#wasmachteigentlichderchef 2022-02-01

Wasmachteigentlichderchef 2022-02-01

U-Bahn, leichter Schneefall. Stimmung morgens schön, Vögel noch laut.


Erledigte Aufgaben

eine Beurteilung eröffnet

Telefonat KM

Unterlagen zusammengesucht

Schulhomepage gerettet, weil sie aufgrund der Umstellung auf PHP 8 und einiger anderer Dinge plötzlich nicht mehr aufrufbar war (Gleichzeitig kamen Hilferufe zweier Blogs, die ich betreibe)

einen Zustand erreicht, bei dem ich abends nicht mehr sagen kann, was ich alles gemacht habe

nachmittags: Teams-Sitzung mit dem Sachaufwandsträger wegen der Lehrer-Dienstgeräte

abends noch am Schreibtisch, um zu machen, z.B. die Wikis zum Laufen zu bringen, die von der PHP-Umstellung auch betroffen sind
Kein Tag, an dem ich mich mit Rollerfahren belohnen wollte.


Man entwickelt sich weiter, also ich.
Habe neulich in einem Podcast gehört, dass Leute, die Selbstwertprobleme haben, oftmals Misserfolge in einem Bereich ihres Lebens auf alle Bereiche beziehen. So war ich vor drei Jahren. Ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als mir meine Sekretärin einen dicken Umschlag auf den Schreibtisch legte, ich ihn öffnete und dann die Klageschrift fand. Der englische Begriff „devasteted“, den ich neulich mal gehört habe, beschreibt das ganz gut. Fast ein wenig onomatopoetisch.
Heute zucke ich nicht mal mehr mit den Schultern, wenn ich eine Email bekomme, die damit endet, dass man „das mal dem Anwalt vorlegen werde“. Das bedeutet nicht, dass ich irgendwie Verständnis für so etwas habe.
Von den ganzen Widersprüchen, Klageandrohungen, Klagen, die in den letzten Jahren über meinen Schreibtisch gewandert sind, war eigentlich nicht eine wirklich nachvollziehbar. Ja, ich verstehe oft, was dahinter steckt. Verstehen…naja…nachvollziehen ist das richtige Wort…oder ahnen? Egal.
Wichtig ist: Ich bin ein guter Schulleiter.

Ein bisschen grüblerischer als sonst aber in jedem Fall. Aber das ist nicht schlimm.

Auf dem virtuellen Schreibtisch liegen:

  • Schulbesuch MB
  • Pooltestungen Vorbereitung
  • KMS zu Versetzungen (Damit Beginn der Unterrichtsplanung kommendes Jahr)
  • Personalprobleme
  • ein/zwei Klassen, die einen kritischen Status erreichen

Gestern gemerkt, dass ich etwas angespannt bin, als ich ins Lehrerzimmer ging und zwei KollegInnen direkt auf mich zukamen, um mit mir Dinge zu besprechen und ich sofort angespannt war, und, obwohl man mir nichts Böses wollte – direkt in Abwehrhaltung ging.
Jedenfalls habe ich danach mein Büro nicht mehr verlassen.

Abends, also jetzt, hole ich den Packen Geschichten raus, die ich habe in meiner Zehnten neulich schreiben lassen. Und ich war besonders gespannt auf einen Schüler. Und er hat mich nicht enttäuscht (ohne dass er wusste, dass ich gespannt war). Ich blättere weitere durch, lese, freue mich.
Aufgabe war: Den Anfang des Romans „Wenn’s brennt“ von Stephan Reich lesen (Titel habe ich nicht genannt)

Und dann:
„Aber wo fängt es nur an? Schreibt die Geschichte, mit der das anfängt, was hier endet. Helft euch dabei, die beste Geschichte zu schreiben.“


Ich sollte öfter Deutsch unterrichten.


Halb zehn abends. Eine Kollegin ruft mich an, die im Schulhaus noch was holen wollte, weil sie es vergessen hatte. Sie stößt dort auf ein Problem, das ich neulich in meinen Brief an den Oberbürgermeister formuliert habe. Ich rufe den Hausmeister an und wecke ihn. Das Problem wurde bisher nicht gelöst, obwohl im Brief vom Oberbürgermeister drin steht, dass es sehr wohl gelöst wird. Ich kotze im Strahl. Der Hausmeister kann auch nichts dafür, er kotzt mit.

Ich schreibe jetzt noch eine Mail.

#wasmachteigentlichderchef 2022-01-31

Wasmachteigentlichderchef 2022-01-31

Bahn und ein Stück zu Fuß. Morgens schön gewesen, nachmittags Regen. Nicht schön.

Erledigte Aufgaben:

Der MB hat sich zum Schulbesuch angekündigt. Jetzt könnte ich larmoyant (ich wollte dieses Wort schon immer mal benutzen) sagen, dass er halt sehen möchte, wie die Schule läuft. In Wahrheit aber geht es um die Beurteilung des Schulleiters, also meine (oder mich?).

Zum Besuch gehören nicht nur Gespräche mit allen Beteiligten der Schulgemeinschaft (Konrektoren, Erweiterte, Sekretärinnen, neue Lehrkräfte, Personalrat, SMV, Elternbeirat, Hausmeister, Sozialpädagoge…), sondern auch der Blick in meinen Aktenschrank.

Sie können sich, wenn sie dieses Blog länger lesen, vorstellen, wo meine größte Angst sitzt.

Jedenfalls habe ich heute die zehn Stunden an der Schule damit verbracht, Unterlagen zusammenzusuchen oder andere (die KollegInnen) zu fragen, ob sie mir das noch mal schicken können.

Deadline: Mittwoch, übermorgen.

Ich bin ein guter Schulleiter.

Meine intimen Geständnisse auf diesem Blog scheinen nicht abschreckend zu sein. Sofatutor möchte mich als Posterboy für die Presseansprache Bayern. Ich habe zugesagt, weil ich bei sowas noch nie zugesagt habe. Ich weiß nicht mal, was eine Presseansprache ist.

Bilder der Tage

Graffiti des Tages

Seit zwei Tagen sammeln sich im Hinterhof, auf den mein Balkon rausgeht, abends bei Dunkelheit Rabenvögel in den Bäumen, um morgens recht ordentlich Krach zu machen. Bisschen spooky.


Mit diesem Foto neue Wurst bestellt, für meinen 10jährigen Kumpel und mich.

