{"id":1063,"date":"2011-04-26T12:31:31","date_gmt":"2011-04-26T10:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=1063"},"modified":"2011-04-27T08:56:51","modified_gmt":"2011-04-27T06:56:51","slug":"dinge-geregelt-kriegen-ohne-einen-funken-selbstdisziplin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2011\/04\/dinge-geregelt-kriegen-ohne-einen-funken-selbstdisziplin\/","title":{"rendered":"Dinge geregelt kriegen &#8211; ohne einen Funken Selbstdisziplin"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/41%2BKYUgL14L._SL500_AA300_.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"240\" \/>\u00dcber dieses Buch zu schreiben, nachdem ich vorhin die Ergebnisse meiner Osterwochenendrecherche dargestellt habe, erscheint nat\u00fcrlich. Denn dieses Buch habe ich an diesem Wochenende ebenfalls inhaliert.<\/p>\n<p>Schon vor einigen Monaten habe ich dar\u00fcber etwas geh\u00f6rt, vor allem konnte ich eine <a href=\"http:\/\/www.rowohlt.de\/fm\/131\/Passig_Lobo_Dinge.pdf\" target=\"_blank\">Leseprobe<\/a> in die Finger bekommen, die ich laut glucksend ein paar Mal gelesen und an viele Kollegen per Email versendet hatte.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Wie es wirklich war<\/strong><\/p>\n<p>Im Anfang schuf Gott erst mal gar nichts. \u00abDaf\u00fcr ist auch morgen noch Zeit\u203a\u203a, sprach er und strich sich zufrieden \u00fcber den Bart.<\/p>\n<p>Am zweiten Tag sprach Gott: &#8222;Ach, es sind ja noch f\u00fcnf Tage \u00fcbrig&#8220;, und sank wieder in die Kissen.<\/p>\n<p>Am dritten Tag wollte Gott schon anfangen, das Licht von der Finsternis zu scheiden, aber kaum hatte er sich auch nur einen Kaffee gekocht, war der Tag irgendwie schon vorbei.<\/p>\n<p>Am vierten Tag dachte Gott ernsthaft dar\u00fcber nach, jemand anderen die ganze m\u00fchsame Sch\u00f6pfungsarbeit machen zu lassen. Aber es war ja noch niemand da.<\/p>\n<p>Am f\u00fcnften Tag hatte Gott andere Dinge zu erledigen, die viel dringender waren.<\/p>\n<p>Am sechsten Tag \u00fcberlegte Gott, ob es wohl m\u00f6glich war sich irgendwie aus der Aff\u00e4re zu ziehen. Es \ufb01el ihm aber nichts Rechtes ein. Schlie\u00dflich war er allm\u00e4chtig, was die meisten Ausreden ein bisschen unglaubhaft wirken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Am Sonntag um f\u00fcnf vor zw\u00f6lf schlie\u00dflich schluderte Gott hastig\u00a0irgendwas hin : Wasser, Erde, Tag, Nacht, Tiere, Zeugs. Dann betrachtete er sein Werk und sah, dass es solala war. &#8222;Aber f\u00fcr nur f\u00fcnf\u00a0Minuten &#8222;, sagte er, &#8222;gar nicht so schlecht ! &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich hatte keine konkreten Erwartungen an die Lekt\u00fcre. Vielleicht so eine Art ironischen Ratgeber &#8211; nach dem Motto: Macht genau das Gegenteil von dem, was wir hier schreiben, dann geht&#8217;s euch besser.<\/p>\n<p>Insgesamt aber ist es ein breiter \u00dcberblick \u00fcber die Prokrastinationsforschung und ihre wesentlichen Ergebnisse. Nein, keine Angst, kein Sachbuch. Es ist insgesamt eine witzige Mischung aus pers\u00f6nlichen Berichten, kurze Darstellung von Forschungsergebnissen und Top 3-10 Listen, was man beherzigen kann oder, in dem Zusammenhang des Buches, eher lassen soll.<\/p>\n<p>Logischerweise f\u00fchlte ich mich in vielen Kapiteln ertappt, z.B.