#wasmachteigentlichderchef 2022-03-15

Fahrrad. E-Bike. Seit gestern den Glaubenssatz aufgegeben, dass es zu umständlich ist, das E-Bike aus dem Keller zu holen, um „nur“ zur Schule zu fahren. Ist es nicht. Ich sehe meinen tollen West-Park wieder jeden Tag. Ich bin draußen. Ich mags einfach.


Erledigte Aufgaben


Es war und ist ziemlich viel los, privat, dienstlich. Es gab schöne Tage, privat. Auch weniger gute Tage, z.B. der, an dem ich untrainiert und mit großer Sturheit bei Minustemperaturen eine Radtour von 70km machen wollte. Der, an dem ich nach 50km abbrach und die S-Bahn ansteuerte, das Vorderrad verkantete und umfiel mit dem Rad wie ein Sack, unterkühlt, nicht mehr fähig mich richtig abzufangen, meinen Arm unter mir, der nicht brach zum Glück. Mir aber Schürfwunden zuzog und die unterste Rippe prellte. Und dann tagelang Schmerzen bei den einfachsten Sachen hatte: Schuhe binden, Hinternabwischen, Hose hochziehen – und was man sich sonst so vorstellen kann. Dummheit, Überschätzung, Sturheit – alles, was dazu führte, dass ich Schulleiter geworden bin.


Ich weiß, es gibt scheinbar Wichtigeres. Tut es auch. Und wegdenken kann man es sicher nur sehr schlecht. Dienstlich kommen die ersten Anfragen zur Gastaufnahme von Kindern aus der Ukraine. Das KM hat das Rollout der neuen Kampagne in Bezug auf ukrainische Flüchtlingskinde bekanntgegeben. Und es geht ein Ächzen durch die Schulen. Ich bin und war nie ein Freund von Durchhalteparolen – und das wird sich nicht ändern. Ich sehe, wie spontan Hilfe angeboten wird aus allen Ecken der Schulgemeinschaft, was uneingeschränkt toll ist. Aber nach einigen Telefonaten ächze ich auch und mir wird schlecht, wenn ich an die nächsten Wochen denke.

Ich zitierte neulich die SZ auf Twitter.


Ein Bekannter erzählte neulich, dass sein Vater als pensionierter Lehrer vom KM kontaktiert wurde, ob er nicht aushelfen könnte – er ist vor 12 Jahren pensioniert worden. Keine Pointe.

Würde er bei mir aushelfen, könnte ich ihm die jüngste Aushilfslehrkraft vorstellen, die ich je angestellt habe – Geburtsjahr 2001, im September. Vier Tage vor mir Geburtstag, 32 Jahre nach mir geboren. Ich habe sie im Unterricht gesehen – sie ist gut, ich habe Glück gehabt.

Jetzt habe ich sie gefragt, ob sie noch StudienfreundInnen kennt, die auch gern unterrichten würden.

Ich hatte mir nie vorstellen können, dass es Phasen im Schuljahr geben wird, in denen ich persönlich so viel Personal selbst suchen und anstellen muss, um meinen Pflichtunterricht aufrecht zu erhalten.


Ich freue mich auf meine wenigen Kilometer mit dem E-Bike morgen.

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