30 Tage #22 #2022-07-26

Mit dem Auto zur Schule, weil ich danach direkt nach Lauf musste, um mich mit dem Vereinsvorstand des Fischereivereins zu treffen, um den anstehenden Fischerkurs zu besprechen. Außerdem Leergut im Auto, weil das Radler aus ist, und ich ein paar Sachen vom Obi brauchte.

Vormittags in der Schule hauptsächlich Zeugnisse zu unterschreiben, letzte Bemerkungen lesen, Videokonferenz zum Thema „Brückenklassen“, Telefonate mit Nachbarschulleiter, Schulaufsicht, Landesamt, weiter Personalfragen bearbeitet, Ablagen aufgeräumt, unzählige Emails geschrieben.

Nachmittags dann raus, nach Lauf. Beim „neuen“ Vorstand den Kurs besprochen und dann auf seinen Beruf gekommen. Hier wieder viel spannend Neues kennengelernt. Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Bezeichnung (Formenbauer?), aber hier entwirft jemand Gussformen (er nennt sie immer Werkzeuge) auf CAD am Computer, z.B. für Abdeckungen von Mittelkonsolen, Armaturenbretter in Autos – und das ist schon extrem verkürzt. Dabei wieder viel erfahren, wie Firmen arbeiten und welche Lieferketten es da gibt.

Beim Obi Pflanzzeug für den Balkon besorgt, wollte auch Stuhl und Tisch für Balkon suchen, aber scheinbar ist die Außenmöbelausstellung dort nur für das Eigenheim gedacht. Vielleicht muss ich da noch mal zu Ikea.

Morgens Panino mit Quark und Marmelade, vormittags zwei Handvoll Studentenfutter, zwei kleine Eise von unterschiedlichen Menschen vorbeigebracht bekommen, mittags von der Tanke ein belegtes Brötchen, beim Obi tapfer an der Wurstbude vorbei, ohne zu bestellen, abends CousCous-Salat mit roten Linsen, Frikadellen und Bier. Überrascht festgestellt, dass kein Eis mehr in der Tiefkühle. Aber Radler ist wieder da.

Abends Fernsehen. Eine Folge „Resident Evil“. Dann mal in „Die Gray Men“ geschaut – scheint eine Fortsetzung von Avengers in 007-Format zu sein.

Facetime mit dem Land sehr spät. Allein eingeschlafen mit offenem Fenster und Ohrenstöpseln.

Fortsetzung einer Instareihe: Kochen mit Bierbegleitung (es begleitet mich, nicht das Essen)

Blick in einen von mehreren Gängen mit fränkischen und oberpfälzer Bieren beim Getränkehändler des Vertrauens.

Heute u.a. für dunkles Radler aus der Oberpfalz entschieden.

Da fehlt noch was, aber Kräuter sind jetzt da.

14 Jahre Schulleiter: öffentlich reden

Anlass: Zeugnisübergabe an AbschlussschülerInnen

Ort: Turnhalle der Schule

Zeit: nach 16 Uhr, Dauer: etwa 12 Minuten

Vorbereitungszeit: Erste Variante am Dienstag, also drei Tage vorher, aufgeschrieben – aber es fehlt etwas drin. Zweite Variante mit neuem Gedanken erst am Vortag entwickelt.

Empfinden: Hat nicht so gezogen, die Überleitungen passten nicht, zu wenig Zeit gehabt, daran zu schleifen. Unzufrieden wie selten.

Originalmanuskript – das Zitat am Ende war nur dem Gefühl geschuldet, was ich eigentlich rüberbringen wollte. Habs nicht vorgelesen.

Ah, ist das nicht schön? Endlich wieder alles normal. Endlich.

Endlich wieder normal.

Oh, so schön, alles normal, ganz normal.

Normal.

Ich denke mir immer, wenn in letzter Zeit dieser Satz kommt, dass er eigentlich bedeutet: Endlich wieder normal – also endlich wieder alles wie vorher – oder schlimmer: wie früher.

Früher, als alles noch normal war. Ach wie schön.

Am Anfang meines Sozialkundeunterrichts lernen die Schüler Adolf Portmann kennen, einen Biologen und Anthropologen – also jemanden, der die Entwicklung des Menschen erforscht.

Er sagte mal, dass der Mensch eigentlich eine Frühgeburt ist. Er stellte provokativ fest, dass der Mensch erst ein Jahr nach der Geburt ungefähr den Entwicklungsstand erreicht hat, den ein Elefantenbaby schon direkt nach der Geburt zeigt. Also z.B. die Laute der Artgenossen verstehen, selbständig fressen und gehen können.

Für das Elefantenbaby ist das alles normal.

Stattdessen der Mensch: Wird geboren und schreit. Nix ist normal.

Der Mensch muss das alles lernen, oft mühsam – weil es nicht normal ist für ihn.

