#wasmachteigentlichderchef 23.11.

Fahrrad. Regen. Trotzdem der eigentlich durch die Apps abgesagt wurde. Wieder den richtigen Zeitpunkt verpasst abzusteigen und Regenkleidung anzuwerfen.

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Erledigte Aufgaben

  • Telefonat Mensa
  • Ablage Leistungsnachweise
  • Personalordner weiter gesichtet
  • Beurteilung neu aufgearbeitet
  • Zwei Stunden Unterricht 7. Klasse, viel geschimpft
  • Emails beantwortet
  • Wurschteln, was das Zeug hält

Hinfahrt noch durch den Wald, Rückfahrt nicht mehr. Zu schlickig , zu unsicher. Reifen sind nicht gut geeignet.

Das Heim-Dorf erreicht im Nebel, bisschen Mordor-Filter.

#wasmachteigentlichderchef 20.11.

Auto. Musste einen Topf zurückbringen, den ich letzten Sonntag zum Einmaischen benutzt habe. Und es war Freitag.


Erledigte Aufgaben:

  • die bisher nicht gefundenen Unterlagen mit KM besprochen, nicht so wild, kann ersetzt werden
  • Elternbrief geschrieben
  • schwieriges Problemgespräch mit einem Personal geführt, verfolgte mich gedanklich bis in den Abend, also wie immer
  • Unterricht 10. Klasse Sozialkunde
  • Sitzung Schulleitung, mit Kollegin aus der Quarantäne zugeschaltet über Teams – fast schon normal – also Quarantäne wie auch Zuschalten von Kollegen auf diese Art und Weise
  • Sitzung Hygiene- und Sicherheitsbeauftragter über aktuellen Rahmenhygieneplan

Die Woche empfand ich für mich – und nur für mich schreibe ich ja hier – als sehr stressig, trotz des „freien Tages“. Stressig ist, dass ich quasi auf Abruf da sitze, versuche normale Schultage hinter mich zu bringen und dennoch weiß, dass irgendwas irgendwoanders besprochen und entscheiden wird, bald oder erst morgen oder sonstwann, was nicht unerhebliche Auswirkungen auf meinen Berufsalltag und den Rest auch irgendwie haben wird.

Im Unterricht der zehnten Klasse merke ich es besonders im Unterrichtsgespräch. Sowas fiel mir eigentlich jahrelang leicht: Gedanken rauslocken, aufgreifen, weitergeben, entwickeln. Jetzt stocke ich an zwei Stellen und benötige eine unendlich gefühlte Zeit, um wieder in den Gedanken und dann ins Gespräch zu kommen. „Den Faden verloren“ trifft es nicht ganz. Eher eine Mischung aus Blackout und Flashback vorangegangenen Gespräche außerhalb des Unterrichts.

Tweet-Screenshot vom 22. November

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das unbeeindruckt lässt. Ebensowenig wie die Vorgänge auf Demos und im Bundestag.


Fahrrad ist aufgeladen. Eine Zusatzleuchte für das Fahrrad liegt bereit. Es soll erst regnen, wenn ich in der Schule angekommen bin. Ich freue mich.

In einem Thread im E-Bike-Forum auf eine Firma gestoßen, die spezielle „Handschuhe“ herstellt, die auch für Schneemobile entwickelt wurden. Das klingt interessant.

Überlege auch Winterreifen zu besorgen.

Die letzten Tage war es morgens frostig, besonders heute. Aber wir hatten eh keinen Termin für den Golfplatz mehr bekommen, aufgrund der neuen Coronabestimmungen. Also nur ein wenig Training auf der Range.

Ich fange an zu labern. Gute Nacht.

#wasmachteigentlichderchef 19.11.

Auto. Will das Bier sicher nach Hause bringen. Habe einen Brautopf im Auto, den ich abgeben will.

Die Auffahrt von der A3 auf die A73 ist gesperrt – ich erinnere mich zu spät – fahre Umleitung über Erlangen-Bruck.

Anflug auf die Schule. Links der Quelle-Turm oder wie ein Kollege von außerhalb neulich meinte „der O2-Turm“. Nur noch rechts ab und schauen, dass ich ungehindert durchkomme.

Erledigte Aufgaben

  • Briefing für die KollegInnen weiter geschrieben
  • Ansonsten Gespräche den ganzen Tag, telefonisch, im Büro, auf dem Gang, im Stehen, im Sitzen, im Vorübergehen
  • Gefühlt keine zehn Minuten Ruhe gehabt
  • Gefühlt nichts zuende gebracht habe, außer den Elternbrief dann irgendwann am Nachmittag
  • Ich suche immer noch die Unterlagen

In der Dämmerung los, im Dunklen heim. Heute wäre auch kein guter Tag fürs Fahrrad geworden.

