{"id":4309,"date":"2016-01-07T19:12:46","date_gmt":"2016-01-07T18:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=4309"},"modified":"2016-01-07T19:12:46","modified_gmt":"2016-01-07T18:12:46","slug":"3-monate-schulleitung-umbrueche-abschiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2016\/01\/3-monate-schulleitung-umbrueche-abschiede\/","title":{"rendered":"3 Monate Schulleitung: Umbr\u00fcche, Abschiede"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">September<\/p>\n<p><strong>Ich bin eine Hausbesetzung.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein Satz, der mir gef\u00e4llt. Er beschreibt den Umstand, dass ich als Mitglied des Kollegiums in die Schulleitung gewechselt bin.<\/p>\n<p>In den zur\u00fcckliegenden Jahren war das sehr angenehm, weil man viel von den sozialen Anpassungsvorg\u00e4ngen \u00fcberspringen konnte. So gesehen, ist das Leben f\u00fcr mich an meiner Schule sehr bequem.<\/p>\n<p>Mittlerweile habe ich aber gemerkt, dass mich die Hausbesetzung eher hindert. Hindert daran zum Beispiel, bestimmte Dinge anzusprechen und neue Dinge anzuregen, Gespr\u00e4che ordentlich zu f\u00fchren &#8211; und ja, letztlich auch meinen Platz in meiner Rolle zu finden. Ich wei\u00df, es gibt Konrektoren, die das schaffen &#8211; f\u00fcr mich gilt das nicht. In den zur\u00fcckliegenden Ferien habe ich das irgendwie herausgefunden, beim Wandern glaube ich ist mir das klar geworden. Irgendwo an einem Ort, wo ich das Gef\u00fchl hatte, dass sich mein Verstand mal wieder ungehindert ausbreiten konnte. Und seitdem ich diesen Gedanken mal hatte, hat er mich nicht mehr losgelassen.<\/p>\n<p>Vor zehn Tagen habe ich diesen Gedanken konkreter werden lassen, nach einem langen Gespr\u00e4ch mit meiner Frau, das sich nicht nur um den Beruf drehte, sondern allgemein auch um den Umstand, seit 18 Jahren im Beruf zu stehen und noch 22 Jahre vor sich zu haben &#8211; und sich nicht richtig vorstellen zu k\u00f6nnen, ob das Aktuelle noch f\u00fcr die ganzen folgenden Jahre reicht.<\/p>\n<p>Manche nennen das Midlife Crisis &#8211; ist es wahrscheinlich auch.<\/p>\n<p>Aber ich habe mal die Konsequenz draus gezogen und mir einen Porsche gekauft.<\/p>\n<p>Nicht.<\/p>\n<p>Auch kein Motorrad.<\/p>\n<p>Ich habe mich neu beworben, an zwei andere Schulen.<\/p>\n<p><strong>Bewerbungen<\/strong><\/p>\n<p>In Bayern werden Funktionsstellen vom KM ausgeschrieben. Auf diese bewirbt man sich dann. Das geht einfach in einem formellen Schreiben und angeh\u00e4ngtem Lebenslauf. Die Beurteilung liegt ja sowieso vor.<\/p>\n<blockquote><p>Ausschreibung von Funktionsstellen:\u00a0KMS Nr. IV.3 &#8211; BP 6001.1 &#8211; 5a.122 560<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>hiermit bewerbe ich mich um die Stelle des st\u00e4ndigen Vertreters des Schulleiters an der Staatlichen Realschule &#8230;<\/p>\n<p>Hochachtungsvoll<\/p><\/blockquote>\n<p>Danach wartet man und wird irgendwann zu einem Bewerbergespr\u00e4ch eingeladen, welches auf jeden Fall mit dem neuen Schulleiter zusammen stattfindet. Dort beschnuppert man sich gegenseitig und schaut, ob es passt.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend werden Bewerbungen, Notizen und \u00dcberlegungen an das KM geschickt und dort entscheidet dann jemand, mehrere, wer auch immer.<\/p>\n<p>Alles recht unspektakul\u00e4r.<\/p>\n<p><strong>Meine Schulen<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich auf zwei extremst gegens\u00e4tzliche Schulen beworben. Auf der einen Seite Landschule, gut ausgestattet, eingesessenes Kollegium. Auf der anderen Seite Stadtschule, mitten drin, in einem \u00dcbergangsgeb\u00e4ude, anstehender Neubau, junges Kollegium.