Seitan

Zu allererst: ich mag Fleisch – Hühnerfrikassee ist ein Genuss, Rouladen, Bratwurst, Frikadellen frisch aus der Pfanne usw.

Seitan ist etwas anderes, ich weiß. Darauf gestoßen bin ich in dem Kochbuch bei Attila Hildmann. Gekauft habe ich es im Bioladen.

Was ist Seitan: Weizenmehlpampe in Sud eingelegt.

Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, eine neue Mission zu entwickeln, sondern ich probiere das Vegane aus zwei Gründen:

  • den Fleisch-/ und Tierkonsum ganz allgemein zu reduzieren aus gesundheitlichen, ökologischen und ethischen Gründen
  • eine andere und neue Geschmackswelt zu erkunden.

Denn bei Seitan bin ich zum ersten Mal auf etwas gestoßen, was zwar Fleischersatz sein will, aber irgendwie nicht ist, weil es einen ausgeprägten eigenen Geschmack hat. Naja und verarbeitet habe ich es wie … ja Fleisch eben. Der Vorteil an Seitan gegenüber Tofu o.ä. ist dabei vor allem auch die feste Konsistenz, die sich beim Erhitzen erhält. Der wichtige Tipp von Hildmann dabei: feste anbraten.

Unser erster Versuch war eine Carbonara mit Seitan und Sojacreme.

Der zweite ein Paprikagulasch aus einfachen Zutaten: Seitan (halbes Glas), Zwiebeln, rote Paprika, Chilischoten, Knoblauch, Sojacreme. Beilage nach Belieben.

Ein Glas Seitan steht nun auf jeden Fall immer im Schrank – denn es hält sich, auch geöffnet, sehr viel länger als jedes Fleisch.

Handy. Kamera. Talk.

Ich habe einen guten Freund, er wird überrascht sein davon zu hören, aber ich bezeichne ihn mal als gut, einfach so.

Was auch immer. Wir sind schon so weit, dass wir uns ohne Worte verstehen. Daher setze ich hier mal den fiktiven Text hin, verlinkt sind die Fotos, die wir uns kommentarlos geschickt haben.

An einem kalten, aber schönen Samstagnachmittag.

Ich: Hallo, ich habe grad einen schönen Samstagnachmittag. Was machst du?

Er: Arbeiten.

Bin grad auf dem Heimweg noch beim Burger King eingefallen, weil ich einen Megahunger habe.

Schön für dich.

Hm, hat eigentlich gut geschmeckt.

Ja, ja.

Jetzt mach ich Feierabend.

Ich mach Sport.

Und danach: Und jetzt mach ich auch Feierabend.

 

5 Minuten Schulleitung – mein Büro oder Demut lernen

Ein Chef sagte mal, dass er jeden Vormittag der Direktor seiner Schule sei, dass er 50 Kollegen anleiten würde, dass 630 Schüler die Schule besuchten und mit gemischten Gefühlen sein Büro betreten würden – und wenn er, der Chef, nach Hause käme, wäre es so, dass ihm ein herzhaftes „Hast du den Müll noch nicht rausgebracht?“ von seiner Frau entgegenschallen würde.

Sprung.

Das größte Privileg meiner Stellung an der Schule ist eindeutig ein eigenes Büro. Es ist 2,05 Meter breit und etwas mehr als 4 Meter lang. An einer kurzen Seite ist über die gesamte Breite ein Fenster – auf meinen Wunsch hin wurde ein Kippfenster eingebaut.

Mit der Einrichtung meiner Konrektorenstelle war, da zum ersten Mal an dieser Schule ein Zweiter Konrektor eingesetzt wurde, auch eine bestimmte Summe an Geld verknüpft zur Einrichtung seines Büros. Im ersten Jahr allerdings wurde der Raum bestückt mit Möbeln, die der Hausmeister irgendwo im Keller gefunden hatte. Das hat schon gereicht, auf Dauer allerdings war es recht unbequem. Die Tische hatten z.B. nicht die richtige Höhe, so dass ich schnell Rückenschmerzen bekam und zu nah am Computerbildschirm saß. Das Regal war eigentlich ein Regal,was von zwei Seiten zugreifbar war und deshalb ziemlich deplatziert aussah. Nunja, provisorisch eben. Das Geld wurde erst nach geraumer Zeit bereitgestellt, weil, auch das lernt man, das Schuljahr nicht mit dem Haushaltsjahr des Sachaufwandsträgers  übereinstimmt. Heißt: Im September braucht man Geld, bekommt es aber erst nach dem Januar.

Apropos Geld. Es ist übrigens Usus, dass man ein neues Amt erstmal zu denselben Bedingungen wie vorher erfüllt. Erst nach einem Jahr bekommt man den Titel und das Geld. Manchmal dauert’s auch länger.

Für mein Büro wollte ich etwas Besonderes haben und sah mich in der Gegend nach regionalen Möbelbauern um. Nach einem Angebot der Möbelmacher konnte ich mir eine große Schreibtischplatte und ein Regal mit kleiner Garderobe leisten – habe aber 200,- aus eigener Tasche gezahlt. Das war es mir wert, weil ich wusste, dass ich an diesem Tisch lang sitzen würde. Und da wollte ich nicht Pressspan/Lichtgrau sehen, sondern fränkische Rotkernbuche.

