Blogparade #5: Warum ein Bildungsblog?

Vorbemerkung: Eine Reihe von bildungsaffinen Bloggern hat sich zum Ziel gesetzt, 2024 häufiger thematisch gemeinsam zu bloggen. Die Themenvorschläge werden an dieser Stelle gesammelt, alle Beiträge zum aktuellen Thema werden unter dem Beitrag gesammelt. Bei Herrn Mess sammelt es sich auch.

Ich habe mich ehrlich nicht angesprochen gefühlt von dem Titel, ursprünglich. Vor allem, weil ich das hier nicht als „Bildungsblog“ ansehe, sondern einfach nur als meinen Blog. Also einen selbstkontrollierten Ort, wo ich ausprobiere.

Aber Schreiben

Dennoch: Wo hat es angefangen?

Ohne viel zu langweilen ganz kurz: Ich glaube für meinen Teil, dass es daran lag, dass ich mal den Wunsch hatte, Journalist zu werden. Und noch kürzer: Ich habe mir dazu die Aufnahme an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg vorgestellt. Und nun, ich hatte zu viel Angst davor. Nicht nur vor der Aufnahmeprüfung (https://henri-nannen-schule.de/bewerben/), sondern ganz allgemein vor der Unsicherheit des Berufs.

Warum Journalist: Weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich gern schreibe.

In’s Internet schreiben

Ich habe neulich notiert, dass meine Domain seit 2003 existiert, ich aber erst seit ca. 2010 im heutigen Rahmen blogge. Das kam erst durch das immer tiefere Eintauchen ins Internet, was wiederum mit dem Kauf des ersten iPads zusammenhing. Ich hatte vorher schon Blogs gelesen, ohne diesen Begriff irgendwie mit Inhalt füllen zu können: Jochen Englisch, Herrn Rau u.a.

Bei dem ersten, der mich beeindruckte, weiß ich leider nicht mehr den Namen. Es war ein, damals schon pensionierter, Schulleiter, anderes Bundesland, rustikal in seinen Aussagen. Einer seiner Sätze ist mir in Erinnerung geblieben: „Ich lese offizielle Schreiben erst dann, wenn ich mich verteidigen muss.“ So habe ich das in Erinnerung – und denke jeden zweiten Tag daran. Vielleicht lasse ich mir da mal was sticken, für die Wand hinter dem Schreibtisch. (Ich glaube, Felix Schaumburg kannte den Blog auch – erinnerst du dich?)

Ein zweiter, der mir dann auf die Sache mit dem Blog geholfen hat, weiß davon gar nichts und lebt in Texas: Miguel Guhlin. Sein Blog „Around the Corner“ existiert in verschiedenen Formen bis heute. Ein Post von ihm hat mich dann hineingeworfen: Building Your Personal Learning Network

Dort hieß es zum Einstieg:

As someone who awoke to that fact just two short years ago, I am continually astonished at the rapidity of change. In fact, I had my first — and so far, only — panic attack in July 2005. When driving down the highway to work, I realized that the world is changing faster than I can keep up.

The only way for me to respond to that panic attack was to seize control, to realize that I do have some measure of control over how I react to rapid, tectonic paradigm shifts that inflict terror because they transform the world around me. Not feeling it, huh? Well, that means you haven’t looked over the edge and seen it looking back at you.

The only way for all of us to deal with the current challenge to our particular approach to learning — aside from ignoring it completely, which is about as effective as ignoring an oncoming truck — is to seize the wheel and create our own learning network.

Als ein Mittel, um diese Panik-Attacke zu bekämpfen, propagierte er das Vernetzen mit anderen LehrerInnen mit folgenden vier Schritten:

  • Read: Read/watch/listen to the entirety of the content that you are presented with.
  • Evaluate: Consider what the content means to you, and whether or not it is a source of information that intuitively seems appropriate/acceptable for a task at hand.
  • Critique: Moving beyond evaluate, seriously reflect on the material and then form your own opinion of it.
  • Write Share your critique with others, so they can engage with you and the original content to develop a cohesive knowledge-product.

