. Und ich bin nicht ganz sicher, ob es mir schmeichelt, dass man sich nach 30 Jahren an meinen Namen erinnert.

Erinnerungen sind ja eine komische Sache. Ich sage, er war ein Vorbild und doch kann ich mich nicht an den Unterricht erinnern. Ich weiß, dass er eine Art hatte, uns anzusprechen, die uns für ihn einnahm. Daneben denke ich an spannende Erzählungen bezüglich der Französischen Revolution.

Und aus jeder Zeit heraus entwickelte sich, glaube ich, meine Vorliebe für die taz – klingt seltsam, kam aber so…

In der 8. Klasse plante unser Klassenlehrer eine Radtour mit uns – was an sich schon der reine Wahnsinn war: 8. Klasse, 30 Schüler, mit Fahrrad auf öffentlichen Straßen! Und so fand sich wohl auch kein Kollege, der mitwollte. Stattdessen fuhr ein Freund von ihm mit. Irritierend, dass ich nur noch weiß, dass er Paul mit Vornamen hieß. Jedenfalls raunte es damals durch die Klasse, dass er „Redakteur bei der taz“ sei. Da ich damals noch nicht regelmäßig Zeitung las, verpuffte das etwas, aber später gehörte sie, wenn auch nicht täglich, so doch regelmäßig zu meiner Zeitungslektüre. Mittlerweile im Wochenendabo und seit zwei Monaten als Mitglied der taz-Genossenschaft. Und ebenso regelmäßig wie ich sie lese, denke ich an Paul, der „Redakteur bei der taz“ ist und mal mit uns auf einer Radtour war.

Die Radtour führte uns übrigens in das Wendland, welches man heute wohl aus den Nachrichten kennt, wenn Traktoren Castor-Transporte aufhalten wollen. In der Nähe unseres damaligen Ziels lag und liegt nämlich Gorleben.

Nachtrag II

Ich frage mich, was bei all dem Tanz um die Planung von Unterricht bei meinen Schülern eigentlich ankommt. Ist es das, was in meinem Stundenraster steht oder das, was ich nebenbei so alles sage, tu, mache? Konkret: sind es die Phasen der Französischen Revolution oder ist es Paul?

PS

Bilderklärung

5 Minuten Schulleitung

Die Zeit nach den Ferien ging grad so weiter, wie die Zeit vorher endete. Diesmal kam der Druck eher durch die Tatsache, dass unser Chef ein paar Tage nicht da war und die Schulleitung daher auf 2 Personen reduziert wurde. Gleichzeitig standen erste Prüfungskonferenzen an und mündliche Prüfungen. Dann die bevorstehenden Abschlussprüfungen. Vertretungsplan war meine Arbeit bis Donnerstag. Und nebenbei Unterrichten und übliche Verwaltungsaufgaben.

Ich merke, dass der Stress und der Druck weniger durch die Arbeit an sich kommt, sondern von dem, was manche wohl als „Verantwortung“ bezeichnen würden. Während man als Einzellehrer seine Verantwortung auf seine Klasse reduzieren kann, bzw. diejenigen, die man unterrichtet, gilt das als SL-Mitglied nicht mehr. Einfach ausgedrückt: an dieser Arbeit hängen mehr Leute dran, und zwar mehr Schüler, mehr Kollegen und mehr Eltern, mehr alles. Vielleicht blendet man mit der Zeit diesen Gedanken aus, vielleicht sicher sind andere auch besser strukturiert in ihrem Handeln, vielleicht ist es manchen egal – aber mir liegt das schon irgendwie quer, vor allem eben in der Phase, wo ich alles zum ersten Mal mache. Bei allem der Gedanke: Wenn ich einen Fehler mache, liegt die gesamte Arbeit der Schule brach.

Ich glaube, da muss ich dran arbeiten.

Was schön war in dieser Phase: Ein altes Versprechen meiner 10. Klasse gegenüber einlösen und eine große Menge an Roter Grütze hergestellt. Kredenzt wurde mit Vanille-Eis und ungeschlagener Sahne. Entspannt auf dem Balkon der Schule gesessen. Gequatscht, gegessen, Wind um die Nase wehen lassen.

Manchmal ist alles einfach.

5 Minuten Schulleitung

Irgendwie meine Rubrik vergessen – aber irgendwie war viel los. Wie viel habe ich gemerkt, als ich gestern eine Geschichtsstunde hielt und über Evernote habe ich gesehen, dass ich diese Stunde am 13. März vorbereitet habe.

Was kam dazwischen?

Ich glaube, es war die digilern und alle Wehen danach.

Dann kamen Ferien.

Dann kamen weitere Fortbildungen. Diejenige Art, auf die ich muss.

Dann Abschlussfahrt.

Jetzt ist Mai. Mai ist der Monat in den bayerischen Schulen, wo die Unterrichtsübersicht für das kommende Schuljahr bearbeitet wird. Manche sagen, sie muss jetzt dann stehen. Sagen sie.

Im Mai kommt der Probeunterricht. An dem nehmen alle Schüler teil, die im nächsten Jahr an die Realschule wollen, aber den Schnitt nicht erreicht haben. Da die Zugangsvoraussetzungen in den letzten Jahren gesenkt wurden, werden die Gruppen des Propbeunterrichts immer kleiner. Ich kann mich an Zeiten erinnern mit 5 oder 6 Gruppen (á 12 SchülerInnen). Jetzt sind es zwei oder weniger.

Der Probeunterricht ist im Mai wichtig, weil man dann erst sehen kann, wieviele Schüler im nächsten Jahr an die Schule kommen werden.

Wie viele Lehrer neu kommen werden, geschweige, welche Fächer diese unterrichten werden, ist noch völlig unklar. Wir brauchen Lehrer, sowohl feste wie auch Vertretungen, aber wer das sein wird, wissen wir noch lange nicht. Wir haben schon erlebt, dass wir erst Ende August die endgültigen Zuweisungen bekommen haben. So wurden dann alle Planungen bis dahin obsolet (schönes Fremdwort, wollte ich mal wieder anbringen).

Nun ja, es werden weitere Veränderungen bei uns eintreten. U.a. deswegen komme ich nun in die Verlegenheit an Pfingsten einen neuen Stundenplan erstellen zu dürfen. Davon habe ich ja schon oft gesprochen – nun ist es soweit. Wunderbar. Habe mir mal die „kurzgefasste Anleitung“ für das Programm aus dem Internet geladen. Die hatte 20 Seiten. Die vollständige Anleitung umfasst 150 Seiten. Weniger wunderbar. Es zeigt sich aber, dass im Kollegium Interesse besteht, den Stundenplan auf eine breitere Basis zu stellen, was die Beteiligten angeht. Keine schlechte Idee wie ich finde, weil doch unterschiedliche Kollegen auch unterschiedlich denken, was bestimmte Dinge im Stundenplan angeht.

Auf meinem Schreibtisch in der Schule liegen grad vier Stapel Papier, die ich zu bearbeiten habe:

  1. Wunschzettel der Kollegen für das nächste Schuljahr (Klassen, Ämter, Stundenplan)
  2. Auflistung der Erst- und Zweitkorrekturen der Abschlussprüfungen
  3. Anträge auf Fortbildungen für das nächste Schuljahr (müssen vertreten werden)
  4. Papier den Probeunterricht betreffend

Der Chef hat mir neulich ein Buch auf den Schreibtisch gelegt: „Bestärken und fördern – Wege zu einer veränderten Lernkultur in der Sekundarstufe I“. Ich frage mich, warum.

Morgen ist Elternsprechabend.

Und ich hoffe, ich komme am Donnerstag zum Golfen.