30 Tage #25 #2022-07-29

Mit dem Auto vom Land in die Stadt. Etwas später, wie immer in dem Zusammenhang.

Schule: Morgens nur kleines Zeitfenster zur Endkonferenz. Viele kleine Abschiede schon. Eine wie immer zu persönliche Endjahresrede im Kollegium gehalten, organisatorische Sachen geklärt, Verabschiedungen, bei denen mir die Personal-Schwierigkeiten im Jahr wieder vor Augen geführt wurden. Schluss.

Nachmittags sehr müde geworden, trotz ausreichend Schlaf in der Nacht. Hingelegt und hinterher zerschlagen gefühlt, körperlich und mental. Hatte ich so auch schon lange nicht mehr.

Die Sitzung morgens auf dem Balkon beim Schreiben ist seltsam: Die Bäume verlieren bei kleinen Windstößen große Mengen Blätter. Einzelne der alten Bäume im Hinterhof sind schon im Herbstmodus. Der Boden ist stellenweise herbstlich. Ich denke, es ist die Hitze, kann mich nicht erinnern, dass es letztes Jahr hier schon so ausgesehen hat.

Morgens nichts gegessen, Zeit war zu knapp. Breze und belegtes Brötchen mitgenommen, Breze im Auto gegessen, Brötchen in der Schule. In der Schule kamen irgendwoher Blaubeermuffins, von denen ich elendes Sodbrennen bekam. Mittags dann noch mal belegtes Brötchen daheim. Abends verabredet seit langem mit, wie ich später feststellt, den längsten Freunden aus Nürnberg im Würzhaus in Nürnberg. Feines Abendessen mit ihnen, insgesamt:

  • Beeren-Bowle zu Anfang (alkoholfrei hätte mir besser geschmeckt)
  • Zwiebelbrot mit (vergessen, Aufstrich, Joghurt, Kräuterjoghurt so halt)
  • Küchengruß Karotte-Kamille (nun gut)
  • Kalmar, Chicorée, Holunder (fein mit zunehmender Schärfe)
  • Sauerampfer Sorbet (spannend erfrischend)
  • Rind-Zuchini-Salsa Verde (Fantastisch!!11), dazu Wein
  • Erdbeere-Schokolade (dazu Wein), bzw. geteilt mit dem Land neben mir: Brie-Stachelbeere (hmmm lecker, beides)
  • Espresso Macchiato

Musste hinterher nicht zum Gemüse Kepab am Friedrich-Ebert-Platz in der Nähe. Dieser wurde mir aber vor einer Woche sehr empfohlen – also ein Termin in den Ferien!

Ferien beginnen natürlich noch nicht. Aber daran habe ich mich in den letzten 13 Jahren auch schon gewöhnt. Das neue Schuljahr beginnt am Montag, es stehen also Klassen-neu-Bildungen an, Anmeldegespräche, Schülerverteiler. Mittwoch wissen wir dann, hoffentlich, wieviele SchülerInnen wir bekommen werden. Jedenfalls so ungefähr. Ab Donnerstag kann man entspannen.

Nicht allein eingeschlafen.

30 Tage #24 #2002-07-28

Mit dem Auto, weil ich später noch aufs Land fahren möchte. Es ist überraschend und schön kühl auf dem Balkon morgens, wenig über 10 Grad. Im Verlauf des Tages aber wieder schwül.

Schule: Wandertag, d.h. sehr ruhig im Haus. Leistungsprämie Angestellte auf den Weg gebracht, Klassenbildung überdacht und neue Klasse angelegt, keine Ahnung, wie ich die mit LehrerInnen versorgen soll, aber 36 SchülerInnen in einer Klasse sind einfach nicht drin, sehr viele Sitzenbleiber (wenig überraschend), endgültige Entscheidungen auf nächste Woche verschoben, wir haben deutlich über 40 Voranmeldungen, werden also entgegen der Statistik des KM, die für mich gleichbedeutend mit geringsten Stellenzuweisungen war, deutlich überschreiten, Absprachen zu den Willkommensklassen im kommenden Jahr, Personalgespräche, Notizen zur Endkonferenz.

Die Unterrichtsplanung für das kommende Jahr ist zu einem großen Teil völlig unklar.

