{"id":3170,"date":"2013-01-29T22:24:26","date_gmt":"2013-01-29T21:24:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=3170"},"modified":"2013-07-18T21:37:51","modified_gmt":"2013-07-18T19:37:51","slug":"5-minuten-schulleitung-mein-neues-sakko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2013\/01\/5-minuten-schulleitung-mein-neues-sakko\/","title":{"rendered":"5 Minuten Schulleitung &#8211; Mein neues Sakko"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/katzenspiel.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-3173  alignleft\" style=\"border: 1px solid black; margin: 5px;\" alt=\"katzenspiel\" src=\"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/katzenspiel.jpg\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/katzenspiel.jpg 500w, https:\/\/www.kubiwahn.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/katzenspiel-224x300.jpg 224w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es kann sein, dass meine Gedankenkreisel derzeit damit zu tun haben, dass ich eine Woche krank war. Richtig krank, so mit Krankschreiben und so, Arztbesuch, Fieber, Medikamenten. Seit Montag bin ich wieder im B\u00fcro, aber so ganz gesund wohl noch nicht. Aber ich will nicht \u00fcber das Krankheitsverhalten von Lehrern gr\u00fcbeln &#8211; ich habe ja viele Kollegen, die da zum Teil wenig R\u00fccksicht auf sich nehmen. So wenig wie ich. Andres Thema. (Die Katzen fanden es toll, den ganzen Tag jemanden zum Spielen zu haben)<\/p>\n<p>Wor\u00fcber ich in den Tagen nachgedacht habe, war eher wieder diese Rollen-Geschichte als Konrektor. Bisher gr\u00fcbelte ich eher dar\u00fcber, was ich selbst aktiv tue, um diese Rolle auszuf\u00fcllen, bewusst, mit Absicht. Mittlerweile merke ich aber Ver\u00e4nderungen, die so nebenbei passieren. Merke, dass ich in eine neue Phase hineingleite. Und kann dabei aber nicht so recht trennen zwischen den Aspekten, die der Beruf ausmacht, die aus dem pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nden stammen, der Biografie, dem Amt oder dem Umfeld.<\/p>\n<p>Ich kann mich z.B. noch recht gut erinnern an die Anfangsphase. Eine meiner Ausbilderinnen hat mal gesagt, dass man 5 Jahre braucht, bis man im Beruf angekommen ist. Dem kann ich zustimmen. Dabei geht es weniger um diesen beschworenen Augenblick, in dem man &#8222;alles mal unterricht hat&#8220; (mit dem h\u00e4sslichen Vorurteil, dass dann alle Aktenordner im Schrank stehen, die bis zur Pensionierung benutzt werden). Mehr geht es darum, dass man ab diesem Zeitpunkt wirklich als Lehrer durch und durch auftritt. Dass man dann, so denn alles geordnet verl\u00e4uft, vorn steht und kaum mehr etwas f\u00fcrchtet, keine Sch\u00fclerreaktion, keinen Chef, der \u00fcberraschend an der Klassenzimmert\u00fcr klopft.<\/p>\n<p>In diesem Moment hat man seine Rolle auch im Kollegium gefunden, in der Elternschaft und vielleicht macht man es sich da auch in der Region bequem, freundet sich an mit dem Gedanken, auch die n\u00e4chsten Jahre dort zu verbringen.<\/p>\n<p>\u00dcber diesen Stand bin ich auch mittlerweile weit hinaus.<\/p>\n<p>Jetzt geh\u00f6re ich an meiner Schule zum \u00e4lteren Viertel, bin in der Schulleitung. Ich betrete das Lehrerzimmer nur noch selten &#8211; zum Teil, weil ich eben mich selbst nicht mehr als Kollege empfinde wie ich fr\u00fcher einer war, zum anderen, weil ich einfach nur noch wenig Zeit habe. Andersherum aber ist mein Auftritt im Lehrerzimmer nun auch anders geworden. Zum einen verbindet man jetzt mit meiner Person den Vertretungsplan &#8211; also auch immer Mehrarbeit. Oder aber offizielle Gespr\u00e4che. Gespr\u00e4che, die aber vertraulich sein mussten, wozu ich also den Kollegen aus dem Zimmer bitten musste.