{"id":4124,"date":"2015-02-28T18:49:45","date_gmt":"2015-02-28T17:49:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=4124"},"modified":"2015-02-28T21:50:34","modified_gmt":"2015-02-28T20:50:34","slug":"5-minuten-schulleitung-das-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2015\/02\/5-minuten-schulleitung-das-system\/","title":{"rendered":"5 Minuten Schulleitung &#8211; Das System"},"content":{"rendered":"<p>Ambiguit\u00e4tstoleranz &#8211; das ist ja das Wort, das mir so durch den Kopf geht seit Monaten. Im engeren Sinne von mir verstanden als die F\u00e4higkeit, die Widerspr\u00fcche und den Irrsinn in gr\u00f6\u00dferen und komplexeren\u00a0Systemen zu ertragen.<\/p>\n<p>Ich denke da oft an eine Stunde, die, wenn ich es heute recht erinnere, eine hospitierte Stunde\u00a0einer Referendarin war, die bei uns Mathematik unterrichtete als ich etwa in der 8. Klasse war. Eine Referendarin, die bei uns nicht viel zu lachen hatte und leider Gottes auch nicht viele M\u00f6glichkeiten, uns etwas entgegenzusetzen. Alle wussten es, aber es wurde fein Theater gespielt. Und das hat mich in dieser Stunde gefuchst bis irgendwann irgendwas aus mir herausplatzte, nur einen kurzen Moment, nur ein kurzer Satz &#8211; der mich sp\u00e4ter in das Zimmer des Direktors brachte. Und ich habe versucht zu erkl\u00e4ren, dass mich das Theater unglaublich ge\u00e4rgert hat, weil es so gar nicht dem Alltag entsprach. Ich wei\u00df nicht mehr, was er mir sagte.<\/p>\n<p>Sicher, Pubert\u00e4t. Aber ist denn alles schlimm daran?<\/p>\n<p>Bis heute neige ich dazu, zu provozieren, zu sticheln, das Maul aufzutun &#8211; manchmal mit guten Argumenten, andermal mit der reinen Lust am Sticheln.\u00a0Und doch auch immer wieder gern \u00fcberrascht, wie gut manches zu treffen ist.<\/p>\n<p>So darf ich z.B. keine Praktika mehr absolvieren an dem Gymnasium, an dem ich Abitur gemacht habe. Eine nicht vergessene (Ist das dasselbe wie &#8222;unvergessen&#8220;?) Abschlussrede und ein Interview in der Sch\u00fclerzeitung 3 Jahre nach dem Abitur w\u00e4hrend eines Praktikums reichten da aus.\u00a0Ich darf hier auf diesem Blog das Wort &#8222;Zwangsfortbildung&#8220; in bestimmten Zusammenh\u00e4ngen nicht erw\u00e4hnen. Ich darf nicht mehr Geschichten erz\u00e4hlen, bei denen mein Name in Verbindung mit bestimmten Institutionen gebracht werden kann. Ich erinnere mich an ein Gespr\u00e4ch, bei dem mir unterschwellig mit einem Anwalt gedroht wurde (&#8222;Ich habe das einem Freund gezeigt, der Anwalt ist. Der hat mir gesagt, dass man diese \u00c4u\u00dferungen auch anzeigen kann.&#8220;). In dem Bewerbergespr\u00e4ch f\u00fcr den Zweiten Realschulkonrektor ertappte ich mich irgendwann, wie ich anfing mit dem Gegen\u00fcber kritisch \u00fcber das bayerische Schulsystem zu diskutieren. Der Blick des Beisitzers brachte mich schnell dazu, ein anderes Thema anzuschneiden. Schlie\u00dflich ist mein sch\u00e4dlicher Einfluss anscheinend so gro\u00df, dass ich mittlerweile keine Praktikanten mehr betreuen darf. Und so schlie\u00dft sich der Kreis.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werde ich \u00fcbersch\u00e4tzt. Gnadenlos.<\/p>\n<p>In meinem Alltag erlebe ich dagegen Dutzende Geschichten mehr in dem Vieleck von Eltern, Sch\u00fclern, Kollegen, Schulsystem, in denen mir oft innerlich\u00a0die Toleranz entgleitet. Aber eben innerlich.<\/p>\n<p>Zwei positive scheinende Entwicklungen mache ich dabei offenbar durch. Erstens gelingt es mir immer mehr, innere Distanz zu diesen Widerspr\u00fcchen aufzubauen und zweitens damit nach au\u00dfen wahrscheinlich auch professioneller zu wirken. Im Endeffekt frage ich mich aber, ob dies noch Toleranz ist oder nicht auch schon ein St\u00fcck Resignation.<\/p>\n<p>Aber ich schlafe mittlerweile wieder gut.<\/p>\n<p>Komat\u00f6s in der Regel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ambiguit\u00e4tstoleranz &#8211; das ist ja das Wort, das mir so durch den Kopf geht seit Monaten. Im engeren Sinne von mir verstanden als die F\u00e4higkeit, die Widerspr\u00fcche und den Irrsinn in gr\u00f6\u00dferen und komplexeren\u00a0Systemen zu ertragen. 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