{"id":426,"date":"2011-01-18T22:47:09","date_gmt":"2011-01-18T21:47:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=426"},"modified":"2011-12-31T11:42:57","modified_gmt":"2011-12-31T10:42:57","slug":"der-aufsatz-als-konigsform-des-deutschunterrichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2011\/01\/der-aufsatz-als-konigsform-des-deutschunterrichts\/","title":{"rendered":"Der Aufsatz als K\u00f6nigsform des Deutschunterrichts"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bauchgepinselt f\u00fchlte ich mich, als ich gefragt wurde, ob ich nicht an der Uni lehren m\u00f6chte, in einem Semester, zu einem Thema.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich dachte: &#8222;Aufsatz mache ich seit zehn Jahren, kann ich. Noten gebe ich auch ne ganze Menge, kann ich auch.&#8220; Also mache ich was zu den Themen Aufsatzunterricht und Leistungsbeurteilung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das klingt selbstbewusst, aber ich hatte schon seit geraumer Zeit gedacht: Da lernen und machen wir Gruppenarbeit, Standbilder, Kugellager, Pr\u00e4sentationen, Websites, Foto-Storys uvm. im Unterricht, weil wir es wichtig finden und in Ordnung. Aber wenn es auf die Schulaufgabe zugeht, dann gilt der schriftliche Aufsatz als K\u00f6nigsform des Deutschunterrichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An ihm jubelt oder scheitert der Sch\u00fcler. Ihn gilt es in festgelegter Zeit zu schreiben. Er wird korrigiert in n\u00e4chtlichen Sitzungen. Herausgegeben. Schon wieder ein Schnitt von 3,47. Mit den Eltern diskutiert. Die Rechtschreibung war diesmal in Ordnung. Sprachlich ist er etwas monoton. Die Behauptungen fehlten und die Einleitung war auch nicht sehr originell. Ich konnte fr\u00fcher auch nie Aufs\u00e4tze. Das vererbt sich nicht, h\u00f6h\u00f6h\u00f6. Und dann die n\u00e4chste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ich finde das Schreiben wichtig und jeder, der kurz dr\u00fcber nachdenkt, wird viele Aspekte nennen k\u00f6nnen, die dem Schreiben in jedem Fall \u00fcber das <strong>Richtig<\/strong>-Schreiben-K\u00f6nnen hinaus gro\u00dfe Bedeutung geben. Aber wie sieht es im Unterricht aus, wenn ich eine Aufgabe stelle, bei der die Sch\u00fcler schreiben sollen. Immer kommt die Frage: &#8222;Wird das beurteilt?&#8220; Und wenn ich das verneine, dann wird sich i.d.R. auch keine M\u00fche gegeben. Klar, wird ja nicht benotet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinzu kommt <em>meine<\/em> Unzufriedenheit, denn die Aufgaben, die ich in den Schulaufgaben stelle, w\u00fcrde ich, w\u00e4ren sie an mich gerichtet, ablehnen. Denn wie bitte sollte ich \u00fcber ein Thema, von dem ich vorher nie was geh\u00f6rt habe, sprachlich einwandfrei und ausdrucksstark, abwechslungsreich, wom\u00f6glich eloquent argumentativ oder einfach nur kreativ, inhaltlich reich an Fakten formulieren? In einer Stunde, meinetwegen zwei. Ohne, dass ich wirklich \u00fcberarbeiten k\u00f6nnte, ohne die Chance, nach ein paar Tagen Abstand noch einmal dr\u00fcber zu reflektieren? Ohne echtes Korrekturlesen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nein, so w\u00fcrde ich nicht schreiben wollen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fordere es aber seit Jahren von meinen Sch\u00fclern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was aber geh\u00f6rt zum Schreiben?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Eine gr\u00fcndliche Recherche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Ausf\u00fchrliches Formulieren in mehreren Varianten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Gr\u00fcndliches \u00dcberarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Geht das im Unterricht?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich probiere etwas st\u00fcmperhaft derzeit zwei Dinge aus: Das Schreibportfolio und das mehrstufige Korrigieren. Zwei einfach Sachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <strong>Schreibportfolio<\/strong> werden die Texte, die der Sch\u00fcler schreibt, gesammelt. Ich grenze die Anzahl ein, betone aber, dass sowohl Entw\u00fcrfe wie die \u00dcberarbeitungen und vor allem aber die Reinfassung am Ende hinein sollen. Die Formen orientieren sich an den vorgebenen Schulaufgaben &#8211; plus ein freier Text im Umfang einer DINA4 Seite. Ein <a href=\"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/wp-dox\/beschreibung-schreibportfolio.pdf\">Hinweisblatt f\u00fcr die Sch\u00fcler<\/a> erkl\u00e4rt es. Das Portfolio wird benotet im Halbjahr als (in Bayern sogenannter) Kleiner Leistungsnachweis. Meine Sch\u00fcler d\u00fcrfen zudem ihr Portfolio auch in den Schulaufgaben mitnehmen, sozusagen als Formelsammlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <strong>mehrstufigen Korrigieren<\/strong> soll ebenfalls vor allem die M\u00f6glichkeit gegeben werden, Texte zu \u00fcberarbeiten. Dazu schreibt der Sch\u00fcler seinen Text zu einer Schreibaufgabe in einer ersten Fassung. Diese werden eingesammelt und nach ein paar Tagen wieder ausgeteilt &#8211; dabei muss nichts gelesen worden sein, geschweige korrigiert. Der Sch\u00fcler erh\u00e4lt die M\u00f6glichkeit, mit Abstand seinen Text zu \u00fcberarbeiten. Dieser wird erneut eingesammelt und nun etwas genauer betrachtet. Dabei geht es nicht um Rechtschreibung o.\u00e4. in vorderster Linie, sondern es werden Vorschl\u00e4ge gemacht und notiert, wie der Text \u00fcberarbeitet \/ verbessert werden k\u00f6nnte. Diese Vorschl\u00e4ge k\u00f6nnen vom Lehrer kommen oder von den Mitsch\u00fclern, wenn man die Texte durch die Klasse auf eine Reise schickt. Es kann erg\u00e4nzt werden durch einen Bewertungsbogen. Dann erh\u00e4lt der Sch\u00fcler die M\u00f6glichkeit, eine endg\u00fcltige Reinfassung anzufertigen (er kann dabei die Vorschl\u00e4ge der anderen annehmen oder nicht), die er dann als Endprodukt abgibt. Diese wird dann benotet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorteile &#8211; das hoffe ich doch: man kann die Entwicklung eines Textes nachvollziehen und somit den Prozess erfassen. Beurteilt wird also auch die F\u00e4higkeit des Sch\u00fclers zu \u00fcberarbeiten und mit Vorschl\u00e4gen anderer umzugehen. Und, das hoffe ich wirklich, durch die M\u00f6glichkeit, dem Text wirklich eine gute und ordentliche Form zu geben, w\u00e4chst auch die Beziehung des Sch\u00fclers zu dem, was er schreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klingt nach Mehrarbeit&#8230;h\u00f6re ich es wieder (sind es dieselben, die auch \u00fcber ihre Korrekturen best\u00e4ndig jammern?). N\u00f6, ist es nicht, sage ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PS: Diesen Text m\u00fcsste ich auch noch \u00fcberarbeiten, aber das habe ich schon so oft. Irgendwann muss man auch mal Schluss machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bauchgepinselt f\u00fchlte ich mich, als ich gefragt wurde, ob ich nicht an der Uni lehren m\u00f6chte, in einem Semester, zu einem Thema. Ich dachte: &#8222;Aufsatz mache ich seit zehn Jahren, kann ich. Noten gebe ich auch ne ganze Menge, kann ich auch.&#8220; Also mache ich was zu den Themen Aufsatzunterricht und Leistungsbeurteilung. 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