Kreatives Schreiben im DU 3 – Liebesbriefe / Möbelliebe

Es gelten auch und besonders für diese Varianten alle Hinweise, die ich bezüglich des Schutzes einzelner Schüler in Klassen schon mal angesprochen habe.

Auch diese Variante ist mal aus zwei anderen entstanden, deren Bezeichnung ich nicht mehr kenne. Ich gehe diese Form zügig durch, antworte anfangs nicht auf Fragen, jedenfalls nicht solange sie nicht schreiben. Wichtig, wie bei anderen Varianten ist für mich, dass sie nicht zu viel nachdenken, sondern einfach schreiben – manchmal versuche ich ihnen die Technik des automatischen Schreibens nahezubringen.

Also: ich betrete das Klassenzimmer (gestern wars mal wieder soweit: eine Klasse, die ich nicht kannte, musste vertreten werden) und teile Schreibpapier aus. Einzige Aufgabe für Schüler ist es, genau das zu tun, was ich sage.

1. Schritt: Sucht euch einen unbelebten Gegenstand im Klassenzimmer aus, den ihr interessant findet. Beschreibt ihn 5 Minuten lang schriftlich, und zwar möglichst genau, ohne ihn zu bezeichnen.

2. Schritt: Strich drunter setzen von einer Blattseite zur anderen. Ihr kennt diesen Gegenstand nun ganz genau. Versetzt euch nun in ihn hinein, betrachtet die Welt mit seinen Augen. Welche Sorgen hat er? Welche Träume? (usw….Hinweise geben je nach Einsatzfreude der Schüler). Schreibt 5 Minuten lang aus der Ich-Perspektive.

3. Schritt: Strich drunter setzen von einer Blattseite zur anderen. Es passiert nun etwas Wunderbares: euer Gegenstand verliebt sich in einen anderen Gegenstand. Er ist so beseelt von diesem, dass er einen Liebesbrief schreibt. Formuliert diesen. (Weitere Hinweise je nach Verständnis der Schüler:) Schreibt davon, wann es passiert ist und warum. Preist die Vorzüge des anderen Gegenstandes und was ihr besonders liebt. Berichtet von euren Träumen und Hoffnungen und warum ihr so gut zueinander passt.

Die Schreibzeiten sind nur so ungefähr. Wenn die Schüler erstmal angefangen habe, lasse ich sie schreiben. Es ist nur überschaubarer, wenn man sagt „5 Minuten“ als keine Zeitangabe zu setzen. Wenn es läuft, lasse ich es laufen. Der dritte Schritt braucht natürlich als Zeitangabe mindestens zehn Minuten.

Die Ergebnisse werden wieder eingesammelt und ich lese sie vor. Ohne Namen und so weiter.

Und freue mich jedes Mal über ein belebtes und verliebtes Klassenzimmer.

Ich führe das manchmal weiter, in dem ich die Briefe dann wieder austeile – natürlich an andere Schüler – und sie auffordere, eine Antwort zu schreiben.

Didaktischer Sinn des Ganzen? Nunja, Schreibkompetenz? Ich denke, wenn schon kompetent sein, dann doch wohl im Schreiben von Liebesbriefen. Dass man da nicht einfach reinkommt und sagt: „So, nun schreibt mal einen Liebesbrief…“ – ist ja klar.

Überhaupt: Perspektivenwechsel, so bizarr er auch sein mag, ist immer ein probates Mittel, um Schreiben in der Schule zu ermöglichen. Im Ergebnis wird schon viel und genug vom Einzelschüler drin stecken (Identitätsfindung), ohne dass es ihm im ersten Moment bewusst ist.

Und: Empathie. Man sollte sich schon mal in einen Stuhl versetzte haben, auf dem den ganzen Tag ein Hintern herumrückt und -drückt.

Schließlich: Spaß am Schreiben, Spaß, Spaß, Spaß!

Hier ausnahmsweise mal Proben dieser Briefe. Diese Ergebnisse sind alt, stammen meiner Erinnerung nach aus meinen ersten Jahren, 2002 oder so, ich denke, es war eine 10. Klasse.

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Jetzt weiß ich wie’s geht – ein cooler Lehrer werden

Freitag, Geschichtsstunde, 6. Klasse. Basteln an den Plakaten zum Thema Ägypten, bzw. den Geschichtsboxen dazu (Bilder folgen noch).

Ich habe Zeit, endlich die letzten Arbeiten, die an der Wand hängen, zu begutachten. Die Tabelle der Themen und Schülernamen liegt in Pages vor, ich muss nur noch Kommentare eintragen und Noten dazu schreiben.

Schnell sammeln sich einige Schüler um mich herum. Es sind eh nur noch ein paar Minuten. Der Alupen scheint auch interessant.

