Den Faden wiederfinden

Wie schon manches Mal hier im Schreiben habe ich seit ein paar Wochen den Faden verloren. Ich glaube das lag ein wenig an einem Gespräch mit einem klugen Menschen – und ich meine das „klug“ in einem anerkennenden Sinne. Klug in dem Sinne, dass ich mich nicht dumm fand in der Gegenwart dieses Menschen, nicht zu klein, um nicht Fragen zu stellen, zu oberflächlich, um diesen klugen Menschen nicht auch zum Stutzen zu bringen.

Und das kam so.

Ich fragte den Menschen nach der Arbeit, für die er seinen Doktor bekommen hat. Überraschend hörte ich, dass es eine philosophische Arbeit war über Henri Bergson, einen französischen Philosophen. Er erklärte mir die Grundgedanken. Er erwähnte Kierkegaard, den ich immer mal verstehen wollte. Ich versuchte mit Montaigne zögerlich zu entgegnen.

Der kluge Mensch liest meinen Blog, als Kollege eben. Und er offenbarte, dass ihm die – ich erinnere nicht mehr das Wort, das er verwendete – offene / offenherzige / freimütige Art meines Schreibens nichts sei für ihn selbst. Nicht dass er es nicht schätze, aber für ihn, nein.

Ich dachte kurz nach und äußerte dann, dass ich eigentlich für mich immer eine Trennung sähe – zwischen mir, der schreibt und dem, über den ich schreibe. Also die klassische Trennung zwischen Autor und Geschriebenem.

Das mag überraschend klingen und der kluge Mensch stutzte wirklich.

Aber sehen wir uns es doch mal an: Ich wähle zwischen allen den Ereignissen meiner Tage aus. Die Kriterien dafür mögen sein, dass es bezeichnend ist für meine Stimmung in der Minute, in der ich das Schreiben beginne. Oder es mag symptomhaft für meinen Berufsalltag sein. Oder es wird eine besondere Pointe erzeugt. Oder ich will etwas aus meinem Kopf bekommen, was mich stört – auf gute oder blöde Art und Weise.

In jedem Fall verkürze ich es, dass es in diesem Rahmen bestehen kann. In jedem Fall setze ich es aus Einzelstücken so zusammen, dass es passt. Ich montiere. Glätte. Dass es eine Logik erzeugen mag. Dass es einem roten Faden folgt. Ich versuche mich immer an etwas zu erinnern. Richtig zu erinnern.

In keinem Fall erzähle ich von mir.

Ich erzähle Geschichten.

Dass man mich kennen mag, ändert nichts daran.


Und dieses Gespräch hängt mir so nach, ebenso wie Montaigne. So lang bis ich es jetzt aufgeschrieben habe. Auch weil ich seit drei Tagen auf mich selbst zurückgeworfen bin.

#wasmachteigentlichderchef 2022-04-25

Den halben Vormittag schlechten Unterricht gemacht oder am Telefon gehangen. Die andere Hälfte Gespräche mit Hilfe eines russischstämmigen Kollegen geführt, um ukrainische Kinder an meiner Schule aufzunehmen.

Irgendwann fiel mir eins dieser Gespräche von vor den Ferien ein. Als ich fragen ließ, am Ende, ob es etwas gäbe, was er hier an der Schule fürchten würde.

Die übersetzte Antwort: „Ich fürchte nichts, ich habe das Schlimmste schon hinter mir.“

wasmachteigentlichderchef 2022-03-27 (Roger Willemsen)

Nachdem ich Deutschlandreise von Roger Willemsen bestellt hatte, bemerkte ich, dass auf Spotify das Ding als Hörbuch liegt. Da ich in letzter Zeit mehr und länger unterwegs bin, habe ich nun gleich dies gehört. Und mit der Stimme des Autors wird diese besondere Form des Reiseberichts noch einmal eindrucksvoller. Habe manchmal gelacht im Auto, was ich als selbstbeherrschter Mensch auch außerhalb nur sehr überlegt mache*1

Ach, geiler Satz.

