{"id":4110,"date":"2015-02-15T21:30:34","date_gmt":"2015-02-15T20:30:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=4110"},"modified":"2015-02-15T21:36:34","modified_gmt":"2015-02-15T20:36:34","slug":"3-tage-schulleitung-fortbildung-zur-kommunikation-fuer-fuehrungskraefte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2015\/02\/3-tage-schulleitung-fortbildung-zur-kommunikation-fuer-fuehrungskraefte\/","title":{"rendered":"3 Tage Schulleitung &#8211; Fortbildung zur Kommunikation f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte"},"content":{"rendered":"<p>Wie schon angedeutet, habe ich mich in die Module zur Fortbildung f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte eingereiht, um mich fit zu machen f\u00fcr meine allt\u00e4glichen Aufgaben.<\/p>\n<p>Im dreit\u00e4gigen Kurs zur Kommunikation traf ich neulich auf alte Bekannte, wie z.B. Schulz von Thun (Miteinander reden 1-3), Paul Watzlawick (&#8222;Man kann nicht nicht kommunizieren), Ruth Cohn (Themenzentrierte Interaktion) und einen Namen, den ich eigentlich mit esoterischer Klangschalentherapie in Verbindung brachte: Vera Kaltwasser (Pers\u00f6nlichkeit und Pr\u00e4senz).<\/p>\n<p>Ich gebe offen zu, dass ich viele innere Widerst\u00e4nde \u00fcberwinden musste, um mich auf so etwas, inklusive Rollenspiele, Achtsamkeits\u00fcbungen und Gruppenarbeit, einzulassen. Aber zu einem Teil habe ich es dennoch geschafft. Witzig ist aber anders.<\/p>\n<p><strong>Was habe ich gelernt?<\/strong><\/p>\n<p>Dass man bei vielen Punkten gern sagt &#8222;Ja, ja, das wei\u00df ich&#8220; &#8211; aber doch meilenweit davon entfernt ist, es auch wirklich im Alltag umzusetzen, geschweige denn \u00fcberhaupt zu reflektieren.<\/p>\n<p><strong>Watzlawick<\/strong><\/p>\n<p>Dies beginnt bei dem bekannten Watzlawick-Satz: &#8222;Man kann nicht nicht kommunizieren.&#8220; Alles nickt, ich auch, kennt man ja, ist ja klar, die f\u00fcnf <a href=\"http:\/\/www.paulwatzlawick.de\/axiome.html\">Axiome<\/a>. Und dennoch laufe ich im Alltag herum und denke mir beim Gegen\u00fcber oft: &#8222;Na, du siehst doch ganz anders aus, als du mir durch das, was du sagst, mitteilen m\u00f6chtest.&#8220; Denke ich und mache mir aber keine Gedanken dar\u00fcber, was ich gerade signalisiere &#8211; durch mein Auftreten, meine Haltung, meinen Blick, meine Ansagen usw. Der Blick geht halt gern nach au\u00dfen, seltener nach innen.<\/p>\n<p><strong>Schulz von Thun<\/strong><\/p>\n<p>Dann die Geschichte der <a href=\"http:\/\/www.schulz-von-thun.de\/index.php?article_id=71\">vier Seiten einer Nachricht<\/a> (Schulz von Thun): Sache, Beziehung, Appell, Selbstoffenbarung. Der Gedanke ist der, dass jede Nachricht, die man gibt, diese vier Seiten haben kann &#8211; bzw. dass er Empf\u00e4nger diese Nachricht mit derartigen vier Ohren h\u00f6rt. Das genial einfache Beispiel, was Thun bringt, ist das vom Ehepaar, welches im Auto sitzt, die Frau f\u00e4hrt, und der Mann sieht vor sich die gr\u00fcne Ampel. Er sagt: &#8222;Die Ampel ist gr\u00fcn.&#8220; Die Frau antwortet ungehalten: &#8222;F\u00e4hrst du oder fahre ich?&#8220;<\/p>\n<p>In der Theorie hat die Frau aus der Nachricht Kritik herausgeh\u00f6rt, sie hat vielleicht einen Appell geh\u00f6rt: &#8222;Fahre langsamer\/schneller, weil&#8230;.&#8220; Oder sie hat die Selbstoffenbarung des Mannes geh\u00f6rt: &#8222;Ich kann besser Auto fahren als du.&#8220; Oder die Beziehungsseite: &#8222;Ich darf ich kritisieren, weil ich besser bin.&#8220; Dabei wird der Mann dann beleidigt antworten: &#8222;Aber ich habe doch nur gesagt, dass die Ampel gr\u00fcn ist.&#8220; (Sachinformation) Und dann geht der Streit los.<\/p>\n<p><strong>Rollenspiele<\/strong><\/p>\n<p>Ich will es kurz machen. Das Rollenspiel beginnt, ich denke noch so bei mir &#8222;Alles easy, nur ein Spiel.&#8220; Und dann &#8211; absolut kein Spiel mehr. Trotz etwa 20 ZuschauerInnen, trotz Rollenkarte, trotz Beobachtung im Kreis. Ernst. Und noch viel schlimmer: Kriegszustand.<\/p>\n<p>Das Setting war einfach und allt\u00e4glich: Ein Lehrer aus dem Kollegium zeigte sich ungehalten \u00fcber die vielen Aktionen und Projekte, die so an der Schule stattfinden. Er f\u00fchlt sich \u00fcberlastet und macht seinem Unmut Luft &#8211; der Chef, ich, h\u00f6re das und bitte ihn zum Gespr\u00e4ch. Ich m\u00f6chte etwas \u00fcber seine Belastungssituation erfahren und Einsicht daf\u00fcr wecken, dass solche Projekte wertvoll sind &#8211; sagt meine Rollenkarte. \u00a010 Minuten Zeit, das Gespr\u00e4ch vorzubereiten. Eine Aufgabe, so hie\u00df es, sei es, das eigene Ziel des Gespr\u00e4chs durchzubringen.