#wasmachteigentlichderchef 17.11.

Fahrrad.

Kurz vor Austritt aus dem Wald, der Scheinwerfer steht so hoch im Wald, weil es morgens einfach zu dunkel ist und ich sonst die Wegabzweigungen zu spät sehe. Manchmal lasse ich ihn ein Stück noch so hoch auch am Pegnitzgrund, um die Jogger zu blenden (zu erkennen) , die in durchgehend schwarzer Kleidung laufen.

Erledigte Aufgaben

  • erste Stunde Vertretung in 5. Klasse, halte Englisch nach den Vorgaben des Kollegen in Quarantäne (der offenbar viel Vertrauen in mich hat), stelle fest, dass es schwer ist mit Maske den Kindern das „th“ nahe zu bringen
  • Lesen von einigen Anordnungen der letzten Zeit
  • Telefonat Gesundheitsamt, ich hinterlasse meine private Handynummer für die kommenden Wochen und Fälle
  • Schriftliche Überarbeitung des Meldeverfahrens an der Schule
  • Formulieren Elternbrief (Nr. 4 in diesem Jahr, letztes Jahr habe ich es nach meiner Erinnerung auf 17 gebracht, normal sind 6 oder 7)
  • Bestellung von FFP2 Masken in die Wege geleitet für die KollegInnen, weil nach Auskunft von Gesundheitsamt diejenigen KollegInnen, die eine solche tragen, nicht als KP1 (Kontaktperson), sondern KP2 eingestuft werden und entsprechend nicht in Quarantäne müssen (allen ist klar, dass Quarantäne nicht gleichzusetzen ist mit Ferien)
  • Einleitung des Fernunterrichts (Sekretärinnen rufen an und erinnern einzelne SchülerInnen daran, bzw. deren Eltern)
  • Gespräch Verbindungslehrerin über einige Problemfälle
  • Blutdruckmessen im Büro: Seit Tagen stabil, im Normbereich.
  • Telefonat Mensabetreiberin: Belegschaft hat Coronafall, es steht die Quarantäne im Raum – damit würde die Mensa für zwei Wochen ausfallen (wir haben drei Ganztagsklassen); weiterhin scheinen die bisherigen baulichen Maßnahmen in der Mensa zum Infektionsschutz nichtig auszureichen, es bleibt die Frage, wie man nach der Quarantäne verfährt
  • ich greife zu einem seltenen Mittel und schreibe eine Sammelemail an verschiedenen Stellen der Stadt und Schulaufsicht, weil das doch ein mittelgroßes Problem darstellt und wir Hilfe brauchen
  • Suche seit letzter Woche in meinem Büro nach Unterlagen, die ich verlegt habe und die das KM gern möchte

Im Dunkeln morgens losgeradelt, im Dunkeln wieder heimgekommen. Sowohl auf der Hinfahrt wie auf der Heimfahrt viel gegrübelt.

#wasmachteigentlichderchef 16.11.

Fahrrad. Ich bin ja selten sehr pathetisch. Aber

In der Morgendämmerung mit dem Rad in die Dunkelheit des Waldes einzutauchen, ist ein wahrhaft göttlicher Moment.

Schon hell in Nürnberg.

Erledigte Aufgaben

  • Da wir schon gestern am Sonntag die Info über eine infizierte Schülerin bekommen haben, gab es Vorabsprachen, wir fangen an zu organisieren, u.a. ich entscheide schon am Sonntag nach Rücksprache mit den anderen Mitgliedern der SL, auch wenn es mir nicht zusteht, dass die Klasse vorläufig nicht in die Schule kommt, entsprechend unseren Vorerfahrungen mit Anweisungen des Gesundheitsamts
  • Versucht morgens das Gesundheitsamt zu erreichen wegen der Schülerin – vergeblich
  • Unterricht 7. Klasse Geschichte
  • Während des Unterrichts: Sekretärin hat GA erreicht, Stellvertreter, Sozialpädagoge und ich sprechen uns kurz auf dem Gang vor den Klassenzimmern ab
  • Gleichzeitig und sehr spät erfahren wir von einem infizierten Schüler aus einer anderen Klasse, der aber schon letzte Woche nicht vollständig in der Schule war, trotzdem das gesamte Quarantäneprotokoll noch mal
  • Elterninfo schreiben, Quarantänebrief ergänzen
  • Schulhomepage ergänzen, Elterninfo rausschicken
  • Info an Gesundheitsamt, Meldung an Schulaufsicht und KM
  • Stellvertreter informiert KollegInnen, die in Quarantäne müssen, schickt sie nach Hause
  • Sekretärinnen rufen die Eltern einzeln an und informieren sie, gleichzeitig schreiben sie Kontaktlisten für das Gesundheitsamt
  • Irgendwann schauen wir uns nur noch an und lachen, rollen mit den Augen – anders gehts nicht

Unterm Strich: Quarantänemaßnahmen blockieren ein Sekretariat und eine Schulleitung für einen ganzen Schultag.


