{"id":4472,"date":"2016-03-13T22:14:44","date_gmt":"2016-03-13T21:14:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=4472"},"modified":"2016-03-13T22:14:44","modified_gmt":"2016-03-13T21:14:44","slug":"drei-wochen-schulleitung-a9-a6-a73","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2016\/03\/drei-wochen-schulleitung-a9-a6-a73\/","title":{"rendered":"Drei Wochen Schulleitung: A9 &#8211; A6 &#8211; A73"},"content":{"rendered":"<p><strong>Woche 1<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip durchgehend mit Magenschmerzen verbracht, die aber schon eine Woche vorher angefangen haben. Ursache war das, was ich mir gew\u00fcnscht hatte. Neue Schule, neue Kollegen, neue Sch\u00fcler, neue Stadt, neues Alles. Sowas strapaziert mich. Aber es war in dem Rahmen, in dem ich es erwartet habe.<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkt wurde das aber eben durch das Gef\u00fchl in der ersten Woche, nutzlos zu sein. Ich hatte keine Ahnung wie der Laden funktioniert, kannte keine Abl\u00e4ufe, keine Wege &#8211; musst sogar nach dem Klo fragen, nach der Kaffeemaschine, wie das Telefon funktioniert, der Kopierer (mordsm\u00e4\u00dfiges Teil, was heftet, locht und faltet). Dazu keine Aufgaben au\u00dfer Unterricht. Was h\u00e4tte ich auch machen sollen? Ich sa\u00df halt in meinem B\u00fcro.<\/p>\n<p><strong>Woche 2<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann schon allein gehen. Finde die Klassenzimmer auf Anhieb. Kenne schon etwa 25% der Namen. Langsam kommen meine Aufgaben. Langsam wei\u00df ich was.<\/p>\n<p>Erste Abendtermine.<\/p>\n<p>Der Rhythmus am Morgen wird erg\u00e4nzt durch folgende Gedankenreihen:<\/p>\n<ul>\n<li>zwanzig vor Sieben die Gartent\u00fcr schlie\u00dfen<\/li>\n<li>sp\u00e4testens 6:55 auf der A6 sein<\/li>\n<li>vor 7:00 auf der A73<\/li>\n<li>dann linke Spur, sp\u00e4testens am Ende des Betonteilers zur A6<\/li>\n<li>rechte Spur dann nach der Abfahrt in Richtung W\u00fcrzburg<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Woche 3<\/strong><\/p>\n<p>Und schon werfen die Abschlusspr\u00fcfungen ihre Schatten voraus, d.h. einer meiner Arbeitsbereiche wird akut. Und damit beginnt alles: Organisation, Gespr\u00e4che &#8211; Gespr\u00e4che, Gespr\u00e4che. Weitere Abendtermine.<\/p>\n<p><strong>Schule<\/strong><\/p>\n<p>Nur noch mal dazu: Eine junge, wachsende Schule. Derzeit \u00fcber 600 Sch\u00fcler, final sollen es \u00fcber 900 werden. Derzeit in einem \u00dcbergangsgeb\u00e4ude mit allen Nachteilen (Stellen Sie sich eine Schule in einem Industriegebiet vor, mit Blick auf die Autobahn-Tangente, aber grunds\u00e4tzlich sehr weiter Blick, im vierten Stock). In 1,5 Jahren der Umzug in den Neubau.<\/p>\n<p>Insgesamt \u00fcber 40 verschiedene Nationalit\u00e4ten unter den Sch\u00fclern. Ich unterrichte 4 von meinen 5 m\u00f6glichen F\u00e4chern in 7 Klassen. Das ist etwas anstrengend, vor allem das Namenlernen. Und ich meine nicht nur die vielen ungewohnten Namen, sondern einfach in der Menge. Wenn man 10 Jahre an einer Schule ist, kennt man viele Sch\u00fcler, auch wenn man sie nicht im Unterricht hat &#8211; vor allem als Teil der Schulleitung. So aber muss man wirklich bei Null anfangen.<\/p>\n<p>Und dazu ein kompaktes, junges Kollegium, bei dem ich mich freundlich aufgenommen f\u00fchle.<\/p>\n<p>Der letzte Satz ist etwas kurz, ganz absichtlich. Denn mein<\/p>\n<p><strong>Ruhm<\/strong><\/p>\n<p>eilt mir voraus.<\/p>\n<p>Schon beim ersten Gang ins Lehrerzimmer wurde ich mit Handschlag begr\u00fc\u00dft und gleich danach mit einem &#8222;Und \u00fcbrigens, ich lese Ihren Blog&#8220;. Erst letzte Woche steckte eine andere Kollegin ihren Kopf in mein B\u00fcro und outete sich ebenfalls in dieser Hisicht. Ich kam in meiner Verdutztheit wenigstens dazu zu fragen, woher sie wei\u00df, dass ich es bin und wie sie auf den Blog kam. Ihre Antwort war: &#8222;Ein andere Lehrer hat mir davon in der U-Bahn erz\u00e4hlt. Und dann habe ich gleich den einen Beitrag gelesen und als sie in der Konferenz erw\u00e4hnten, dass&#8230;.usw.&#8220; (Liebe Kollegin: Ich habe Ihnen gesagt, dass Sie hier nicht vorkommen. Entschuldigen Sie, jetzt eben doch. Ich brauche diese Geschichte grad als \u00dcberleitung.)<\/p>\n<p>Was ich sagen will: Ich komme gut zurecht, diesen Aspekt meines Bloggens jedoch muss ich erstmal einsortieren. Klar ist das dumm. Ich schreibe seit 2010, irgendwann m\u00fcssen ja mal Kollegen auftauchen &#8211; und es gibt sie ja schon. Bisher kannte ich sie halt. Jetzt zum ersten Mal aber ist den Menschen, denen ich begegne, mein Blog vor mir selbst begegnet. Das ist ein seltsames Gef\u00fchl.<\/p>\n<p><strong>Schluss<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin da, wo ich hinwollte. Es hat sich bisher alles erf\u00fcllt, was ich mir erhofft hatte. Ich merke, dass ich den Schritt nicht bereue. Und ich glaube, ich werde es auch nicht auf die n\u00e4chsten Jahre. Ich merke gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Schulen, aber Sch\u00fcler sind Sch\u00fcler und ich bin weiter neugierig auf sie. Und ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung. Es ist viel Arbeit, u.a. weil sich in der Schulleitung die anfallenden Aufgaben anders verteilen. Der Kern der Leitung besteht nun aus nur zweien &#8211; an der alten Schule waren wir drei. Die erweiterte Leitung kommt allerdings hinzu und besteht aus zwei Kollegen, ohne die es nicht ginge, die fit sind.<\/p>\n<p>Die Aufgaben sind ansonsten, grob betrachtet, auch grob verteilt: Chef=Personal\/Geb\u00e4ude, Konni=Sch\u00fcler\/Pr\u00fcfungen\/Aufnahme. Hei\u00dft hier dann aber auch, im Unterschied zu vorher, auf Dauer vollumf\u00e4nglich in eigener Verantwortung.<\/p>\n<p>Habe ich erw\u00e4hnt, dass ich \u00e4lter bin als mein Chef?<\/p>\n<p>(Sorry Chef, das musste jetzt doch noch sein.)<\/p>\n<p>Wie gesagt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woche 1 Im Prinzip durchgehend mit Magenschmerzen verbracht, die aber schon eine Woche vorher angefangen haben. Ursache war das, was ich mir gew\u00fcnscht hatte. Neue Schule, neue Kollegen, neue Sch\u00fcler, neue Stadt, neues Alles. Sowas strapaziert mich. Aber es war in dem Rahmen, in dem ich es erwartet habe. 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