Die Wochenenden halten immer etwas bereit für mich. Entweder was mit Angeln (Fischerkurs) oder was mit Gefühl. Und was Gutes zu essen. Und bald wieder Golf. Und wandern.

#wasmachteigentlichderchef 2022-01-28

Wasmachteigentlichderchef 2022-01-28

U-Bahn auf dem Hinweg, auf dem Rückweg die Hälfte zu Fuß, weil es so schön kühl und frisch war, dann ein VAG-Rad genommen. Währenddessen mit einer Kollegin und Freundin telefoniert und Beratung gegeben.

Erledigte Aufgaben

  • Unterricht Sozialkunde
  • KMS überflogen zum Pooltesten ab März (mir tun die Augen weh vom Rollen)
  • langes Gespräch mit Fördervereinsvorsitzender, ganz lang
  • paar Emails
  • Psychologische Gutachten für zwei unserer SchülerInnen bekommen, die mich immer noch mitnehmen, aber nicht mehr aus der Bahn werfen
  • Interne Schulleitungssitzung
  • Unterlagen für den MB-Besuch Anfang Februar endlich mal durchgelesen (Beurteilung des Schulleiters)

Auf dem Hinweg so früh gewesen, dass die U-Bahn leer war.

Höchststand an positiven Tests an einem Tag – jeder Zettel eine SchülerIn. Ca. 150-170 SchülerInnen in Quarantäne. Der Schulleitungskollege rechnet aus wie hoch die Inzidenz bei uns an der Schule ist: 3300.

Ich esse zu viel, schlafe zu wenig. Dennoch gehts mir gut. Verrückte Zeiten.

Auf dem Rückweg im Westpark einen mittelgroßen Berner Sennenhund gesehen, der zusammen mit einem Schwarm Vögel spielte. Leider zu weit weg für ein gutes Foto oder Video.

#wasmachteigentlichderchef 2022-01-27

Wasmachteigentlichderchef 2022-01-27

U-Bahn, weil immer kälter.

Heute noch früher an der Schule gewesen, aber immer noch nicht ganz der erste.


Erledigte Aufgaben

  • (Gestern zwei Stunden Deutsch vergessen)
  • eine Stunde Deutsch (einen Film von Fatih Akin zuende geschaut und über Sündenvergebung und Erlösung gesprochen), eine Sozialkunde
  • drei Beurteilungen ausgedruckt, Termine vereinbart zur Eröffnung
  • diverse Mails mit Eltern und KollegInnen-Anliegen
  • Paar Absprachen zum Schulhaus
  • Telefonat Schulaufsicht wegen abgängigem Schüler
  • weitere Klasse in die Quarantäne geschickt
  • in einer Personalakte eine Lücke entdeckt, die in meine Zeit fällt, Kopf gemacht

Ich finde immer noch, dass der Film „Kurz und Schmerzlos“ von Fatih Akin eine gute Umsetzung der griechischen Tragödie ist. Jedenfalls kann man die Aufteilung der 5 Akte eigentlich ganz gut daran erklären. Ebenfalls auch den „Hybris“-Begriff.


Foto des Tages


Meine Wohngegend heute.

Erst vor Kurzem wurde diese Ecke aufgeräumt, weil man daran ein paar Tage lange die „Broken-Windows-Theorie“ nachvollziehen konnte.

Mit „Knut“ fing es an.

Aber der Baum war schon im Dezember vorher ein beliebter Treffpunkt, um Wohnecken aufzubauen.


Ich mag Gostenhof. Jetzt auch im Fluter.

#wasmachteigentlichderchef 2022-01-26

U-Bahn, weil kalt. Habe den Wecker seit letzter Woche um eine halbe Stunde vorgestellt, also auf 5:30 Uhr. Vorteile:

  • U-Bahnen sind leerer
  • komme eine halbe Stunde vor den meisten anderen an die Schule und kann mich in Ruhe auf den Tag vorbereiten
  • die Müdigkeit hat endlich mal einen nachvollziehbaren Grund

Erledigte Aufgaben

  • drei Beurteilungen geprüft und überarbeitet
  • Wochenbriefing geschrieben
  • bisschen geholfen bei der Quarantänenaktion heute
  • Gespräche, drei
  • Telefonat KM, endlich jemanden erreicht, wegen Erweiterter Schulleitung

Früher gegangen, weil heute mein Mittwoch ist und ich einen Termin wahrnehmen musste.

Es mag bizarr klingen, aber ich verändere einige meiner Abläufe am Tag, einfach um zu sehen, was geht und wie mein Biorhythmus dabei mitspielt. Nehme aktuell wieder Johanniskraut, was mich einerseits innerlich ruhiger macht und insgesamt die Stimmung aufhellt.


Heute wurden zwei Klassen in die Quarantäne geschickt. Als angefangen wurde, die Eltern telefonisch darüber zu informieren, fiel die Telefonanlage aus. Die Quarantänebriefe, die wir ausdrucken müssen, kamen unlesbar aus dem Drucker der Sekretärin, also habe ich sie bei mir ausgedruckt. Die Stellvertreter organisierten den Löwenanteil. Eine dritte Klasse steht kurz vor der Quarantäne. Die Sekretärin telefonierte derweil mit ihrem. Handy. Der Online-Unterricht beginnt erst morgen, über unser Kupferkabel aus dem Schulhaus raus.

Wir: Die vorgelagerte Front des Gesundheitsamts. Das Contact-Tracing-Team. Die Phalanx der bayerischen Corona-Strategie.

Die Ankündigungen dieser Tage, von Zahlen über Lockerungen bis hin zur Rationierung von PCR-Tests sind nicht wirklich würdevoll zu kommentieren.


Dialog am Handy zwischen mir und dem Hausmeister neulich. Hintergrund: Gegenmaßnahmen gegen Vandalismus auf der Toilette. Jetzt je Klassenzimmer ein Schlüssel, Toillettegehen nur während der Stunde.


Foto des Tages, Jansenbrücke in Nürnberg, zwischen meiner Wohnung und der Schule. Neulich zu Fuß nach Hause, weil einfach nötig.

