{"id":3192,"date":"2013-02-07T23:33:32","date_gmt":"2013-02-07T22:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=3192"},"modified":"2013-02-07T23:33:33","modified_gmt":"2013-02-07T22:33:33","slug":"5-minuten-schulleitung-der-feind-sitzt-oben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2013\/02\/5-minuten-schulleitung-der-feind-sitzt-oben\/","title":{"rendered":"5 Minuten Schulleitung &#8211; Der Feind sitzt oben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Sozialkundeunterricht verwende ich oftmals folgende Definition der Sozialen Rolle:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Soziale Rolle ist die Summe aller Erwartungen, die innerhalb einer Gruppe an den Inhaber einer sozialen Position gerichtet werden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erkl\u00e4re dann weiter, dass sich die Erwartungen an das Aussehen, die Kleidung, das Verhalten und sogar an die Sprache richten k\u00f6nnen. Weiterhin orientieren sich die Erwartungen logischerweise an Traditionen der Gesellschaft. Wenn diese Erwartungen nicht erf\u00fcllt werden, ob nun bewusst oder unbewusst, folgen Sanktionen der Gruppe &#8211; i.d.R. so lang bis das gew\u00fcnschte Verhalten wieder hergestellt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Beispiel fungiert dabei der Junglehrer, der zu Beginn seiner Karriere manchmal zu nachsichtig mit den Sch\u00fclern ist, vielleicht sogar etwas kumpelhaft. Die Sch\u00fcler ihrerseits strafen solches Verhalten recht unbarmherzig, denn, logisch, sie wollen einen Lehrer, Kumpels haben sie selbst genug. Sie strafen auch, so meine Deutung, weil sie verunsichert sind. Wenn der Lehrer seine Rolle nicht einnimmt, wird nat\u00fcrlich auch die Sch\u00fclerrolle obsolet. Kinder im schulf\u00e4higen Alter aber ben\u00f6tigen Rollenmuster, um ihre eigene Identit\u00e4t zu entwickeln. Wird ihre wachsende Identit\u00e4t verunsichert, reagieren sie sehr stark.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rolle ist somit aber eben auch nicht so fest wie man sie vielleicht erwarten mag. Jeder hat innerhalb seiner Sozialen Gruppe die Aufgabe, die Rolle zu \u00fcbernehmen, aber gleichzeitig auch, sie auszugestalten. D.h. er \u00fcbernimmt sie und formt sie individuell aus. Die Fachbegriffe daf\u00fcr sind <em>roletaking<\/em> und <em>rolemaking<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was im Kern also gesagt werden kann: Wer oder was wir sind, wird nicht unerheblich von unserer Umgebung bestimmt &#8211; aber wir sind nicht nur Opfer der anderen. Kein Lehrer, so das Beispiel, ist wie der andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Exkurs: Aus dieser Sicht ist der Sch\u00fcler \u00fcbrigens ein sozialer Profi, der seinesgleichen sucht. Man stelle sich das nur mal vor: An einem durchschnittlichen Tag ziehen 6 und mehr Lehrer an ihm vorbei und er kann sich innerhalb von Sekunden auf die unterschiedlichste Ausgestaltung der Rolle Lehrer einstellen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Banales K\u00fcchenwissen mag mancher sagen. \u00dcbrigens nicht f\u00fcr den brlv (Bayerischer Realschullehrerverband), f\u00fcr dessen Hauptschreiberlinge schulischer Erfolg haupts\u00e4chlich durch angeborene Intelligenz bestimmt wird. Und daran kann man ja nichts \u00e4ndern. Schade eigentlich. Egal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sage meinen Sch\u00fclern jedenfalls, dass ich diese Theorie selbst sehr spannend und hilfreich f\u00fcr den Alltag einstufe. Und dass sie nicht nur auf Schulklassen, sondern auch auf Lehrerkollegien anwendbar sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir z.B. f\u00e4llt damit im Hinterkopf oft der Blick auf die sogenannte Realit\u00e4t leichter. Ich kann mich in schwierigen, konfliktgeladenen Situationen leichter distanzieren und die Entfernung zur Situation vergr\u00f6\u00dfern, indem ich sie als sozusagen &#8222;nicht pers\u00f6nlich&#8220; einstufe. Auf einer dienstlichen Ebene l\u00e4sst sich gelassener arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man agiert eben in und aus (s)einer Rolle heraus, da wir alle bestimmte Erwartungen aneinander richten, die wir erf\u00fcllt sehen m\u00f6chten. Manchmal wird es schwierig, vor allem, wenn widerspr\u00fcchliche Erwartungen an einen Rolleninhaber gerichtet werden. Man spricht dann von Rollenkonflikten (es werden Inter- und Intra-Rollenkonflikte unterschieden).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Inter-Rollenkonflikten dreht es sich um Konflikte, die zwischen den verschiedenen Rollen entstehen k\u00f6nnen, die wir in unseren Leben einnehmen (Der Lehrer, der seine Schulaufgaben sehr gut korrigiert abgeben will und die Ehefrau, die b\u00f6se ist, weil der Ehemann so lang am Schreibtisch sitzt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Intra-Rollenkonflikte hei\u00dfen sie, wenn es um widerspr\u00fcchliche Erwartungen an den Inhaber einer Rolle geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da erwartet die eine Seite, dass man ihnen alles auseinandersetzt und erkl\u00e4rt, nicht einfach auf Aush\u00e4ngen bekannt gibt. Sie mag es nicht, einfach bestimmt zu werden. Sie will, dass man dr\u00fcber redet. Und es gibt die andere Seite, die bem\u00e4ngelt, wenn zu wenig &#8222;bestimmt&#8220; wird &#8211; wenn kein &#8222;Machtwort&#8220; gesprochen wird. Wenn nicht gesagt wird, wo es lang gehen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende aber sitzt <del>der Feind<\/del> der Depp immer oben. Das ist gut so. Hilft gegen die Rollenunsicherheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sozialkundeunterricht verwende ich oftmals folgende Definition der Sozialen Rolle: &#8222;Die Soziale Rolle ist die Summe aller Erwartungen, die innerhalb einer Gruppe an den Inhaber einer sozialen Position gerichtet werden.&#8220; Ich erkl\u00e4re dann weiter, dass sich die Erwartungen an das Aussehen, die Kleidung, das Verhalten und sogar an die Sprache richten k\u00f6nnen. 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