{"id":1720,"date":"2011-11-17T18:22:35","date_gmt":"2011-11-17T17:22:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=1720"},"modified":"2011-12-31T11:38:29","modified_gmt":"2011-12-31T10:38:29","slug":"kreatives-schreiben-im-du-2-gestortes-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2011\/11\/kreatives-schreiben-im-du-2-gestortes-schreiben\/","title":{"rendered":"Kreatives Schreiben im DU 2 &#8211; Gest\u00f6rtes Schreiben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Heute wieder ein sch\u00f6ner Tag: 2 Stunden regul\u00e4rer Unterricht &#8211; plus 4 Vertretungsstunden. Ich erinnerte mich an meine Anfangsjahre, als sowas normal war und ich dachte, das f\u00e4llt unter &#8222;Klappe halten und sich hochdienen&#8220;. Allein schon aus Selbstverteidigungsgr\u00fcnden habe ich mir einige \u00dcbungen zum Kreativen Schreiben parat gelegt, kombiniert und verfeinert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter habe ich solche \u00dcbungen dazu genutzt, den Sch\u00fclern die Angst vor dem wei\u00dfen Papier zu nehmen &#8211; einfach als Alternative zu dem\u00a0genormten\u00a0Schreiben. Und nat\u00fcrlich, um Spa\u00df mit ihnen zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Lieblingsform ist das &#8222;Gest\u00f6rte Schreiben&#8220;. Jedenfalls meinte ich mich zu erinnern, dass die Ausgangsform so hie\u00df. Die folgenden Ausf\u00fchrungen passen hervorragend in eine Unterrichtsstunde von 45 Minuten und man muss quasi nichts mitnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich selbst habe der Einfachheit halber immer einen Stapel kleiner Zettel (DINA 9 ?) in der B\u00fcchertasche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Als Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Umstand, dass ich das in vielen Vertretungsstunden in unbekannten Klassen entwickelt habe, hat dazu gef\u00fchrt, dass ich das eigentliche Schreiben mit einigen Schutzfunktionen versehen habe. Ich wusste nie, welche sozialen Gef\u00fcge mich erwarteten, sprich: wer in welcher Klasse der Au\u00dfenseiter war oder wo welche Lehrer nicht angesehen waren. D.h. ich musste diese vorab sch\u00fctzen. Diese Schutzpunkte markiere ich hier kursiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich in eine Stunde hineingehe, erkl\u00e4re ich vorab nicht gro\u00dfartig, was kommt, sondern fange einfach an. Manchmal schreibe ich aus Spa\u00df &#8222;Deutschtest 1&#8220; an die Tafel oder alternativ in Bayern &#8222;2. Stegreifaufgabe aus dem Deutschen&#8220;. Dann habe ich die Aufmerksamkeit. Bisher habe ich, und das kann ich komischerweise wirklich so sagen, noch keine Klasse erlebt, die daran nicht Spa\u00df hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ablauf<\/strong> (zur Abwechslung in der Ich-Perspektive)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich betrete den Raum und verteile stumm mitgebrachtes liniertes Papier. Die Sch\u00fcler werden aufgefordert, unten vom Blatt einen fingerdicken Rand abzurei\u00dfen und diesen wiederum zu halbieren. Die eine H\u00e4lfte sollen sie im M\u00e4ppchen verwahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich gebe meine Anweisung: &#8222;Ihr habt jetzt genau 5 Sekunden Zeit, um auf dieses Bl\u00e4ttchen ohne Schwatzen und Abgucken das erste Wort aufzuschreiben, was euch einf\u00e4llt.&#8220; Danach sollen sie diese Bl\u00e4ttchen zwei Mal (!) falten. Ich gehe rum und sammle diese ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erkl\u00e4re das weitere Vorgehen: &#8222;Ich gebe euch jetzt den Anfang einer Geschichte vor und ihr schreibt diesen, wenn ich es sage, einfach weiter. Ihr schaut nicht vom Nachbarn ab oder erz\u00e4hlt ihm, was ihr schreibt. Ihr schreibt ohne Unterbrechung bis zu dem Punkt, wo ich ein Blatt ziehe und euch das Wort vorlese, was darauf steht. Eure Aufgabe ist es dann, dieses Wort sofort in eure Geschichte einzubauen. Ich werde alle zwei Minuten ein Blatt ziehen.&#8220; Auf Nachfrage versichere ich, dass nicht die Rechtschreibung bewertet wird, sondern es nur um die Geschichte geht. Ein Sinn ist auch erstmal nicht wichtig (der kommt von allein) &#8211; auch andere gelernte Vorgaben sind nebens\u00e4chlich. <em>Namen sollen sie nicht drauf schreiben<\/em> (!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Anfang der Geschichte erarbeite ich mit ihnen zusammen. Dazu lasse ich mir folgende Dinge nennen: Jahreszeit, Tag, Uhrzeit &#8211; manchmal noch andere Sachen. Daraus erfolgt dann der Geschichtsanfang: &#8222;An einem wundersch\u00f6nen Mittwoch im Sommer wachte ich am Nachmittag in meinem Zimmer auf. Ich stand auf und ging durch den Flur zur T\u00fcr. Ich \u00f6ffnete sie und pl\u00f6tzlich&#8230;&#8230;.