Jetzt fast drei Tage nicht in meiner Wohnung gewesen. Merke, dass ich bei allem ruhiger werde, wenn ich nicht meinen Schreibtisch sehe.

Zwei Sätze aus der letzten Zeit in dem Zusammenhang, die nachhallen:

„Manchmal möchte ich wissen, was in deinem Kopf vorgeht.“ *1

„Du lachst schon viel mehr.“ *1

Aber echt: Ich kann mich aus meiner Zeit in der Schulleitung (also seit 2009) nur an drei Ereignisse erinnern, wo ich mich nicht gut unter Kontrolle hatte. Zwei Mal habe ich mich geärgert, ein Mal angefangen zu weinen.

Ich neige offenbar dazu, Sachen in mich reinzuschaufeln und da dann zu lassen. Letzte Woche beim Coaching gefragt worden, wie immer, womit ich denn anfangen wolle. Schon auf dem Weg dorthin dachte ich mir, dass eigentlich nichts Aufregendes anliegt. Als ich dann anfing etwas zu erklären, kam ich von einem zum Anderen, holte weiter aus und noch weiter, um mich am Ende dann mit der Frage konfrontiert sehen: Wollen Sie nicht ein paar der Dinge loslassen?

Ich radelte erleichtert nach Hause.


Nächster Woche beginne ich die Golfsaison.


Westpark, morgens, wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge große Schatten.

Gostenhof, Nürnberg, Spaziergang

Es ist alles gut so wie es ist.

#wasmachteigentlichderchef 2022-03-19 (Deadline. Bov Bjerg)

Glaubenssatz: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Leichte Abwandlung, schlimmer: Ohne Arbeit kein Vergnügen.

Typischer Samstag: Vorfreude aufs Ausschlafen, Aufwachen mit Kopfschmerzen zwischen 5 und 6, früher als in der Woche der Wecker klingelt. Socialmedia leerlesen. Sich leer fühlen. Aufstehen, Kaffeekochen, aufs Sofa gehen, mit Decke, den angefangenen Roman „Deadline“ (Bov Bjerg) zur Hand nehmen.

Glaubenssatz: Ein Buch liest man immer über mehrere Tage.

Nach anderthalb Stunden ausgelesen, mehr Kaffee getrunken, Brötchen gefrühstückt vielleicht muss man nur so lesen, damit man Bezüge erkennt und „das Gesamte“. Vielleicht muss man öfter mit dem Vergnügen beginnen.

Auf der weiteren Leseliste:

  • Faserland, Christian Kracht
  • Deutschlandreise, Roger Willemsen

Letzte Woche von der Kollegin, die die Schülerbücherei betreut, nach den Lektüren gefragt worden, die ich in 10 als Referate verteile und welche davon noch für die Bücherei geeignet wären. Einer meiner Schüler hatte nach einem Roman gefragt („Habe ich dir eigentlich schon erzählt“ von Sibylle Berg). Ich ging meine Leseliste durch und blieb an „Deutschland umsonst“ von Michael Holzach hängen, was mich um 20 herum unheimlich fasziniert hat – und immer noch tut. Las weiter, stieß auf die oberen beiden. Bestellte. Nach dem Umzug sind einige der Bücher nicht mehr da.

Mehr Vergnügen nötig und immer zuerst.

Gestern beim Kochen einer Hühnerbrühe/-suppe für eine Freundin drei Straßen weiter, die Corona hat und stärkere Erkältungssymptome, …(Gedanken verloren, weiß nicht, was ich hier schreiben wollte)

Der Freundin die Suppe gebracht, auf Abstand, vor die Wohnungstür gestellt, danach durchs Viertel, nach Einbruch der Dunkelheit, Fotos gemacht, keine Lust auf die eigene Suppe mehr gehabt(heute kommt Besuch, da wird sie eine Rolle spielen) und TK-Pizza vom Aldi mitgenommen, kurz mit L. gesprochen vor dem Milchregal, trotz Ausbildung Spätschicht und Samstag im Einsatz, Personallücken überall.

Mit Lesenwollen hat das alles mal angefangen, mit Lesenmüssen – und mit Schreiben.

