{"id":4749,"date":"2017-03-22T13:31:40","date_gmt":"2017-03-22T12:31:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kubiwahn.de\/blogwahn\/?p=4749"},"modified":"2017-03-22T13:31:40","modified_gmt":"2017-03-22T12:31:40","slug":"kranke-schulleitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kubiwahn.de\/wordpress\/2017\/03\/kranke-schulleitung\/","title":{"rendered":"Kranke Schulleitung"},"content":{"rendered":"<h2>Entschuldigung!?<\/h2>\n<p>Bei Twitter entdeckte&nbsp;ich neulich, dass eine Kollegin, die ich dort lese, ein krankes Kind daheim hatte und nun durch \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde gezwungen war, daheim zu bleiben. Danach wollte sie den KollegInnen, die sie vertreten hatten, Schokolade als Entschuldigung mitbringen.<\/p>\n<p>Ich lehnte das vehement ab.<\/p>\n<p>Ein paar Jahre lang habe ich Vertretungspl\u00e4ne gemacht und &nbsp;stand oft vor diesem Fall: Kind krank, Lehrerin-Mama bleibt daheim. Das hat mich lange Zeit gefuchst, denn mir schien die Denke dahinter zu stehen, dass jeder andere Job wichtiger ist als der Lehrerjob, wenn es darum geht, sich um ein krankes Kind zu k\u00fcmmern. Die Kolleginnen an der Schule k\u00f6nnen das alles schon ausgleichen, was bei Siemens oder MAN oder im Krankenhaus nicht ging.<\/p>\n<p>Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, dass die meisten Kolleginnen in diesem Zusammenhang durchaus auch die engagierten waren, diejenigen, die den Ausfall zum einen durch eigene Anstrengung kompensieren&nbsp;konnten oder aber durch vorbereitete Arbeitsauftr\u00e4ge. (Nat\u00fcrlich kannte ich auch andere F\u00e4lle.) Ich war bes\u00e4nftigt. Auch ohne Schokolade. Ich war angesichts meiner chaotischen Arbeitsplanung auch immer ein wenig neidisch, wie die Kolleginnen das so auf die Reihe bekamen. Und letztlich war ich eigentlich der Meinung, dass das System Schule solche Fehlzeiten verkraften m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Entsprechend empfahl ich dort nach Entschuldigungen zu suchen, wo derart eng gestrickte Kollegien zusammen gebastelt werden m\u00fcssen, dass der Ausfall von einem oder zwei KollegInnen derartige Unwuchten erzeugt.<\/p>\n<p>Zugegebenerma\u00dfen hatte ich den Tweet der Kollegin oben bei meiner Bewertung zu schnell gelesen und erst gedacht, dass sie krank gewesen w\u00e4re. In diesem Zusammenhang erschien mir die Entschuldigung noch&nbsp;deplatzierter. Es ist doch ein Unding, sich daf\u00fcr zu entschuldigen, dass man krank ist. Oder auch nur, dass man das Gef\u00fchl hatte, es zu entschuldigen.<\/p>\n<h2>Langfristige Ausf\u00e4lle in der Schule ausgleichen<\/h2>\n<p>Mittlerweile wei\u00df ich aber zu gut, wie schwer es ist als Schulleitung Ausf\u00e4lle auszugleichen. Letztlich h\u00f6re ich ja oft im Untergrund die Vorw\u00fcrfe: Warum macht ihr nicht? Es kann doch nicht so schwer sein!<\/p>\n<p>Nehmen wir ein Beispiel: An einer fiktiven Schule fallen \u00fcber die ersten 6 Monate drei KollegInnen mit dem Fach Deutsch aus, aus&nbsp;verschiedenen Ursachen, f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit. Dies zu kompensieren ist nahezu unm\u00f6glich. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind \u00fcberschaubar:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Pool der Mobile Reserven ist&nbsp;in der Regel schon von Beginn des Schuljahrs an ausgesch\u00f6pft<\/li>\n<li>Referendare, die keine Stelle bekommen haben, sind bis zu diesem Zeitpunkt schon irgendwo anders untergekommen<\/li>\n<li>bei externen Aushilfen ist es ebenso, wenn nicht, dann lehnen sie es ab, nur f\u00fcr kurze Zeit angestellt zu werden oder nicht f\u00fcr die wenigen oder vielen Stunden, die man ihnen anbieten kann<\/li>\n<li>besonders \u00e4tzend: Stellensuchende, die sich nicht von der Angebotsliste streichen und die man dann anruft, die dann irgendwann gn\u00e4digerweise&nbsp;antworten, dass sie schon was haben<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was bleibt ist dann, Wahlunterrichte aufzul\u00f6sen, ebenso wie F\u00f6rderma\u00dfnahmen oder andere Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen, um das zu kompensieren. Und dieser Umstand bringt deutlich mehr Belastung f\u00fcr den Einzelnen als ein paar Vertretungsstunden und es macht die Schule \u00e4rmer, weil dar\u00fcber hier ja oft das Profil oder die Schulentwicklung l\u00e4uft.<\/p>\n<h2>Und noch was unvermeidlich Pers\u00f6nliches am Ende<\/h2>\n<p>Ich war Ende Februar krank und bin entgegen des sorgenvollen Blickes meines Arztes zur Arbeit gegangen &#8211; obwohl ich mir das in den vergangenen Jahren eigentlich abgew\u00f6hnt glaubte. Jetzt nach vier Wochen fiel mir dann doch auf, dass die angegriffenen und verstopften Nebenh\u00f6hlen dazu f\u00fchrten, dass ich seit Tagen mit Kopfschmerzen aufwachte und damit auch zur Schule ging. Aber ich musste die Schulaufgabe der 10. doch noch schreiben! &#8211; die Klasse, die ich schon au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig \u00fcbernommen hatte, weil jemand ausgefallen war.<\/p>\n<p>Jedenfalls ging&nbsp;ich doch noch mal zum Arzt und nun bin ich krankgeschrieben, nehme Antibiotika, Schleiml\u00f6ser gegen&nbsp;die Gr\u00fctze im Kopf und Zeug gegen zu hohen Blutdruck, der sich jetzt in dieser Zeit auch noch hartn\u00e4ckig zeigte.<\/p>\n<p>Es dankt einem keiner, wenn man krank zur Arbeit geht. Man bekommt daf\u00fcr keine Tapferkeitsmedaille. Und ich bewundere da auch keinen. Ich \u00e4rgere mich da grad eher \u00fcber mich selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entschuldigung!? Bei Twitter entdeckte&nbsp;ich neulich, dass eine Kollegin, die ich dort lese, ein krankes Kind daheim hatte und nun durch \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde gezwungen war, daheim zu bleiben. 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