Öffentlich reden als Schulleiter: Salz des Lebens

Datum: 25.07.2025

Anlass: Abschlussfeier Realschule (zweite Rede an der neuen Schule)

Ort: Aula II

Vorlauf: Die Kollegin, die den Schulgottesdienst organisierte, fragte kurz vorher, ob wir ein gemeinsames Thema festlegen wollen, um Gottesdienst und Abschlussfeier zu verbinden. Ich dachte an was Biblisches – Gottesdienst und so – und schlug die Sache mit dem Salz des Lebens vor. (Bergpredigt und so) Später sagte man mir, dass es auch etwas Weltlicheres hätte sein können.

Ich habe lange nichts aufgeschrieben, die Wochen waren stressig, privat und schulisch. Ich schlief schlecht, die vorletzte Nacht vor der Feier wachte ich nachts um halb drei auf und setzte mich an den Schreibtisch und tippte das auf, was ich bis dahin im Kopf hatte und es sah ganz gut aus.

Am Abend vor der Feier zeigte ich das Manuskript jemandem und sie gab einige Tipps, ich baute um und versuchte den Roten Faden zu stärken.

Auf der Feier selbst habe ich noch etwas improvisiert, um meinen Gedanken zu schärfen, den ich vorbringen wollte. Weiß nicht, ob es geklappt hat – ich lasse das hier weg.

Ablauf: War zufrieden, weil ich mich einigermaßen logisch fand, die Einzelteil zusammen passten. War aber letztlich übermüdet. Und ich kann einfach nicht vom Blatt ablesen. Ich muss frei sprechen. Und dann wird es manchmal gefühlt zerfasert.

Manuskript

„Ihr seid das Salz der Erde“ – Abschlussrede 2025

In der Bergpredigt taucht an einer Stelle die Rede auf davon, dass die Menschen und speziell die Jünger das Salz der Erde sein sollen.

Ich bin kein sehr kluger Bibelerklärer, aber ich weiß, dass der Sinn war, dass die Botschaft der Bergpredigt weitergetragen soll, unter die Menschen, als Salz eben, als wichtiger „Stoff“. Die Botschaft vom Himmelreich.

Das Motiv vom Salz ist ein sehr altes Motiv. Salz, so weiß man, ist ein wichtiges Mineral, um Speisen haltbar und genießbar zu machen. Salz war im Mittelalter sehr wertvoll und wurde teuer gehandelt, es gab Steuern darauf. Es war etwas Besonderes.

Aber was hat es uns heute zu sagen?

Das Bild funktioniert doch so nicht mehr. Wir müssen keine Speisen mit Salz haltbar machen, es gibt so viele andere Möglichkeiten: Einfrieren, einkochen, vakuumieren, trocknen usw. Salz hat nicht mehr diesen Wert.

Und um Botschaften zu verbreiten, gibt es heute auch viel mehr Möglichkeiten als auf einem Berg zu sprechen: Facebook, TikTok, Insta, Snapchat usw. Algorithmen, KI und dahinter immer mächtiger werdende Wirtschaftsunternehmen. Sie geben uns unermesslich viele Botschaften von ihrem Himmelreich in ultrakurzer Zeit, formen so unser Bild von der Welt und lassen uns am Ende allein damit.

Ihr habt ebenso chatgpt benutzt, um Referate vorzubereiten oder Präsentationen.

Jede Frage wird beantwortet. Jede Antwort wird gegeben.

An keiner Stelle sagte die KI „Das weiß ich jetzt nicht.“ Oder: „Lass mich bitte darüber nachdenken, bevor ich eine Antwort gebe.“

Ihr bekommt auf jede Frage eine Antwort und diese ist immer freundlich und perfekt.

Aber ihr seid es nicht – und ich fürchte niemand von uns in diesem Raum.

Wie werden wir damit fertig? Und was bleibt dann noch für euch – für jeden Einzelnen von uns?

Ich bin vor ein paar Tagen, als ich noch keine genaue Ahnung hatte, was ich hier genau sagen soll, beim Gang durchs Gebäude von zwei Schülerinnen angesprochen worden, ob ich auf ihrem Abschluss-T-Shirt unterschreiben möchte. Ich tat es unter der Bedingung, dass sie sich mit mir hinsetzen und kurz reden. Ich wollte sie danach fragen, was ich hier sagen soll.

Ich fragte sie also, was sie vorhaben nach der Schule. Ich fragte sie danach, wie es ihnen geht, wenn die Schule jetzt endet und das Neue beginnt. Ob sie Angst hätten.

In dem Gespräch, das sich entwickelte, war ich beeindruckt davon, wie klar ihre Vorstellungen waren von dem, was sie in der Zukunft vorhatten. Und in allem, was sie mir erzählten, war aber dennoch genug Raum für andere Wege, an die sie noch nicht dachten.  

Ich weiß noch, dass für mich, als ich jung war, die Aufforderung das Salz der Erde zu sein, die Aufforderung war, einen Unterschied zu machen in der Welt – durch mich selbst. Dass das Salz mein persönlicher Beitrag zu alledem sein muss.

Meine Gesprächspartnerinnen, so stellte ich zufrieden fest, waren bereit, ihren Beitrag zu geben.

Ihre Botschaft, ihr Salz.

Und sie stehen hier als Beispiel für euch alle, die ihr euren eigenen Beitrag leisten werdet.

Am Ende fragte ich, was ich denn jetzt in so einer Rede wie hier sagen soll. Die einfache und spontane Antwort am Ende berührte mich. Und dabei war sie doch so naheliegend:

Ich bin stolz auf euch.


PS: Ich habe nachts um halb drei in jener Nacht zwei Stunden am Schreibtisch gesessen und nur einen Teil der Zeit getippt. Den Rest der Zeit habe ich einfach so da gesessen und mich gefreut, bei offenem Fenster und dunkler Nacht, dass ich wieder angefangen habe, eigene Gedanken zu entwickeln. Dass ich mir bei eigenen Gedanken zuhören konnte.

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