#wasmachteigentlichderchef 2022-03-15

Fahrrad. E-Bike. Seit gestern den Glaubenssatz aufgegeben, dass es zu umständlich ist, das E-Bike aus dem Keller zu holen, um „nur“ zur Schule zu fahren. Ist es nicht. Ich sehe meinen tollen West-Park wieder jeden Tag. Ich bin draußen. Ich mags einfach.


Erledigte Aufgaben


Es war und ist ziemlich viel los, privat, dienstlich. Es gab schöne Tage, privat. Auch weniger gute Tage, z.B. der, an dem ich untrainiert und mit großer Sturheit bei Minustemperaturen eine Radtour von 70km machen wollte. Der, an dem ich nach 50km abbrach und die S-Bahn ansteuerte, das Vorderrad verkantete und umfiel mit dem Rad wie ein Sack, unterkühlt, nicht mehr fähig mich richtig abzufangen, meinen Arm unter mir, der nicht brach zum Glück. Mir aber Schürfwunden zuzog und die unterste Rippe prellte. Und dann tagelang Schmerzen bei den einfachsten Sachen hatte: Schuhe binden, Hinternabwischen, Hose hochziehen – und was man sich sonst so vorstellen kann. Dummheit, Überschätzung, Sturheit – alles, was dazu führte, dass ich Schulleiter geworden bin.


Ich weiß, es gibt scheinbar Wichtigeres. Tut es auch. Und wegdenken kann man es sicher nur sehr schlecht. Dienstlich kommen die ersten Anfragen zur Gastaufnahme von Kindern aus der Ukraine. Das KM hat das Rollout der neuen Kampagne in Bezug auf ukrainische Flüchtlingskinde bekanntgegeben. Und es geht ein Ächzen durch die Schulen. Ich bin und war nie ein Freund von Durchhalteparolen – und das wird sich nicht ändern. Ich sehe, wie spontan Hilfe angeboten wird aus allen Ecken der Schulgemeinschaft, was uneingeschränkt toll ist. Aber nach einigen Telefonaten ächze ich auch und mir wird schlecht, wenn ich an die nächsten Wochen denke.

Ich zitierte neulich die SZ auf Twitter.


Ein Bekannter erzählte neulich, dass sein Vater als pensionierter Lehrer vom KM kontaktiert wurde, ob er nicht aushelfen könnte – er ist vor 12 Jahren pensioniert worden. Keine Pointe.

Würde er bei mir aushelfen, könnte ich ihm die jüngste Aushilfslehrkraft vorstellen, die ich je angestellt habe – Geburtsjahr 2001, im September. Vier Tage vor mir Geburtstag, 32 Jahre nach mir geboren. Ich habe sie im Unterricht gesehen – sie ist gut, ich habe Glück gehabt.

Jetzt habe ich sie gefragt, ob sie noch StudienfreundInnen kennt, die auch gern unterrichten würden.

Ich hatte mir nie vorstellen können, dass es Phasen im Schuljahr geben wird, in denen ich persönlich so viel Personal selbst suchen und anstellen muss, um meinen Pflichtunterricht aufrecht zu erhalten.


Ich freue mich auf meine wenigen Kilometer mit dem E-Bike morgen.

wasmachteigentlichderchef 2022-02-22

Auto, weil ich angesichts der immer näher kommenden Einschläge von Coronainfektionen nicht mehr mit der U-Bahn fahren möchte. Und ja, für das Fahrrad bin ich zu faul.

Erledigte Aufgaben:

  • Stunde Deutsch in 10
  • Gespräch mit Sicherheitsbeauftragten über das Pooltesten (OMFG)
  • den Rest habe ich schon wieder vergessen
  • doch halt: Absprachen mit einer neuen Aushilfe, Unterschriften
  • viele Gespräche über alle möglichen Themen, stellenweise persönlich
  • früher gegangen, weil ich dachte, eine Schulleitertagung zu haben, die Ichd aheim online erledigen wollte, als mich niemand in die Online-Sache reinlässt, einen komischen Verdacht, richtig, die Tagung findet erst Donnerstag statt, ich keine Ahnung, warum ich den falschen Termin habe, schlage nach, im September 21 wurde mir der 22.2. genannt, ich habe Beweise, aber mittlerweile wurde de Termin verändert, da schreibe ich mir endlich mal etwas frühzeitig auf, (OMFG)

Über den Nachmittag gefreut.

Um mal nachzutragen, wann ich zum Hulk werde – absolut subjektiv, bitte immer beachten:

Ich schicke mehrere Mails an die richtigen Stellen, um Umstände zu monieren, die meiner Meinung nach die Sicherheit des Schulhauses nach außen und innen beeinträchtigen. Bekomme Wischi-Waschi-Antworten, frage nach, bekomme gar keine Antworten mehr.

Dann gibt es am Montag ein Nutzer-Jourfixe (schon dieser Begriff lässt mich grün werden). Es werden Dinge besprochen, mir fangen an die Ohren zu bluten, weil ich es hasse, wenn Leute lang und breit und redundant sprechen. Irgendwann frage ich nach meiner Mail. Antwort: Wir haben doch geantwortet. Ich: Es gab eine allgemeine Antwort, aber auf meine Punkte in meiner Mail ist keiner eingegangenen. Frage an mich: Was stand denn in ihrer Mail?

Danach „sparte ich nicht mit Stimme“ (Reiner Kunze).

Ich stand dann auf und wollte gehen, in der offenen Tür fiel mir auf, dass ich noch keinen beleidigt hatte und setzte mich wieder.

Irgendwann verdreht der Mensch mir gegenüber die Augen. Ich erwähne, dass in letzter Zeit in vier umliegenden Schulen eingebrochen wurde. Und dass ich mir als Schulleiter Sorgen mache, was solche Leute in meinem Büro mit Feuerlöschern alles anrichten können. Ich bekomme wieder Wischi-Waschi-Antworten, frage alle Anwesenden, ob sie die Verantwortung dafür übernehmen würden, wenn etwas passiert. Ich wiederhole es mehrmals, weil ich ja offenbar mit tauben Menschen rede. Man möchte das Thema wechseln.

Ich werde noch lauter – und ich merke mittlerweile, dass mein Blutdruck in mir ein ungesundes Gefühl entwickelt.

Dann heult einer rum, dass wir an den Oberbürgermeister geschrieben hätten und das sollten wir nicht mehr tun. Dann geht mein Kollege ab und ich kann Pause machen.

Das Problem dabei ist, dass ich mich hinterher immer schlecht fühle. Weil der Stoiker in mir wieder mal verloren hat. Und weil es verdammt noch mal nicht gesund ist, was ich da mache.

PS: Unser Brief an den Oberbürgermeister hatte eigentlich als Botschaft, dass die Stadt Nürnberg sich bitte besser um die Schulgebäude der Stadt kümmern möge, damit die nicht so aussehen wie sie eben aussehen. Dass im Nebeneffekt bestimmte Hunde aufheulen, weil sie getroffen wurden, verschafft der Bestie in mir Freude. Aber auch das bringt mir keine Zufriedenheit, oder nur kurz, ach.

Fundstücke des Tages

Auf dem Spaziergang heute

wasmachteigentlichderchef 2022-02-21

Auto, weil ich was aus der Schule mitnehmen musste, was nicht aufs Fahrrad oder die U-Bahn passt.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Deutsch
  • Absprache kurz mit Sicherheitsbeauftragten wegen Pooltestungen
  • Absprache mit Kon wegen Vertretungsplan aktuell, weil zu viele LehrerInnen fehlen ( Sie wissen ja, Schulen sind sicher, was Corona angeht, und erstmal die Grundschulen, und die KITAs-Wahnsinn)
  • Briefing mit anderem vonwegen Freitag
  • Gespräch Planung Unterricht
  • Anträge für Aushilfen durchgegangen
  • mehr als zwei Stunden Sitzung mit Vertretern der Stadt, nach 1,5h ausgeflippt, fast alle Anwesenden beleidigt, dann wieder beruhigt
  • Sie sollten mich mal so sehen – sie würden Angst bekommen (ob vor mir oder um mich…sehen sie dann selbst)
  • zuhause noch die notwendigen Dinge erledigt

Ich war am Samstag endlich wieder auf dem E-Bike für eine kurze Runde Richtung Südwest aus der Stadt raus. Am Sonntag im Regen auf der Driving Range. Habe versucht viel zu schlafen, was mir nicht so doll gelingt. Mich versucht zu konzentrieren.