Mit dem Fahrrad heim. Morgens im Dunkeln losgefahren. Abends im Dunkeln heimgekommen.

#wasmachteigentlichderchef 12.11.

Auto. Weil halt.

Wollte gestern noch ein Selfie in den Äther schicken und Timo Off grüßen, er weiß schon warum, aber ich bin kein Freund von Selfies. Nach dem gestrigen gestern aber gleich entschlossen, am Wochenende zum Barber zu gehen – für das kleine Männerpaket (ohne Gesichtsmaske und Whiskey).


Erledigte Aufgaben

  • Briefe und Dokumentation für Leistungsprämie Corona ausgefertigt und angelegt
  • Daily
  • Unterrichtsbesuch bei der Teamlehrkraft, auch Nachbesprechung
  • RSD-Tagung Audio, Online
  • ÖPR Gespräch
  • Mit der Sekretärin Masken ausgesucht für die Kollegen
  • Im Hinausgehen zum Feierabend noch ein Telefonat bezüglich Coronainfektion in einer Familie, kurz Blutdruck, aber alles im grünen Bereich für die Schule
  • Beurteilungen und Personalakten weiter gepflegt
  • KM-Telefonate
  • Telefonat mit einem Kollegen RSK und einem Kollegen RSD

Heute wieder das Pomodoro-Ding versucht. Heute ein Tag, wo ich oft nicht einmal 15 Minuten ungestört war. Wenn das drei Stunden läuft merke ich, dass ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen kann.


Übrigens: Gestern auf der Heimfahrt dicke Verkehrssuppe gehabt. Entschieden spontan mal in den Discounter nahe der Schule zu schauen, weil dort ein ehemaliger Schüler von mir grad eine Ausbildung macht. Ich hatte ihm versprochen, dass ich ihn mal besuche.

Ein bisschen geschwatzt am Alkoholregal beim Einräumen. Er hatte Feierabend, sagte, wo er wohnt, was überraschend auf meinem Weg lag. Ich nahm ihn mit. Er freute sich über die Fahrt. Wir redeten weiter, zeigten uns grob, wo wir schon in Nürnberg gewohnt haben. Sprachen über Führerscheinmachen in Nürnberg. Er war vielleicht ein bisschen stolz im Auto des Direktors mitgenommen zu werden. Ich weiß jetzt ein bisschen, wie die Ausbildung beim Discounter läuft.

Er sagte, dass eine Mitarbeiterin ihn noch angesprochen hätte, dass es etwas auffällig seltsam gewesen sei, dass ein Mann im Anzug am Alkoholregal im Eingang stand.

Nachvollziehbar, dass ich spätestens jetzt der Ehrendirektor bin.

#wasmachteigentlichderchef 11.11.

Auto. Habe ich gestern erklärt. Der Bäckereifachverkäufer, bei dem ich Vesper kaufte für die Lehrprobenbesprechung heute, verabschiedete sich mit einem „Viel Erfolg bei den heutigen Geschäften“ – so sehr wirkte mein Outfit mit Krawatte und Wall-Street-Hosenträgern.


Erledigte Aufgaben:

  • Lehrprobe plus Besprechung 2,5h, „wir“ haben eine gute Note bekommen
  • danach Altlasten abgearbeitet: Beurteilungen, Austausch von Beurteilungsseiten, Telefonate, Postausgang
  • Abends das Briefing fertig gemacht und versendet

Stichwort Arbeiten

Ein Anruf heute wie viele. Beginnend mit: „Ich weiß Herr Kuban, es ist viel geboten derzeit, aber denken Sie bitte an…“

In diesem Fall empöre ich mich nach innen. Das habe ich doch gemacht, in den Tagen bevor ich krank war. Auf jeden Fall. Aber hundert Pro.

Nachdem ich die betreffende Datei im Computer gefunden habe, schicke ich ein Fax: „ Hallo Frau…., bitte entschuldigen Sie, aber es war der aktuell übliche Dreiklang bei mir: Arbeit anfangen, unterbrochen werden, vergessen.“

Die Datei, die die nachgefragte Meldung beinhaltete, brach mittendrin ab.

Ich weiß, dass es so läuft. Es gibt so mehrere Zustände von Arbeiten in meinem Büro:

  1. Tagesaktuelle Dinge, die einfach auf dem Tisch liegen (Post z.B. oder Notizen, die ich mir handschriftlich gemacht habe), weil der Tag sie da hinschwemmt
  2. Arbeiten, wo ich den ersten Schritt gemacht habe und dann unterbrochen wurde. Und die liegen jetzt da und ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen sollte.
  3. Aufgaben im Endstadium, wo ich den letzten Schritt noch nicht gemacht habe. Manchmal ist die Mappe voll, dann muss ich sie einfach mal beenden, weil kein Platz mehr ist.
  4. Unangefangene Arbeiten ohne Deadline, die da sind, ich weiß es, die ein schlechte Gewissen erzeugen. Dauerhaft. Und ich weiß nicht, warum ich sie nicht endlich erledige.
  5. Arbeiten, die ich einfach vergessen habe.

Ich weiß, dass mir bestimmte Sachen schwer fallen:

  1. Prioritäten zu setzen bei Aufgaben, die auf meinem Tisch landen.
  2. Die Aufgabe weiterzuleiten an jemanden, der sie besser bearbeiten kann als ich, weil er mehr Ahnung hat oder mehr Zeit.
  3. Aufgaben in einem Zug durchzuführen, weil in der Zwischenzeit neue Aufgaben kommen und Dinge und Menschen um meine Aufmerksamkeit buhlen – von letzterem gibt es viele.
  4. Bestimmte Aufgaben abzuschließen, vor allem wenn sie die ganze Schule oder auch nur das ganze Kollegium, alle SchülerInnen oder Eltern betreffen. (Können Sie sich vorstellen, wie schwer es ist, einen Elternbrief zu beenden und zu verschicken? Wenn der mal draußen ist, bekommen sie den nicht wieder rein.)

Was ich grad probiere (besser: wiederentdecke) an Möglichkeiten, um dem Herr zu werden:

  1. Pomodoro-Methode. Also sich Slots einrichten von überschaubarer Dauer und in dieser Zeit nur mit einer Aufgabe beschäftigen. Da gibt es jede Menge Apps für. Ich nutze aktuell Forest, weil man da so schöne Bäume pflanzen kann. Außerdem hat sie eine Deep-Work Einstellung, bei der man das Handy nicht mal anschauen darf, während man arbeitet (man wird dann angemault). Nach meinen Erfahrungen von neulich habe ich die eingestellte Zeit von 25 Minuten (das klappt zuhause gut) auf 15 Minuten in meinem Büro umgestellt. Also die Zeitdauer in der Schule, in der ich ungestört bin – aller Wahrscheinlichkeit nach. Der Tag ist so in 15 Minuten Einheiten unterteilt – ehrlicherweise schaffe ich nicht viele solcher Slots. Aber innerhalb dieser Slots bin ich sehr effektiv und produktiv. Das weiß ich.
  2. Tür im Büro zumachen. Auf Klopfen nicht reagieren, keine Telefonate annehmen, wenn ich an einer Sache arbeite.
  3. Schreibtisch möglichst frei halten, Mappen reduzieren, weniger Bildschirme (habe heute den zweiten Bildschirm weggestellt).

Es gibt noch mehr. Aber ich weiß auch, dass ich erstmal mit wenigem weitermachen sollte.

Zum Beispiel jetzt mit Schlafen.

Aber schnell noch die Anmerkungen zur Beurteilung der Lehrprobe von vor den Ferien endlich versenden.

Jetzt aber.

#wasmachteigentlichderchef 10.11.

Fahrrad. Kühl. Feucht, sehr. Nicht so kalt wie gestern, kein Frost. Sehr neblig, dachte ich, bis ich merkte, dass meine Brille so unglaublich beschlagen war. Dann entspanntes Radeln. Im Wald zum ersten Mal eine Läufergruppe von Kopflampen getroffen. An einer Stelle in der Dunkelheit fast das Abbiegen verpasst.

Eine Bitte an alle Hundebesitzer: Lasst beim Stockspiel im Wald nicht einfach den Stock mitten auf dem Weg liegen. Dass er mir beim Drüberfahren gegen das Schienbein schlägt ist eins – ich möchte sowas nicht in den Speichen haben. Danke.

Waldstimmung. Morgens.
Auf der Brücke.