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Erarbeitung dieser Stichworte erfolgt durch ein Zufallssystem. Ich frage nach der Anzahl der Haustiere (Wer hat mehr als 5 Haustiere? Wer hat mehr als zwei Hunde? oder Geschwister) und der Gewinner darf dann seine Lieblingsjahreszeit nennen usw. Erstens bekomme ich so schon einen Einblick in die Klasse &#8211; ich sehe, wer vorlaut ist, wer das gro\u00dfe Wort f\u00fchrt usw. Und diejenigen, die Haustiere haben, sind oftmals die &#8222;netten&#8220; Sch\u00fcler &#8211; ja, ich wei\u00df, alle Sch\u00fcler sind nett&#8230;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lasse sie schreiben und ungef\u00e4hr alle 2 Minuten ziehe ich ein Wort und lese es vor. <em>Was ich auf keinen Fall vorlese: Namen oder Begriffe, die irgendwie dazu geeignet sein k\u00f6nnten, &#8222;Codew\u00f6rter&#8220; f\u00fcr die besagten Au\u00dfenseiter zu sein.<\/em> Das erkl\u00e4re ich nicht, das ist halt einfach so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lasse sie etwa 15-25 Minuten schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann sammle ich alle Bl\u00e4tter ein. (Ohne Namen!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich habe mir nach der Anfangszeit zur Regel gemacht, die Bl\u00e4tter einzusammeln und selbst vorzulesen. Erstens schaffen es Sch\u00fcler selten ohne zu lachen, ihre eigenen Texte vorzulesen. Au\u00dferdem kann ich so kontrollieren, was geschrieben wurde. Mir machen derbe Sprache oder Zombistories nichts aus &#8211; aber ich vermeide so, dass potentielle Mobbingopfer in der Klasse durch ihre Rollen in den Geschichten blo\u00dfgestellt werden. Es geht nicht darum wegzuschauen &#8211; ich frage immer die Klassenleiter, wenn mir etwas spanisch vorkam &#8211; aber im Rahmen einer mir unbekannten Klasse bin ich da in der Stunde selbst vorsichtig.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich frage nach Geschwistern, weitester Urlaubsfahrt oder beste Note in Mathematik. Der Sieger darf mir eine Zahl nennen zwischen 1 und der Anzahl der Sch\u00fcler in der Klasse und erg\u00e4nzt dabei oben oder unten. W\u00e4hrenddessen mische ich den Stapel durch und z\u00e4hle dann die Zahl den Stapel runter oder hoch und lese dann die jeweilige Geschichte vor. Dieses &#8222;Zufallsprinzip&#8220; akzeptieren alle und es verhindert oft das &#8222;Lesen Sie meine Geschichte vor!&#8220;-Gebr\u00fclle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dabei lese ich still immer zwei bis drei S\u00e4tze voraus, um die Beleidigungen o.\u00e4. herauszufiltern und wegzulassen.<\/em> Wenn es zu viel wird, dann sage ich einfach &#8222;Ach ne, langweilig&#8220; und lese nicht zuende. Alles das mache ich nat\u00fcrlich freundlich bis lustig und so f\u00fchlt sich niemand angegriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schaffe nicht alle Geschichten. Den Rest \u00fcberfliege ich nur und suche schnell die witzigen heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich nehme alle Bl\u00e4tter wieder mit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abrundung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht sind meine <em>Schutzvorkehrungen<\/em>\u00a0etwas \u00fcbertrieben, aber ich habe selbst die Erfahrung machen m\u00fcssen, dass Sch\u00fcler diese Sachen nutzen, um irgendwelchen anderen Sch\u00fclern einen reinzuw\u00fcrgen. Und ich habe bei Hospitationen erlebt, dass dies passiert, ohne dass der Lehrende es merkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ich mache das auch in Klassen, die ich kenne und die mir vertrauen. Dann wird es wirklich spannend &#8211; auch wenn ich selbst mitschreibe. Es kommen auch lange Geschichten heraus. Die meisten Sch\u00fcler sind von sich selbst \u00fcberrascht, wie viel sie in der kurzen Zeit schreiben k\u00f6nnen. Und immer wieder entdecke ich Perlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mache in einer Klasse nie dieselbe \u00dcbung mehr als zwei Mal, weil die Sch\u00fcler dann gezielter ihr Begriffe nennen &#8211; und es dann wirklich schwierig wird. Aber in Abwandlung lasse ich sie auf die kleinen Bl\u00e4tter Kurzs\u00e4tze mit drei Worten oder alternativ Fragen aus zwei Worten formulieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Nebeneffekt ist oft beim zweiten Mal, dass man erkennt, was in der Klasse wichtig ist. Beim ersten Mal kommen oft Worte wie &#8222;Hallo&#8220; oder &#8222;Schule&#8220;, sp\u00e4ter ist das dann interessanter, ohne abgedreht zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auff\u00e4llig fand ich es in manchen Klassen, wenn auf 50% der Zettel &#8222;Hunger&#8220; steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal habe ich die Bl\u00e4tter im Klassenzimmer liegen lassen und ein nachfolgender Kollege hat darin gelesen &#8211; das gilt es auch zu vermeiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wieder ein sch\u00f6ner Tag: 2 Stunden regul\u00e4rer Unterricht &#8211; plus 4 Vertretungsstunden. Ich erinnerte mich an meine Anfangsjahre, als sowas normal war und ich dachte, das f\u00e4llt unter &#8222;Klappe halten und sich hochdienen&#8220;. Allein schon aus Selbstverteidigungsgr\u00fcnden habe ich mir einige \u00dcbungen zum Kreativen Schreiben parat gelegt, kombiniert und verfeinert. 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