Judith Hermann. Daheim

Ich habe mal vor Jahren „Sommerhaus später“ angefangen, bin aber nicht reingekommen. „Daheim“ dagegen hat mich gepackt, dabei hatte ich eine spezielle Absicht – ich habe die Idee wieder etwas zu lernen, eine Sprache.

Klingt für mich selbst wie eine Schnapsidee, denn erstens war ich nie gut im Sprachenlernen, zweitens bin ich fast 56 und drittens habe ich mir Tschechisch ausgesucht.

Von meinem Großvater erzählt man, dass er, der Volksschullehrer aus Schlesien, nach der Pensionierung angefangen hat Sprachen zu lernen. Erst Latein, dann Schwedisch und schließlich Spanisch. Ich habe ihn nie wirklich erlebt, weiß nicht, wie gut er diese Sachen beherrschte. Man erzählte weiterhin, dass er mindestens bei einer Sprache die Bibel benutzte, eben in jener Sprache, die er lernte. Im Vergleich der deutschen und fremdsprachlichen Bibel lernte er. Ich konstruiere mir, dass er damit Latein lernte. Ich weiß, dass untere seiner „Erbschaft“ eine deutsche Ausgabe von Selma Lagerlöfs „Nils Holgersson“ lag – vielleicht diente das dem Schwedischen. Vom Spanischen blieb nichts – scheinbar.

Dieses Lernen mit einem Buch ist eine fixe Idee von mir. Der erste tschechische Autor, den ich bewusst gelesen habe, war Milan Kundera und seine „Leichtigkeit des Seins“, irgendwann in den 80ern. Jetzt erschien es mir, ohne dass ich reingelesen habe, zu schwer, zu anspruchsvoll in der Sprache. Besorgt habe ich mir dann Vaclav Havel „Briefe an Olga“ und reingelesen. Sehr eindrucksvoll, sehr deprimierend an manchen Stellen. Vielleicht aber auch anspruchsvoll, also von der Sprachebene her.

Schließlich habe ich Judith Hermanns „Daheim“ gefunden als deutsche Autorin, die ins Tschechische übersetzt wurde – auf der Seite des Gothe-Instituts Tschechien.

Noch bevor ich fertig mit Lesen war, versuchte ich die tschechische Ausgabe zu bestellen, was aber schwierig war. Mit Glück und Unterstützung werde ich eine Ausgabe im August/September bekommen.

Warum tschechisch? Weil meine (neue) Schule Kontakte nach Tschechien hat. Weil ich deswegen und aus steigendem Interesse in den letzten zwei Schuljahren fast zehn Ausflüge nach Tschechien gemacht habe, davon drei Mal in Prag war (ich war vorher mit der Schule auf Abifahrt 1987 in Prag – meine Erinnerungen und die heutige Realität waren ein enormer Kontrast).

Ich frage mich jetzt, ernsthaft, wie man eigentlich lernt. Dazu noch eine Sprache.

Ist als Schulleiter vielleicht mal eine spannende Frage.

Judith Hermann kann man übrigens lesen.

3 Antworten auf „Judith Hermann. Daheim“

  1. Das finde ich schon sehr seltsam, so Tschechisch zu lernen. Aber seltsam ist gut, und ich habe hohen Respekt vor seltsam und freue mich, Seltsamkeit zu begegnen. Und es klingt nach einer schönen Methode.

    1. Ich finde vor allem Tschechisch eine seltsame Sprache :D. Ich dachte auch, das wäre eine der vielen „Opa-Geschichten“, aber ich habe mal im Internet nachgeschlagen und bei Reddit doch einige Stories dazu gefunden. Dort wurde sehr oft Harry Potter empfohlen, womit ich aber noch nie was anfangen konnte.
      Und aber ja, nebenbei muss ein Wörterbuch her und eine Grammatik. Eine Art Vokabelheft.
      Jedenfalls scheint der Weg doch auch für andere möglich. Ich bin gespannt.
      Wie gesagt, mir ist noch nicht ganz klar, wie ich das genau mache – aber bald sind ja Ferien und ich muss zum Glück nicht bei der Ernte helfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert