Deutsch – schnell gemacht 2

Magnetbandrequiem heißt ein Text von Mischa-Sarim Verollet, der auf neon.de nachzulesen ist und in dem Buch Phantomherz auftaucht. Ein schöner kleiner Text über die Lobpreisung des Mixtapes, wobei auch bedauert wird, dass diese Kunst heutzutage verloren gegangen ist.

Wir haben ihn in der letzten Woche als Schulaufgabentext in der 10. Klasse eingesetzt, wobei ich als produktive Aufgabe noch hinterher gesetzt habe: „Erstelle selbst eine Playlist mit mindestens 5 Songs und erkläre bei jedem Song, warum du ihn gewählt hast.“

Daher mein Vorschlag für heute:

– den Text still lesen lassen mit dem Hinweis darauf, dass er danach in der Klasse performed werden soll (Erklärung der Poetry-Slam-Szene vorausgesetzt)

– danach abwechselndes Performen einzelner Passagen

– abschließendes Gespräch darüber, wie eine Liebeserklärung heutzutage ablaufen könnte, wenn man moderne Medien benutzt

– Hausaufgabe, Auswahl:

  1. Auswahl eines eigenen Songs, mitbringen und der Klasse vorstellen
  2. Auswahl eines eigenen Songs, auf Facebook in einer dafür bestimmten Gruppe einstellen mit Link auf Youtube, wenns geht, Erklärung direkt in Facebook.

Anmerkung: Punkt 2 habe ich wiederholt als Abschlussaufgabe für Lektüren gemacht: Die Aufgabe bestand darin, einen kurz-Soundtrack zum Buch zusammenzustellen.

Ein Glas Blut – Selim Özdogan

„Ein Glas Blut“ ist eine Textsammlung von Selim Özdogan. Wikipedia sagt zu ihm, was meine Schüler etwas ins Stottern brachte, dass er ein „in der Türkei geborener deutscher Schriftsteller“ sei.

Überleg mal, sagt er, wer vor die schon alles auf diesen Sitzen gesessen hat. Wer da alles schon ins Polster gefurzt hat, auf welcher Wiese voller Hundescheiße die vorher schon gesessen haben, wie viel klebrige Zuckergetränke die verschüttet haben oder Milch, die eingesogen und dann schlecht geworden ist. Wo die ihre Finger gehabt haben, in der Nase oder an ihrem Arsch oder sogar an dem von jemand anderem, und danach haben sie sich nicht die Hände gewaschen. Und nach dem Pinkeln auch nicht. (Aus: Zu Hause bleiben)

In dieser Sammlung findet man unterschiedlichste Texte, auch Gedichte, die auf sehr intelligente Weise Erlebnisse eines „Twenty-or-Thirty-Something“ behandeln. Sie drehen sich immer wieder um die Liebe und ihre Gefahren und Enttäuschungen, aber auch um alltäglich Beobachtungen an der Bushaltestelle oder in der Bahn oder alles zusammen eben: um das einfache Leben mit Nudeln und einem Film.

httpv://www.youtube.com/watch?v=EgszUIcStwQ

Auf jeden Fall einen ganzen Haufen kleiner Perlen. Habe lange Zeit nach so etwas gesucht. Etwas, das ich gern lese und noch mal lese und was ich an Schüler weitergeben kann, weil es nicht ganz so den (wenn auch angenehmen) Muff von Böll und Borchert hat.

Und nein, nicht multikulti – sondern eben ein in der Türkei geborener deutscher Schriftsteller.

Bild von amazon.de

Haben Sie sein Buch überhaupt gelesen…ich fürchte nicht

Wenn ich diesen Satz einmalig gehört hätte, würde ich mich nicht wundern. Nun habe ich ihn aber schon zwei Mal gehört und dann komm ich doch ins Grübeln.

Haben Sie sein Buch überhaupt gelesen?

Das fragte mich in einem Antwortbrief ein angegriffener Funktionär des brlv ( Bayerischer Reallschullehrerverband). Komischerweise mit dem Hinweis,

„Frau Merkel hat es sicher auch nicht gelesen.“

Haben Sie das Buch überhaupt gelesen…ich fürchte nicht.

Das kam als Antwort auf einen Kommentar, den ich zu einer negativen Kritik des Buches „Manifest der Vielen“ bei amazon.de hinterließ.

Was impliziert diese Frage eigentlich?

Mir kommt es doch so vor, als wenn man davon überzeugt ist, dass allein die Lektüre des Buches zu einer Erleuchtung, zur Bekehrung oder etwas hinreichend Ähnlichem führen soll. Auf jeden Fall zur Übereinstimmung mit den Thesen von Herrn S.

Allein das macht mich doch schon skeptisch.

Ich sehe Herrn S. Abhandlung als eine Ansammlung von Thesen, die nach Lektüre von diversen Büchern und Auszählung von Statistiken erfolgte. Ich erkenne, dass versucht wird auszurechnen, wie eine Gesellschaft in 90 Jahren aussieht, um daraufhin Rückschlüsse für eine Gegenwart zu ziehen. Und je stärker es sich auf seine Thesen ausrichtet, desto stärker blendet es eben auch andere Perspektiven auf die Realität aus.