Fotos vom Wochenende

Der Automatenshop des Reime-Ziegenhof. In der Nähe ist mein alter Golfplatz.

#wasmachteigentlichderchef 2022-02-17

Auto.

Erledigte Aufgaben

  • eine Stunde Deutsch 10
  • eine Stunde Sozialkunde 10
  • Telefonat Schulaufsicht (1 h)
  • Unterrichtsverteilung angeschaut und überlegt
  • Zeugnisse ausgedruckt und unterschrieben, ebensoviele wie gestern
  • Emails, Post, Ablage
  • mehrere Gespräche über die Ereignisse zu Beginn der Woche
  • Rückkopplung Kriseninterventionsteam

Gefühlt: Volle Überforderung durch zu viel Input und zu wenig aktuelle Möglichkeiten, Struktur reinzubringen, zu wenig Ruhe, zu wenig Schlaf. Nachmittags schon kalter Schweiß und kurz so etwas wie Schüttelfrost. Irgendwer fingert da nach der Notbremse. Vergesslich, fahrig.

Kein Foto des Tages.

wasmachteigentlichderchef 2022-02-16

Auto, weil ich am Abend vorher keinen wirklichen Parkplatz gefunden habe und ohnehin weg musste.

Nachts um 4 wachgeworden, rumgelaufen, hingelegt. Aufgewacht müde wie die Hölle, nicht nur die körperliche Müdigkeit, auch die innere.

Gemerkt, als ich mich vor dem Unterricht mit der Kollegin für die zweite Stunde zum Gespräch verabredete, dann aber erst nach der zweiten Stunde kam, weil ich in den ersten beiden Stunden Unterricht nach Stundenplan hatte. Wir führen das Gespräch in der Pause.

Mehrmals aufgestanden und nicht mehr gewusst warum.

Eine andere Kollegin begegnet mir auf dem Gang, wir reden, sie sagt: Ich komme dann gleich zu Ihnen. Als wenn wir verabredet wären. Ich grüble. Sie kommt ins Büro, ich bin etwas panisch. Als sie sich setzt, fällt es mir ein: Ich wollte ihr die Beurteilung eröffnen. Gelächelt, nix anmerken lassen.

Erledigte Aufgaben:

  • zwei Stunden Deutsch mit Referaten
  • Gespräch mit Kollegin
  • Beurteilung eröffnet inklusive Gespräch
  • Telefonate mit verschiedenen Stellen, Absprachen, um den diese Woche angestiegenen Unterrichtsausfall aufzufangen
  • Briefing geschrieben, verschickt
  • Zeugnisse unterschrieben (ca 150), dazugehörige Briefe (halb so viel)
  • auf dem Höhepunkt der Müdigkeit entschlossen heimzugehen, schnell noch etwas regeln, stehe auf dem Gang, Feueralarm geht los
  • mit Feuerwehr und Polizei reden, die innerhalb von zehn Minuten mit einem vollen Löschzug vor dem Gebäude stehen
  • später in meinem Büro: zwei Polizisten, ein Sozialpädagogen, ein Schulleiter, ein Stellvertreter und ein schluchzender und zitternder Schüler, der, eine wilde Geschichte stammelnd, zugibt, dass er den Alarm ausgelöst hat
  • Ich weiß echt nicht, was mit dieser Woche los ist
  • heimgefahren, zu Fuß noch Dinge erledigt, dabei noch am Handy zwei Telefonate geführt über Ereignisse der vorangegangenen Tage

Das Kollegium dünnt weiter aus. Unterricht fällt aus, weil wir nicht mehr alles auffangen können. Bekomme die ersten Beschwerden, freundlich zwar, aber bestimmt. Und sie haben recht.

