2023.06.24.25 – Wochenende

Versucht auszuschlafen – am Samstag bis 6, am Sonntag bis halb acht. Kleiner Erfolg.

An den Spruch gedacht…irgendsowas aus Insta: Du arbeitest 8 und mehr Stunden am Tag für andere, wann arbeitest du für dich selbst? Daher den Samstag für mich gearbeitet: Rechnungen bezahlt, Schuhe anprobiert, Ablage gemacht, Bücher übers Brotbacken durchgeschaut, nachmittags geschlafen, Kompost fertig gebaut, in der Zeit gelesen und Bücher aufgeschrieben, die man irgendwann mal lesen kann.

Sonntag mit allem drum und dran bis 12 umgetan, Aufwachen, Liegenbleiben, Kaffee im Bett, Frühstück auf der Terrasse (Avocado mit pochierten Eiern aus dem Thermomix), rumliegen auf der Terrasse – und wer weiß, was noch kommt. Weiter Bücher über das Brotbacken durchgeschaut. Wahnsinnig guten Black-Ice-Tea mit billigsten Schwarztee-Beuteln und Zitronensaft, Agavensirup hingebaut im Coldbrew-Style. Ich werde noch lesen und dann ganz spät arbeiten. Ein wenig.

Wenn ich einen Schritt nach vorn getan habe in den letzten Jahren, dann in der Haltung, dass auch mal Pause sein muss.

Schaue auf Facebook umher, während ich das hier schreibe. Dort habe ich mich vor zwei Monaten wieder angemeldet, weil ich gehört hatte, dass ein Schulfreund gestorben war. Der einzige Kontakt zu ihm, sehr sporadisch seit 1990, lief über Facebook. Jetzt schaue ich ab und an die Postings seiner Frau und Witwe an, die jetzt beim Aufräumen immer wieder Fundstücke von, mit, über ihn postet. Alles sehr schön, begleitet von schönen Kommentaren. Besonders die Fotos, weil sie mich an diese zurückliegende Zeit auch in seinem sehr schönen Gefühlszusammenhang erinnern lassen. Ich weiß, dass es Fotos von uns beiden gibt, 1987 Kursfahrt nach Prag. Ich erinnere die Partys, die er im Keller des Reihenhauses seines Vaters initiierte. Immer viel Musik und viele Getränke. Wenn Sie sich an den Film und das Buch „High Fidelity“ erinnern – so jemand wie Rob war er, inklusive Plattenladen.

Vorderteil mit entnehmbaren Latten, hinten ein Vlies, damit nichts zum Nachbarn rüberfällt.

2023.06.23 – Müde

Erst um 23 Uhr ins Bett gekommen, gewitterreiche Nacht, um 4:17 aufgewacht, nicht mehr schlafen können. Irgendwann auf die Terrasse bis ich gefroren habe. Todmüde den ganzen Tag.

Arbeit zerfahren. Keine eigenen Aufgaben erledigt bekommen, nur reagiert. Einen Unterrichtsbesuch absolviert. Bisschen in die Englisch-Abschlussprüfung reingeschaut.

Neue Termine für die neue Schule vereinbart.

Viel geflachst mit dem Rest der Schulleitung über meinen Nachfolger, die Zeit danach, die Zukunft. Es bleibt auf allen Seiten ein etwas bitterer Nebenton.

Morgens in der Dunkelheit im Newsreader gelesen:

Herr Mess über Politik

Herr Graf antwortet

Herr Rau geht auf beide ein

Bei allen aber ein seltsamer Grundton: Eigentlich will ich nicht über Politik sprechen/bloggen. Als ob weiterhin gilt: Politik ist bäh. Woher kam das noch? Irgendwas in mir ist getriggert. Ein Heine Gedicht.


Aber das ist nur assoziiert, nicht wirklich ein Zusammenhang. Er spricht ja eher von den Freiheitsdichtern, die niemandem weh tun wollen. Mir fiel jetzt nur auf die Schnelle der Vorwurf an Heine auf, dass er, der Romantiker, „plötzlich“ schmutzige politische Gedichte schrieb. In den „Neuen Gedichten“ ließ es Heine ja auch ordentlich krachen. Z. B. über Friedrich Wilhelm IV. Von Preußen


Irgendwie passend dann auch ein Link via hokey Die neuen Opfer der Satire. Passte von der Stimmung gut rein in den Post von Graf, aber eben von der anderen Seite. Und dem Artikel folge ich gespannt und nicke viel.