#wasmachteigentlichderchef 2022-01-25

Wasmachteigentlichderchef 2022-01-25

U-Bahn, weil kalt. Schulwegimpressionen


Eine Freundin, selbst Schulleiterin eines Gymnasiums in der Nähe, sagte mir mal auf mein Bekenntnis, dass ich Schwierigkeiten damit habe mich als Schulleiter für etwas zu entscheiden, dass sie sich mittlerweile angewöhnt hat, sich nicht zu viele Gedanken darüber zu machen. Sie entscheidet sich und wenn sich nach einer Woche abzeichnet, dass es die falsche war, dann wird halt anders entschieden.

Das habe ich versucht mir als Mantra parat zu legen. Ich wende es in vielen Bereichen an, auch privat oder beim Bloggen. Die meisten Entscheidungen passen beim ersten Mal. Alles andere muss ich vielleicht nicht zu lange erklären.


Erledigte Aufgaben heute:

  • Unterricht 10. Klasse Sozialkunde
  • Zwei Beurteilungen aufgesetzt und zur Prüfung gegeben
  • Langes Telefonat mit der Schulaufsicht zum Thema Notengebung bei Kindern, deren Schullaufbahn durch Aufenthalte in der KJP (Kinder-Jugend-Psychatrie) oder ähnliche Umwege geprägt wurde (3/4h)
  • Langes Telefonat mit einem Kollegen einer weiter entfernten Realschule, Austausch über alles (1h plus)
  • Monatsgespräch Personalrat
  • Mehrere kleinere Gespräche mit KollegInnen
  • Austausch mit Stellvertreter
  • Viele Unterschriften
  • Ca. 12 Mal im Ministerium an drei verschiedenen Nummern angerufen, wo keiner abnahm

Letzte Woche zusammen mit dem Sozialpädagogen eine therapeutische Wohngruppe besucht, in der eine unsere SchülerInnen lebt. Aktuell einer der schwereren „Fälle“, daher persönliches Engagement.


Morgens kalt


Ich habe mir mittlerweile ein Headset angeschafft. Manche der Telefonate sind so lang, dass ein Hörer in der Hand umkomfortabel ist. Also sehe ich aus wie der Mitarbeiter des Monats im Callcenter


Graffiti des Tages (das Gesicht links oben)


Das Bier des Tages: Ein Prototyp aus der Brauerei Kehrwieder in Hamburg

https://www.kehrwieder.beer/12/speaking-bottle/detail/14/prototyp.html

Auf Instagram habe ich eine lange Reihe von Bieren beim Essen eingeführt. Die ursprüngliche Idee war herauszufinden, wieviele Postings ich hinbekomme, wenn ich in der Getränkeabteilung der regionalen Edeka-Filiale fränkisches Bier verschiedener Sorten und Brauereien kaufe und trinke.

Ein sehr erfreuliches Ergebnis daraus war, dass ich schon seit Langem kein Bier mehr gekauft habe, weil Mitleser auf Instagram mir jetzt immer mal wieder Bier vorbeibringen. Also dehnte ich die Reihe aus auf oberpfälzer, niederbayerisches, oberbayerisches, Leipziger, Hamburger Bier aus. Wichtig auch: Die Reihe der Postings fränkischer Biere vom Edeka ist lang, ultralang.

Ich bin kein Biersommelier, mache da keinen Hype – trinke einfach gern Bier, vor allem nach so einem Tag. Nicht jeden Tag, aber gern.

Und essen tu ich auch gern.

Ach – sollte ich Franken oder Bayern mal verlassen, wird mir das fehlen.


Mein Leben gefällt mir.

#wasmachteigentlichderchef 2022-01-13

Dieser Tage U-Bahn. Kalt morgens. Arbeite an einer neuen Routine, die Aufstehen, Frühstück und Losgehen betrifft. Möchte früher an der Schule sein. Möchte Struktur. Ordnung.

Stelle dieses Format (#wasmachteigentlichderchef) heute mit diesem Posting ein. Stellte fest, dass ich zu sehr nachdenken muss und mich zu sehr beschränke bei dem, was ich schreibe. Außerdem habe ich das Gefühl, dass mein Kollegium hier zu viel liest und sich dann Sorgen um mich macht. Das wäre mir zu viel – dann machen wir uns gegenseitig Sorgen umeinander. Komme nicht weiter.

Was an seine Stelle tritt, weiß ich noch nicht. Vielleicht klaue ich mir „5 Minuten Schulleitung“ zurück.

Es ist dieser Tage anstrengend. Ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit sowas wie Weihnachtsurlaub genommen. Der war toll. Der Umstieg jetzt wieder auf Schule nicht so sehr. Es wird von Tag zu Tag besser, aber die innere Unruhe bleibt, die Magenschmerzen und der beständige Ankämpfen gegen die Niedergeschlagenheit. Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass es nicht besser wird. Das wird es. Und Corona geht einem halt auch einfach gehörig auf den Sack.

Heute mit einem Schulleiterkollegen telefoniert, eigentlich wegen der Terminvereinbarung einer anstehenden Lehrprobe. Da wir uns aus dem Internet kennen (dieser Satz ist einfach göttlich) und entsprechend schon mal miteinander gesprochen haben, konnten wir offen und ehrlich reden. Und in diesem kurzen Gespräch konnte ich/konnten wir mal festmachen, was mir (und wohl auch den KollegInnen so quer liegt): Dass absolut nichts normal ist, wir aber so tun müssen/sollen/dürfen, als wäre es so. Weil außer „Die Schule muss offen bleiben“ nichts weiter passiert. Weil wir in einer Ausnahmesituation jetzt „Schule spielen“. Weil, die Metapher sei erlaubt, über allem ein dünner grauer Schleier liegt.

Am meisten liegt mir dabei der gern genannte Argumentationsstrang quer, in dem es heißt, dass geschlossene Schulen die Kinder vermehrt häuslicher Gewalt aussetzt. Als ob offene Schulen auch nur ansatzweise das Problem von häuslicher Gewalt lösen können.

Als ob es nur um „offen“ und „geschlossen“ ging, aber ich bin es leid mich hier weiter aufzuregen.

Im Gespräch mit dem Sozialpädagogen zu Beginn der Woche haben wir die kritischen „Schülerfälle“ besprochen, kritisch im Sinne von „sollte eigentlich einen Therapieplatz, einen Platz in der KJP (Kinder-und-Jugend-Psychatrie) bekommen, wandelt am Rande des Zusammenbruchs, ist nicht beschulbar, muss vor sich geschützt werden usf“. Die Liste wird länger. Und wir haben nur einen Sozialpädagogen oder besser: Wir haben wenigstens einen Sozialpädagogen. Und ein tapferes Kollegium, welches nicht nachlässt. Und ich sitze da, lasse mir berichten und eskaliere innerlich.