Gleich mal ‘n paar Trakl-Gedichte rezitieren.


Erledigte Aufgaben:

  • eine Stunde Unterricht (Stillarbeit) in Sozialkunde 10. Klasse
  • Zweite Stunde Vorstunde für Lehrprobe
  • Ein paar Altlasten erledigt: Einzelseiten Beurteilung ausgetauscht, Akten durchgeschaut, alte Personalakten beiseitegestellt (bis auf den von dem Kollegen, der vor einem Jahr gestorben ist)
  • KM telefoniert, Personalangelegenheiten
  • Gespräch mit ehemaliger Schülerin
  • Stichworte für das Briefing zusammengeschrieben
  • Andere Behörde versucht zu erreichen, mehrfach, weil sie mich erreichen wollte, kein Kontakt
  • Kleinere Besprechungen mit allen Mitgliedern der Schulleitung, nacheinander, dann mit der iPad-Klassenleiterin
  • Gleich, wenn ich hier fertig bin, schreibe ich noch das Briefing

Den ganzen Tag schlapp gefühlt. Wenig Schlaf (um halb vier wach geworden, nicht wirklich mehr tief geschlafen danach, Apnoe-Gerät abgenommen, geschnarcht, Kopfschmerzen bis jetzt eigentlich, IBU, der ganze Salat halt). Mir ist kalt. Ich bin müde.

Morgen ohne Fahrrad. Es ist Lehrprobe, ich möchte im Hörbuch weiter kommen. Für die Nachbesprechung der Lehrprobe besorge ich was vom Bäcker. Werde wohl mal den Schlips anwerfen, das wird den Reffi vollends fertig machen. Sind sie ja nicht gewöhnt von mir. Und durch den Wegfall aller Sonderveranstaltungen habe ich kaum die Möglichkeit, mich mal in Schale zu werfen.

Hab ich von dem Reffi letztes Jahr erzählt? Der im ersten Gespräch mir gegenüber saß, im Hochsommer – und mich ernsthaft fragte, ob ich eigentlich was gegen sichtbare Tattoos und kurze Hosen hätte als Lehrer. Ich breitete als Antwort die Arme aus und schaute an mir herab.

Jedenfalls hatte ich zu Beginn meiner Regentschaft mal dem Kollegium gesagt, dass ich meine Unterrichtsbesuche nicht wirklich ankündige, aber sie darauf schauen sollten, wenn ich ein Jackett anhabe – dann wäre der Tag für Unterrichtsbesuche. Mal sehen, ob sie morgen nervös werden, wozu, ich betone es ja auch immer wieder, absolut kein Grund besteht).


Bestellte FFP2-Masken sind gestern gekommen, will sie mindestens bis Weihnachten benutzen. Tragekomfort günstiger für die Brille. Mehr Platz für Mund und Nase. Sichereres Gefühl.

#wasmachteigentlichderchef 09.11.

Morgens irgendwann wach geworden, war zu früh, hab ich gemerkt, umgedreht. Versucht einzuschlafen. Irgendwann befürchtet, dass ich den Wecker nicht gestellt habe. Handy angetippt: 4.47 Uhr. 5:15 aufgestanden, vor dem Wecker.

Fahrrad heute. Im Dorf knapp über 0 Grad, in Nürnberg dann nach 10km frostig. Finger taten nach de Hälfte weh. Unter die Arme gesteckt kurz, dann ging es. Dunkel im Wald. Holzernte hat begonnen, Wege stellenweise ätzend.

Es gibt wieder Sonnenaufgänge.
Rückfahrt, Winterausrüstung.

Erledigte Aufgaben:

  • Diszibescheid getippt, Vorentwurf
  • Gespräche:
    • Stellvertreter
    • Erweiterte Schulleitung
    • Verbindungslehrerin
    • Hausmeister
  • Zwei Stunden Unterricht 7. Klasse Geschichte
  • Emails beantwortet
  • KMSe gelesen
  • Delegiert

Erledigte Aufgaben sehen heute wenig aus. Mir war heute kalt, ich war hungrig und müde. Ganz schlechte Mischung.

An ein paar Sachen erinnert worden, die ich verdrängt hatte. Puh. Dumm.


Coronamaßnahmen. Ein KMS mehrfach gelesen, in dem es darum ging, wie man Religionsunterricht/Ethik durchführen kann, ohne die Klassen zu mischen. Es werden vier Konzepte vorgestellt, die so komplex sind, dass ich das Gefühl habe, da steckt Absicht dahinter. Es geht um Grundgesetz, Notengebung, kirchliche Behörden. Komisch, dass Islamunterricht nicht erwähnt wird – den es bei uns seit den Anfängen gibt. Es wären also 4 Konfessionen, Religionen, Weltanschauungen zu vereinbaren.

