#wasmachteigentlichderchef 11.11.

Auto. Habe ich gestern erklärt. Der Bäckereifachverkäufer, bei dem ich Vesper kaufte für die Lehrprobenbesprechung heute, verabschiedete sich mit einem „Viel Erfolg bei den heutigen Geschäften“ – so sehr wirkte mein Outfit mit Krawatte und Wall-Street-Hosenträgern.


Erledigte Aufgaben:

  • Lehrprobe plus Besprechung 2,5h, „wir“ haben eine gute Note bekommen
  • danach Altlasten abgearbeitet: Beurteilungen, Austausch von Beurteilungsseiten, Telefonate, Postausgang
  • Abends das Briefing fertig gemacht und versendet

Stichwort Arbeiten

Ein Anruf heute wie viele. Beginnend mit: „Ich weiß Herr Kuban, es ist viel geboten derzeit, aber denken Sie bitte an…“

In diesem Fall empöre ich mich nach innen. Das habe ich doch gemacht, in den Tagen bevor ich krank war. Auf jeden Fall. Aber hundert Pro.

Nachdem ich die betreffende Datei im Computer gefunden habe, schicke ich ein Fax: „ Hallo Frau…., bitte entschuldigen Sie, aber es war der aktuell übliche Dreiklang bei mir: Arbeit anfangen, unterbrochen werden, vergessen.“

Die Datei, die die nachgefragte Meldung beinhaltete, brach mittendrin ab.

Ich weiß, dass es so läuft. Es gibt so mehrere Zustände von Arbeiten in meinem Büro:

  1. Tagesaktuelle Dinge, die einfach auf dem Tisch liegen (Post z.B. oder Notizen, die ich mir handschriftlich gemacht habe), weil der Tag sie da hinschwemmt
  2. Arbeiten, wo ich den ersten Schritt gemacht habe und dann unterbrochen wurde. Und die liegen jetzt da und ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen sollte.
  3. Aufgaben im Endstadium, wo ich den letzten Schritt noch nicht gemacht habe. Manchmal ist die Mappe voll, dann muss ich sie einfach mal beenden, weil kein Platz mehr ist.
  4. Unangefangene Arbeiten ohne Deadline, die da sind, ich weiß es, die ein schlechte Gewissen erzeugen. Dauerhaft. Und ich weiß nicht, warum ich sie nicht endlich erledige.
  5. Arbeiten, die ich einfach vergessen habe.

Ich weiß, dass mir bestimmte Sachen schwer fallen:

  1. Prioritäten zu setzen bei Aufgaben, die auf meinem Tisch landen.
  2. Die Aufgabe weiterzuleiten an jemanden, der sie besser bearbeiten kann als ich, weil er mehr Ahnung hat oder mehr Zeit.
  3. Aufgaben in einem Zug durchzuführen, weil in der Zwischenzeit neue Aufgaben kommen und Dinge und Menschen um meine Aufmerksamkeit buhlen – von letzterem gibt es viele.
  4. Bestimmte Aufgaben abzuschließen, vor allem wenn sie die ganze Schule oder auch nur das ganze Kollegium, alle SchülerInnen oder Eltern betreffen. (Können Sie sich vorstellen, wie schwer es ist, einen Elternbrief zu beenden und zu verschicken? Wenn der mal draußen ist, bekommen sie den nicht wieder rein.)

Was ich grad probiere (besser: wiederentdecke) an Möglichkeiten, um dem Herr zu werden:

  1. Pomodoro-Methode. Also sich Slots einrichten von überschaubarer Dauer und in dieser Zeit nur mit einer Aufgabe beschäftigen. Da gibt es jede Menge Apps für. Ich nutze aktuell Forest, weil man da so schöne Bäume pflanzen kann. Außerdem hat sie eine Deep-Work Einstellung, bei der man das Handy nicht mal anschauen darf, während man arbeitet (man wird dann angemault). Nach meinen Erfahrungen von neulich habe ich die eingestellte Zeit von 25 Minuten (das klappt zuhause gut) auf 15 Minuten in meinem Büro umgestellt. Also die Zeitdauer in der Schule, in der ich ungestört bin – aller Wahrscheinlichkeit nach. Der Tag ist so in 15 Minuten Einheiten unterteilt – ehrlicherweise schaffe ich nicht viele solcher Slots. Aber innerhalb dieser Slots bin ich sehr effektiv und produktiv. Das weiß ich.
  2. Tür im Büro zumachen. Auf Klopfen nicht reagieren, keine Telefonate annehmen, wenn ich an einer Sache arbeite.
  3. Schreibtisch möglichst frei halten, Mappen reduzieren, weniger Bildschirme (habe heute den zweiten Bildschirm weggestellt).