Morgens nichts, sondern den Nachtisch, den ich am Abend vorher nicht mehr schaffte (sic!), als Frühstück mit in die Schule genommen (Himbeeren, Vanille-Joghurt, Schoko-Crunchy-Müsli), auf der Fahrt aufs Land dann Mittagessen vom Discounter, abends das Hühnchen auf Kardamomreis zu zweit gekocht – und es war der Hammer – alle am Tisch haben davon gegessen und nur eine wollte Ketchup zum Huhn. Danach große Portion Eis mit Sahne für alle. Wieder sehr satt ins Bett. Ein Radler, wieder im Pool, eins zum Abendessen.

Bisschen sehr grüblerisch weiterhin. Gibt ein paar Trigger-Momente aktuell, die mich an schwierige Zeiten erinnern. Ansonsten gut drauf. Abends nicht allein eingeschlafen.

Herr Mess hat in seinem Blog einen wahnsinnig guten und treffenden Blogeintrag geschrieben über seine Endjahresstimmung, die wohl die aller LehrerInnen beschreibt, bei dem man sich ärgern kann, dass man den nicht selbst verfasst hat. Nein, nicht wirklich. Man freut sich aber eher, dass es jemand auf den Punkt gebracht hat.

Mittagessen für Sieger
Abends deutlich besser.

30 Tage #23 #2022-07-27

Auto, weil ich am Nachmittag noch in den Biergarten wollte mit dem Stellvertreter, um in Ruhe ein paar Dinge zu bereden – und zu schmaazn, wie er so gern sagt. Immer wieder gelobt also: Der Brückkanal-Biergarten nahe Feucht. Außerdem will ich abends zu Ikea.

Schule: Personalplanung, unangenehme Gespräche (also von meinem Gefühl her), mehrere, KM Telefonate zwei, weitere Zeugnisse unterschreiben, Unterrichtsbesuch bei einer ehemaligen Schülerin, die ihre Ausbildung an einer internationalen Schule in Mostar nach dem Realschulabschluss vorstellt (spannend), im Gespräch mir von der Schulhündin erzählen lassen, die nach Corona (Probleme mit Masken und dem Lockdown) wieder auf einem guten Stand ist (sehr schön, auch weil die Kollegin so bewegt und fröhlich davon erzählte).Viel war heute auch schön, erleichternd vielleicht – kurze Gespräche mit neuen KollegInnen darüber, wie sie sich eingelebt haben. Anderes nicht. Es stehen weitere Gespräche an, die nicht angenehm sein werden.

Morgens Panino mit Quark und Marmelade, in der Schule ein Brötchen mit Schinken und Käse, nachmittags Schäufele und drei Radler, abends Brötchen mit Schinken Käse, der Rest CousCous Salat von gestern. Recht satt ins Bett.

In den Gesprächen mit den neuen KollegInnen Beschreibungen bekommen, die gut klingen: Einmal der Hinweis, dass die Wege zur Schulleitung bei uns ungewöhnlich kurz sind und ebenso kurz die Konferenzen. Dass die SchülerInnen vielleicht fordernder, aber auch herzlicher sind. Dass das Kollegium ungemein unterstützend ist und neue KollegInnen sehr gut aufnimmt.

Und da wir dabei sind, und weil es mich besonders gefreut hat, so ganz persönlich: Neulich berichtete mir eine Kollegin (ich gebe es sehr verkürzt wieder), dass ein externer Partner im Gespräch mit einigen der KollegInnen festgestellt hat, dass man an unserer Schule wenig Angst vor Fehlern hat, bzw. umgekehrt die Fehlertoleranz der Schulleitung auffallend hoch ist. (Habe ich das so richtig wiedergegeben?).

Letzteres freut mich, weil ich damit für mich selbst zum ersten Mal feststelle, dass etwas, das ich mir als Schulleiter als Ziel gesetzt habe, angekommen ist. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, mit meinen eigenen Fehlern besser umzugehen.

Am Abend noch „The Gray Men“ zu Ende geschaut. Nichts mehr lesen können. Ich hoffe (beabsichtige), in der kommenden Woche zur Ruhe zu kommen. Fahrrad aus der Küche in den Keller geschafft. Am Wochenende Besuch.