„Woah, was machen Sie da mit dem iPad…ahh Noten.“

„Ist das das 2er?“

„Haben Sie da auch Spiele drauf?“

„Bestimmt haben Sie da Spiele drauf! Zeigen Sie mal…“

Wisch, wisch, wisch….Ordner mit Spielen gefunden. „Woahhhhhh….“

„Woahhhh, Battlefield….Woaaahhhhh Angry Birds.“

Ich zeige ihnen den Anfangstrailer von „Need for Speed – Hot Pursuit“, den ich selbst total genial finde.

„Woaaahhhhhh, guckt mal….“

 

Am Ende dann: „Wollen Sie nächstes Jahr unser Klassenlehrer werden?“

 

Wenn es und alles doch immer so einfach wäre.

5 Minuten Schulleitung – ich bin Konrektor, ich laber nicht nur so!

Ich habe ja schon vor einigen Wochen mal geschrieben, dass Labern zum Job gehört. Fiel mir diese Woche wieder auf.

Doch sind die Gespräche, wenn ich sie mir durch den Kopf gehen lasse, vielleicht doch nicht so unpraktisch, denn es kommt der Kollege,

  • der eine Frage hat, und quasi die Antwort direkt danach mitliefert – ich sage: Ja, das kannst du so machen.
  • der einfach so vorbeikommt und mir das letzte Erlebnis mit dem Schüler X, den ich auch unterrichte, erzählt; ich im Gegenzug erzähle mein Story mit ihm
  • der kommt, um zu fragen, ob er das richtig verstanden hat auf der letzten Konferenz
  • der schaut, ob ich noch so drauf bin, wie früher, lockerer Spruch, härterer Spruch zurück – wie früher…
  • der anfragt, ob man nicht dies oder jenes anders machen könnte

Und jedes Mal rede ich, quatsche, lache oder auch nicht – jedes Mal wird gelabert. Es liegt auf der Hand –

  • Es hat eine informativ-direktive Funktion: wir haben es so beschlossen, also machen wir das so
  • Es hat eine entlastend-stützende Funktion: ich erzähle dir, was ich vorhabe und du weißt jetzt davon, also sind wir zu zweit und ich habe die Schulleitung hinter mir
  • Es hat eine psychohygienische Funktion: mir geht es so, dir geht es so, uns geht es so jetzt besser
  • Es hat eine soziale Funktion: hier bin ich, da bist du – Freunde, oder so? Würde ich sagen, das ist wie bei Hunden, die sich beschnuppern, kämen wieder Beschwerden
  • Es hat antizipierende Funktion: ich erzähle dir was, du sollst entscheiden, ob das in die Schulleitung weiter gereicht wird oder nicht
  • Es hat eine verantwortende Funktion: ich brauche jemanden, der eine Entscheidung trifft und dafür quasi die Verantwortung (mit)übernimmt

Naja, manchmal aber laber ich wirklich einfach nur so.

Meine erste echte Unterrichtsstunde

fand, jedenfalls der Erinnerung nach, im Dezember 1995 statt, im C-Praktikum an der Jakob-Stoll-Realschule in Würzburg.

Echt, weil sie wirklich geplant war und nicht nur Spielerei. So richtig mit allem.

Thema: Die Innenpolitik Bismarcks.

Und so sah das aus – ich habe nämlich heute diese Blätter im Ordner gefunden.

 

Gefunden habe ich sie, weil ich die dazugehörigen Folien suchte: Bismarck-Karikaturen. Außerdem hatte ich ein Arbeitsblatt dazu. Das geht seit Jahren. Ich habe zwei Ausführungen aus dem Jahr 1995. Sie bestehen aus drei Seiten Verlauf, einem Tafelbild, dem Arbeitsblatt und einem Deckblatt.

Tja.

Letzte Woche sahen meine Aufzeichnungen zu dieser Stunde so aus, 16 Jahre später (in Evernote):

Wie nennt man sowas? Profi? Ignorant?

 

5 Minuten Schulleitung – Fortbildung, 2 Tage

Zurück von der Fortbildung. Zu allererst: der Ausbau der A6 war ein Erfolg. Die Staus haben sich reduziert und sich auf die Autobahnkreuze konzentriert. Das war allerdings insofern ein Problem, weil ich auf dem Weg zum Zielort 4 Kreuze überfahren musste. Prompt kamen wir (eine Kollegin habe ich mitgenommen) zu spät. Dies war allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass ich beim ganzen Quatschen im Auto, auf die Schilder schauen und das Navi verfolgen, zwei Mal falsch abgebogen bin. Nun ja, zu Fuß kann ich mich jedenfalls super orientieren.

Der größte Teil der Fortbildung drehte sich um die Aufgaben, die so eine Schulleitung hat, haben kann, bzw. die Aufgaben, die an einen Zweiten Konrektor übertragen werden können (die FB war für zweite Konrektoren ausgeschrieben). Themen waren also:

  • Organisieren und Durchführen von Konferenzen
  • Digitales Notizmanagement inklusive GTD (also rund um Evernote und Co. – das hörte ich zum ersten Mal und, obwohl ich es kenne, war es für mich interessant…dazu unten mehr), gehalten von @mboelling
  • Informationen rund um das BRN (Bayerisches Realschulnetzwerk), welches ein recht hilfreiches und informatives Portal im Internet darstellt. Informativ vor allem, weil es Informationen schneller und besser darstellt als die zentrale KM-Seite
  • Das „Flexible Klassenzimmer“ (hier einiges auch zum Thema Schulhausbau und die ewigen Ausreden bezüglich irgendwelcher Bauvorschriften, die Schulhäuser wie Legebatterien aussehen lassen)
  • Erstellung einer Unterrichtsverteilung, eines Stundenplans und des Vertretungsplans (hier ging es eher um die ganzen Vorüberlegungen und organisatorischen Randerscheinungen),
  • Abschlussprüfungen und Aufnahmeprüfungen mit Checklisten organisieren (ich erfuhr zum ersten Mal davon, dass es diese vorgefertigt gibt)
  • Vorstellung der neuen Schulverwaltungssoftware, die ab nächstem Schuljahr in den Realschulen eingeführt wird

Neben den Themen, die bei mir leider in die Phasen des akuten Fresskomas zwischen 14 und 16 Uhr fielen, konnte ich überall etwas finden. Wirklich hilfreich waren die Themen, in denen sich ein Austausch zwischen den Kollegen entwickelte und wo sich dann zeigte, dass wirklich jede Schule noch einmal einen eigenen Kosmos bildet.

Es zeigte sich auch, dass – ich hatte vor einigen Tagen von der Stundenplanmacherei und den Vertretungsplänen durch Konrektoren erzählt – ich scheinbar zu den Wenigen gehöre, die NICHT am Stundenplan basteln. Hm, da fühlte ich mich schon ein wenig wie der Außenseiter. Aber ich werd’s überstehen.

Morgendämmerung am Hesselberg im westlichen Mittelfranken

Auch wenn ich dem Ganzen insgesamt skeptisch gegenüber stand, hat es sich wohl gelohnt, den weiten Weg zu machen. Neben der geballten Information – und ich muss offen sagen, es ging wohl nicht nur um Informationen, sondern auch darum, allen klar zu machen, wie sich der Ministerialbeauftragte die Arbeit in der Schulleitung vorstellt – war natürlich der Austausch mit anderen Konnis witzig und spannend. Auch und vor allem, weil da so viele verschiedene Köpfe saßen.

Ich hätte mir aber viel mehr wieder Arbeit in Kleingruppen gewünscht. Bzw. organisierte Gesprächskreise über die verschiedenen Abläufe innerhalb der unterschiedlichen Schulleitungen. Man verwies zwar immer wieder auf die inoffiziellen Kontakte, aber bei einem Programm, was quasi bis zum Anschlag gefüllt war, gehöre ich persönlich zu denjenigen, die auch mal eine soziale Auszeit brauchen.

Daneben waren zwei Aspekte noch nachhallend:

Der Vortrag über digitales Notizmanagement führte dazu, dass ich mein iPad und meine Projekt der papierlosen Lehrertasche kurz dargestellt habe. Dabei merkte ich, dass da doch einiges an Interesse vorherrscht, da danach einige Fragen kamen und man ohnehin sehen wollte, wie ich da mit dem iPad mitschreibe usw.

Da hier doch einige interessiert waren, überlege ich mir, ob ich nicht mal eine erste Fortbildung versuche. Irgendwann im März, zum Thema „iPad für Lehrer im Unterricht“. Das scheint ja noch im Angebot zu fehlen, wenn ich mir immer die Schlagzeilen vor Augen führe: „iPad Klasse neu eingerichtet“. Von der anderen Seite spricht kaum einer.

Letztlich traf ich einen weiteren spannenden Gesprächspartner. Spannend, weil wir auf heimisches Musikstreaming kamen. Und so konnte ich nun aus erster Hand erfahren, wie sich das Sonos-System anhört, welches ich grad selbst andenke.

Nunja, und es hörte sich so cool an, dass neben mir wieder die MP3-Presse über iTunes läuft und ich die CDs rippe – während ich mich gleichzeitig freue, eine neue Idee für ein Weihnachtsgeschenk an mich selbst habe.

Oh, du Fröhliche.