<\/p>\n<p>Im Rollenspiel dauerte es ca. 15 Sekunden und ich stand derma\u00dfen unter Stress in diesem fingierten Gespr\u00e4ch, dass ich unterschwellig aggressiv wurde (oder wurde ich aggressiv, weil ich unter Stress stand?). Alpham\u00e4nnchen. Ich wollte gewinnen. Ich war der Chef. Der andere sollte gehorchen.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch im Rollenspiel fing an gegen die Wand zu laufen, bis ich irgendwann merkte, dass was falsch lief und dann dem Ganzen noch eine Wendung geben konnte. Es lief dann dorthin, wo es hin sollte. Und in der zweiten H\u00e4lfte war es denn dann auch gelungen.<\/p>\n<p>Dennoch hat es mich irritiert, was ich da an mir beobachten konnte. Mir schwirrt seitdem wieder ein Zitat von Max Frisch durch den Kopf, dieses &#8222;Schreiben hei\u00dft sich selber lesen&#8220;. In diesem Zusammenhang schreibt er davon, dass er als Schriftsteller oftmals durch das Schreiben oder das Erz\u00e4hlen \u00fcberrascht wird von sich selbst. Dass man sich f\u00fcr einen fr\u00f6hlichen Gesellen h\u00e4lt und dann beim Schreiben merkt, dass man eigentlich ein Griesgram ist.<\/p>\n<p>Und so denke ich nat\u00fcrlich, ha ha, keine Hierarchie, der erste Diener der Schule, das bin ich. Kollegial, teamf\u00e4hig, r\u00fccksichtsvoll &#8211; logisch. Chefgehabe? Ich doch nicht. Und entspannt bin ich allemal. Klaro.<\/p>\n<p>Ja, vonwegen.<\/p>\n<p><strong>Und nun?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich sagen w\u00fcrde, ich habe daraus gelernt, dann w\u00e4re das eine L\u00fcge. Am ersten Tag nach der Fortbildung ging ich in eine Klasse und dasselbe Spiel wiederholte sich mit einem renitenten Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Ich halte\u00a0mich f\u00fcr einen entspannten und ruhigen Kerl &#8211; was ich sicherlich auch in vielerlei Hinsicht bin. Aber es gibt offenbar auch Momente, in denen ich in mir auf die Ebenen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Regionen_und_Orte_in_Tolkiens_Welt#Isengart\">Isengart<\/a> blicke.<\/p>\n<p><strong>Und nun??<\/strong><\/p>\n<p>Vorher dachte ich, dass mein lockeres Mundwerk mein Problem ist, jetzt muss ich mich offenbar mit anderen Aspekten auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Mein Bezugspunkt dabei ist, und das ist ein anderes Ergebnis dieser Fortbildung, der Stress, den ich selbst f\u00fcr mich und in mir erlebe. Ich habe angefangen, ja, Vera Kaltwassers Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/www.vera-kaltwasser.de\/buecher\/persoenlichkeit-und-praesenz\/index.html\">Pers\u00f6nlichkeit und Pr\u00e4senz<\/a>&#8220; zu lesen und dabei einiges \u00fcber Stress erfahren. Und ja, auch die Sache, dass Stress dann entsteht, wenn man sich einer Situation oder einer Aufgabe nicht gewachsen f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Klingt plausibel, aber auch unangenehm, wenn ich selbst meine Stressmomente realisiere.<\/p>\n<p>Eine Erkenntnis dabei wurde w\u00e4hrend der Fortbildung wiederholt erw\u00e4hnt, und zwar dass <a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/news\/stress-verringert-das-mitgefuehl\/1327451\">Stress die F\u00e4higkeit zur Empathie verringert,<\/a>\u00a0und damit wohl, \u00a0so der Gedanke, auch die F\u00e4higkeit zu einer konstruktiven und herrschaftsfreien Kommunikation. Ebenfalls wurden oft die &#8222;Spiegelneuronen&#8220; erw\u00e4hnt, aber das musste ich selbst noch einmal <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/67024\/Klinikalltag-Ueber-die-Kraft-der-Spiegelneuronen\">nachlesen<\/a>. Da geht es um Vorbildsein in Verhalten und Reden und dass man dies in Bezug auf eine F\u00fchrungskraft auf einer unterbewussten Ebene nachahmt &#8211; im Guten wie im Schlechten.<\/p>\n<p>Was ich also <del>gelernt<\/del>\u00a0erfahren habe, ist, dass diese Sache mit der Kommunikation nicht losgel\u00f6st von der (Standort-)Bestimmung der (eigenen \/ F\u00fchrungs-)Pers\u00f6nlichkeit anzugehen ist.<\/p>\n<p>Und deswegen hasse ich Rollenspiele. Sie sind nie Spiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon angedeutet, habe ich mich in die Module zur Fortbildung f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte eingereiht, um mich fit zu machen f\u00fcr meine allt\u00e4glichen Aufgaben. 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