Rezept rausgesucht für Donnerstag: Hähnchen mit karamellisierten Zwiebeln und Kardamomreis – mal sehen, ob es allen am Tisch schmecken wird.

Abends Facetime mit dem Land, allein eingeschlafen.

War bei Ikea, einen Tisch für den Balkon besorgen. Und damit gehen herzliche Grüße raus an @kaltmamsell

Das im Hinterhof lebende Eichhorn ist schon wieder ganz geschäftig.

Aktuell schön kühl am Morgen und recht ruhig. Sehr nachdenklich heute morgen, habe den Kern dessen noch nicht gefunden. Heute ist Donnerstag.

30 Tage #22 #2022-07-26

Mit dem Auto zur Schule, weil ich danach direkt nach Lauf musste, um mich mit dem Vereinsvorstand des Fischereivereins zu treffen, um den anstehenden Fischerkurs zu besprechen. Außerdem Leergut im Auto, weil das Radler aus ist, und ich ein paar Sachen vom Obi brauchte.

Vormittags in der Schule hauptsächlich Zeugnisse zu unterschreiben, letzte Bemerkungen lesen, Videokonferenz zum Thema „Brückenklassen“, Telefonate mit Nachbarschulleiter, Schulaufsicht, Landesamt, weiter Personalfragen bearbeitet, Ablagen aufgeräumt, unzählige Emails geschrieben.

Nachmittags dann raus, nach Lauf. Beim „neuen“ Vorstand den Kurs besprochen und dann auf seinen Beruf gekommen. Hier wieder viel spannend Neues kennengelernt. Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Bezeichnung (Formenbauer?), aber hier entwirft jemand Gussformen (er nennt sie immer Werkzeuge) auf CAD am Computer, z.B. für Abdeckungen von Mittelkonsolen, Armaturenbretter in Autos – und das ist schon extrem verkürzt. Dabei wieder viel erfahren, wie Firmen arbeiten und welche Lieferketten es da gibt.

Beim Obi Pflanzzeug für den Balkon besorgt, wollte auch Stuhl und Tisch für Balkon suchen, aber scheinbar ist die Außenmöbelausstellung dort nur für das Eigenheim gedacht. Vielleicht muss ich da noch mal zu Ikea.

Morgens Panino mit Quark und Marmelade, vormittags zwei Handvoll Studentenfutter, zwei kleine Eise von unterschiedlichen Menschen vorbeigebracht bekommen, mittags von der Tanke ein belegtes Brötchen, beim Obi tapfer an der Wurstbude vorbei, ohne zu bestellen, abends CousCous-Salat mit roten Linsen, Frikadellen und Bier. Überrascht festgestellt, dass kein Eis mehr in der Tiefkühle. Aber Radler ist wieder da.

Abends Fernsehen. Eine Folge „Resident Evil“. Dann mal in „Die Gray Men“ geschaut – scheint eine Fortsetzung von Avengers in 007-Format zu sein.

Facetime mit dem Land sehr spät. Allein eingeschlafen mit offenem Fenster und Ohrenstöpseln.

Fortsetzung einer Instareihe: Kochen mit Bierbegleitung (es begleitet mich, nicht das Essen)

Blick in einen von mehreren Gängen mit fränkischen und oberpfälzer Bieren beim Getränkehändler des Vertrauens.

Heute u.a. für dunkles Radler aus der Oberpfalz entschieden.

Da fehlt noch was, aber Kräuter sind jetzt da.

14 Jahre Schulleiter: öffentlich reden

Anlass: Zeugnisübergabe an AbschlussschülerInnen

Ort: Turnhalle der Schule

Zeit: nach 16 Uhr, Dauer: etwa 12 Minuten

Vorbereitungszeit: Erste Variante am Dienstag, also drei Tage vorher, aufgeschrieben – aber es fehlt etwas drin. Zweite Variante mit neuem Gedanken erst am Vortag entwickelt.

Empfinden: Hat nicht so gezogen, die Überleitungen passten nicht, zu wenig Zeit gehabt, daran zu schleifen. Unzufrieden wie selten.

Originalmanuskript – das Zitat am Ende war nur dem Gefühl geschuldet, was ich eigentlich rüberbringen wollte. Habs nicht vorgelesen.