Und jetzt reden wir noch nicht von SchülerInnen in Quarantäne oder von infizierten Lehrkräften oder einer dünnen Personaldecke. Oder von der Halbjahresgrenze, wo dann doch wieder die Noten stehen müssen oder Entscheidungen über Probezeiten fallen. Und die 10. Klässler werden über die Abschlussprüfungen informiert. Klassenfahrten sollen abgesagt werden. Der Kultusminister hat sich mit Corona infiziert.

Und ich stehe morgen wieder auf und fahre zur Schule.

Hätten wir gestern nicht die Nachlieferung von Testen endlich bekommen, hätten wir morgen nicht aufmachen können.

Ich habe heute (Oder gestern? Welcher Tag ist heute?) mit dem Kollegen gesprochen, der mit einer Kollegin unter harten Auflagen Theaterproben macht. Und ich habe mit einem zufriedenen Menschen gesprochen, der nahezu euphorisch berichtet hat. Und ich habe mich mitgefreut.

Was mich am Schulleiterdasein am meisten mitnimmt: Dieses Auf und Ab an emotionalen Zuständen, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich innerlich ausleiere.

Was aktuell ansteht:

  • Mit dem Februar beginnt quasi schon die Unterrichtsplanung für das kommende Schuljahr (Versetzung-, Wiederverwendungsanträge)
  • Mit dem Februar bekomme ich meinen Schulleiter-Beurteilungsbesuch vom Ministerialbeauftragten
  • Mit dem Februar soll das aktualisierte Beurteilungs-KMS für die KollegInnen kommen

Außerdem:

Mit der Polizei Kontakt aufgenommen, um der Jägergeschichte von Anfang Dezember mal auf die Spur zu kommen (meine Mail an die Stadt dazu blieb bis heute unbeantwortet, der lange Brief an den Oberbürgermeister zum Thema Vandalismus dagegen hat eine Antwort bekommen – wenn man das so nennen will – der Oberbürgermeister hat sich jetzt auch mit Corona infiziert.)

Sollte dieses Posting bitter klingen, dann stimme ich Ihnen zu.

#wasmachtderchefeigentlich 2021-12-28

Es regnet den ganzen Morgen schon. Ferien. Gestern zum ersten Mal seit einer Woche wieder das Auto benutzt, davor gezählte 18 Tage nicht gefahren. Sollte ich dauerhaft in der Stadt bleiben, wäre Car-Sharing wahrscheinlich wirklich eine Option. Wirklich alles Alltägliche erreiche ich ohne Auto, nur Golfspielen, Angeln und Wandern auswärts wäre schwierig ohne – oder nur dann, wenn mehr organisiert würde.

Heiligabend in meinem Viertel

Die letzten Wochen Schule waren Autopilot, Scheuklappen und permanente Anspannung. Dass man wochenlang „Schulen offen lassen“ will und dann kurz vor den Ferien unterschwellig die Nachricht raushaut, dass eventuell die Weihnachtsferien verlängert werden, machte nichts leichter. Wie ernst es zu nehmen war, konnte man dann dem letzten Absatz eines KMS über Maskenbeschaffung entnehmen. Dort hieß es, dass man besonders gegen Ende der Weihnachtsferien die Schulleitungsemails täglich abrufen sollte, weil noch eine Nachschärfung von Infektionsschutzmaßnahmen die Schule betreffend kommuniziert werden könnten.

Dass jemand mich auf diesen Passus aufmerksam machen musste, ist auch mal wieder bezeichnend, lese ich doch aktuell kaum ein KMS bis zum Ende, weil ich immer den letzten Absatz fürchte, indem mir Verständnis und Wertschätzung schriftlich zugeklatscht wird.

Auch wenn „Schule sicher ist“, rotiert der eine Stellvertreter im Zusammenhang mit Quarantänen, Gesundheitsamt, Contact-Tracing. Der andere hängt am Vertretungsplan, der gern mal wieder implodiert.

Am Anfang der Pandemie wurden Schulleiter aufgerufen, Lehrkräfte für die Arbeit im Gesundheitsamt abzuordnen. Dieses Projekt starb dann irgendwann. In der Folge wurden die Aufgaben des Gesundheitsamts dann in die Schulen abgeordnet, auch ein schöner Weg. Dass „Schulen sicher sind“ beinhaltet also, dass Schulen

  • die Testungen organisieren und beaufsichtigen,
  • positive Fälle isolieren und beaufsichtigen,
  • Kontakt mit den Eltern aufnehmen,
  • Kontakte identifizieren und nachverfolgen und melden,
  • den Überblick behalten, wer geimpft, genesen, getestet ist.

Mehr als einmal gelesen und direkt gehört, dass Schulen und Schulformen, die kleiner sind als wir und unterbesetzte Schulleitungen haben, deutliche Probleme entwickeln mit diesen Aufgaben.

Keine schulischen Weihnachtskarten geschrieben dieses Jahr – auch nicht so viel bekommen wie die letzten Jahre. Wollte auch keine ausgedruckten Serienbriefkarten verschicken. Der Mitarbeiterin im KM, bei der ich weiß, dass bei ihr meine Weihnachtsdankeskarte vom letzten Jahr im Büro hängt, am Telefon gesagt, sie soll die weiter benutzen. Sie hatte nix dagegen.

Woran ich Gefallen finde, wieder, ist der Deutschunterricht, den ich notfallmäßig übernommen habe. Nachdem ich die letzten Jahre im Schwerpunkt Sozialkunde und zwischendrin mal Geschichte unterrichtet habe, merke ich doch, dass Deutsch mir noch am meisten bringt. Obwohl ich nun aktuell also mehr als doppelt so viel unterrichte, wie ich muss/soll/darf – Mehrarbeit gibt es übrigens für Schulleiter nicht – , macht es mich zufriedener. Wenigstens das.

Weihnachtsstimmung 2021 im Büro
Weihnachtsstimmung 2021 im Büro

Bei einem der letzten Telefonate dieses Jahr mit einem Schulleiterkollegen ein schönes Kompliment bekommen in Bezug auf meine Hilfsbereitschaft und Vertrauenswürdigkeit. Darüber freue ich mich.