Satire, die sich gegen Schwächere und „nach unten“ richtet, ist keine.

Ganz ähnlich ein Blogposting von 2019 von Marie von den Benken zum Verhältnis sogenannter deutscher „Satire“ und Greta Thunberg.

Aber ich meine dieser Hang dazu, Politik als bäh zu empfinden, stammt schon vor allem aus der (heute so viel zu Unrecht gerühmten) bürgerlichen Mitte des 18./19. Jahrhunderts. Wahrscheinlich doch in der Zeit als man nach dem Sieg über Napoleon plötzlich doch keine seiner politischen Forderungen erfüllt sah (Freiheiten, Einiges Deutschland), dass die Fürsten, welche Überraschung, wieder zurückkehrten in die Zeit vor der Revolution und der napoleonischen Besatzung.

Aber noch mal: Warum nicht politisch bloggen? Warum nicht Stellung beziehen?

Apropos Heine – kennen sie Büchner, den Arzt? Und speziell seinen „Hessischen Landboten“?

Ein bis in das einzelne Wort, in die letzte Intonation hinein wuchtiges und genial komponiertes Stück:

Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und lässt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.

Prüfungsdings.

Texte oben aus wikisource:

https://de.wikisource.org/wiki/Der_Wechselbalg_(Heine)

https://de.wikisource.org/wiki/Die_Tendenz

2023.06.22 – Sturm

Wach mit Wecker, erschlagen gefühlt.

Auf der Arbeit viel Kleinkram. Wird grad unübersichtlich.

Neue Termine: Es müssen im August gleich Unterschriften bei der Sparkasse für die Konten der neuen Schule geleistet werden. Auch geht es um die Übergabe von Schlüssel und Büro. Ich kann mir nicht genau vorstellen, wie sich dies alles anfühlt für meine Vorgängerin – halte es aber für krass.

Einen Kollegen angemailt, den ich vor Jahren in den Fortbildungen für neue Schulleiter kennengelernt habe. Der eine Seminarschule leitet. Der gleich bereit war zu telefonieren und mir Fragen zu beantworten.

Manchmal ist alles ganz einfach.

Nachmittags kurz daheim gewesen und abends zu einem Treffen der Ausbilder des Fischerkurses gegangen. Der neue Kurs ab September wurde besprochen, gegessen und sich ausgetauscht.

Habe am Ende dem Vorstand mitgeteilt, dass die Bewerbung für die neue Schule jetzt fix ist. Dies ist insofern interessant, da sich einige unsere ältesten Fischgewässer zwischen meinem Wohnort und der Schule befinden. Das hat jetzt zwar nicht unbedingt etwas mit meiner Bewerbung zu tun, ist aber ein schöner Nebeneffekt.

Auf der Heimfahrt dann 20 Minuten inmitten eine Gewitterzelle gefahren, 30km/h und weniger auf der Bundesstraße, fliegendes Geäst, Wasser auf der Straße, gefährlich wenig Sicht. Heil nachhause gekommen.

Im Auto am Morgen zwei neue Hörbücher gebucht:

Jeweils eine Stunde reingehört. Sehr großer Genuss.

Kurz bevor ich losgefahren bin.

2023.06.21 – Krönung

5:30 Uhr, schon nach dem ersten Klingeln aufgestanden. 6:30 Uhr heute Abfahrt, Beginn Abschlussprüfungen. Schön kühl, in Nürnberg dann schon schwül.

Der Eröffnung beigewohnt, danach viel Arbeit mit Schreibkram:

  • Arbeitszeugnisse
  • Formulare für Arbeitszeugnisse
  • Entfristungsantrag konzeptioniert
  • Beurteilungen aufgesetzt
  • Email-Verkehr
  • Telefonate

Heute den Brief bekommen, also eine neue Steigerung der Realität.

Ich finde es immer wieder strange, wenn ich bei solchen Sachen meine eigene Personalakte aus dem Schrank hole, um was abzuheften – bisschen schizo.

Gleich danach, wie auf Stichwort, Anruf KM. Ich wurde gefragt, ob ich mit der Übernahme des Schulleiteramts auch das Amt des Seminarleiters übernehme. Ich hatte gedacht, das sei miteinander verbunden, aber wohl nicht oder reine Formsache. Ich stimmte zu. Gleichzeitig den ersten Termin bekommen, Fortbildung wohl oder Einweisung neu ernannter Seminarleiter noch im Juli. Per Mail von meiner dann Vorgängerin den nächsten Termin mit der nächsten Fortbildung dann im Februar 2024. Gesprächstermin mit dem MB vereinbart für das finale Abschiedsgespräch.