<\/p>\n<ul>\n<li>Das Sp\u00e4ter-Prinzip<\/li>\n<li>Heute jedoch nicht<\/li>\n<li>Sch\u00f6n, schlank und fit in 30000 Tagen<\/li>\n<li>Nur ein Viertelj\u00e4hrchen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fast denke ich, man k\u00f6nnte ein Lehrerbuch draus machen. Vor allem bei der Beschreibung von Deadlines \/ dem Einhalten von Terminen. Schulaufgaben habe ich ja nun auch nicht zum ersten Mal an einem Wochenende korrigiert &#8211; und ich meine nicht das erste Wochenende nach dem Schreibtermin.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Buch gespickt mit Hinweisen auf Biografien von Prokrastinatoren, die erfolgreich waren. Aber mir vermittelte vor allem die Darstellung aller Ausreden, Verhaltensweisen und Aufschiebearten ein gutes Gef\u00fchl. Ein wahnsinnig gutes Gef\u00fchl. Das un\u00fcbertroffene Gef\u00fchl, dass ich nicht allein bin. Aber noch viel wichtiger der Gedanke, dass der ewige Kampf gegen\u00a0den Schweinehund ein Kampf auch gegen gesellschaftliche Normen (Arbeitsethos etc.) ist und damit ohnehin unheimlich erm\u00fcdend &#8211; also: f\u00fcr was? Um sich noch schlechter zu f\u00fchlen?<\/p>\n<p>Auch spannend fand ich den Perspektivenwechsel dahingehend, dass Prokrastination ja nicht einfach mit Faulheit zu verwechseln ist, sondern eher eine Lust- oder Motivationsverschiebung. Wie k\u00f6nnte man sich sonst diese vielen Blogeintr\u00e4ge erkl\u00e4ren, die dauernd entstehen? Vor allem von Leuten, die NICHT daf\u00fcr bezahlt werden, sondern f\u00fcr ganz etwas anderes.<\/p>\n<p>Aber ich will nicht zu analytisch und sozialkritisch sein, denn dies w\u00fcrde dem Buch nicht gut tun. Es ist kein Ratgeber , kein wissenschaftliche Grundsatzarbeit. Vielmehr eine augenzwinkernde Beschreibung von Verhaltensweisen, die im Grund bei uns allen vorhanden sind, allerdings mit unterschiedlicher Auspr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Ich habe mich jedenfalls k\u00f6stlich am\u00fcsiert. Unangenehm wurde es nur, als die handels\u00fcbliche Ratgeberliteratur besprochen wurde: also das ganze <em>Simplify your life<\/em>, <em>Bek\u00e4mpfen sie den Schweinehund<\/em> und <em>Getting Things Done<\/em>. Denn die standen in meinem Regal, bis gestern.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00fcsste ich eigentlich noch zwei Schulaufgaben korrigieren. Und dann den Papierm\u00fcll sondieren. Und einkaufen.<\/p>\n<p>Naja, erstmal den Schreibtisch aufr\u00e4umen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber dieses Buch zu schreiben, nachdem ich vorhin die Ergebnisse meiner Osterwochenendrecherche dargestellt habe, erscheint nat\u00fcrlich. Denn dieses Buch habe ich an diesem Wochenende ebenfalls inhaliert. Schon vor einigen Monaten habe ich dar\u00fcber etwas geh\u00f6rt, vor allem konnte ich eine Leseprobe in die Finger bekommen, die ich laut glucksend ein paar Mal gelesen und an <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2011\/04\/dinge-geregelt-kriegen-ohne-einen-funken-selbstdisziplin\/\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"iawp_total_views":1,"activitypub_content_warning":"","activitypub_content_visibility":"","activitypub_max_image_attachments":4,"activitypub_interaction_policy_quote":"anyone","activitypub_status":"","footnotes":""},"categories":[4],"tags":[15,24,30],"class_list":["post-1063","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belesen","tag-buch","tag-ich","tag-vereinfachen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1063"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1063\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1063"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1063"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1063"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}