Woran ich aktuell merke, wie anstrengend das alles war, ist der Umstand, dass jetzt, wenn ich mir auch nur mal 15 Minuten Zeit dafür nehme, neue Ideen auftauchen und alte Pläne. Dinge, die mit mir zu tun haben.

Mitte Januar soll der neue Fischerkurs losgehen, Planungen sind abgeschlossen. Wie (und ob) er stattfindet, ist weiter unklar. Den letzten konnten wir unter hohem Zeitdruck durchziehen, die beiden davor stellenweise nur mit Unterbrechungen von mehreren Monaten.

Mein E-Bike steht noch ungenutzt im Keller, die Wetterlage verspricht nicht viel Gutes.

#wasmachteigentlichderchef 2021-12-03

U-Bahn. Seit zwei Wochen nicht mehr (mit meinem) Rad gefahren. Ab und an mal mit dem VAG-Rad, weil Bahnen nicht fuhren, ab und an mit dem E-Scooter, zur Belohnung. Ziemlich kalt und ungemütlich.


Erledigte Aufgaben:

Ich tippe seit ein paar Tagen für mich eine „had_done“-Liste auf Evernote mit, was vor allem an einem leichten Verlust des Zeitgefühls liegt. Wollte schon auf Wochenberichte umsteigen, aber meine Wochenenden sind nun auch aktiver geworden im Ganzen. Es gibt Ausflüge, bis in den Bayerischen Wald hinein.

Die Tage unter der Woche sind monoton. Ich kann manchmal die Tage nicht unterscheiden. Davon hier zu schreiben passt mir grad nicht.


Stimmungen:

Drei Beschwerden an verschiedene Stellen der Stadt Nürnberg adressiert und abgeschickt: Sehr ausführlich zum Thema Vandalismus und mangelnder Gegenwehr durch die Stadt, eine zum schlechten Schneeräummanagement auf Fluchtwegen, eine zum Thema „Muss man einem Jäger erlauben, in 20m Entfernung von einer Schule im laufenden Schulvormittag Hasen zu schießen?“ oder Zitat: „Ich wünsche zu erfahren, welches Amt dies erlaubt hat.“

Blick aus dem Klassenzimmer, wo ich grad mit meinem Sozialkundeunterricht angefangen habe. Der Herr links zückt gleich seine Büchse und knallt einen Hasen ab. Freitag um halb neun vormittags, auf der Hausseite mit den Klassenzimmern.

Fantasien und Erwartungen: Es werden Personen über lange dunkle Gänge des Rathauses gehen und verächtlich meinen Namen vor sich hinmurmeln. (So stelle ich mir das immer vor) Aber es hat noch keiner angerufen. Niemand überschätzt mich.


Tagesgeschäfte:

An jedem Testtag zwischen zwei und vier positive SchülerInnen. Jeder der Teste wird bestätigt durch PCR. Im Kollegium immer mal wieder positive Ergebnisse.

Vandalismus auf den Schulklos.

Disziplinarauschuss.

Schulforum.

Einarbeitung in das Disziplinarrecht für Beamte.

Nach einem kurzen Gespräch mit einer Schülerin einen Brief von ihr im Fach gefunden, am Ende der Satz: „Danke, dass Sie sich das angehört haben, vielleicht sogar etwas machen können.“

Mich auf einer Treppe wiedergefunden, beruhigend auf einen eskalierten Schüler einredend bis der Sozialpädagoge kommt.

Übernehme ab kommender Woche eine zusätzliche Klasse.


An manchen Tagen, so wie grad jetzt: Tinnitus in Hochform.

Diese Woche zwei Mal im Lehrerzimmer gewesen und hängen geblieben. Hingesetzt. Gescherzt. Meinen Weihnachtssweater zur Schau gestellt, der mir von Kollegen geschenkt wurde und den es leider nur in XL gab. Das war schön.

Eine Kollegin erzählte mir eine Geschichte aus der 6. Klasse, auf deren Höhepunkt ein Schüler mich mit einer Glitzer-Pokemon-Karte verglichen hat.

Die Coachin besprach mit mir letzte Woche die Problematik, dass man (ich) sich (mich) zu sehr auf das fokussiere, was ich (noch) nicht geschafft habe oder (noch) nicht kann, anstatt zu sehen, was man (ich) schon alles gestemmt habe, auch wenn man (ich) das immer herunterspiele. Außerdem das Prinzip an die Hand gegeben, sich für erledigte Aufgaben zu loben und zu belohnen.

Passt. Bin ein paar mal E-Scooter gefahren.


Auch Belohnung gewesen: Baumwipfelpfad, Bayerischer Wald, St. Englmar. Blick 55m hinab. Mit Übergewicht.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-22

U-Bahn, weil nass und kalt. Sehr in Gedanken auf dem Schulweg, daher kein Foto gefunden. Ich hoffe dennoch, dass es noch Tage gibt, an denen ich das E-Bike aus dem Keller holen kann.


Aufgaben erledigt:

  • Konferenzplan (endlich) aufgesetzt mit Prüfungsterminen
  • Telefonat KM, LAS
  • Gespräche über 30 Minuten lang: 3
  • Unterrichtsbesuch
  • Unterrichtsbesuchsbesprechung
  • Absprache SL
  • mehrere Emails geschrieben
  • gedankliche Orga durchgeführt für zwei anliegende Projekte

Die letzte Woche hatte, trotz unterrichtsfreien Tag, viel auch im privaten Freizeitbereich zu bieten, was ich sehr genossen habe. Dazu an einem Tag bis in den Bayerischen Wald gefahren, um einen Schulleiterkollegen zu besuchen.

Daneben aktuell wieder schwieriger den Fokus zu halten, bzw. ihn überhaupt aufzubauen. Daneben müde.

Sitze grad daheim am Schreibtisch, weil ich auf den Beginn der zweitägigen Schulleitertagung warte, die eigentlich präsent stattfinden sollte. Gleichzeitig beginnen hier die Arbeiten, nach wochenlanger Vorbereitung, punktgerecht zur Installation der Balkonanlage am Haus. Und gleich kommt noch der Schornsteinfeger. Ich weiß ja auch nicht.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-11-12-15

Fahrrad, wie auch Donnerstag und Freitag letzter Woche. Am Donnerstag riss mir morgens an der Jansenbrücke die Kette. Hatte schon vorher gehakt, verhakte dann komplett und machte den Abgang. Rad beim Aldi abgeschlossen, U-Bahn gefahren. Nachmittags wiedergeholt, gleich zum Fahrradreparateur, der das noch vor seinem Laden schnell erledigte, 15 € Standardpreis für alles, fränkisches Gemurmel, fertig.