Es gibt noch mehr. Aber ich weiß auch, dass ich erstmal mit wenigem weitermachen sollte.

Zum Beispiel jetzt mit Schlafen.

Aber schnell noch die Anmerkungen zur Beurteilung der Lehrprobe von vor den Ferien endlich versenden.

Jetzt aber.

#wasmachteigentlichderchef 10.11.

Fahrrad. Kühl. Feucht, sehr. Nicht so kalt wie gestern, kein Frost. Sehr neblig, dachte ich, bis ich merkte, dass meine Brille so unglaublich beschlagen war. Dann entspanntes Radeln. Im Wald zum ersten Mal eine Läufergruppe von Kopflampen getroffen. An einer Stelle in der Dunkelheit fast das Abbiegen verpasst.

Eine Bitte an alle Hundebesitzer: Lasst beim Stockspiel im Wald nicht einfach den Stock mitten auf dem Weg liegen. Dass er mir beim Drüberfahren gegen das Schienbein schlägt ist eins – ich möchte sowas nicht in den Speichen haben. Danke.

Waldstimmung. Morgens.
Auf der Brücke.

Gleich mal ‘n paar Trakl-Gedichte rezitieren.


Erledigte Aufgaben:

  • eine Stunde Unterricht (Stillarbeit) in Sozialkunde 10. Klasse
  • Zweite Stunde Vorstunde für Lehrprobe
  • Ein paar Altlasten erledigt: Einzelseiten Beurteilung ausgetauscht, Akten durchgeschaut, alte Personalakten beiseitegestellt (bis auf den von dem Kollegen, der vor einem Jahr gestorben ist)
  • KM telefoniert, Personalangelegenheiten
  • Gespräch mit ehemaliger Schülerin
  • Stichworte für das Briefing zusammengeschrieben
  • Andere Behörde versucht zu erreichen, mehrfach, weil sie mich erreichen wollte, kein Kontakt
  • Kleinere Besprechungen mit allen Mitgliedern der Schulleitung, nacheinander, dann mit der iPad-Klassenleiterin
  • Gleich, wenn ich hier fertig bin, schreibe ich noch das Briefing

Den ganzen Tag schlapp gefühlt. Wenig Schlaf (um halb vier wach geworden, nicht wirklich mehr tief geschlafen danach, Apnoe-Gerät abgenommen, geschnarcht, Kopfschmerzen bis jetzt eigentlich, IBU, der ganze Salat halt). Mir ist kalt. Ich bin müde.

Morgen ohne Fahrrad. Es ist Lehrprobe, ich möchte im Hörbuch weiter kommen. Für die Nachbesprechung der Lehrprobe besorge ich was vom Bäcker. Werde wohl mal den Schlips anwerfen, das wird den Reffi vollends fertig machen. Sind sie ja nicht gewöhnt von mir. Und durch den Wegfall aller Sonderveranstaltungen habe ich kaum die Möglichkeit, mich mal in Schale zu werfen.

Hab ich von dem Reffi letztes Jahr erzählt? Der im ersten Gespräch mir gegenüber saß, im Hochsommer – und mich ernsthaft fragte, ob ich eigentlich was gegen sichtbare Tattoos und kurze Hosen hätte als Lehrer. Ich breitete als Antwort die Arme aus und schaute an mir herab.

Jedenfalls hatte ich zu Beginn meiner Regentschaft mal dem Kollegium gesagt, dass ich meine Unterrichtsbesuche nicht wirklich ankündige, aber sie darauf schauen sollten, wenn ich ein Jackett anhabe – dann wäre der Tag für Unterrichtsbesuche. Mal sehen, ob sie morgen nervös werden, wozu, ich betone es ja auch immer wieder, absolut kein Grund besteht).


Bestellte FFP2-Masken sind gestern gekommen, will sie mindestens bis Weihnachten benutzen. Tragekomfort günstiger für die Brille. Mehr Platz für Mund und Nase. Sichereres Gefühl.

#wasmachteigentlichderchef 09.11.