<\/p>\n<p>Beide Schulen interessant. Beide Schulen mit sympathischen Schulleitern. Beide j\u00fcnger als ich &#8211; zugegeben, es geht um Wochen j\u00fcnger. Beide Schulen reizen mich.<\/p>\n<p>Ich habe mich nicht auf Aufstiegsposten beworben, sondern auf Posten auf meiner Ebene. Ich wei\u00df, dass ich f\u00fcr den Chefposten noch nicht reif bin. Ich muss sicher lernen. Viel mehr lernen.<\/p>\n<p><em>Auf den Ausschreibungen habe ich allerdings einen Rektorposten gesehen, der mich z\u00f6gern lie\u00df. 5 Minuten lang sicherlich. Ich denke mir grad, ich h\u00e4tte es versuchen sollen. Nein. Doch. Egal. Nein. Es war der Rekorposten der ersten Schule, auf der ich nach dem Referendariat 1999 war. Erste Stelle als Junglehrer. Aber mein Hang zu seltsamen Scherzen hat Grenzen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Oktober<\/p>\n<p><strong>Vorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>In dem Moment, in dem ich den letzten Abschnitt geschrieben habe und eben diesen jetzt, sind die Bewerbergespr\u00e4che gelaufen. Beide liefen gut, nach meinem Empfinden. Ich denke, ich habe bei beiden Schulen Chancen. Soweit kann ich das einsch\u00e4tzen. Aber es wird eben doch woanders\u00a0entschieden. In M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2347.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4368\" src=\"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2347.jpg\" alt=\" width=\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2347.jpg 650w, https:\/\/www.kubiwahn.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_2347-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">(Hier wird&#8217;s entschieden: Staatskanzlei, M\u00fcnchen; Naja, etwas entfernt davon, glaube ich, beim Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus, in Spuckweite\u00a0der Feldherrnhalle)<\/h6>\n<p>Doch egal, was dabei heraus kommt, ich muss mich wohl vorbereiten. Logischerweise muss ich meinen Ausstieg aus der alten Schule planen, was ich\/wir (in der Schulleitung) schon tun. Arbeitsweisen, Datenablage und Vorg\u00e4nge m\u00fcssen er- und gekl\u00e4rt werden. Passworte gesichert. Ich habe schon schlechte und sehr schlechte \u00dcberg\u00e4nge von einem zum anderen Schulleitungsmitglied erlebt. Ich will es gut machen.<\/p>\n<p>Derzeit bin ich bange ob des Termins, an dem ich dem Kollegium offenbaren muss, dass ich gehe. Ich kann die Reaktionen nicht absch\u00e4tzen. Und eigentlich m\u00f6chte ich so wenig Aufsehen wie m\u00f6glich. Ob es noch in diesem Jahr sein wird, wei\u00df ich nicht. Wei\u00df auch nicht, ob es ein sch\u00f6nes Weihnachtsgeschenk werden wird. Ebenso wenig freue ich mich darauf, mich von meinen Klassen zu verabschieden. Besonders die Kleinen sind mir doch ans Herz gewachsen, schon wieder, schon nach wenigen Wochen.<\/p>\n<p>Und dann die Vorbereitung auf die neue Schule. Da der Wechsel im Halbjahr stattfinden wird, wird es keine Ferien geben. Wenn es ganz dumm l\u00e4uft, dann hei\u00dft das, am Freitag aus der einen Schule rausgehen und am Montag in die neue rein. Das wird im besten Falle sehr interessant werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">November<\/p>\n<p><strong>Nachrichten<\/strong><\/p>\n<p>Durch ein offensichtliches Missverst\u00e4ndnis habe ich letzte Woche erfahren, in welche Schule ich versetzt werden soll. Ich wusste aber zum Gl\u00fcck, dass einer solchen Information immer die &#8222;Schweigephase&#8220; folgt. In dieser muss abgewartet werden, ob Einspruch gegen die Entscheidung erhoben wird. Also schwieg ich.