Der für mich wichtigste Punkt war letztlich der vierte – also nicht nur bereitstellen, was man gesammelt hatte, sondern es reflektiert und mit persönlichem Touch zu veröffentlichen.

Er stellte im weiteren Verlauf die Tools dafür vor, auch die ich mich nacheinander einließ.

Weiterhin war ein Zitat noch von Bedeutung (von einem Blogger, dessen Blog nicht mehr existiert):

A blog post is not (or at least, it shouldn’t be) a writing assignment you must prep for and deliver as a finished package. /…/ Instead of keeping your thoughts, notes, and conversations to yourself, post them.

An diesen Blogpost erinnere ich mich immer wieder gern, vor allem, wenn ich zu viel tagebuchlike schreibe. Denn eigentlich wollte ich von dem schreiben, was mich fasziniert, was ich ausprobiere, worin ich scheitere und was eben gut funktioniert.

In diesem Sinne ist das Blog auch ein Mittel von vielen, um auf dem Laufenden zu bleiben, einigermaßen jedenfalls.

Schulleiter sein

Gleichzeitig mit diesem Startschuss stieg ich 2009 in die steile Karriere Schulleitung ein. Ich kenne bis heute wenig bis wenig Schulleiter, die regelmäßig aus ihrem Alltag heraus bloggen. Arne Paulsen ist einer, Timo Off ein anderer, Jan-Martin und Hauptschulblues, (als ehemaliger) und endlich ist Herr Rau eingestiegen, also in die Schulleitung. Über Twitter kannte ich noch mehr, bin aber unsicher, ob diese auch Blogs führten.

Es gibt verschiedene Motivationen meinen Blog als Schulleiter zu lesen, vor allem natürlich, wenn ich der Chef der LeserIn bin.

Häufig höre ich aber von anderen SchulleiterInnen zwei Dinge:

  • „Ich würde auch gern, aber ich habe die Zeit einfach nicht.“
  • „Es überrascht, wie offen du schreibst.“

Das ist also, denke ich, meine Nische im Internet.

Ich schreibe hier, weil ich von dem berichten möchte, was ich arbeite. In meinem Kopf nenne ich das beim Schreiben gern den Serviceteil Bayerische Schulleitung. Ich schreibe von meiner Unsicherheit, meinen Selbstquälereien (die weniger werden), den Fehlern und bei was ich mich wohlfühle im Beruf.

Ich schreibe immer seltener über meinen Unterricht, mein Lieblingsformat dabei war/ist: „Deutsch, Geschichte, Sozialkunde – schnell gemacht“. Also kurze Anregungen für eine Unterrichtsstunde, wenn es mal schnell gehen muss (quick and dirty). Unterricht ist jetzt seit einigen Jahren als Schulleiter allerdings leider wirklich nicht mehr so doll – oft eher dirty.

Worüber ich noch gern bloggen würde und gern blogge

Manchmal mache ich längere Pausen zwischen den einzelnen Posts. Zwischendrin suche ich nach Formaten, die ich leicht mit Inhalten füllen kann. 5 Minuten Schulleitung habe ich an Jan-Martin verliehen. Vielleicht greife ich das wieder auf. Tagebuchbloggen habe ich in letzter Zeit versucht, aber dafür fehlt mir aktuell wirklich die Zeit.

Ich schreibe gern über’s Frickeln an Technik, weil ich aus solchen Geschichten von anderen oft sehr viel lerne über die technischen Sachen, die mich interessieren. Dies gebe ich dann auf meine Weise weiter. Derzeit viel Linux und Raspberry Pi, Joplin. Früher war es das iPad und die Möglichkeiten als digitale Lehrertasche.

Ich will mehr über das schreiben, was ich lese, vor allem, weil ich seit ca. 2 Jahren wieder mehr lese.

Fazit

Hinter fast allem, das ich schreibe, steht die Frage: Bin ich allein damit oder kennt jemand das auch? Und wichtiger: Wie gehst du damit um?

Hinter allem steckt, dass es provisorisch ist, nicht die Lösung, aber für auch rein gar nichts.

Nachtrag

Es gibt einen Moment, der mich am Anfang dazu gebracht hat, weiterzumachen. Denn die ersten Posts waren ja eher so ein Ruf ins Leere.