Morgens irgendwann wach geworden, war zu früh, hab ich gemerkt, umgedreht. Versucht einzuschlafen. Irgendwann befürchtet, dass ich den Wecker nicht gestellt habe. Handy angetippt: 4.47 Uhr. 5:15 aufgestanden, vor dem Wecker.

Fahrrad heute. Im Dorf knapp über 0 Grad, in Nürnberg dann nach 10km frostig. Finger taten nach de Hälfte weh. Unter die Arme gesteckt kurz, dann ging es. Dunkel im Wald. Holzernte hat begonnen, Wege stellenweise ätzend.

Es gibt wieder Sonnenaufgänge.
Rückfahrt, Winterausrüstung.

Erledigte Aufgaben:

  • Diszibescheid getippt, Vorentwurf
  • Gespräche:
    • Stellvertreter
    • Erweiterte Schulleitung
    • Verbindungslehrerin
    • Hausmeister
  • Zwei Stunden Unterricht 7. Klasse Geschichte
  • Emails beantwortet
  • KMSe gelesen
  • Delegiert

Erledigte Aufgaben sehen heute wenig aus. Mir war heute kalt, ich war hungrig und müde. Ganz schlechte Mischung.

An ein paar Sachen erinnert worden, die ich verdrängt hatte. Puh. Dumm.


Coronamaßnahmen. Ein KMS mehrfach gelesen, in dem es darum ging, wie man Religionsunterricht/Ethik durchführen kann, ohne die Klassen zu mischen. Es werden vier Konzepte vorgestellt, die so komplex sind, dass ich das Gefühl habe, da steckt Absicht dahinter. Es geht um Grundgesetz, Notengebung, kirchliche Behörden. Komisch, dass Islamunterricht nicht erwähnt wird – den es bei uns seit den Anfängen gibt. Es wären also 4 Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen zu vereinbaren.

Den Hygieneplan habe ich noch nicht ganz gelesen heute. Ich war einfach zu kaputt. Das Wesentliche habe ich per Mail rumgeschickt. Der Rest muss morgen reichen.


Eine Referendarin aus dem letzten Jahr hat sich gemeldet per Videobotschaft, und zwar von der Insel Lesbos aus einem Flüchtlingslager, wo sie nach Ende des Referendariats ein Jahr lang arbeitet. Ich bin gerührt. Ich atme tief durch. Darf ich stolz sein auf sie? Oder wie sagt man das sonst?

Die SMV organisiert eine Spendenaktion für Wärmflaschen für dieses Camp.

So kann ein Montag nach den Ferien ruhig enden.


Bereite noch Unterricht vor für morgen. Und vielleicht noch KMS lesen.

#wasmachteigentlichderchef 30.10

Auto. Wollte schnell heim, weil müde.


Erledigte Aufgaben (Gedächtnisprotokoll, dnen es ist Sonntag mittlerweile):

  • Postkram erledigt, der liegen geblieben war
  • Gespräche geführt
  • Freitagssitzung Schulleitung

Es war ein ruhiger Tag. Der ruhigste seit langem. Die Sekretärin hatz mir verboten, das noch mal laut auszusprechen.


Mehr war nicht. Ich sags nicht lauter. Wir haben jetzt eine Woche Ferien.

Aber unruhig, weil eine Ankünidgung kam, dass in den Ferien, also die kommende Woche weitere Verlautbarungen kommen werden. Man ist gespannt.

#wasmachteigentlichderchef 28.10.

Auto.


Erledigte Aufgaben

  • Postausgang
  • Anträge und Verträge bereit gestellt
  • Schulleitertagung online (1,5h)
  • Telefonat Schulaufsicht wegen US Fehlern, die die Übertragung nicht angezeigt hat
  • Schulhomepage bisschen rumgemacht, unzufrieden
  • Kuchen gegessen
  • viele Unterschriften

Komischer Wurschteltag…die ganze Zeit auf den Beinen, aber irgendwie nicht zufriedenstellend was geschafft.


Nürnberg steht auf 118.4 heute. Nunja.

Morgen letzter Tag der Quarantäne meines Stellvertreters. Er teilt mir mit, dass das Gesundheitsamt des Landkreises, in dem er wohnt, ihm heute mitgeteilt hat, dass er bis morgen in Quarantäne muss, weil er Kontakt zu einer infizierten Person hatte.

Man zeigte sich überrascht, dass er seit zehn Tagen schon in Quarantäne ist und woher er denn das wüsste.