<\/p>\n<p>Zwei Tage nach diesem Missverst\u00e4ndnis bekam ich dann quasi inoffiziell-offiziell dieselbe Nachricht noch einmal. Mit dieser Information werden dann die Absagen per Post verschickt. Ich m\u00fcsste also eine Absage bekommen, vom KM \u00fcber die Stelle an der anderen Schule. Ich darf aber erst in 14 Tagen etwas sagen.<\/p>\n<p>Das Kollegium wei\u00df noch nichts. Ich muss dennoch einige Kollegen langsam vorbereiten, weil ich merke, dass ich, trotz des Wissens um meinen baldigen Abgang, dennoch Pl\u00e4ne mit Kollegen schmiede oder sie mit mir, so als wenn ich nicht im Februar gehen w\u00fcrde. Das sollte ich bremsen &#8211; ich habe keine Lust als derjenige in die Geschichte einzugehen, der Arbeit plant und sich dann vom Acker macht. Auch wenn ich scheinbar weiterhin gute Ideengg habe.<\/p>\n<p>Ich habe 1997 mein erstes Staatsexamen abgelegt und bin danach im September ins Referendariat gegangen. 1999 habe ich dann die erste Stelle angetreten. 2000 habe ich mich auf eigenen Wunsch versetzen lassen. 2003 habe ich mich auf eigenen Wunsch versetzen lassen. 2005 habe ich mich auf eigenen Wunsch versetzen lassen. 10 Jahre bin ich jetzt also hier &#8211; und lasse mich auf eigenen Wunsch versetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dezember<\/p>\n<p>Ich bin aufgeregt, das l\u00e4sst sich nicht leugnen. Vor allem diese Schweigephase ist nicht so mein Ding. Ich laufe durch eine Schule und spreche mit Kollegen als wenn alles so weiter ginge. 14 Tage noch.<\/p>\n<p>Den\u00a0Brief aus dem KM bekommen: Absage f\u00fcr die eine Stelle, auf die ich mich beworben habe. Den hatte ich erwartet. Ein zweiter kommt nicht, ich wei\u00df es ja.<\/p>\n<p>Irgendwann ruft das KM an und ich muss das Telefon abnehmen. Ein netter Herr und ich muss mich mit ihm kurz \u00fcber die Personalfragen des weiten Halbjahres unterhalten &#8211; quasi mit ihm \u00fcber die Besetzung meiner wegfallenden Stunden. Ich wei\u00df, dass mein Chef nicht amused ist ob dieser Arbeit. W\u00e4hrend des Jahres Aushilfen zu bekommen, ist sehr schwierig, trotz der niedrigen Einstellungszahlen. Viele haben schon etwas oder schulen um, andere wollen nicht so weit fahren (auch das gibt es) oder nicht f\u00fcr nur wenige Stunden. So reibungslos wie ich dachte, wird mein Abgang dann wohl doch nicht.<\/p>\n<p>14 Tage sp\u00e4ter: Die Bombe im Kollegium bez\u00fcglich meines Weggangs habe ich nun mittlerweile nicht selbst gez\u00fcndet, sondern &#8211; nach Absprache &#8211; mein Chef. Ich bin leider krankgeschrieben und es war notwendig, dass im Kollegium Klarheit herrscht, auch weil die Umschichtung des Unterrichts ansteht.<\/p>\n<p>Ich treffe in den n\u00e4chsten Tagen meinen neuen Chef dann, um die ersten Absprachen \u00a0bez\u00fcglich meiner Amtseinf\u00fchrung und der kommenden Arbeit zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Es wird spannend.<\/p>\n<p>Aber das wollte ich ja.<\/p>\n<p>Januar<\/p>\n<p>Ich habe die schriftliche Best\u00e4tigung bekommen. Es wurde \u00fcbrigens die Stadtschule.<\/p>\n<p>Seit heute wissen es die Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Und ihr jetzt auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>September Ich bin eine Hausbesetzung. Das ist ein Satz, der mir gef\u00e4llt. 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