Gern die eine in den Arm genommen, aber auch da ist Corona heute angekommen.

Foto des Tages. Ich glaube, meine Uhr hatte heute Nacht ein Problem beim Tracken. Aber ich habe mich so gefühlt.

wasmachteigentlichderchef 2022-02-15

U-Bahn, U-Bahn, heute Auto. Morgen Auto.

Der Himmel die letzten Tage ist toll. Oben: Heute Abend außerhalb Nürnbergs, folgend beide: Schulweg, erst an der Schule, dann von meiner Wohnung aus.

Erledigte Aufgaben:

  • laufe seit 2,5 Tagen auf Hochtouren
  • denke ab und an: Na und, andere auch…
  • weiß aber, dass ich mich nicht dauernd (eigentlich gar nicht) mit anderen vergleichen muss
  • weil: wenn ich gestresst und schlaflos bin, dann ist das allein mein Körper und meine Seele
  • um beides muss ich mich auch allein kümmern

Heute ein angenehmes Telefonat mit einem Kollegen Schulleiter aus einem anderen Regierungsbezirk geführt – er rief an, wir wollten schon lang ein Treffen besprechen, ich stolperte, in Wort und in Gedanken, war noch bei einer ganzen anderen Sache, er gatzte auch ein wenig rum…dann stoppte er und meinte: Vielleicht reden wir erstmal darüber, wie es uns geht.

Es kann so einfach sein.

Wir waren uns einig, dass auch ein Problem der Corona-Sache ist, dass das Mantra „Die Kinder sind so wichtig“ unglaublich folgenlos geblieben ist. Schule ächzt seit Beginn an ununterbrochen und bis heute scheinen die einzigen Maßnamen zu sein: Maske! und: Macht das Fenster auf. (Nein, ich lasse die Kohle für Lüftungsgeräte und Geräteausstattung nicht gelten, weil diese nichts leichter gemacht haben)

Und vergessen habe ich habe ich fast, dass jetzt an weiterführenden Schulen in 5 und 6 die Pooltests eingeführt werden. Jetzt gleichzeitig mit der neuen Öffnungsdiskussion, jetzt nachdem man monatelang die herkömmliche Testerei als das große Ding in der Coronabekämpfung propagandiert hat, scheint es nicht mehr auszureichen. Jetzt also noch Pool, was dazu führt, dass sich Kinder jetzt in 5 und 6 an einem Montag drei Mal (3x) (!!) (sic!) Wattetupfer in den Kopf einführen.

Ich habe bisher keinen Begleitzettel gefunden, der mir das erklärt.

Aber ich gebe zu: Ich bin aktuell auch nicht mehr sehr aufnahmefähig.

Gestern Abend mit einer Freundin verabredet. Gehe die Straße entlang zum Treffpunkt, gehe fast an ihr vorbei. Sie sagt: Du hast schon von weitem ganz schön geistesabwesend ausgesehen.

Wenn der Himmel morgens und abends nicht so geil wäre…

wasmachteigentlichderchef 2022-02-09

U-Bahn, morgens, Breze holen, eine Tasche voll für die KollegInnen, die ins Gespräch müssen. Nachmittags dann U-Bahn, essen gehen und auf dem Roller wieder heim.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Deutsch mit Referaten
  • Im Sekretariat gesessen, weil mein Büro besetzt war, beschäftigt getan, trotz Rückenschmerzen wegen des kleinen Stuhls

Schulbesuch

Wenn ich das alles mal wieder richtig verstanden habe, dann kann man sagen, dass der Schulbesuch eines Ministerialbeauftragten dem Unterrichtsbesuch gleichkommt, den der Chef (Ich) bei den KollegInnen mache. Oberflächlich mag man monieren, dass ja der Unterricht nur ein klitzekleiner Ausschnitt aus der Tätigkeit ist, die eine LehrerIn ausübt. Aber auch aus meiner Perspektive kann man hier viel mehr sehen und erkennen, als nur, dass der Kollege seinen Unterricht gut plant, magische didaktische Experimente vollführt usw.

