Ein Fehler in der Matrix – für Herrn Rau und Herrn Schreiner, vom Krankenbett aus

Ich habe Herrn Rau irritiert in einer Twitter-Diskussion entdeckt und dann folgte ein Blogeintrag, nach dem er verreist ist. Es ging um den Begriff des „Bulimie-Lernens“ – Also das schnelle Anfressen von Wissen, um es bei der Prüfung auszukotzen und dann wieder schnell zu vergessen. Bzw. darum, dass man das als Fehler in der Matrix des (bayerischen) Schulsystems ansieht, was Herr Rau nicht teilt.

Ich kenne das ebensowenig wie Herr Rau aus eigener Erfahrung, rechne das aber dem zu, dass ich als Schüler nie eine bayerische Schule von innen gesehen habe – nur in Hamburg und dann in NRW. Aus dieser Perspektive und der eines Schulleiters einer bayerischen Realschule aber würde ich einige Beobachtungen hinzufügen. Nichts davon soll beweisen, dass diese Art des Lernens strukturell oder nicht ist. Ich bin auf keiner Mission. Ich erzähle nur.

Beobachtung 1: Während des Studiums Aushilfsjob im Baumarkt. Mehr als einmal musste ich mir vom Stift (Mittlere Reife) anhören, dass das Schulsystem in Bayern ja so streng und so gut sei und dass er in seiner Abschlussklasse Aufgaben gelöst hätte, die da, wo ich herkomme, im Abitur drankämen.

Ironie und Widersprüchlichkeit waren nicht sein Ding.

Beobachtung 2: Wenn ich im Referendariat (1998) an der Einsatzschule mit einem Pack Arbeitsblätter in den Geschichtsunterricht kam, wurde es im Raum stiller als ich es je hätte durch meine natürliche Autorität erreichen können. Ich habe erst nach einiger Zeit bemerkt, dass Arbeitsblätter zweierlei bedeuten in einem Alltag von bayerischen (Real)Schulen, die nicht Seminarschulen sind:

A) Er schreibt jetzt einen unangekündigten Test (Ex)

B) Er schreibt nächste Stunde einen unangekündigten Test (Ex)

Gleiches gilt für Tafelbilder: Macht der Lehrer ein Tafelbild, dann gibts

A) Eine Ex.

B) Eine Abfrage.

Das Konzept Abfrage war mir bis Bayern nahezu unbekannt.

Exkurs: Ein Lehrer aus meiner Schulzeit in NRW fragte in Englisch ab, gern mich, wenn er mich morgens auf dem Weg zur Schule rauchend gesehen hat. Das war der Lehrer, der mit 22 als Unteroffizier am Strand der Normandie gefangengenommen wurde und in der Nachkriegszeit sein Abitur und Studium nachgemacht hatte. Wir sahen ihn später im Fernsehen wieder, am Strand der Normandie, in einem Gedenkjahr, vom Krieg sprechend. Wir lachten damals, weil er dort in der Normandie beim Sprechen wie bei der Abfrage immer auf den Zehenballen wippte, die Hände gefaltet oder hinterm Rücken.

Beobachtung 3: Gern von Eltern gehört – Es gibt „Lernfächer“ und andere Fächer. Gern in folgendem Satz: Ich weiß auch nicht, warum mein Kind so schlecht in Geschichte ist – das ist doch nur ein Lernfach.

Das andere Fach ist das, wo man nicht nur lernen, sondern auch verstehen muss. (Sic!)

Beobachtung 4: Gespräche, die ich oft mitbekommen habe in den letzten Jahren, auf Gängen, zwischen SchülerInnen und LehrerInnen.

„Warum habe ich eine 3 (auf dem Zeugnis)?“

„Weil der Schnitt deiner Noten eine 2,9 ergibt.“

Ende des Gesprächs.

Exkurs 2: Es gibt im Schulrecht im Kapitel über Leistungsfeststellung im Hinblick auf das Schuljahresende und Vorrücken eine Stelle im Kommentar, die ich grad aus dem Kopf zitieren muss, weil der Kommentar in der Schule steht. Dort heißt es, dass die Feststellung einer Jahresleistung nicht allein das Ergebnis einer logarithmischen Berechnung sein darf, sondern die Lehrkraft in voller pädagogischer Verantwortung die Gesamtpersönlichkeit des Schülers mit einbeziehen muss.

Exkurs 3: Es gibt Klagen, in denen es um Noten geht. Dort wird abgefragt, ob die Notengebung unter formalen Bedingungen richtig erfolgt ist.

