#wasmachteigentlichderchef 2021-03-15

Fahrradfahren. Ich wusste, es soll regnen oder schneien. Auf dem Hinweg fand ich die Lücke, auf dem Rückweg eher nicht, konnte mich unterstellen, dann kam die Sonne. Aber es bleibt gerade zurzeit das einzige Moment, welches mir etwas bringt. Man mag es interpretieren als die Zeit, in der ich etwas unter Kontrolle habe. In der ich die Richtung vorgeben kann.

Es wird viel Holz gemacht.

Der Plan sah vor, dass wir heute alle Klassen im Wechselformat an die Schule holen. Bisher waren es nur die Abschlussklassen. Die Werte lagen schon am Donnerstag bei 90. Am Freitag lagen sie bei 100,3 (ja, das ist über 100, da können wir quatschen, was wir wollen). Bis 8.30 Uhr hatte ich die Lehrerinfo verschickt, bei der 25% aus Sätzen bestand wie „Genaueres erfahren wir noch“ oder „Es gilt das alte weiter, bis wir neue Anweisungen bekommen“. Eine Klassleiterstunde war angesetzt, den SchülerInnen sollte es erklärt werden. Bis 10 hatte ich den Elternbrief formuliert und wollte ihn grad versenden, als ich die erste Nachricht bekam, dass eine Mail mit der Absage des Unterrichts angekommen sei. Also Vollbremsung und eine Nachricht per Untis an alle Kollegen:


Ich lese in letzter Zeit so viel von Strategie und Konzept.

Hier eine bildliche Darstellung der bayerischen Teststrategie:

Zur Erklärung: Das sind 40 Kartons mit Schnelltests, die eines Tages im Sekretariat standen, ohne Begleitschreiben. Damit sollen die Lehrer getestet werden und alle SchülerInnen über 15. Oder doch alle Schüler? Oder nur die Lehrer? Auch die Sekretärinnen? Hausmeister? OGTS? Oder sind das die angekündigten Selbsttests? Ich schreibe an die Stadt. Drei Tage keine Antwort. Ich schreibe eine weitere Mail der Art, für die ich berüchtigt bin. Erhalte umgehend eine Antwort. Nach weiteren drei Tagen mit täglichen (wechselnden) Nachrichten bezüglich der bayerischen Test-Strategie habe ich einen Katalog von 10 Fragen an die vorgesetzte Behörde geschickt.

Wer soll testen? Ein Arzt, der uns zugeordnet wurde. Per Mail erfahren wir seinen Namen – mehr nicht. Ich lasse die Sekretärin anrufen, weil ich nun langsam an Erfahrung gewonnen habe. Ich will sichergehen, dass er dieselbe Information hat. Auf Nachfrage später erzählt er mir, dass es einen Aufruf gegeben habe zum Testen in der Schule, auf den er sich gemeldet hat. Dann habe man ihm den Namen meiner Schule gegeben. Mehr nicht. Er hat an einem Tag Zeit in der Woche. Ich freue mich, dass es ihn gibt.

Dann bekommen wir die nächste Lieferung: 1000 Selbsttests. Großer Karton, kein Begleitschreiben. Heute saß die Sekretärin da und hat die Pakete aufgeteilt für je zwei Lehrer.

Zwischendrin Informationen der Stadt, in langen Mails, die ein 5jähriger formatiert.

Ich sollte mich nicht zu sehr aufregen. Die bayerische Digitalisierungsstrategie sieht ähnlich aus. Als ich heute in die Schule kam, standen im Sekretariat vier große Kartons, schwarz. Inhalt: Aufbewahrungskoffer für je 16 iPads. Denn seit einiger Zeit bekommen wir in unregelmäßigen Abständen Sätze von iPads geliefert – ja wir hatten mal welche bestellt, jetzt gibt es irgendwo ein Leck und uns läuft die Bude mit iPads voll. Was wir nicht bekommen: Schnelleres Internet. Anschluss an ein schnelles Wlan. Eine Strategie. Einen Ansprechpartner. Einen Techniker. Auf meine Nachfrage, was meine Anfrage vom November macht (iPads der iPad Klassen an das interne Wlan anbinden), bekomme ich die Antwort, dass ich noch mal bei der Hotline anrufen soll.

Willkommen in meinem Leben.


Morgen soll es regnen und schneien. Ich fahre Rad.

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