Den Hygieneplan habe ich noch nicht ganz gelesen heute. Ich war einfach zu kaputt. Das Wesentliche habe ich per Mail rumgeschickt. Der Rest muss morgen reichen.


Eine Referendarin aus dem letzten Jahr hat sich gemeldet per Videobotschaft, und zwar von der Insel Lesbos aus einem Flüchtlingslager, wo sie nach Ende des Referendariats ein Jahr lang arbeitet. Ich bin gerührt. Ich atme tief durch. Darf ich stolz sein auf sie? Oder wie sagt man das sonst?

Die SMV organisiert eine Spendenaktion für Wärmflaschen für dieses Camp.

So kann ein Montag nach den Ferien ruhig enden.


Bereite noch Unterricht vor für morgen. Und vielleicht noch KMS lesen.

#wasmachteigentlichderchef 30.10

Auto. Wollte schnell heim, weil müde.


Erledigte Aufgaben (Gedächtnisprotokoll, dnen es ist Sonntag mittlerweile):

  • Postkram erledigt, der liegen geblieben war
  • Gespräche geführt
  • Freitagssitzung Schulleitung

Es war ein ruhiger Tag. Der ruhigste seit langem. Die Sekretärin hatz mir verboten, das noch mal laut auszusprechen.


Mehr war nicht. Ich sags nicht lauter. Wir haben jetzt eine Woche Ferien.

Aber unruhig, weil eine Ankünidgung kam, dass in den Ferien, also die kommende Woche weitere Verlautbarungen kommen werden. Man ist gespannt.

#wasmachteigentlichderchef 28.10.

Auto.


Erledigte Aufgaben

  • Postausgang
  • Anträge und Verträge bereit gestellt
  • Schulleitertagung online (1,5h)
  • Telefonat Schulaufsicht wegen US Fehlern, die die Übertragung nicht angezeigt hat
  • Schulhomepage bisschen rumgemacht, unzufrieden
  • Kuchen gegessen
  • viele Unterschriften

Komischer Wurschteltag…die ganze Zeit auf den Beinen, aber irgendwie nicht zufriedenstellend was geschafft.


Nürnberg steht auf 118.4 heute. Nunja.

Morgen letzter Tag der Quarantäne meines Stellvertreters. Er teilt mir mit, dass das Gesundheitsamt des Landkreises, in dem er wohnt, ihm heute mitgeteilt hat, dass er bis morgen in Quarantäne muss, weil er Kontakt zu einer infizierten Person hatte.

Man zeigte sich überrascht, dass er seit zehn Tagen schon in Quarantäne ist und woher er denn das wüsste.

Man selbst hatte erst heute ein Fax aus Nürnberg bekommen.

#wasmachteigentlichderchef 27.10.

Fahrrad. Morgens kalt. Handschuhe von gestern noch nicht trocken. Schlüpfrig im Wald an manchen Stellen, wegen des Regens gestern mit Laub. Fahrrad sehr dreckig, Taschen auch. Aber ich war diesmal auf der Rückfahrt früher dran und konnte den Herbst im Licht der untergehenden Sonne betrachten.

Morgen wieder Auto, weil ich nachmittags noch zu meiner Tätowiererin will. Sie möchte gern ihre Arbeit an meinem rechten Arm im bewegten Bild festhalten, für die Hall of Fame auf Instagram. Dort findet man jetzt schon meinen linken Arm, jedenfalls die Rückseite.


Betrete die Schule und begrüße die Kollegin der erweiterten Schulleitung, die den Vertretungsplan für den zweiten Konrektor übernommen hat, der in Quarantäne ist wie mein erster Stellvertreter.

Sie: „Guten Morgen, ich habe dich aus allen deinen Unterrichten diese Woche herausgenommen.“

Ich, unsicher: „Öhm, ok?“

Sie: „Reiner Eigennutz.“

Da geht jemand kein Risiko ein.