Also, was ich in einer Stunde sehen kann – Auswahl:

  • ob die Stunde einen roten Faden, also einen logischen Zusammenhang hat (Planung und Gesprächsführung)
  • welche Haltung die Lehrkraft grundsätzlich den SchülerInnen gegenüber hat
  • Wie sorgfältig er sein Material vorbereitet und präsentiert
  • Wie er mit Unruhe und Störungen umgeht (auch die gibt es manchmal, wenn ich drin bin)
  • wie er anleiten kann, den Starken und den Schwachen
  • Wie präsent er ist
  • Wie sehr ihm die SchülerInnen vertrauen
  • Wie gut SchülerInnen mit Methoden und Inhalten vertraut sind
  • Wie gut er sein Fachgebiet beherrscht (ist nicht gleichbedeutend mit „alles wissen“)
  • Wie gut er improvisiert, wenn die Stunde nicht oder nicht gut vorbereitet ist

Das alles geht über die Einzelstunde deutlich hinaus.

Dazu kommt, dass ich merke, wie die KollegIn außerhalb des Unterrichts über die Kinder spricht und über sich und seine Arbeit. Ich erkenne einiges daran, wie man mit mir über Probleme mit SchülerInnen spricht. (Es geht nicht darum, dass jemand NIEMALS Probleme hat und alles meistern kann) Manche KollegInnen haben mit den Augen gerollt, wenn sie zu mir kamen mit einer „rechtlichen“ Frage und ich sie zurückfragte, was sie denn pädagogisch entscheiden würden.

Und überhaupt umfasst die Beurteilung ja noch so Vieles mehr. Und ja, manches sieht man nicht so ohne Weiteres – da Missmanagements aktiv nachschauen: Elternarbeit, außerschulische Aktivitäten, Zusammenarbeit.

Umgemünzt denke ich, kann der MB abschätzen, wenn er mit den KollegInnen redet, wie ich als Chef ihnen gegenüber bin. Und er wird mich einschätzen können von den Malen, die ich mit ihm rede. Und ja, ich vertraue ihm da.

Was meinen Umgang mit dem Schriftverkehr angeht, werde ich mehr Arbeit und Orga und Sorgfalt reinstecken. Da komme nicht umhin und brauche nicht rumheulen.

Der Tag des Besuchs war lang und am Ende das Gespräch mit ihm unter vier Augen zu kurz. Eine Ergänzung wird es dieser Tage geben. Wie gesagt, ich sehe es überraschend gelassen. Gelassen, weil ich für mich weiß, dass da nichts ist, was ich nicht noch lernen kann.

Bilder des Tages

Ich war wieder essen. Gehen Sie doch auch mal zum Thai Food II. Ist einfach gut.

wasmachteigentlichderchef 2022-02-08

U-Bahn. U-Bahn zurück, dann zum Teil mit VAG-Rad, weil die U-Bahn ein Türenproblem hatte.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Unterricht
  • Beurteilung eröffnet
  • Briefing geschrieben
  • Absprachen zu Konferenzen
  • Teilzeitanträge sortiert
  • Ablage aufgeräumt
  • Schreibtisch aufgeräumt
  • Unterschriften
  • gestern verleugnetes Telefonat geführt
  • man bittet mich, nicht mehr dem Oberbürgermeister zu schreiben
  • Kaffeemaschineneinstellung gefunden, die mich nicht umbringt
  • Gespräch zum Erasmus-Programm

Morgens von der Sekretärin angesprochen worden: Ob ich das gesehen hätte, am Rande des Schulgeländes hätte ein Lastwagen Müll abgeladen, mitten da, wo die Schüler bald kommen würden. Und sie hätten dann mit dem Feuerlöscher dagestanden und gefilmt. Ob das wohl ein Kunstprojekt sei.

Als ich am Ort des Geschehen eintraf, fröhliche Arbeiter der Stadt. Man erklärte mir, dass sie mit dem Müllwagen unterwegs waren, als sie plötzlich Rauch bemerkten aus dem Wagen. Dann, so die Auskunft, sei die Order, eine Nebenstraße zu finden, den Müll abzukippen und zu löschen. Dies habe man schon getan. Es sei schon ein anderer Wagen beordert, der den Müll wieder aufklaube. Ob ich nicht ein paar Nachsitzer hätte, die helfen könnten. Ich bot ihnen 300 Nachsitzer an, mindestens. Sie alle hatten das, also einen kokelnden Müllwagen, schon mehrfach erlebt.

