Kranke Schulleitung

Entschuldigung!?

Bei Twitter entdeckte ich neulich, dass eine Kollegin, die ich dort lese, ein krankes Kind daheim hatte und nun durch äußere Umstände gezwungen war, daheim zu bleiben. Danach wollte sie den KollegInnen, die sie vertreten hatten, Schokolade als Entschuldigung mitbringen.

Ich lehnte das vehement ab.

Ein paar Jahre lang habe ich Vertretungspläne gemacht und  stand oft vor diesem Fall: Kind krank, Lehrerin-Mama bleibt daheim. Das hat mich lange Zeit gefuchst, denn mir schien die Denke dahinter zu stehen, dass jeder andere Job wichtiger ist als der Lehrerjob, wenn es darum geht, sich um ein krankes Kind zu kümmern. Die Kolleginnen an der Schule können das alles schon ausgleichen, was bei Siemens oder MAN oder im Krankenhaus nicht ging.

Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, dass die meisten Kolleginnen in diesem Zusammenhang durchaus auch die engagierten waren, diejenigen, die den Ausfall zum einen durch eigene Anstrengung kompensieren konnten oder aber durch vorbereitete Arbeitsaufträge. (Natürlich kannte ich auch andere Fälle.) Ich war besänftigt. Auch ohne Schokolade. Ich war angesichts meiner chaotischen Arbeitsplanung auch immer ein wenig neidisch, wie die Kolleginnen das so auf die Reihe bekamen. Und letztlich war ich eigentlich der Meinung, dass das System Schule solche Fehlzeiten verkraften müsste.

Entsprechend empfahl ich dort nach Entschuldigungen zu suchen, wo derart eng gestrickte Kollegien zusammen gebastelt werden müssen, dass der Ausfall von einem oder zwei KollegInnen derartige Unwuchten erzeugt.

Zugegebenermaßen hatte ich den Tweet der Kollegin oben bei meiner Bewertung zu schnell gelesen und erst gedacht, dass sie krank gewesen wäre. In diesem Zusammenhang erschien mir die Entschuldigung noch deplatzierter. Es ist doch ein Unding, sich dafür zu entschuldigen, dass man krank ist. Oder auch nur, dass man das Gefühl hatte, es zu entschuldigen.

Langfristige Ausfälle in der Schule ausgleichen

Mittlerweile weiß ich aber zu gut, wie schwer es ist als Schulleitung Ausfälle auszugleichen. Letztlich höre ich ja oft im Untergrund die Vorwürfe: Warum macht ihr nicht? Es kann doch nicht so schwer sein!

Nehmen wir ein Beispiel: An einer fiktiven Schule fallen über die ersten 6 Monate drei KollegInnen mit dem Fach Deutsch aus, aus verschiedenen Ursachen, für längere Zeit. Dies zu kompensieren ist nahezu unmöglich. Die Gründe dafür sind überschaubar:

  • Der Pool der Mobile Reserven ist in der Regel schon von Beginn des Schuljahrs an ausgeschöpft
  • Referendare, die keine Stelle bekommen haben, sind bis zu diesem Zeitpunkt schon irgendwo anders untergekommen
  • bei externen Aushilfen ist es ebenso, wenn nicht, dann lehnen sie es ab, nur für kurze Zeit angestellt zu werden oder nicht für die wenigen oder vielen Stunden, die man ihnen anbieten kann
  • besonders ätzend: Stellensuchende, die sich nicht von der Angebotsliste streichen und die man dann anruft, die dann irgendwann gnädigerweise antworten, dass sie schon was haben

Was bleibt ist dann, Wahlunterrichte aufzulösen, ebenso wie Fördermaßnahmen oder andere Unterstützungsmaßnahmen, um das zu kompensieren. Und dieser Umstand bringt deutlich mehr Belastung für den Einzelnen als ein paar Vertretungsstunden und es macht die Schule ärmer, weil darüber hier ja oft das Profil oder die Schulentwicklung läuft.

Und noch was unvermeidlich Persönliches am Ende

Ich war Ende Februar krank und bin entgegen des sorgenvollen Blickes meines Arztes zur Arbeit gegangen – obwohl ich mir das in den vergangenen Jahren eigentlich abgewöhnt glaubte. Jetzt nach vier Wochen fiel mir dann doch auf, dass die angegriffenen und verstopften Nebenhöhlen dazu führten, dass ich seit Tagen mit Kopfschmerzen aufwachte und damit auch zur Schule ging. Aber ich musste die Schulaufgabe der 10. doch noch schreiben! – die Klasse, die ich schon außerplanmäßig übernommen hatte, weil jemand ausgefallen war.

Jedenfalls ging ich doch noch mal zum Arzt und nun bin ich krankgeschrieben, nehme Antibiotika, Schleimlöser gegen die Grütze im Kopf und Zeug gegen zu hohen Blutdruck, der sich jetzt in dieser Zeit auch noch hartnäckig zeigte.

Es dankt einem keiner, wenn man krank zur Arbeit geht. Man bekommt dafür keine Tapferkeitsmedaille. Und ich bewundere da auch keinen. Ich ärgere mich da grad eher über mich selbst.

8 Antworten auf „Kranke Schulleitung“

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