Man selbst hatte erst heute ein Fax aus Nürnberg bekommen.

#wasmachteigentlichderchef 27.10.

Fahrrad. Morgens kalt. Handschuhe von gestern noch nicht trocken. Schlüpfrig im Wald an manchen Stellen, wegen des Regens gestern mit Laub. Fahrrad sehr dreckig, Taschen auch. Aber ich war diesmal auf der Rückfahrt früher dran und konnte den Herbst im Licht der untergehenden Sonne betrachten.

Morgen wieder Auto, weil ich nachmittags noch zu meiner Tätowiererin will. Sie möchte gern ihre Arbeit an meinem rechten Arm im bewegten Bild festhalten, für die Hall of Fame auf Instagram. Dort findet man jetzt schon meinen linken Arm, jedenfalls die Rückseite.


Betrete die Schule und begrüße die Kollegin der erweiterten Schulleitung, die den Vertretungsplan für den zweiten Konrektor übernommen hat, der in Quarantäne ist wie mein erster Stellvertreter.

Sie: „Guten Morgen, ich habe dich aus allen deinen Unterrichten diese Woche herausgenommen.“

Ich, unsicher: „Öhm, ok?“

Sie: „Reiner Eigennutz.“

Da geht jemand kein Risiko ein.


Erledigte Aufgaben

  • Emails abgerufen, aufgeregt
  • Sekretärinnen unterbreitet, dass sie alle Eltern noch einmal anrufen müssen, wegen der Informationen von gestern Abend
  • Stand: 6 Klassen, 175 Schüler und 14 Lehrer in Quarantäne oder wegen Coronaverdacht daheim
  • Abschlussarbeiten US, die ich vergessen hatte (Sorry KM, falls ihr mitlest, echt meine Schuld) Teilzeitanträge ausgedruckt, Email rausgehauen, Unterschriften nachgejagt
  • Gespräch mit Hausmeister über mein neues Pfadfinder-Projekt: Zeichen steht auf GO
  • Beratungsgespräch mit Sozialpädagoge, Schüler mit Betreuerin und Klassenlehrerin (1h)
  • Redaktionssitzung Dillingen, online (1h), ich habe nichts zu sagen gehabt, bin der Neue und hatte anfangs Mikrofonprobleme
  • Antrag für Teamlehrkraft endlich rausgehauen
  • Postausgang gemacht, aber vergessen der Sekretärin zu geben
  • Gespräch Verbindungslehrerin über Instauftritt SMV (der schön ist)
  • Gespräch mit Schulleiter FOS über Schülerunwesen außerhalb des Schulgeländes und die IT im Gebäude
  • Telefonat mit Mutter, das ich vorbereitet hatte, schwierig im Anfang, entpuppte sich dann aber lösbar
  • festgestellt, dass die Maßnahmen, die wir in Bezug auf den Unterrichtsbetrieb getroffen haben, erfolgreich waren, denke ich

Heute war ein guter Tag. Phasenweise konzentriert arbeiten können. Nicht ständig der Gedanke daran, was passieren würde, wenn einer der 5 aus der Schulleitung jetzt positiv getestet würde.

Dann wären alle dran, inklusive Sekretärinnen.

Wir haben mal kurz drüber gelacht und uns gefragt, wer eigentlich die dienstälteste, verbeamtete Lehrkraft ist, die dann die Leitung der Schule vor Ort übernehmen müsste.

Als ich 2018 alleine Schulleiter war, habe ich in der ersten Konferenz bekanntgegeben, wer im Falle meiner Abwesenheit die Dienstgeschäfte übernehmen müsste.

Die Kollegin war nicht amused damals und ist mittlerweile pensioniert.

Sie erinnern sich, dass war damals die Phase, in der ich mit Blutvergiftung, antiseptischem Verband und Antibiotika am Schreibtisch in der Schule saß.