Strange auch, andauernd Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen mich nicht mehr betreffen werden, weil ich dann nicht mehr da sein werde. Strange.

Daheim dann noch Familienbesuch mit Kindern. Schminken und Frisieren der Nachbarstochter für das Musical am Abend. An so viel sozialen Durchsatz muss ich mich noch gewöhnen.

In allem, was ich denke und laut sage, immer wieder die Einschränkung und Ansage:

  • Nach mir kommt bestimmt endlich ein guter Schulleiter
  • Der Nachfolger hat bestimmt Ahnung von allem
  • Das KM muss sowieso verzweifelt gewesen sein, jemanden wie mich zu ernennen
  • Jetzt bekomme ich eine neue Schule zum Zugrunderichten

Mir fällt etwas aus dem Geschichtsstudium ein, ich kann das grad nicht verifizieren. Aber dort wurde mal bei der Behandlung mittelalterlichen Urkunden, ich glaube in Verbindung mit der Kaiserkrönung Karls des Großen, erwähnt, dass in jeder Urkunde, wo eine Ernennung und Krönung beglaubigt wurde, ein Passus eingeschoben wurde, der besagte, dass der Gekrönte nicht mit eigenem Ehrgeiz nach der Krone gegriffen habe, sondern dass man sie ihm angetragen habe und er nach langem Überlegen nachgegeben hat. Ehrgeiz und Streben nach Macht war also verpönt. Jeder Thron wurde ja schon angesägt in dem Moment, in dem sich der Gekrönte setzte.

Bei der Beschreibung der Krönung von Karl dem Großen heißt es, dass er in die Kirche in Rom kam, ohne zu wissen, dass er dort gekrönt werden sollte. Ich meine bei Einhard wurde es so dargestellt, als hätte sich Karl hingekniet und der Papst hat sich von hinten angeschlichen, ihm die Krone über den Kopf gehalten, sodass er beim Aufstehen quasi in die Krone gerutscht ist. Ich habe leider keine Einhard-Ausgabe mehr zum Nachlesen.

Wo war ich?

Mittlerweile weiß ich, was ich antworten kann, wenn KollegInnen mit mir sprechen oder schreiben und ihr Bedauern ausdrücken oder sich bedanken:

Danke.

Mairübchen

Bohnen und Zucchini (glaube ich)

Aufgeplatzter Kohlrabi

Mini-Gurken mit Krone

2023.06.20 – zu warm

Mit Wecker wach geworden. Wieder alles viel zu warm. CPAP 7:35h, entsprechend dennoch erholt. Autobahn frei. Kein Regen in Sicht.

Heute standen Bewerbungsgespräche um die ausgeschriebene Stelle im Sekretariat auf dem Kalender. Drei Termine, einer fand statt, eine kam nicht, eine sagte ab, aber nicht, ob sie jemals kommt. Zwei neue Termine vereinbart.

Eine Stunde Deutsch mit Lesen verbracht. Verschiedene Orgadinge, zig Emails. Diverse Telefonate.

Nachhause Klimaanlage auf Hochtouren, zuhause am Schreibtisch sitzend schwitzen. Es ist zäh.

Das Gemüsebeet, als Anfängerprojekt gestartet, läuft gut. Der PakChoi wurde schon geerntet und verarbeitet. Die Kohlrabi werden dicker, zwei sind schon aufgeplatzt. Die Bohnen halten sich zurück, ich hatte die schneller in Erinnerung. Die Mairübchen sehen toll aus, nächstes Mal müssen mehr gepflanzt werden, ich erinnere mich immer noch an das fantastische Stielmus in Lippstadt. Gurken kommen, aber bisher ohne Blüte oder sowas. Tomaten entwickeln Früchte, der Oregano hängt auch nach. Dazu habe ich jetzt ein Set mit Kräuter/Wildpflanzen geordert: Scheuchzers Teufelskralle, Echte Kamille, Roter Wiesenklee, Kalifornischer Mohn, Hopfen, Huflattich und noch andere Dinge. Ich bin gespannt. Man überlegt, ob wir vor dem Haus, wo der Humus sehr dünn ist, ein paar Hochbeete hinstellen, z.B. für Salat.

Insgesamt merkt man besonders nach Regengüssen, dass die Biomaterie ordentlich zulegt.