Wenn ich Werbung mache, dann bitte hier und jetzt. Suchen Sie in Nürnberg eine Fahrradwerkstatt? Dann gehen Sie doch zum Gangwechsel. Absolute Empfehlung.


Erledigte Aufgaben (15.11.)

  • Elternbrief angefangen
  • Briefing Lehrer angefangen
  • drei Unterrichtsbesuche
  • von einer Mutter am Telefon angebrüllt worden, die sich dann beim KM und der Schulaufsicht über mich beschwerte, nachdem ich einfach nach ihrem ersten gebrüllten Satz aufgelegt habe
  • mit der Schulaufsicht telefoniert
  • Lagebesprechung interne Sl
  • KMSe lesen, auch das mit dem Hinweis „dringend“ und „Erinnerung“
  • Neuen Rahmenhygieneplan lesen

Inzidenz: 453 in Nürnberg.


Lage

Man mag es mir nachsehen. Ich bin neulich auf dem RKI Dashboard auf diese Kurve gekommen betreffend Corona in Bayern. Markiert sind die beiden Zeitpunkte, wo in der Vergangenheit die Schulen geschlossen wurden.

  1. 16.03.2020
  2. 16.12.2021

Und nun weiß ich auch nicht.

Ich weiß, dass eine erneute Schließung, die so lange dauern würde, zu kaum noch absehbaren Verwerfungen bei einigen/vielen SchülerInnen führen würde. Ich erlebe aber auch an der Schule, dass die Testungen und damit verbundenen Maßnahmen zu einer Unruhe führt, die ebenso wenig hilfreich ist. Man bedenke dabei, dass Nürnberg auf eine 500er Inzidenz zusteuert. Allein an meiner Schule haben wir durchschnittlich an jedem Test-Tag mehr als einen positiven Fall. Hinzu kommen Infektionen in den Familien, die uns von außen zugetragen werden. Dass es sich so entwickelt, konnten wir in dem Moment abschätzen, als es anfing, dass man im Gesundheitsamt nur noch sehr schwer Ansprechpartner finden konnte.

Was die Politik unternimmt, ist noch völlig unklar. Natürlich hat die Schule „oberster Priorität“, aber wenn ich sehe, welcher Maßnahmenplan bisher für die Schule unternommen wurde, wird mir bang.

Mein sarkastischer Tweet wurde dann auch mit einer kaputten Kette am Rad bestraft.

Aber so oft ich in letzter Zeit wieder das Wort Schulschließung höre, Wechselunterricht, Lockdown, fürchte ich, was auf uns zukommt. Bei beiden Schulschließungen fing es ebenfalls immer damit an, dass man versicherte, dass man keine Schulen schließen wolle. Dann konnte man eigentlich nur noch herunterzählen.

Und ich habe keinen Ansatz zur Lösung. Unausgereifte Ideen ja, aber nichts wirklich Hilfreiches. Denn eigentlich fürchte ich beides: Schulschließung und keine Schulschließung. Wechselunterricht scheint mir eher eine realistische Maßnahme – wegen Abstand und wegen der Möglichkeit, sich auf wenige SchülerInnen besser konzentrieren zu können.


Bin am Wochenende auf ein Besuch in eine andere Stadt gefahren. Dabei das Auto stehengelassen und Bahn benutzt. Das empfand ich als sehr anstrengend wegen der Maske. Aber immer noch besser als nachts mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und womöglich wieder ein Bambi zu überfahren.

Ergänzend wäre zu betrachten, dass mir der Stellvertreter einen Hirschbraten verkauft hat, der nun in der Tiefkühle liegt.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-10

Fahrrad. Kalt. Sehr kalt. Sehr schön.

Westpark. Morgens.


Erledigte Aufgaben

  • Briefing geschrieben
  • als das Briefing fertig war, kam ein neues KMS rein
  • KMS analysiert und Briefing ergänzt
  • auf Amazon nach Kugelschreibern gesucht
  • Gespräch vorbereitet, welches unangenehm werden könnte
  • Gespräch geführt, was dann aber zumindestens nicht unangenehm war, stand trotzdem unter Strom die ersten zehn Minuten
  • Unterricht 10 SK
  • Unterrichtsbesuchsgespräch
  • Schülergespräch

Heute Mittwoch, früher Schluss.

Inzidenz über 300.


Gespräche vorbereiten

Früher habe ich Gespräche aus dem Bauch raus geführt. Das ging, aber wenn es unübersichtlicher oder emotional anstrengender ist, funktioniert es nicht. Auch weil ich, man mag es kaum glauben, mit den Jahren aufbrausender geworden bin – die Lunte ist manchmal sehr kurz.

Vor 1,5 Jahren habe ich mir mal einen Gesprächsleitfaden zurechtgelegt, den ich vor solchen Gesprächen durchgehe. Wichtig dabei sind für mich folgende Punkte:

  • meine Ziele, die ich mit dem Gespräch verfolge
  • die Antizipation dessen, was mein Gegenüber will

Was ich im Gespräch versuche

  • Übereinstimmung zwischen diesen Seiten und Positionen zu finden
  • Lösungen zu generieren im Gespräch
  • Gefühle wahrzunehmen und zu zeigen, dass ich sie wahrgenommen habe
  • mich unter Kontrolle zu halten und zurückzunehmen

Was ich versuche zu vermeiden im Gespräch:

  • mich für irgendwas Vergangenes zu rechtfertigen (Blick nach vorn)
  • das Gespräch ohne Zusammenfassung zu beenden
  • keinen zeitlichen Rahmen zu haben

Funktioniert öfter.

Schlimm für meine SchülerInnen, wenn ich aus solchen Gesprächen direkt in den Unterricht wechsle: aufgedreht, überironisch, mäßig witzig, fahrig. Wie heute dann.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-09

Fahrrad, kühl, eher kalt. Schön. Wollte trotzdem Handschuhe nicht ausziehen, um zu fotografieren.


Erledigte Aufgaben

  • Unterricht vorbereitet
  • Unterricht durchgeführt: SK 10
  • Personalratsgespräch
  • mehrere Emails, um Termine und Treffen auf den Weg zu bringen
  • Videokonferenz mit Kollegin
  • Abgleichgespräch SMV
  • Unterrichtsbesuch
  • Unterrichtsbesuchsbesprechung
  • Gespräche geführt über: Musikunterricht, Klassenfahrten
  • abends: Brief an den OB und den Stadtrat formuliert zum Thema Vandalismus und ungenügenden Schutz von Schulgebäuden

Inzidenzen steigen. Pressekonferenz. Zähneknirschen.

KMS erneut gelesen zu den aktuellen Maßnahmen. Gegrübelt, warum Maskenpflicht das einzige ist, was erneuert wird, aber keine Angaben zum Sport- und Musikunterricht gemacht werden (hier übrigens keine Maskenpflicht). Bzw. wird hier gesagt, dass alles weiter gilt wie vorher – büschen mehr aufpassen bitte. Es klingt, als wenn man abgestimmt hätte über die Maskenpflicht und dann den Faden verloren hat.

Also so wie ich die Coronapolitik aktuell empfinde.


Gründe zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 0/10: Wenn ich länger nachdenken würde

Die Zahl 10 war anfangs eine reine Fantasiezahl. Nach den ersten drei dachte ich, dass ich keine zehn zusammenbekomme. Dann tauchte jeden Tag eigentlich was auf, das passte. Ich könnte wahrscheinlich so weiter machen. Naja. Irgendwann würde es vielleicht dünn werden.

Die Formulierung habe ich allerdings bewusst so formuliert: Ich habe es bereut mich beworben zu haben. Ich bereue es nicht, ein Schulleiter zu sein. Klingt komisch, ist aber so.

Und nein, keine Angst, es kommt jetzt keine Serie „Die zehn geilsten Gründe, Schulleiter zu sein.“ Euphorie liegt mir weiterhin nur im ganz Privaten.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-08

U-Bahn, weil der Fahrradsattel den Regen der letzten Tage aufgesogen hat (dachte das sei ein reiner Kunststoffsattel ohne Saugmöglichkeit) und ich gestern schon einen nassen Hintern bekommen habe. Heute suche ich noch einen anderen Sattel im Keller raus und schraube ihn drauf. Fahrrad steht jetzt eh trocken im Keller, weil die neue Balkonanlage hinten installiert wird. Fahrrad ist besser als U-Bahn, es ist kalt angesagt, aber kein Regen. Ich bin in schlechter Kondition.


Erledigte Aufgaben

  • zwei nachgeholte Beurteilungen fertig gemacht, inklus Begleitbrief
  • eine dritte Version einer BU unterschreiben lassen
  • festgestellt, dass das Schloss der Lehrer-Herrentoilette defekt ist
  • Post gemacht
  • Besprechung innere Schulleitung
  • Besprechung Schulleiter FOS
  • Einführung neuer Kollege (Unterricht damit endlich voll abgedeckt)
  • Absprachen wegen Fortbildung
  • Briefing geschrieben und rumgeschickt mit den neuen Maßnahmen
  • Unterlagen gesucht und nicht gefunden
  • Einen Nachmittagstermin verschoben (durch den Gesprächspartner)

Heute morgen einem befreundeten 10jährigen ausrichten lassen, dass auch ein Schulleiter nach den Ferien mit Magenschmerzen zur Schule geht. Und das war ernst gemeint.


Gründe es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 01/10: Weil man den Job gut machen will

Heute hat mich jemand aufgefordert auszusprechen, wie ich mit mir rede, wenn ich Probleme anspreche. Als ich es im Originalton präsentiert habe, war dem Gesicht meines Gegenübers kurz anzumerken, dass ich offenbar sehr rüde mit mir spreche. Ich will nicht näher drauf eingehen. War mir schon da unangenehm zu merken, welch schlechtes Bild ich von mir habe. Unglaublich.

Mir ist selten bewusst, dass ich perfektionistisch bin. Auch nicht, dass ich hohe Ansprüche an mich selbst anlege. Mir ist nur seit einiger Zeit schon bewusst, dass ich mit mir so spreche wie ich es mit niemand anderem machen würde. Woher das kommt ist weniger wichtig, es zu bearbeiten aber schon.

Für Leute wie mich ist der Job Gift. Weil er an so viele Komponenten und Umstände geknüpft ist, auf die wir keinen Einfluss haben. Weil er so viele Möglichkeiten bietet, unfertig und unperfekt zu sein.

Außer wir lernen und hören auf zu klagen.

Wir? Wir = die wir den Job gut machen wollen.

—-

Der Schulleiter auf dem Weg zum Klo, filmt ein Video, um es dem Hausmeister zu schicken, weil er das Gezeigte schon in der Woche vor den Ferien erlebte, worauf der Hausmeister kam und die Tür ohne Probleme öffnete. Heute schickte er dagegen ein Video zurück, um zu zeigen, dass er auch nicht mehr reinkommt. Jetzt muss ein Schlüsseldienst kommen. Das vierte Schloss aktuell.

Ja, ist albern – aber ich halte das Ganze manchmal nicht aus ohne albern zu sein.

#wasmachteigentlichderchef 2021-11-01

U-Bahn, weil Regen. Auf dem Rückweg zu Fuß gegangen, also etwas mehr als 3km, nichts Weltbewegendes, wollte aber Zeit an der frischen Luft, um über folgendes Posting nachzudenken. Es wird ein Wütendes sein. Normal versuche ich solche Postings ein paar Tage zu lagern, bis sie emotional entschärft sind. Aber ich will das nicht mit in die Ferien nehmen.

Also bitte: Es könnte sein, dass ich Ihre Gefühle verletzen werden, den guten Geschmack oder die Regeln eines erwachsenen Gedankenaustausches. Kann sein, dass es mir später auch wehtut. Kann sein, dass es durcheinander ist.


Erledigte Aufgaben

  • Schreibtisch in Ordnung bringen
  • Post von Freitag in Aufgabenliste überführen, digital und real
  • Ablage überblicken
  • bisschen ausgehende Post machen

Außerdem kam ein Pfadfinder des Stammes, für den ich Material im Schulkeller aufbewahre. Sie haben ein neues Lager gefunden und wollen dort renovieren. Dazu benötigten Sie Dinge aus meinem Keller.