Weil ich runterfahren musste und keine Lust aufs Kochen hatte, noch schnell raus aus der Wohnung und die Straße runter und rein in die Brauereigaststätte.

Zwei Rotbier und ein Bauerngröstl, offenbar Rest vom Sonntag, weil mit geschnittenen Kloß und Schäufele-Fleisch. An der Hast, mit der ich die Biere kippte, gemerkt, dass vielleicht der MB-Besuch morgen doch nicht spurlos an mir vorübergeht wie ich es gern hätte.

Auf dem Heimweg noch beim Kiosk und Hermes-Shop Gencebay vorbei. Nachtisch geholt, der für jemanden wie mich gemacht war: Einem Mann, der den ganzen Tag im Bergwerk gearbeitet hat.

#wasmachteigentlichderchef 2022-02-07

Mitgenommen worden, bisschen zu Fuß. Bahn auf dem Rückweg. Irgendwo auf dem Rückweg meine Mütze verloren, vielleicht liegt sie im Büro, hoffentlich. Doof. Montag.

Erledigte Aufgaben

  • Stunde Deutsch
  • Stunde Sozialkunde
  • Stunde Schreibtisch aufgeräumt
  • Stunde Herzrasen wegen des (der) Espressos (i) aus der neuen Kaffeemaschine
  • Gespräch Klassenleitung und Sozialpädagoge
  • Formular erstellt für Teilzeitler, rumgeschickt
  • verschiedene Emails
  • Gespräch Hausmeister
  • nach Konzentration gesucht
  • von der Sekretärin am Telefon verleugnen lassen
  • Papierkram für München aufgesetzt
  • Klassenkonferenz am Nachmittag
  • Unterschriften des Tages
  • Unterricht vorbereitet für morgen
  • längeres Gespräch mit Kollegin über Schulleiterwerden und ob das wirklich so gut ist (über jemand anderen)
  • Email aus dem Bürgermeisteramt bekommen, weil ich neulich ja mal wieder wütend war und geschrieben habe; Grundton: „Jetzt hammse sich mal nicht so – wir sind doch dran, das geht nicht so schnell, wie Sie sich das immer vorstellen.“ Antwort zu einem Problem, was sicher seit drei Jahren akut ist
  • vorgenommen: Morgen mache ich meine Bürotür mal wieder zu

Foto des Tages

Waschtag ist normal am Wochenende, aber nicht mal da komme ich zu was aktuell – Fischerkurs und so. Also heute am Montag. Leben wenig aufregend grad. Wenigstens war es heute morgen schon hell, was vielleicht auch daran lag, dass ich spät dran war.

#wasmachteigentlichderchef 2022-02-02

Bahn, zurück teilweise zu Fuß, dann Roller. Zu warm für die Jahreszeit. Später am Abend Fahrrad und Roller.

Erledigte Aufgaben

  • geschaftelt, Dokumente hochgeladen
  • geredet
  • zwei Stunden Deutsch
  • mehr geredet
  • viele Emails geschrieben
  • zwei Stunden Schulleitertagung online
  • kurz nach Hause um Pipi zu machen
  • wieder los, zum Essen verabredet
  • geredet
  • gegessen
  • gelacht
  • getrunken
  • Der Freund sagt immer noch (seit 2007), ich arbeite zu viel
  • mehr getrunken
  • gelacht
  • heim
  • was ins Internet geschrieben

Zwei Tragödien heute:

  1. Netzwerk der Schule wurde eventuell sabotiert durch Virus oder Trojaner
  2. Kaffeemaschine in der Schulleitung / Sekretariat hat den Geist aufgegeben

Kein blöder Witz darüber, was uns mehr erschüttert hat.

Fotos des Tages

Restaurant Amazonas, Bogenstraße, Nürnberg