Erledigte Aufgaben

  • Emails abgerufen, aufgeregt
  • Sekretärinnen unterbreitet, dass sie alle Eltern noch einmal anrufen müssen, wegen der Informationen von gestern Abend
  • Stand: 6 Klassen, 175 Schüler und 14 Lehrer in Quarantäne oder wegen Coronaverdacht daheim
  • Abschlussarbeiten US, die ich vergessen hatte (Sorry KM, falls ihr mitlest, echt meine Schuld) Teilzeitanträge ausgedruckt, Email rausgehauen, Unterschriften nachgejagt
  • Gespräch mit Hausmeister über mein neues Pfadfinder-Projekt: Zeichen steht auf GO
  • Beratungsgespräch mit Sozialpädagoge, Schüler mit Betreuerin und Klassenlehrerin (1h)
  • Redaktionssitzung Dillingen, online (1h), ich habe nichts zu sagen gehabt, bin der Neue und hatte anfangs Mikrofonprobleme
  • Antrag für Teamlehrkraft endlich rausgehauen
  • Postausgang gemacht, aber vergessen der Sekretärin zu geben
  • Gespräch Verbindungslehrerin über Instauftritt SMV (der schön ist)
  • Gespräch mit Schulleiter FOS über Schülerunwesen außerhalb des Schulgeländes und die IT im Gebäude
  • Telefonat mit Mutter, das ich vorbereitet hatte, schwierig im Anfang, entpuppte sich dann aber lösbar
  • festgestellt, dass die Maßnahmen, die wir in Bezug auf den Unterrichtsbetrieb getroffen haben, erfolgreich waren, denke ich

Heute war ein guter Tag. Phasenweise konzentriert arbeiten können. Nicht ständig der Gedanke daran, was passieren würde, wenn einer der 5 aus der Schulleitung jetzt positiv getestet würde.

Dann wären alle dran, inklusive Sekretärinnen.

Wir haben mal kurz drüber gelacht und uns gefragt, wer eigentlich die dienstälteste, verbeamtete Lehrkraft ist, die dann die Leitung der Schule vor Ort übernehmen müsste.

Als ich 2018 alleine Schulleiter war, habe ich in der ersten Konferenz bekanntgegeben, wer im Falle meiner Abwesenheit die Dienstgeschäfte übernehmen müsste.

Die Kollegin war nicht amused damals und ist mittlerweile pensioniert.

Sie erinnern sich, dass war damals die Phase, in der ich mit Blutvergiftung, antiseptischem Verband und Antibiotika am Schreibtisch in der Schule saß.


Morgen gibt es, so denke ich, Entscheidungen darüber, wie es coronamäßig weitergeht. Nürnberg erreicht in absehbarer Zeit die magische Grenze 100 und ist dann rot-rot-ganz-dunkel. Ich höre nur noch überall, Bundeslandauf und -landab, von fast allen Parteien: „Wir halten die Schulen offen bis zum Letzten“. Abgesehen davon, dass das klingt wie „bis zum letzten Mann“ denke ich immer, bei aller Wertschätzung für die schwierige Arbeit von gewählten Volksvertretern: „Nein, nicht IHR haltet die Schulen offen. Das tun wir.“

Mit Verlaub. Hier wird die Zahl der notwendigen Aufsichten erhöht. Hier fallen massiv Vertretungsstunden an für KollegInnen in Quarantäne. Hier müssen Unterrichtsplanungen ständig neu aufgesetzt werden durch fehlende Klassen und Klassengruppen. Hier geht man jeden Tag in die Schule mit dem Gedanken, wen es als nächstes erwischt oder der Frage, ob die eigene Klasse heute noch da sein wird. Ob man was mit nach Hause nimmt, was der eigenen Familie schadet.

Daher, angesichts meiner Erfahrungen vor Ort würde ich Folgendes vorschlagen, ganz bescheiden:

  • Sofortige Umstellung der weiterführenden Schulen nach den Herbstferien auf Wechselunterricht, also Halbierung der Klassengruppen und wechselnd im Präsens- und Fernunterricht beschulen (Entlastung der Lehrkräfte, vereinfachte Umsetzung eines Hygienekonzepts, mehr Zeit auch für einzelne SchülerInnen)
  • Ab jetzt alle Entscheidungen treffen für große Zeitfenster, also Abkehr von dem „Fahren auf Sicht“ (Was um Gottes Willen haben wir denn vorher gemacht? Blind gesegelt?), jetzt bis mindestens zum Halbjahr, dann bis zum Ende des Schuljahres (damit der Bildungsauftrag auf lange Sicht auch wieder planbar und verbindlich wird)
  • verbindliche und abgesicherte Leistungsmessung im Fernunterricht einrichten, wenn man denn Leistungsfeststellungen weiter fordert, ansonsten
  • Verzicht auf Leistungsnachweise bis zum Halbjahr, Konzentration auf: Lücken füllen, Stand halten, langsam Wissen ausbauen, soziale Arbeit mit den SchülerInnen (nichts an den Anforderungen der Notengebung zu ändern bedeutet aktuell den Stress zu verdoppeln)

und

  • Ich will kein Geld. Das lässt mich nicht länger schlafen, das nimmt mir nicht die Sorgen um meine KollegInnen und meine SchülerInnen.