Für mich ist dies die Abhandlung eines Volkswirts, der über Statistiken, Halbwahres, Ressentiments und einen Hang zum Populismus verfügt. Und dass in dieser Suppe immer jemand etwas findet, was irgendwie „stimmt“, muss ja nicht besonders betont werden. Wenn ich nachts durch eine Großstadt gehe und eine Kotzlache sehe, entdecke ich darin auch Maiskörner, die noch gut aussehen – essen tu ich sie deshalb noch lange nicht.

Aber nicht mal dies ist das einzige, was mich abstößt. Widerlich ist die Haltung aus einer sicheren Entfernung heraus Brandbomben zu werfen und dann, wenn die Flammen lodern, mit einer Unschuldsmine dazustehen und zu murmeln:

„Man wird das doch mal sagen dürfen.“

Was denn? Dass das mit den Juden nicht so schlimm war?

Oder noch viel ekliger:

„Es muss auch jemanden geben, der sich traut, das zu sagen.“

In Deutschland muss man sich nicht „trauen“, etwas zu sagen – oder gab es eine Talkshow, in der er nicht aufgetreten ist? Gab es eine Zeitung, die ihn nicht zitiert hat? Wurde sein Buch zensiert?

Was hatte Sarrazin zu verlieren? Was ist ihm passiert?

Nichts.

Und auch wenn es anders aussieht: Er ist als einziger Gewinner aus dieser Diskussion heraus gekommen.

Den Preis zahlen andere.

Sozialkunde schnell gemacht 6

Ich habe gerade gelesen, dass an bayerischen Schulen eine Schweigeminute begrüßt wird zum Gedenken an das Geschehen in Japan.

Ich würde das befürworten und noch weiter gehen: jeden Tag von Montag bis Freitag eine Schweigeminute für die Toten oder Flüchtigen oder Hungernden in aller Welt.

Eine Auswahl:

Nein, kein Anlass irgendwas zu relativieren. Aber eine Möglichkeit und Motivation im Sozialkundeunterricht einmal einen Gesamtblick zu wagen. Sich eine Stunde am Tag unbequem fühlen.

Ziele einer oder mehrerer Stunden zum Thema zum Thema Krisen und Konflikte:

  1. Überblick über Kriege und Konflikte (Karte der AKUF)
  2. Unterscheidung und Feststellung, dass Kriege sich heute grundlegend von den Kriegen des 20. Jahrhunderts unterscheiden (Kennzeichen der AKUF)
  3. Wo überwiegend finden diese grad statt? Warum? (Warum so viele auf der südlichen Welthalbkugel?)
  4. Wer ist daran beteiligt?
  5. Welche Ursachen haben die K. und K.?
  6. Welche Folgen haben diese? (Machtverschiebungen, Flüchtlinge…)

Die Veröffentlichungen der AKUF bieten einen guten Einstieg. Ich persönlich thematisiere dies nicht mit einem abschließenden „Wie kann man Konflikte verhindern?“ – Wie könnte ich angesichts der Zustände hier eine befriedigende Antwort finden? Ich versuche festzustellen und, so man dies so will, Erschütterung zu hinterlassen. Auch im Hinblick auf aktuell geführte Diskussionen über Zuwanderung oder Teilnahme am Libyen-Mandat.

Quellen:

Hamburger Institut für Kriegsursachenforschung

Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung

Entwicklungspolitik online

Sozialkunde schnell gemacht 5

Thema: Institutionen des Grundgesetzes (Klasse 10)

Einstieg: Aktuelle Meldungen zu politischen Ereignissen aus www.tagesschau.de . Möglichst Verlautbarungen aller Bundesorgane zu einem Ereignis. Hat hier nicht geklappt mit dem einen Thema. Will ich aber beim nächsten Mal machen.

Meldungen Insitutionen März 2011 (Einstiegsfolie)

Unterrichtsgespräch über die Frage, warum die verschiedene Personen / Ämter sich zu dem Thema äußern. Die Vermutungen könnten frei sein. In der Regel wirds darum gehen, dass sie wieder gewählt werden wollen. Gesetzgebung Bundestag fällt manchmal schon. Repräsentation durch Präsident auch.

Erarbeitung: Aus vorhandenen Texten sollen die Merkmale der Bundesorgane herausgezogen werden. Anschließend sollen die Schüler an der Tafel ein Schaubild der Bundesorgane zeichnen, in dem sie vor allem die Beziehungen der Institutionen darstellen. Alternativ könnte man auch mit dem GG direkt arbeiten, dann dauerts aber länger.

Das einzige, was ich vorgegeben habe, war die Basis „Wahlberechtigte Bevölkerung“.

AB Institutionen des Grundgesetzes (Hauptsächlich aus den Lexika der www.bpb.de herauskopiert) – Auf der letzten Seite ist auch die Aufgabenstellung enthalten, die ich auf den Overhead lege.

Hinweis: Ab dem Zeitpunkt, wo ich die ABs ausgeteilt habe, arbeiten die Schüler selbständig. D.h. ich setze mich auf einen freien Platz und lasse die Schüler an der Tafel ohne Hinweise oder Einsprüche arbeiten. Als Ergebnis kommt in der Regel ein grobes Schema heraus (die Schüler kennen Verfassungsschemata und ähnliches aus dem Geschichtsunterricht), was als Grundlage für die weitere Arbeit hergenommen werden kann.

So sieht das dann in meinem Unterricht aus.

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