Manche Forscher betrachten das eigentlich als die Stärke oder besser ein grundlegender Antrieb für den Menschen, der ihn antreibt.

Oberflächlich gesehen, scheint dies ein Nachteil zu sein, dennoch hat sich der Mensch durchgesetzt – weil es nämlich auch ein Vorteil ist: Er kann nämlich lernen und sich anpassen, an das, was nicht so normal ist. Und so kann er überall leben: Im Wasser, auf Land, auf dem Mond – er kann in sehr heißen Regionen und sehr kalten überleben.

Was wenn der Mensch oder seine Vorfahren irgendwann gesagt hätten: Puh, ist das komisch, so unnormal, ich will, dass es wieder normal ist – so wie früher?

Aber was sagen Sie mal ganz grundsätzlich, was normal ist.

Anzunehmende Antworten:

  • das, was die Mehrheit der Menschen in meinem Umfeld für angemessen halten, im Verhalten, im Äußeren oder auch der Sprache, die verwendet wird
  • Das nennt man dann gern eine „Norm“ und dann sind wir gleich beim Normalen

Wir reden im Alltag eigentlich dann erst von normal, wenn etwas abweicht von dem, was wir normal nennen.

Was sagt man nicht vor allem Kindern:

  • Jetzt rede doch endlich normal.
  • Setz doch mal normal hin.
  • Kannst du nicht wie ein normaler Mensch essen?
  • Sei doch einfach mal normal. (Sehr verzweifelt.)

Was meint da normal?

Sei doch mal wie ich!!

Und das ist doch seltsam: Das Normale entsteht erst durch sein Gegenteil. Normal kann man nur etwas nennen, wenn es ein nicht Normales als Gegenüber gibt.

Und scheinbar überwiegt das Nicht-Normale.

Das Nicht Normale scheint also genau so normal zu sein wie das Normale?

Ich will es nicht in die Länge ziehen.

Ihr AbschlussschülerInnen geht heute aus dem Schulhaus und lasst etwas Normales hinter euch – vor euch wird etwas liegen, was, von heute aus gesehen, absolut nicht normal ist, aber werden wird.

Und dann werdet ihr neue Schritte gehen. Ich hoffe für euch, dass ihr das Nicht-Normale begrüßt.

Und mehr noch, dass ihr das Verrückte akzeptiert, und die Verrückten gleich mit, die Bekloppten, von denen man sagt, dass etwas nicht mit ihnen stimmt.

Vor allem hoffe ich, dass ihr niemals Sachen deswegen NICHT macht, weil jemand sagt: Das ist doch nicht normal. Bist du bescheuert?

Sondern dass ihr dann breit lächelnd antwortet: Ja, und?

„…und ich schlurfte ihnen hinterher, wie ich das mein ganzes Leben lang bei Menschen getan habe , die mich interessieren, denn die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden, die alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern die brennen, brennen, brennen, wie römische Lichter in der Nacht.“

Jack Kerouac, On The Road

30 Tage #21 #2022-07-25

Bis zum Wecker geschafft, trotz hoher Temperaturen in der Wohnung. Fenster waren offen und in meinen Ohren Ohropax, dennoch verschwitzt und müde.

Mit dem Rad zur Schule, auch dort verschwitzt angekommen. Blöd, denn der Tag sollte lang werden, weil Notenkonferenzen anstanden.

Der ohnehin verkürzte Vormittag war gefüllt mit Vorbesprechungen zu den Klassenkonferenzen, ein paar Telefonaten, um eine Personalsache zu regeln, einem Bewerbergespräch. Danach Klassenkonferenzen und am Ende Gesamtkonferenz. Irgendwann um 17:30 Uhr das Schulhaus verlassen.

Morgens wieder auf „Softpanini“ mit Quark und Marmelade umgestiegen. Butterbrote in der Schule, Breze geschenkt bekommen, am Ende noch aus Höflichkeit von den noch vorhandenen Patenaden und Quarks genascht, die in der Lehrerküche für einen Abschied bereitstanden. Überfüttert dann auf dem Rad gesessen. Abends noch einen Beutel Tomatensuppe aufgemacht, die seit meinem Lockdown vor zwei Monaten noch im Kühlschrank lag – war eine Flink Hausmarke und ziemlich gut. Den Kühlschrank noch weiter abgesucht und entdeckt, dass ich noch ein Schanzenbräu Rotbier Radler alkoholfrei dort verstaut hatte. Mich gefreut, weil ich dachte, Radler wäre aus. Der Geschmack war eher naja. Das Rote von Schanzenbräu mag ich, aber als Alkoholfreies nicht mein Fall, auch nicht gut durchgekühlt.

Spät am Abend noch Facetime mit dem Land, bisschen die Ferien geplant, allein eingeschlafen.

Manche Tage sind halt so. Freizeit kam dann noch. Pause nicht mehr.