Ich wollte eigentlich mehr Zeit in der Schule verbringen, im Büro, am Schreibtisch in Ruhe, weil Feiertag. Leider hatte ich aber dann wieder mehr mit der Polizei zu tun. Man hatte nämlich versucht an mehreren Stellen mit Brandbeschleuniger in meine Schule zu kommen oder wollte einfach nur Schaden anrichten.

Natürlich bin ich wütend auf diese Idioten, auf so vielerlei Art und Weise. Aber das ist nicht der Kern.


Gründe es zu bereuen sich als Schulleiter beworben zu haben 02/10: Sie verarschen dich. (Ursprungstitel: Das Telefon als Brecheisen)

In den vergangenen Monaten kommt es vermehrt zu Vandalismus an meinem Schulgebäude und auf dem Gelände. Darunter ist von Graffiti bis Brandstiftung alles vertreten. Der Begriff Brennpunktschule erhält damit einen ganz seltsamen Beigeschmack.

Überraschend für mich ist dabei, dass die einzigen, die Verständnis für meinen Unmut haben, die Polizisten sind, die meine Anzeigen aufnehmen.

Innerhalb Nürnbergs sind wir nicht die einzigen, die damit zu tun haben. Andere Schulleiter berichten mir von regelmäßigen Grillpartys auf dem Schulgelände, Einbrüchen, Müllablagerungen – einer der letzten Geschichten drehte sich um LKWS, die am Wochenende auf dem Schulgelände abgestellt wurden, wenn der entsprechende Kollege Feierabend hat und zuhause war. Dies wurde dann untersagt, weil der Boden/die Pflasterung dafür nicht vorgesehen war und Schaden nahm – sehr bezeichnend übrigens, dass es erst dann untersagt wurde, vorher schien das kein Problem zu sein. Neulich war ich nachts in der Südstadt unterwegs, einem Stadtteil, den ich sehr gern mag. Dabei ging ich an einer Mittelschule vorbei und in der Dunkelheit konnte ich hören, dass auf dem Pausenhof die Post abging.

Wenn ich aber, wie in den vergangenen Monaten, immer wieder anmahne, dass man etwas dagegen unternehmen sollte, höre ich sehr oft, dass es einen Stadtratsbeschluss gäbe, der alle Pausenhöfe, ja die Schulgelände allgemein, zu Spielhöfen erkläre. Nürnberg als kinderfreundliche Stadt eben. Daher könne man die Gelände nicht einzäunen, dürfe man keine Mauern ziehen.

Der Beschluss stammt, wenn ich diesen Artikel richtig deute, von 1955. Mehr finde ich dazu im Internet nicht.

Die Zaunbegehung von letzter Woche hatte auch dies zum Inhalt. Es ging dabei um eine teilweise Einzäunung des Schulgeländes, um wenigstens eine optische Barriere zu schaffen und den Zugang zu den uneinsehbaren Teilen des Geländes zu erschweren. Mit zwei Hauptargumenten dagegen sahen wir uns konfrontiert: Geld und „der Stadtratsbeschluss“.

Bis hierhin reicht meine Vernunft noch, wenngleich ich dem Totschlagargument „Stadtratsbeschluss“ nicht nur in diesem Zusammenhang begegne. Wobei ich schon Probleme damit habe, dass man Beschlüsse von 1955 nicht irgendwann mal überprüft oder nachbessert. Aber nun – ich sprach gestern von stabilen Verhältnissen in Bayern.

Die einzige Maßnahme, die man also durchgeführt hat in der Vergangenheit, war es, Schilder aufzuhängen, die vor einer Videoüberwachung warnen. Das ist allemal billiger als wirklich Kameras aufzuhängen.

Verdammt, jetzt habe ich es verraten.

Wo es dann aber bei mir aussteigt, ist der Zeitpunkt, zu dem mein Gegenüber mir sagt, dass ich mich damit abfinden muss, weil man da halt nichts machen kann. Verbales Schulterzucken.

Also noch mal zum Mitdenken:

Da lässt also eine Stadt ein Schulgebäude bauen für etwa 66 Millionen Euro. Und wenn da Leute kommen und es anzünden wollen, bin ich als Schulleiter dazu aufgerufen, es hinzunehmen.

Mir sind Probleme einer verschuldeten Kommune durchaus bewusst, ebenso halte ich demokratische befasste Beschlüsse für bindend, auch wenn sie mir persönlich Nachteile bringen. Dass man aber öffentliche Investitionen derart vernachlässigt, will mir nicht in den Kopf.

Ja, sie verarschen mich und das nicht erst seit letzter Woche.

Kurzes Luftholen.

Was ich tun werde:

Ich schreibe „an den Stadtrat“, die Parteien, den Bürgermeister, wo man halt so hinschreibt. Ich habe da so Email-Verteiler, die ich manchmal/selten bediene.

Aber.

Leider weiß ich, dass die Verarsche dann weitergeht. Als Antwort auf meine Briefe werden nämlich Leute bei mir anrufen. Diese stehlen mir dann die Zeit damit, dass sie wortreich erklären, was ich oben schon geschrieben habe. In wiederholt denselben Worten, je nach dem, auf welche Sprachregelung man sich im entsprechendem Amt geeinigt hat.

Am Ende solcher Gespräche habe ich das Gefühl, dass meine Lebenszeit verschwendet wurde, denn es kommt nichts dabei raus. Nichts. Nie.

Ich nehme daher auch bei bestimmten Nummern im Display meines Telefons nicht mehr ab.

Sie mögen mir den Vorwurf machen, dass man nicht mit mir reden kann. Ich kann Ihnen dann gern die Email weiterschicken, die nicht an mich gerichtet war, sondern in der ich Thema war – leider hatte der entsprechende Mitarbeiter der Stadt auf „Allen Antworten“ geklickt.

Ich telefoniere ungern, sowieso schon. Habe gemerkt, dass Leute in meinem Bereich gern telefonieren, wenn sie nicht arbeiten wollen. Oder sie telefonieren, um sich zu rechtfertigen, und zwar so, dass es unverbindlich bleibt, ohne dass man sie hinterher drauf festlegen kann oder auch nur zitieren.

„Ich habe sie schnell angerufen, weil eine Email doch zu unpersönlich ist und es doch so schneller geht.“

Für mich ist ein Anruf, der so beginnt, eine Brechstange, mit der man in mein Büro einbricht. Eine Belästigung.

Bitte rufen Sie mich nicht an.