Morgen gibt es, so denke ich, Entscheidungen darüber, wie es coronamäßig weitergeht. Nürnberg erreicht in absehbarer Zeit die magische Grenze 100 und ist dann rot-rot-ganz-dunkel. Ich höre nur noch überall, Bundeslandauf und -landab, von fast allen Parteien: „Wir halten die Schulen offen bis zum Letzten“. Abgesehen davon, dass das klingt wie „bis zum letzten Mann“ denke ich immer, bei aller Wertschätzung für die schwierige Arbeit von gewählten Volksvertretern: „Nein, nicht IHR haltet die Schulen offen. Das tun wir.“

Mit Verlaub. Hier wird die Zahl der notwendigen Aufsichten erhöht. Hier fallen massiv Vertretungsstunden an für KollegInnen in Quarantäne. Hier müssen Unterrichtsplanungen ständig neu aufgesetzt werden durch fehlende Klassen und Klassengruppen. Hier geht man jeden Tag in die Schule mit dem Gedanken, wen es als nächstes erwischt oder der Frage, ob die eigene Klasse heute noch da sein wird. Ob man was mit nach Hause nimmt, was der eigenen Familie schadet.

Daher, angesichts meiner Erfahrungen vor Ort würde ich Folgendes vorschlagen, ganz bescheiden:

  • Sofortige Umstellung der weiterführenden Schulen nach den Herbstferien auf Wechselunterricht, also Halbierung der Klassengruppen und wechselnd im Präsens- und Fernunterricht beschulen (Entlastung der Lehrkräfte, vereinfachte Umsetzung eines Hygienekonzepts, mehr Zeit auch für einzelne SchülerInnen)
  • Ab jetzt alle Entscheidungen treffen für große Zeitfenster, also Abkehr von dem „Fahren auf Sicht“ (Was um Gottes Willen haben wir denn vorher gemacht? Blind gesegelt?), jetzt bis mindestens zum Halbjahr, dann bis zum Ende des Schuljahres (damit der Bildungsauftrag auf lange Sicht auch wieder planbar und verbindlich wird)
  • verbindliche und abgesicherte Leistungsmessung im Fernunterricht einrichten, wenn man denn Leistungsfeststellungen weiter fordert, ansonsten
  • Verzicht auf Leistungsnachweise bis zum Halbjahr, Konzentration auf: Lücken füllen, Stand halten, langsam Wissen ausbauen, soziale Arbeit mit den SchülerInnen (nichts an den Anforderungen der Notengebung zu ändern bedeutet aktuell den Stress zu verdoppeln)

und

  • Ich will kein Geld. Das lässt mich nicht länger schlafen, das nimmt mir nicht die Sorgen um meine KollegInnen und meine SchülerInnen.

Man mag mir verzeihen. Ich mache sowas nicht in meinem Blog. Nicht dass ich wieder einen Anruf bekomme.

Aber ich bin müde und damit bin ich HIER nicht der einzige.

Schlafen Sie gut.

#wasmachteigentlichderchef 26.10.

Fahrrad. Es war Regen angekündigt, aber ich habe gute Regenklamotten. Und ich habe einen neuen Helm, mit Visier und extra dazu gekauften Innenmütze. Das ergab einen warmen Kopf und einigermaßen freie Sicht. Jedenfalls keine besprenkelte Brille.

Hinfahrt am Morgen fantastisch. Es ist heller morgens. Und herbstlich. Ich bin zwei Wochen nicht gefahren und in der Zeit war plötzlich der Herbst da. Und ich habe es genossen.


Erledigte Aufgaben:

  • Gespräch Sozialpädagoge
  • Meldung entgegennehmen: zwei neue Infektionen am Wochenende unter SchülerInnen
  • Feststellen, wer von der anstehenden Quarantäne betroffen ist: 50 SchülerInnen und 6 Lehrer, darunter mein zweiter Stellvertreter
  • In der Pause Information an die KollegInnen
  • erster Stellvertreter telefoniert aus der Quarantäne heraus mit dem Gesundheitsamt, zweiter beginnt noch einen Vertretungsplan für morgen
  • Telefonat Schulaufsicht wegen ASV und US, kommt selbst drauf, dass wir nur kurz anreißen und ich dann mit meinem Zeug weiter mache
  • alle Eltern werden antelefoniert
  • Ich gehe zu den betroffenen KollegInnen und informiere sie über die Quarantäne
  • Ich informiere die Klasse, die KollegInnen eine Religionsgruppe, die anhängt
  • Wir stellen fest, dass wir nicht genügend Vertretungen zusammenbekommen für den nächsten und die folgenden Tage, weil zu viele Lehrer in der Quarantäne sind
  • Ich melde den Corona-Status an die Schulaufsicht, mit dem Hinweis, dass es eng wird bei uns
  • Telefonat Schulaufsicht, Möglichkeiten werden erörtert, mir werden meine möglichen Befugnisse noch einmal verdeutlicht
  • Kurze interne Absprache, ich wende meine Befugnisse an, wir haben einen Plan für die kommenden Tage
  • Unterricht in Klasse 7 Geschichte, die nur die Hälfte aller Schüler hat, weil es aktuell wieder Streik im ÖPNV gibt
  • Besprechung mit Kollegin vom Personalrat
  • Besprechung mit Verbindungslehrerin
  • Besprechung mit RumpfSchulleitung
  • während der ganzen Zeit der Versuch, den Elternbrief aufzusetzen
  • Anruf Schulaufsicht: Korrektur der Zahlen
  • Elternbrief fertig, versenden
  • Schulhomepage: Veröffentlichung
  • Gespräch mit VertreterInnen einer örtlichen Pfadfindergruppe
  • um 16 Uhr mache ich mich an die einzige Aufgabe, die ich mir heute vorgenommen habe und schaffe den ersten von vier Schritten dabei
  • 16:30 Uhr sitze ich auf dem Fahrrad für den Heimweg im Regen vor dem Schulhaus
  • Handy klingelt: Gesundheitsamt ist dran, Erläuterungen werden gegeben, neue Informationen zu denen, die wir am Vormittag bekommen haben, eigentlich nicht neue sondern andere
  • Abends über verschiedene Kanäle diese Infos noch einmal verbreiten
  • Morgen müssen wir alle Eltern noch einmal anrufen
  • Nebenbei zwei Stunden gebraucht um den Windowsrechner im Büro auf dem Schreibtisch upzudaten

Rückfahrt mit dem Rad im Regen. Sehr kühl. Und dann wieder sehr dunkel. Komme 12 Stunden nachdem ich losgefahren bin wieder zuhause an.

Wie ich mich fühle aktuell: Wie in einer Seifenkiste, die den Hang runterbrettert. Ich sitze da und halte das Lenkrad fest. Ich merke, dass sich die Seitenteile links und rechts lösen. Ich greife mit beiden Armen links und rechts raus und halte die Seitenteile fest. Meine Knie steuern. Ich sehe eine scharfe Kurve auf mich zukommen.

Morgen wieder Fahrrad.

Ich bin weiter müde.

#wasmachteigentlichderchef 21.10.

Auto.


Erledigte Aufgaben:

  • Unterrichtsbesuche, zwei
  • Ablage
  • Vergabe von Leistungsprämien
  • Telefonat mit Gesundheitsamt
  • Besprechung Unterichtsbesuch letzte Woche
  • Postausgang
  • Orga Infobriefe Gesundheitsamt an betroffene Familien

Mittags (kurz vor 2) gefahren. Heute ist Mittwoch. Fahrrad zur Werkstatt gebracht. Beim Aufzählen der einzelnen Punkte kam ganz schön was zusammen. Hoffe, die bekommen das schnell hin.

#wasmachteigentlichderchef 20.10.

Auto. So früh, dass ich schnell in der Schule bin. Viertel vor sieben.


Erledigte Aufgaben:

  • Besprechung mit dem Stellvertreter: Aufteilung der Aufgaben für den Coronafall, wir hatten schon letzte Woche ein Konzept für uns aufgelegt, was in dem Fall zu tun ist
  • Besprechung in größerer Runde mit Sicherheitsbeauftragtem und Verfeinerung, Sprachregelung festlegen
  • 8 Uhr Ansage im Lehrerzimmer vor den KollegInnen, die da sind: Was wir tun werden, wie der Tag abläuft
  • Danach Anrufe in den Gesundheitsämtern
  • Unterricht anfangen in der 10. Klasse Sozialkunde
  • Nach einer Stunde Meldung vom Stellvertreter: Wir können loslegen
  • Klasse verlassen
  • Besprechung Stellvertreter und Orga der Vorgehensweise und Festlegen der Betroffenen (131 Schüler, 3 Lehrer)
  • Isolierung der Klassen, Anrufen der Eltern, Abholung der SchülerInnen
  • Meldung nach „oben“ machen, Statistiken füllen
  • Elternbrief aufsetzen
  • Einzelfragen in den Telefonaten lösen
  • Absprachen mit der FOS im Haus, die am selben Tag denselben Fall hat
  • Sitzung Krisenteam, Absprachen,Abklären
  • Zweites Mal vor das Kollegium treten und aktuellen Stand weiter geben
  • Vor der Toilettentür telefonisch: Absage der Tage der Besinnung
  • Verlegen der Elternbeiratswahlen
  • Schulaufsicht noch mal kontaktieren, abchecken, ob man an alles gedacht hat
  • Fehler korrigieren, die man gemacht hat (eigentlich nur einen), zum Glück gemerkt, dass man nicht perfekt ist
  • Anruf in der Fahrradwerkstatt: Das Fahrrad muss repariert werden, unbedingt. Termin schon übermorgen bekommen
  • Absage einer Fortbildung in der kommenden Woche, weil mein Stellvertreter heute in Quarantäne geht

Morgens jetzt immer der Blick auf die Coronawerte.