30 Tage #20 #2022-07-24

Morgens bis 7:24 Uhr geschafft. Die Mitschläferin hatte schon früher Balkontür und Fenster im Wohnzimmer geöffnet, als sie kurz unterwegs war. Trotzdem dauerte es, bis die Wohnung einigermaßen gelüftet war. Dann den richtigen Zeitpunkt verpasst und es war schon wieder zu warm.

Gostenhof war sehr ruhig, wie immer am Sonntagmorgen. Ein Gegenstück zum Samstagabend und der Nacht, wenn die aufgemotzten Autos durch die Straße jagen, Menschen in den DATEV-Gärten viel zu laut reden oder an den Ecken stehen und diskutieren. Blaulicht diesmal weniger im Viertel.

Es war ruhig.

Frühstück daheim mit allem drum und dran. Aber schon da entwickelte sich eine Verstimmtheit zwischen uns, die ich mir bis nachmittags nicht erklären konnte. Und die gegenüber auch nicht. Am Abend, als das Land schon wieder zuhause war, festgestellt, dass wir für solche Situationen noch keine Sprache gefunden haben, noch keine Worte und kein Umgang miteinander.

Abends das vorletzte Glas sugo di carne geöffnet und mit Penne und Parmesan verspeist. Eis am Stiel. Drei Radler, die letzten der Kiste.

Aufgrund der ungeklärten Situation sehr viel Stille an dem Tag. Nachmittags, als sie heimgefahren war, über den Balkon hergemacht. Als ich einzog, gab es die Balkontür, aber keinen Balkon, der erst im Oktober kam. Dann war es zu ungemütlich dort zu sitzen. Bis Mai dachte ich schon wieder umgezogen zu sein, aber manchmal funktioniert das Leben eben nicht einfach so. Dann kam der Sommer. Dann wurde es zu warm. Und naja.

Jedenfalls hatte ich gestern mal genug vom Warten und habe den Balkon aufgeräumt, vom Laub befreit, gefegt, einen Hocker hingestellt, damit ich mein Radler nicht immer halten muss beim Lesen. Einen Einkaufszettel für Obi gemacht, um meine Kräuterdreifaltigkeit wieder griffbereit zu haben (Salbei, Thymian, Rosmarin). Außerdem müssen Pflanzen umgetopft werden. Und aus lauter Trotz dann rausgesetzt, Radler getrunken und gelesen. Und es war dennoch zu warm.

Wäsche gemacht, ein bisschen den Besitz sortiert und nicht immer für aufhebenswert erachtet. Abgelaufene Lebensmittel mit Bart aus dem Kühlschrank entfernt.

Ich habe erst in letzter Zeit mein Einkaufen auf meine An- und Abwesenheit in der Wohnung eingestellt, aber so ganz noch nicht. Meine Challenge, mich aus dem Vorrat zu ernähren, klappt gut, die Tiefkühle ist sehr entspannt geworden, die Speis‘ im Regal auch.

Richtig kochen wäre mal wieder was. Dazu hatte ich mir ein Buch neu bestellt, welches ich beim Umzug jemand anderem überlassen habe: „Jerusalem“ von Ottolenghi. Dazu im Antiquariat besorgt ein Tim Mälzer Kochbuch („Meine Küche“). Beides abends grob studiert, Lust bekommen, auf Kochen.

Abends beim Fensteröffnen kam die Freundin aus der Nachbarschaft mit Partner und Hund zufällig vorbei. Also noch ein wenig aus dem Fenster geschnackt.

Keine Fotos, da daheim geblieben. Vielleicht ist ein Screenshot aus Instagram erlaubt.

30 Tage #19 #2022-07-23

Samstag: Pünktlich vor 6 wachgeworden, nicht allein gewesen, daher liegengeblieben, aber nicht schlafen können. Ins Nachbarzimmer gegangen, Fenster geöffnet überall, zum Lesen auf das Sofa gelegt bis das Land wach wurde.

Frühstücken gegangen, es regnete, dann wieder nicht, dann wieder stärker. Im Balazzo war zu Beginn nicht viel los, das Frühstück dauert bis es am Tisch war, aber es war gut. Gegen Mittag wurde es voller, lauter und wir flohen in die Schwüle nach draußen. Ein Spaziergang nach und durch Johannis, Besuch des dortigen Friedhofs bis zum Grab von Albrecht Dürer und mehr.

Dann in einem großen Bogen wieder heim in die einigermaßen kühle Wohnung. Die erst verlassen, als es wieder wirklich kühler war und beim Libanesen um die Ecke zu Abend gegessen (Schawarma und Kubbeh).

Danach wieder mal Gönnung im Eis im Glück in der Fürther Straße.

Es war zu warm für alles, auch wegen des Spazierengehens in praller Sonne, im Regen und Inder Schwüle. Noch ein Film und dann ins Bett. Nicht allein eingeschlafen.

Ein Tag mit Essen, Gehen und Liegen