Man mag mir verzeihen. Ich mache sowas nicht in meinem Blog. Nicht dass ich wieder einen Anruf bekomme.

Aber ich bin müde und damit bin ich HIER nicht der einzige.

Schlafen Sie gut.

#wasmachteigentlichderchef 26.10.

Fahrrad. Es war Regen angekündigt, aber ich habe gute Regenklamotten. Und ich habe einen neuen Helm, mit Visier und extra dazu gekauften Innenmütze. Das ergab einen warmen Kopf und einigermaßen freie Sicht. Jedenfalls keine besprenkelte Brille.

Hinfahrt am Morgen fantastisch. Es ist heller morgens. Und herbstlich. Ich bin zwei Wochen nicht gefahren und in der Zeit war plötzlich der Herbst da. Und ich habe es genossen.


Erledigte Aufgaben:

  • Gespräch Sozialpädagoge
  • Meldung entgegennehmen: zwei neue Infektionen am Wochenende unter SchülerInnen
  • Feststellen, wer von der anstehenden Quarantäne betroffen ist: 50 SchülerInnen und 6 Lehrer, darunter mein zweiter Stellvertreter
  • In der Pause Information an die KollegInnen
  • erster Stellvertreter telefoniert aus der Quarantäne heraus mit dem Gesundheitsamt, zweiter beginnt noch einen Vertretungsplan für morgen
  • Telefonat Schulaufsicht wegen ASV und US, kommt selbst drauf, dass wir nur kurz anreißen und ich dann mit meinem Zeug weiter mache
  • alle Eltern werden antelefoniert
  • Ich gehe zu den betroffenen KollegInnen und informiere sie über die Quarantäne
  • Ich informiere die Klasse, die KollegInnen eine Religionsgruppe, die anhängt
  • Wir stellen fest, dass wir nicht genügend Vertretungen zusammenbekommen für den nächsten und die folgenden Tage, weil zu viele Lehrer in der Quarantäne sind
  • Ich melde den Corona-Status an die Schulaufsicht, mit dem Hinweis, dass es eng wird bei uns
  • Telefonat Schulaufsicht, Möglichkeiten werden erörtert, mir werden meine möglichen Befugnisse noch einmal verdeutlicht
  • Kurze interne Absprache, ich wende meine Befugnisse an, wir haben einen Plan für die kommenden Tage
  • Unterricht in Klasse 7 Geschichte, die nur die Hälfte aller Schüler hat, weil es aktuell wieder Streik im ÖPNV gibt
  • Besprechung mit Kollegin vom Personalrat
  • Besprechung mit Verbindungslehrerin
  • Besprechung mit RumpfSchulleitung
  • während der ganzen Zeit der Versuch, den Elternbrief aufzusetzen
  • Anruf Schulaufsicht: Korrektur der Zahlen
  • Elternbrief fertig, versenden
  • Schulhomepage: Veröffentlichung
  • Gespräch mit VertreterInnen einer örtlichen Pfadfindergruppe
  • um 16 Uhr mache ich mich an die einzige Aufgabe, die ich mir heute vorgenommen habe und schaffe den ersten von vier Schritten dabei
  • 16:30 Uhr sitze ich auf dem Fahrrad für den Heimweg im Regen vor dem Schulhaus
  • Handy klingelt: Gesundheitsamt ist dran, Erläuterungen werden gegeben, neue Informationen zu denen, die wir am Vormittag bekommen haben, eigentlich nicht neue sondern andere
  • Abends über verschiedene Kanäle diese Infos noch einmal verbreiten
  • Morgen müssen wir alle Eltern noch einmal anrufen
  • Nebenbei zwei Stunden gebraucht um den Windowsrechner im Büro auf dem Schreibtisch upzudaten

Rückfahrt mit dem Rad im Regen. Sehr kühl. Und dann wieder sehr dunkel. Komme 12 Stunden nachdem ich losgefahren bin wieder zuhause an.

Wie ich mich fühle aktuell: Wie in einer Seifenkiste, die den Hang runterbrettert. Ich sitze da und halte das Lenkrad fest. Ich merke, dass sich die Seitenteile links und rechts lösen. Ich greife mit beiden Armen links und rechts raus und halte die Seitenteile fest. Meine Knie steuern. Ich sehe eine scharfe Kurve auf mich zukommen.

Morgen wieder Fahrrad.

Ich bin weiter müde.