5 Minuten Schulleitung – Kein Kommentar

Ich weiß nicht genau, woher es kommt, aber ich scheine irgendwie stabilisiert zu sein. Leider kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, warum – es wäre ja schön, wenn man diesen Gefühlszustand abrufen kann, wenn man ihn braucht. Aber ich versuche ihn zu genießen.

Man darf das nicht falsch verstehen – ich stehe morgens auf und denke an manchen Tagen, dass ich es kaum vor die Schlafzimmertür schaffe. Doch nach der ersten Stunde im Unterricht laufe ich auf Betriebstemperatur und gehe doch guter Laune durch den Tag.

Man darf auch nicht falsch verstehen, dass es nicht anstrengend ist. Ich lege mich jeden zweiten Tag kurz ab und schlafe eine Stunde, ohne dass ich nachts wirklich Probleme beim Einschlafen hätte. Auch bin ich jeden Freitag froh, wenn ich die Schule verlasse.

Aber es läuft.

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Es wurde in diesem Schuljahr flächendeckend an Realschulen und Gymnasien eine neue Schulverwaltungssoftware eingeführt.  Wer die offiziellen Meldungen verfolgt, kann erahnen, wie  – sagen wir einmal so – komplex diese Umstellung der Datenverarbeitung derzeit ist.

Ich versuche meine Äußerungen zu offiziellen Dingen in der Schule immer abzugleichen mit dem, was man auch offiziell im Internet finden kann. Kritik sowieso.

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Gibt man dieser die Stichworte „CSU“, „Lehrer“ und „Ferien“ bei Mr. Google ein, erreichen mich viele Nachrichten, die mich und meine Arbeit betreffen – Zeitunglesen/Radiohören lohnt sich.

1. Die Ankündigung, dass Lehrerstellen, die wegfallen, nicht neu besetzt werden, trotz gegenteilig lautender Ankündigung im Wahlprogramm.

2. Kommt heraus, dass das alles ein „Kommunikationsproblem“ war. Und eigentlich sei alles ganz anders.

3. Weist mich meine dienstvorgeordnete Stelle freundlicherweise darauf hin, dass ich ganz schön wenig arbeite.

4. Mein Glück, dass ich mit G8 nichts zu tun habe.

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Zwei zentrale Themen der Schulleitungsgeschichte habe ich noch nicht gebloggt. Erstens, was mich dazu getrieben hat, in die Schulleitung zu gehen und zweitens, wie man quasi Konrektor wird, bzw. welche Voraussetzungen grad ich mitbringe. Ergänzen könnte ich irgendwann mal Gedanken dazu, wie ich eigentlich meine Aufgaben als Vorgesetzter oder Führungsperson  ausgestalten möchte. Dies sind aber drei sehr schwierige Themen. Das dauert noch.

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Ganz wichtig finde ich aber, mit den Mitarbeitern zu sprechen, bevor man Dinge einführt, die ihre Arbeit betreffen. Ich empfinde das nicht nur als guten Führungston, sondern einfach als Grundregel jeder Höflichkeit. Ich meine, man kann ja nicht pädagogisch-hochqualifizierte Kräfte aufwändig ausbilden und sie dann als gefälligst folgsame Untergebene betrachten. Was kann ich dann von der pädagogisch-erzieherischen Arbeit erwarten, die diese Mitarbeiter leisten?

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4 Antworten auf „5 Minuten Schulleitung – Kein Kommentar“

  1. Eine Präsenzpflicht wäre vielleicht gar nicht so schlecht. Mit einem richtigen Büro für jeden Lehrer. Mit einem verschließbarem Schrank, in dem mit den zu korrigierenden Arbeiten auch die Alltagssorgen verschlossen werden können. Wie bei jedem anderen Beamten/ Arbeitnehmer auch. Man geht nach Hause und ist fertig. Ist natürlich bei Lehrern nicht ganz so einfach wie bei einem Finanzbeamten, aber vielleicht irgendwann einmal machbar

    1. Das ist ja eben ein Problem, auf das auch immer wieder hingewiesen, bzw. schizophrenerweise auch nicht angegangen wird: Alle reden von Ganztagsschulen, aber die Gebäude, die man baut, sind zum größtenn Teil auf den Halbtagsbetrieb ausgerichtet. Eben wie meins: Vor zehn Jahren gebaut, als man schon an die Ganztagsschule dachte. Aber gebaut ohne Rückzugsräume für Schüler, nur Klassenzimmer. Aula ohne Sitzecken, eben nur Wartehalle. Gangfluchten zu den Klassenzimmern. Hinzu kommt, dass sie auch noch viel zu klein gebaut wurde, weil man den Schülerrückgang erwartete. Auf den warten wir immer noch.
      Und ja, das Lehrerzimmer ist eben Arbeitsplatz, wo man gerade zwei Hefte nebeneinander legen kann und in den Gängen zwischen den Tischen über die Taschen der Kollegen stolpert.
      Solange man Bildungspoltiik mit dem Taschenrechner macht, wird sich das wohl auch nicht ändern.

  2. Ich war versucht, auch keinen Kommentar zu hinterlassen. 🙂

    >Ganz wichtig finde ich aber, mit den Mitarbeitern zu sprechen, bevor man Dinge einführt, die ihre Arbeit betreffen

    Das ist im Übrigen der Knackpunkt. Aus Sicht des Kultusministeriums sind wir keine Mitarbeiter. Nicht mal die Schulleiter sind das. Wir sind die, die auszuführen haben, was angewiesen wird, und das war’s.

    1. Hm, stimmt ja eigentlich und wirklich. Es mag scheinen, dass man sich phasenweise darüber hinwegtäuschen kann, wenn ich z.B. Evaluation und Feedback höre. Aber ich fülle diese Bögen ja nicht ohne Grund schon seit Jahren nicht mehr aus. Vieleicht lasse ich mich auch blenden durch die Angebote der Fortbildungen für Führungskräfte, mit Modulen zu Mitarbeiterführung, Konfliktgespräch, Qualitäts- und Projektmanagement oder Förderung der Lehrergesundheit. Hrrrm, aber da gehe ich ja auch nicht hin.
      Hm und ja, vielleicht bekommt man dann eben auch so eine Art der Bildung.

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