Ich habe echt ein paar dieser Selbsthilfebücher gelesen. Feelgood Productivity, Getting things done, Zen to done, Kanban. Ich habe mich ins Bullet Journaling eingearbeitet und so gut wie jede ToDo-App ausprobiert. Und ich bin dem Mist weiterhin hintergelaufen.
Was blieb allerdings, seit 2023:
- ein Leuchtturm B5 Composition Notizbuch, die Hardcover Variante mit 219 Seiten
- in der Regel ein Lamyfüller, wechselnd mit Kaweco und Pilot 207 Gelstift
- eine eigene Variante von Bullet Journaling ergänzt um Postits
Damit fühle ich mich wohl.
Seit einiger Zeit verwende ich aber keine ToDo-App mehr – ich plane Wochen und arbeite in Tagen. Nur noch einen digitalen Kalender und die Erinnerungen von Apple – hier stehen aber so die wiederholenden Sachen: Kaffeemaschine putzen, Klo putzen, Blutdrucktablette nehmen…
Eigentlich kam das Verwerfen der ToDo-App und der ganzen Hilfebücher mit der Lektüre von Hartmut Rosas „Beschleunigung und Entfremdung“ – parallel dazu nahm ich nämlich auch Oliver Burkemans „4000 Wochen“ noch mal in die Hand und war überrascht, in diesem einen Bezug zu Rosa zu finden.
Die Grundthesen Burkemans: 1. Verabschiede dich von der Ansicht oder dem Ziel, dass du alle deine Aufgaben jemals wirklich erledigt haben wirst. Dass irgendwann mal alle ToDo-Listen leer sein werden. Und dass du dann dein ruhiges, zufriedenes Leben führen kannst. 2. Deine Lebenszeit ist begrenzt und nicht dafür gedacht, ToDo-Listen abzuarbeiten.
Daran anschließend tauchte die Frage bei mir auf, woran es denn liegt, dass ich nicht alle Aufgaben wirklich zufriedenstellend erledigen kann.
Und damit bin ich doch wieder bei Rosa. Dass das System den Menschen überfordert – oder noch schlimmer: Dass der Mensch die Überforderung durch das System so internalisiert hat, dass er ständig in einem „Muss“ lebt: Ich muss dies, ich muss das … MUSS, MUSS, MUSS.
Ich habe keine Ahnung, wie gut ich Rosa verstanden habe. Er steht auf meiner Leseliste, die mir Claude empfohlen hat, als ich um einen Wiedereinstieg in die Soziologie bat unter der Themafrage: Warum lernen Schüler heute anders als vor 30 Jahren?
Eine Antwort auf diese Frage habe ich noch nicht gefunden.

Eine Dekade Schulleitung – Respekt!
Danke übrigens für den Tipp mit dem Leuchtturm-Notizbuch, das ich jetzt auch schon im zweiten Jahr nutze.
Auf meine digitale To-do-Liste kann ich persönlich allerdings nicht verzichten. Dabei geht’s mir gar nicht so sehr darum, jemals alle Aufgaben zu erledigen (es kommen ja an manchen Tagen mehr hinzu als verschwinden), sondern darum, meinen Kopf zu entlasten. Wenn ich die Sachen, die mir mitten am Tag einfallen, nicht auslagern kann, wirbeln sie weiterhin in meinem Kopf und kosten Nachtschlaf.
Aber ich werde den Burkemann mal lesen (noch ein To-do 😀).
Oh, ich habe mich verschrieben: Es sollte heißen „Noch 10 Jahre Schulleiter…“ Bisher habe ich grad 8,5 Jahre als Schulleiter.
Und ehrlicherweise habe ich nebenbei eine digitale Liste, aber die schaue ich alle vier Wochen mal an und dann hat sich eine Menge schon erledigt. Ich schreibe sie in der Regel in mein SL-Bujo…und schaue, dass ich es hinbekomme.
Ungefragte Ergänzung: Ich schreibe auf meine Tod-do-Liste (Textdatei, kein eigenes Programm) auch Sachen, die ich gerne mal machen möchte. Das wird dann kein Müssen, weil ich mic damit abgefunden habe, dass die Liste nie abgearbeitet sein wird. Es ist also keine Bucket List, die doch wieder zur Pflicht wird, sondern eher eine Liste von Idee.
Das mache ich wirklich noch zu wenig und ärgere mich – dass ich dienstliche (fast) alles notieren, aber privat nicht…schlimm eigenltich.