Witzigerweise gab übrigens der Computer, der in meinem Büro stand, seinen Geist auf, als ich ihn das erste Mal anschaltete. Wie übrigens fast alle Rechner der Etage gleichzeitig. Aber wie gesagt: Schuljahr ungleich Haushaltsjahr. Also brachte ich von zuhause erstmal einen größeren Bildschirm mit und kaufte einen gebrauchten Macmini für das Büro. Der Macmini steht seit Kurzem als Leihgabe im Studiokeller einer jungen Band, mit deren Schlagzeuger ich einen Tätowierer teile. Mittlerweile gehört nämlich auch ein richtiger Computer zu meiner Büroausstattung.

httpv://www.youtube.com/watch?v=XjMUjMZTYZA

Das Büro ist ein Privileg, in vielfacher Hinsicht. Ich muss z.B. meinen Rechner nicht mit 60 anderen teilen, habe eine eigene Kaffeemaschine und kann die Tür hinter mir zumachen. Das allerdings sollte ich öfter tun. Das Problem ist einfach, dass ich, der ich schon als Kollege an der Schule war, es irgendwie als seltsam empfinde, meine Kollegen klopfen zu lassen, wenn sie mit mir sprechen wollen. Aber es hilft mir eben auch, meine Arbeit in Ruhe zu machen.

Und heute half es mir eben, meine Ruhe zu haben. Einfach so, weil ich mir nicht sicher war, ob ich den Tag heute schaffen würde, ohne noch ein, zwei Tränen wegen Marie zu verdrücken. Und das wollte ich unbeobachtet.

Sprung.

Ich verdiene gut. Die zurückliegenden Jahre liefen gut, waren erfolgreich. Auf anderer Ebene wird schon gefragt, wann ich die nächste berufliche Stufe der Schulleitung nehme und warum nicht jetzt. Ich dachte, ich hab’s im Griff.

Und doch setze ich am Abend eine kleine Katze von meinem Schoß auf den Boden, um zum Elternsprechabend zu fahren. Und komme dreieinhalb Stunden später wieder nachhause, um diese Katze aus einem Karton mit Heu zu nehmen und in ein Loch im Garten zu legen. Und merke: einen Scheiß hab ich.

 

Warum ich Facebook den Laufpass gegeben habe…

Ich finde, dass Facebook eine gute Idee ist. Eine riesige Plattform, auf der sich Menschen, gerade auch jüngere, virtuell treffen und Information austauschen können. Dies rund um den Globus und in vielfältiger Form.

Auch für meine Schüler, so denke ich, bietet Facebook einige Möglichkeiten, sei es in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit Medien oder Kommunikation. Und auch unterrichtlich kann man es nutzen, ohne Frage.

Und nun habe ich meinen Account deaktiviert. Mit all seinen Fotos, Freundschaften und Gruppen und Listen.

Warum?

Weil ich Zuckerberg für einen amerikanischen College-Kacker halte.

Und das halte ich für genau so sinnvoll wie alle die anderen Gründe, NICHT bei Facebook zu sein. Und ja, es gibt ernsthaftere Gründe. Aber sie laufen alle drauf raus, dass ich mich von einem College-Bübli nicht verarschen lassen möchte.

Naja, im Zuge meiner Überlegungen zum Thema Vereinfachung kam mir die Idee. Ist ja nicht nur so, dass ich wahnsinnig viel Zeit in FB verbracht habe – ohne wirklich produktiv oder kreativ zu sein. Und der Overkill an Informationen über und von Menschen reicht mir jetzt – ich bin satt.

Außerdem glaube ich, dass ich meine Selbstdarstellung, Produktivität und Kreativität mit den anderen Web-Tools (Blog/Wordpress, flickr, Instagram, Twitter, Reeder…) besser organisieren kann.

Und wegen dir, Fabian. Das nur nebenbei. Aber das erkläre ich dir noch, wenn wir im Laufe der nächsten Woche im nächsten Jahr noch mal auf den Golfplatz Königstein gehen.

Und nein, kein Datenschützer-Kreuzzug – viel einfacher. Ich will es einfacher. Das muss doch gehen.

Und immer findet man dann jemand, der „es“ schon getan hat.

Kann sein, dass ich wiederkomme. Unter anderem Namen, einfacher gehalten, zurückhaltender in der Angabe von Daten. Ich werde Leute vermissen, aber naja, vielleicht auch nicht.

Aber ich brauche momentan Zeit für mich, für uns.

PS: Dieser Artikel entstand vor genau vier Wochen. Seitdem lag er auf Halde. Gestern habe ich dann die Deaktivierung durchgeführt. Plöp. So geht das. Stecker draußen.

Der letzte persönliche Blogeintrag oder #katzenhimmel

Ich glaube, persönliche Blogeinträge sind wirklich nicht nötig. Daher mein letzter. Schluss mit dem Geseier.

Schickte gestern ein schönes Foto, entstanden während ich den Kühlschrank putzte, von Marie in die Twitterwelt, welches @martinkurz netterweise in seine (viel größere) Sphäre retweetete. So unwirklich, wie diese ganze Welt hier ist, so schön fand ich das. Für Marie.

Und das Netz mag ja Katzen.

Heute Abend ruft mich meine Frau auf dem Elternsprechabend im Büro an und berichtet, dass Marie vor dem Haus überfahren wurde und beim Tierarzt gestorben ist.

Nun haben wir sie hinter dem Haus begraben. Und ich kann muss in Ruhe meine Schulaufgabe fertig korrigieren.


Solche Tage brauche ich nicht. Also lasst mich alle in Ruhe, ich euch auch.