Oder kurzen Plausch mit dem neuen Kollegen.

Keine Ahnung, ob das ein Weg ist. Gnadenlos bin ich auch nicht, nicht so sehr wie es hier klingt.

#wasmachteigentlichderchef 19.10.

Auto. Fahrrad immer noch kaputt. Komme nicht dazu, einen Termin zu machen.


Erledigte Aufgaben:

  • Posteingang erledigt
  • Elternbrief aufgesetzt, Thema: Wie wir unterrichtet, wenn wir in den Wechselunterricht gehen, u.a.
  • Sitzung Erweiterte
  • Unterricht für die GEschichtsklasse vorbereitet
  • Gespräche mit Kollegen über verschiedene Themen
  • Geschichtsunterricht in der iPad-Klasse, Learningapps ausprobiert
  • Gespräch mit Stellvertreter über Disziplin am Nachmittag
  • Disziplinarausschuss (zum ersten Mal mit Maske)

Müde.

Abends ein Anruf von einem Kollegen, der mitteilt, dass er corona-positiv getestet wurde. Schnelle Absprachen innerhalb der SL über Threema.

#wasmachteigentlichderchef 15.10. und 16.10.

Auto. Hörbuch. Harry Hole ermittelt. Wunderbar eigentlich.


Ansonsten erschöpft und ausgelaugt. Corona nervt. In den letzten Tagen vor dem Wochenende schnellen die Zahlen nach oben, plötzlich sind wir gelb, dann stehen wir auf rot – und retten uns ins Wochenende. Wie der Boxer in den Gong.

Quarantänen schlagen um uns herum ein. Es ist viel Unruhe. Herkömmliche Krankheiten erhöhen die Vertretungszahlen. Dazu das Tagesgeschäft und Planungen ins Blaue hinein – aber wie eine Schulleiter-Kollegin (mit der zweiten Quarantäne in diesem Jahr – erst die Q12 in der ersten Woche, jetzt Q11, inklusive anhängenden Lehrkräften) am Telefon grad meinte: Was willst du denn auch planen?

Ja, eigentlich wenig. Hauptsächlich damit beschäftigt Dinge abzusagen, anderen Planungen unter Vorbehalt zuzusagen.

Letzte Woche Tage gehabt, wo ich zwischendrin mal Zeit hatte auf Toilette zu gehen. Wo ganze Tage nicht nach dem vorbereiteten Kalender verliefen, inklusive Schüler anschnauzen, weil die eigene Geduld schon vor der Unterrichtsstunde aufgebraucht ist (bisschen hat er es verdient, ich glaube am Ende der Stunde waren wir wieder gut miteinander).

Heute abend noch den Elternbrief schreiben, mit dem wir die Eltern unser Konzept für den Wechselunterricht bekannt machen wollen. Es wird, auch nach meinem persönlichem Empfinden, über kurz oder lang dazu kommen.

Die Schulreferentin der Stadt dazu: „Wir wollen auch die Schulen so lange wie möglich offenhalten…“ Alle diese und ähnliche Verlautbarungen klingen für mich grad wie die Playlist des Titanic-Orchesters. Ich komme morgen in die Schule und bin gespannt, wie es weiter geht.


Am Wochenende als Dozent außerschulische Erwachsenenbildung betrieben in Form eines Vorbereitungskurses auf die staatliche Fischerprüfung – zusammen mit Fischerkameraden. Das zweite von 3,5 Wochenenden.

Auf der einen Seite immer wieder zwischendrin gewundert, wie normal und routiniert das mit den Masken und dem ganzen Drumherum abläuft. Auf der anderen Seite noch kurz nach Beginn die aktuellen Verlautbarungen lesen und versuchen zu verstehen. Dürfen wir heute den Kurstag eigentlich halten?