<\/p>\n<p>Und ja, manchmal habe ich mir &#8222;den Spa\u00df&#8220; gemacht, dass ich die Lehrerzimmert\u00fcr \u00f6ffnete, hinein schaute und laut zum Kollegen sagte: &#8222;Hr. Meier, kommst du mal bitte in mein B\u00fcro, ich m\u00fcsste mit dir sprechen.&#8220; Und obwohl man dies richtig einsch\u00e4tzen konnte, war so ein kurzes Stocken aller Gespr\u00e4che zu vernehmen, viele bewusst neutral gehaltene Blicke und Unsicherheit dar\u00fcber, ob man jetzt lachen, feixen oder eben ernst bleiben musste.<\/p>\n<p>Rollenunsicherheit also nicht nur auf meiner Seite.<\/p>\n<p>Kurz: Gespr\u00e4che mit mir sind jetzt anders. Mich \u00fcberhaupt zu sprechen, ist anders &#8211; dazu muss man sagen, dass mein B\u00fcro, wie das des Chefs, \u00fcber das Sekretariat zu erreichen sind. D.h. vor einem Gespr\u00e4ch mit mir, meldet man sich quasi an. Ich h\u00f6re dann ein gerauntes &#8222;Ist er da?&#8220; Und ich habe eben, auch aufgrund meiner Arbeit, eigentlich keine Zeit mehr zwischen 7.30 Uhr und 13.30 Uhr f\u00fcr wirklich private Gespr\u00e4che. Um mich mit den Freunden im Kollegium zu treffen, ben\u00f6tige ich manchmal den Terminkalender &#8211; was auch daran liegt, dass zu den Freunden auch M\u00fctter mit kleinen Kindern geh\u00f6ren, d.h. die brauchen ihren Kalender auch.<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnen andere mit dieser Situation besser umgehen &#8211; ich bin dazu zu wenig Verwaltungsbeamter. Ich sehe mir dabei zu genau zu bei dem, was ich so mache. Dazu habe ich meine Gesamtarbeit derzeit noch zu wenig unter Kontrolle, muss noch Abstriche machen, bestimmte Hobbys auf Eis legen, andere einschr\u00e4nken, Arbeitszeiten neu organisieren.<\/p>\n<p>Was sich derzeit aber besonders \u00e4ndert ist, dass ich mich in diese neue Rolle quasi eingleiten lasse. Ich gebe mehr und mehr bestimmte innere Widerst\u00e4nde auf. Dies ist ganz \u00e4hnlich der Entwicklung zum Lehrer in den angesprochenen 5 Jahren. Irgendwann <del>ist man<\/del> war ich auf &#8222;der anderen Seite&#8220; und machte mir keine gro\u00dfartigen Gedanken mehr dar\u00fcber. Ich war irgendwann Lehrer und habe mich innerlich nicht mehr f\u00fcr Ordnungsma\u00dfnahmen oder Hausaufgaben entschuldigt.<\/p>\n<p>Und so bezieht sich das jetzt auf den Vertretungsplan, den neuen Stundenplan, der ab n\u00e4chster Woche erarbeitet wird oder alle anderen Dinge, die ich organisiere.<\/p>\n<p>Und so werde ich jetzt langsam Konrektor, St\u00e4ndiger Stellvertreter des Schulleiters.<\/p>\n<p>Damit einher geht auch eine Ver\u00e4nderung meiner Kleidung. Offen gesagt schubste mich die Frau dann vor einigen Wochen mal in die Richtung, also, dass ich mir &#8222;mal \u00fcberlegen k\u00f6nnte, ob denn der Kapuzenpulli mit der Aufschrift Abschluss 2009 noch so angemessen&#8220; sei. Also, kurz und schmerzlos liebe Leser, es h\u00e4ngen jetzt drei Sakkos und mehrere Hemden im Schrank und ich trage sie gern. Und ich f\u00fchle mich wohl damit.<\/p>\n<p>Letztlich trage ich sie auch als \u00e4u\u00dferes Zeichen meiner inneren Transformationsphase.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich hoffe ich, dass mir meine Sakkos gut passen und sie mir stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kann sein, dass meine Gedankenkreisel derzeit damit zu tun haben, dass ich eine Woche krank war. Richtig krank, so mit Krankschreiben und so, Arztbesuch, Fieber, Medikamenten. Seit Montag bin ich wieder im B\u00fcro, aber so ganz gesund wohl noch nicht. 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