Dieser Moment bei mir war, als der erste antwortete. Für mich was das damals Felix Schaumburg https://www.schaumburg.xyz/ – der meiner Meinung nach zu wenig bloggt ;). Für diese Antwort bin ich ihm aber bis heute dankbar.

Es ging damals um das iPad als Lehrertasche.

2024.05.13.14

Es sind seltsame Tage. Fangen ganz normal an, man holt sein neues Blister mit den 7 Blutdrucktabletten raus, nimmt die erste, fährt in die Schule und am Ende telefoniert man noch mal mit der Polizei, aber harmlos. Und sieht sich dann zwei Terminen gegenüber, die man vergessen oder schlecht vorbereitet hat. Man hat dann nett KollegInnen, die das merken und einem was abnehmen. Und ich lächle dazu, bedanke mich. Komme damit klar.

Am nächsten Tag die zweite Tablette aus dem Blister. Keinen Kaffee am Morgen schaffen. Zur Schule. Um 8 Uhr die erste offizielle Begrüßung einer Gruppe, um 9.30 Uhr die zweite. Dann fieberhafte Suche nach der Einladung von heute, das war doch heute? Gefunden (da, wo sie hingehört). Noch zehn Minuten Zeit, zum Glück nur drei Minuten Fußweg. Komme drei Minuten vor dem Beginn. Sitze zweite Reihe mit Namensschild auf dem Stuhl, genau vor mir der Landrat und der Bürgermeister. Der Termin dauert insgesamt drei Stunden, etwas mehr, habe zwei Dutzend Hände geschüttelt, es gab zu essen und sehr nette und witzige Gespräche. Vier SchulleiterInnen, deren Schulen in Sichtweite, stellenweise Wand an Wand stehen, zusammen an einem Stehtisch.

Ich mag das alles irgendwie sehr.

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Die Nummer 3 aus dem Blister ist die Mitte der Woche. Die Nummer 5 fühlt sich richtig gut an.

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Ja, ich baue aktuell mental ein wenig ab. Vergesse zu viel. Und schlimmer: vergesse und merke dann, wenn man mich anspricht, dass ich mich nicht mal mehr vollständig weiß, dass ich das besprochen habe – nur so ungefähr. Die Festplatte scheint voll. Mir fehlt auch der Elan mich an den Blog-Themen zu beteiligen.

Aber auch hier das Schöne finden: Morgens vor dem Wecker aufwachen, kurz runtergehen und auf der Terrasse stehen, in der Kälte, in der Ruhe, allein. Und dann erst den Tag beginnen.

2024.05.07

Abschied gefeiert auf dem Weg zur Arbeit, mit 200 auf der Autobahn auf der linken Spur. Am Nachmittag den neuen Wagen zugelassen. Abends den Alfa ausgeräumt: Golfbälle und Tees, Smartphone-Halter, drei Eiskratzer, Müll und mehrere Stifte.

Ein Überraschungsfund im Kofferraum zwischen Rücksitz und Kofferraumboden: Ein Kassenbon von 2014, Bioladen und „bedient hat Sie“: Frau H.

Frau H. ist eine ehemalige Schülerin von mir, die dort jobbte. Gleichzeitig schrieb sie Bewerbungen für Schauspielschulen. Seit einigen Jahren lebt sie in München, als Schauspielerin.

Dauerzustand außen.

Pizzadienst innen.

2024.05.06 Café

Ein ganztägiger Termin in Nürnberg und ich lasse mich früh mit in die Stadt nehmen, weil es Benzin spart und Klima auch irgendwie. Viel zu früh dran für meinen Termin setze mich ins Café, schaue auf das Heimatministerium, das mal eine Bank war (sic!), also das Gebäude, nicht das Ministerium, meine ich. Telefoniere mit der Schule. Schaue. Ertappe mich bei einem schlechten Gewissen. Zahle. Gehe zu meinem Termin. Betont langsam und schauend. Atmend. Das Prinzregentenufer steht in vollem Grün, es gibt Eichhörnchen.

Passen Sie im Biber-Revier auf.