Ich wollte letzte Woche an einem Dienstag mal durch Striche aufzeichnen, wie oft in der Stunde ich bei der Arbeit unterbrochen werde in meinem Büro, durch Klopfer, Anrufe usw. Nach zwei Stunden habe ich das aus den Augen verloren, bis da waren es vier Mal pro Stunde. Also ca. alle 15 Minuten.

Zur Erklärung des Bildes von heute: Das sind Infozettel, die an meiner Tür kleben oder auf meinem Schreibtischstuhl (wenn es ganz dringend ist) oder dem Schreibtisch (wenn dort Platz ist) liegen. Wenn jemand anruft und ich nicht da bin, notieren die Sekretärinnen dies und ich bekomme den Zettel.

Am Freitag habe ich um 10.10 Uhr Unterricht, bis 11.40 Uhr.

In der Zeit drei Anrufe von übergeordneten Behörden, zwei mit dem Hinweis „dringend“.

Um 11.45 Uhr bin ich im Büro und nehme den ersten Zettel, den, auf dem nicht „Dringend“ steht. Kurzes Telefonat, erledigt. Nichts erreicht, aber halt mal gesprochen.

Zweiter Zettel. Angerufen, besetzt. Angerufen, besetzt. Angerufen, besetzt. Aufgegeben.

Dritter dringender Zettel. Angerufen. Es kommt die Nachricht: „Wegen der aktuellen Bla,bla, bla und dem hohen Arbeitsaufwand ist die Behörde nicht durchgehend erreichbar. Bitte rufen Sie in den Sprechzeiten an, von blablabla bis 12 Uhr.“


Blutdruck stabil diese Woche. Komisch eigentlich.

#wasmachteigentlichderchef 14.10.

Auto. Hörbuch spannender. Regen.


Erledigte Aufgaben

  • Angefangen Briefing zu schreiben (das habe ich erst vor 1,5h beendet( (es ist grad 22 Uhr)
  • Zwischendrin Überlegungen, ob man in Stufe gelb die Infoabende an der Grundschulen halten kann, die ab heute bis zu den Herbstferien geplant sind
  • Nach einer Stunde hin und her unsere Teilnahme an allen Abenden abgesagt
  • Gespräch Hausmeister
  • Lehrprobentermin neu verhandelt
  • Unterrichtsbesuch Chemie 9. Klasse
  • Eröffnung eines Vertrages für Kollegin
  • Versetzte Kollegin von gestern wieder versetzt, weil ich am Telefon hockte und verschiedene Dinge absprechen musste

Kurzer Tag heute. Aber länger geblieben als geplant.

Kollege schickt mir einen Zeitungsartikel über einen Kollegen, der nach fast zehn Jahren als Schulleiter auf eine Stelle als Konrektor wechselt.

Keine Ahnung, warum er mir das schickt.

#wasmachteigentlichderchef 13.10.

Auto. Mit defektem Scheinwerfer. Hörbuch nimmt langsam Fahrt auf.


Erledigte Aufgaben:

  • US abgeschlossen
  • US abgeschickt
  • Unterricht 10. Klasse Sozialkunde
  • Gespräch neue Teamlehrkraft
  • Beratungsgespräch Vater
  • Absprache Lehrprobe (musste ich heute wieder ändern)
  • Dann der Plan:
  • 13.30 Gespräch, ca 10 Minuten mit Kollegin über Unterricht
  • 13.40 Gespräch über Orga „Tage der Besinnung“
  • 14 Uhr Sitzung Schulentwicklung
  • Wirklichkeit:
  • 13.25 zu einem pädagogischen Notfall gerufen
  • 13.30 der Kollegin Bescheid gegeben, dass der Termin platzt
  • 13.31 am Ort des Geschehens, Erzählen lassen, geredet, beruhigt
  • 13.50 wieder am Büro und Kollegen für Orga reingesetzt
  • 13.52 Anruf Schulaufsicht, dringend. Büro gewechselt, telefoniert
  • 14.03 in mein Büro, Orgagespräch
  • 14.25 in die Sitzung Schulentwicklung
  • 15.30 Uhr Sitzung beendet
  • am Abend dann die Meldung, dass die Stufe Gelb in der Stadt Nürnberg ausgerufen wurde, d.h. Maskenpflicht auch während des Unterrichts, u.a.
  • Natürlich abends noch Scheinwerfer reparieren lassen

Um 16 Uhr gehe ich nach Haus.