Tagesende SL – 19.05. Dienstag

Auto.

Am Donnerstag werde ich probieren mit dem Rad ohne Handschaltung zu fahren. Werkstatttermin ist erst am 27.5.


Bei der Autofahrt darüber nachgedacht, dass dies der ruhigste Frühling seit Jahren ist. Kein Disziplinarausschuss seit Anfang Oktober („normale “ Anzahl zwischen Januar und Juli: 15-20 Sitzungen), keine Bußgeldbescheide, keine Ordnungsmaßnahmen, kein Ausschluss vom Unterricht. Kein Nachschub für unsere Kiste im Safe mit den schulfremden Gegenständen.

Eine aus Australien stammende Instrumentallehrerin, die ich neu anstellte und die neulich zum ersten Mal da war, zeigte sich überrascht, dass man das Schulhaus „einfach so“ ohne Eingangskontrolle betreten könne. Erzählte ich das schon?

Gestern war sie da, um den Vertrag zu unterschreiben. Dabei fragte sie, ob es irgendwelche Kleidungsvorschriften für Lehrer gäbe innerhalb der Schule – sie kenne das aus Australien. Ich verneinte. Sauber sollte sie sein. Und die SchülerInnen nicht vom Lernen abhalten.

Heute mehrere ruhige Gespräche mit KollegInnen geführt. Geschichten aus anderen Leben gehört. JedeR KollegIn ihr eigenes Universum.


Ich musste nach Anruf aus dem KM die UP (Unterrichtsplanung) noch einmal nachmelden. Ich hatte einen Denkfehler gemacht, daher kamen nicht die richtigen Zahlen bei den Schülern durch. Das war in 30 Minuten gelöst.


Erledigte Aufgaben:

  • Nachmelden der UP
  • Einige Unterschriften von Kollegen einfordern und dabei Gespräche führen
  • Zwei Beurteilungen eröffnen, zwei weitere schreiben, weitere Gespräche
  • Ablage gemacht
  • Ein paar wenige Anmeldungen bearbeitet
  • Organisatorische Gespräche mit meinen Stellvertretern und den anderen Mitgliedern der Erweiterten Schulleitung

Dass der Druck nachlässt, merke ich daran, dass plötzlich neue Ideen an die Oberfläche kommen. Dass alte Pläne wieder auftauchen. Dass, dramatisch-theatralisch formuliert, das wieder Anspruch erhebt, was ich als Ich betrachten würde.

Seit einigen Tagen bin ich dabei – zum x-ten Mal – Struktur in meine Arbeit zu bringen. Nein, das ist keine Koketterie. Ich war früher eher der aus dem Bauch handelnde, von dem ich ja genug besitze. Zahlen, Termine waren für mich immer eher Empfehlungen, aber nicht unbedingt Stressoren.

Angesichts der Tatsache, dass mir meine Arbeit stellenweise auf die psychische und physische Gesundheit geht/ging, sehe ich mich genötigt, für Entlastung zu sorgen.

Und bin dabei wie ein Teenager, der erwachsen wird und endlich das umsetzt, was die Eltern ihm jahrelang gepredigt haben.

Beispiel 1: Tür zu

Eine geschlossene Tür erhöht die Produktivität eines Tages um ein Vielfaches. Ich muss es nicht weiter ausführen.

Beispiel 2: Delegieren

Ich war auch in der Falle, wo ich Aufgaben an mich zog, weil ich dachte, das muss so sein. Und ich konnte sie nicht abgeben, weil ich nicht „faul“ wirken wollte.

Aktuell habe ich Aufgaben abgegeben (die schon lange angefangen und halb brach bei mir lagen) und merke, dass es mir besser geht, da ich nicht nach der Erledigung jeder großen Aufgabe nicht zum Ausruhen komme, weil schon das nächste Ding auf mich wartet.

Und was heißt faul sein? Eine Aufgabe zu delegieren heißt vielleicht ja auch, dass ich sie jemandem gebe, der es besser kann als ich. Und dies aus verschiedenen Gründen, z.B. vielleicht auch, weil er mehr zeitliche Ressourcen hat, mehr Verständnis von Zahlen oder einfach Spaß hat sich in etwas einzufuchsen, was mich eher quält.

Beispiel 3: Pause machen

Heute wieder mal früher gegangen als ich denke, dass ein ordentlicher Chef gehen soll – was ein verquaster Gedanke. Ich war fertig mit meiner Arbeit. Und bin gegangen.

Ich habe heute auch den Gedanken gefunden, dass ich die Chef-Arbeit ebenso betrachtete wie die Lehrerarbeit: Ein Teil wird in der Schule erledigt, ein Teil zuhause. Das führte dazu, dass ich in der Schule zu jeder Zeit verfügbar wurde für das Tagesgeschäft und meine anderen Arbeiten (Beurteilungen schreiben z.B.) zuhause machte, abends, nach 20 Uhr, nachdem ich zwischen 17 und 18 Uhr aus der Schule kam. So geht das nicht weiter.


Ich möchte mir ein eigenes System schaffen aus den Arbeitsmethoden und -einstellungen, die bisher ganz gut funktioniert haben bei mir oder die mich ansprechen. Ich habe noch 15 Jahre Arbeit vor mir.


Symptome der Arbeitssucht (Auszug). Von der Homepage der Anonymen Arbeitssüchtigen.

http://www.arbeitssucht.de/index.html

  • Du beurteilst dich und deinen Tag fast ausschließlich nach der Menge der geleisteten – mehr noch der nicht geleisteten Arbeit
  • Du glaubst, „erst etwas leisten“ zu müssen und dir dein Lebensrecht durch Arbeit beweisen zu müssen

Heute war ein guter Tag.

6 Antworten auf „Tagesende SL – 19.05. Dienstag“

  1. >Dass der Druck nachlässt, merke ich daran, dass plötzlich neue Ideen an die Oberfläche kommen.
    Oh ja, das kenne ich, selbst wo ich viel weniger Druck als du habe. Pass auf dich auf, und lass auf dich aufpassen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.