Ah, ist das nicht schön? Endlich wieder alles normal. Endlich.

Endlich wieder normal.

Oh, so schön, alles normal, ganz normal.

Normal.

Ich denke mir immer, wenn in letzter Zeit dieser Satz kommt, dass er eigentlich bedeutet: Endlich wieder normal – also endlich wieder alles wie vorher – oder schlimmer: wie früher.

Früher, als alles noch normal war. Ach wie schön.

Am Anfang meines Sozialkundeunterrichts lernen die Schüler Adolf Portmann kennen, einen Biologen und Anthropologen – also jemanden, der die Entwicklung des Menschen erforscht.

Er sagte mal, dass der Mensch eigentlich eine Frühgeburt ist. Er stellte provokativ fest, dass der Mensch erst ein Jahr nach der Geburt ungefähr den Entwicklungsstand erreicht hat, den ein Elefantenbaby schon direkt nach der Geburt zeigt. Also z.B. die Laute der Artgenossen verstehen, selbständig fressen und gehen können.

Für das Elefantenbaby ist das alles normal.

Stattdessen der Mensch: Wird geboren und schreit. Nix ist normal.

Der Mensch muss das alles lernen, oft mühsam – weil es nicht normal ist für ihn.

Manche Forscher betrachten das eigentlich als die Stärke oder besser ein grundlegender Antrieb für den Menschen, der ihn antreibt.

Oberflächlich gesehen, scheint dies ein Nachteil zu sein, dennoch hat sich der Mensch durchgesetzt – weil es nämlich auch ein Vorteil ist: Er kann nämlich lernen und sich anpassen, an das, was nicht so normal ist. Und so kann er überall leben: Im Wasser, auf Land, auf dem Mond – er kann in sehr heißen Regionen und sehr kalten überleben.

Was wenn der Mensch oder seine Vorfahren irgendwann gesagt hätten: Puh, ist das komisch, so unnormal, ich will, dass es wieder normal ist – so wie früher?

Aber was sagen Sie mal ganz grundsätzlich, was normal ist.

Anzunehmende Antworten:

  • das, was die Mehrheit der Menschen in meinem Umfeld für angemessen halten, im Verhalten, im Äußeren oder auch der Sprache, die verwendet wird
  • Das nennt man dann gern eine „Norm“ und dann sind wir gleich beim Normalen

Wir reden im Alltag eigentlich dann erst von normal, wenn etwas abweicht von dem, was wir normal nennen.

Was sagt man nicht vor allem Kindern:

  • Jetzt rede doch endlich normal.
  • Setz doch mal normal hin.
  • Kannst du nicht wie ein normaler Mensch essen?
  • Sei doch einfach mal normal. (Sehr verzweifelt.)

Was meint da normal?

Sei doch mal wie ich!!

Und das ist doch seltsam: Das Normale entsteht erst durch sein Gegenteil. Normal kann man nur etwas nennen, wenn es ein nicht Normales als Gegenüber gibt.

Und scheinbar überwiegt das Nicht-Normale.

Das Nicht Normale scheint also genau so normal zu sein wie das Normale?

Ich will es nicht in die Länge ziehen.

Ihr AbschlussschülerInnen geht heute aus dem Schulhaus und lasst etwas Normales hinter euch – vor euch wird etwas liegen, was, von heute aus gesehen, absolut nicht normal ist, aber werden wird.

Und dann werdet ihr neue Schritte gehen. Ich hoffe für euch, dass ihr das Nicht-Normale begrüßt.

Und mehr noch, dass ihr das Verrückte akzeptiert, und die Verrückten gleich mit, die Bekloppten, von denen man sagt, dass etwas nicht mit ihnen stimmt.

Vor allem hoffe ich, dass ihr niemals Sachen deswegen NICHT macht, weil jemand sagt: Das ist doch nicht normal. Bist du bescheuert?

Sondern dass ihr dann breit lächelnd antwortet: Ja, und?

„…und ich schlurfte ihnen hinterher, wie ich das mein ganzes Leben lang bei Menschen getan habe , die mich interessieren, denn die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden, die alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern die brennen, brennen, brennen, wie römische Lichter in der Nacht.“

Jack Kerouac, On The Road