Exkurs 4: In der einzigen Klage, die ich bisher durchstehen musste, begründete das Gericht am Ende (ich zitiere grob) – auch auf der Basis meiner Argumentation: „dass pädagogische Entscheidungen in der Schule gerichtlich nicht abbildbar sind und das Gericht dies auch nicht anstreben kann“.

Exkurs 5: Wenn ich in NRW nach meinen Noten gefragt habe, wurde mir ausführlich erklärt, wie die zustande kamen.

Beobachtung 5: Vor mehr als 18 Jahren habe ich mal mit einer Kollegin gesprochen, wie sie ihre Noten in Deutsch mache. Antwort war: Ich schreibe in einem Schuljahr vier Schulaufgaben, in jedem Halbjahr zwei Exen und fragen jeden Schüler im Halbjahr ein Mal ab.

Das entspricht exakt der Vorgabe, die die Realschulordnung vorgibt als Mindestmaß.

Ich habe über Umwege gehört, dass die Kollegin, deutlich jünger als ich, mittlerweile ihrem Burnout nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Abschluss

Grundgedanke/Theorie: Wir arbeiten alle im gleichen bayerischen Schulsystem. Nicht.

Beobachtung 6: Vorrücken auf Probe

§ 31 (Gymnasium)

Vorrücken auf Probe

(1) 1Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9, die das Ziel der jeweiligen Jahrgangsstufe erstmals nicht erreicht haben, können mit Einverständnis ihrer Erziehungsberechtigten auf Probe vorrücken, wenn nach dem Gesamtbild aller erzielten Leistungen erwartet werden kann, dass sie im nächsten Schuljahr das Ziel der Jahrgangsstufe erreichen. 2Dies gilt für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 nur, wenn sie das Ziel der Jahrgangsstufe wegen Note 6 in einem oder Note 5 in zwei Vorrückungsfächern, darunter in Kernfächern keine schlechtere Note als einmal Note 5, nicht erreicht haben; bei Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 kommt es darauf an, ob erwartet werden kann, dass sie das Ziel des Gymnasiums erreichen. 3Die Entscheidung trifft die Lehrerkonferenz auf der Grundlage einer Empfehlung der Klassenkonferenz.

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayGSO-31

§ 26 (Realschule)

Vorrücken auf Probe

(1) Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9, die wegen Note 6 in einem oder Note 5 in zwei Vorrückungsfächern das Ziel der jeweiligen Jahrgangsstufe erstmals nicht erreicht haben, können mit Einverständnis ihrer Erziehungsberechtigten auf Probe vorrücken, wenn sie in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und in dem jeweiligen gruppenspezifischen Wahlpflichtfach nach § 35 Abs. 1 Satz 1 keine schlechtere Note als einmal Note 5 haben und die Lehrerkonferenz auf der Grundlage einer Empfehlung der Klassenkonferenz zu der Auffassung gelangt, dass nach dem Gesamtbild aller erzielten Leistungen erwartet werden kann, dass sie im nächsten Schuljahr das Ziel der Jahrgangsstufe erreichen.

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayRSO-26

=> Zum Unterschied:

Am Gymnasium ist die Entscheidung über das Vorrücken auf Probe eine überwiegend pädagogische Entscheidung in 5-9. Unabhängig davon, wieviele Fächer mit 5 oder schlechter bewertet werden.

An der Realschule ist es an Fächer gebunden und an die Anzahl der mangelhaften Fächer.

Das BayEUG (steht ja über allem)orientiert sich eher am Gymnasium:

Art. 53 (BayEUG)

(6) 1 Schülerinnen und Schülern, die die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten haben, kann in einzelnen Schularten und Jahrgangsstufen nach Maßgabe näherer Regelungen in den Schulordnungen das Vorrücken auf Probe gestattet werden; das Vorrücken kann ihnen noch gestattet werden, wenn sie sich einer Nachprüfung zu Beginn des folgenden Schuljahres erfolgreich unterzogen haben. 2Schülerinnen und Schülern, die infolge nachgewiesener erheblicher Beeinträchtigungen ohne eigenes Verschulden wegen Leistungsminderungen die Voraussetzungen zum Vorrücken nicht erfüllen (z.B. wegen Krankheit), kann das Vorrücken auf Probe gestattet werden, wenn zu erwarten ist, dass die entstandenen Lücken geschlossen werden können und das angestrebte Bildungsziel erreicht werden kann.

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG-53

Letzter Exkurs: In Coronazeiten wurde das alles zusammengeführt in einer „Allgemeinverfügung zur Änderung der Schulordnungen in Folge der Corona-Pandemie“ vom 24. Juni 2021

Änderung der Bekanntmachung über den Vollzug der Bayerischen Schulordnung (BaySchO)

Allgemeinverfügung zur Änderung der Schulordnungen in Folge der Corona-Pandemie

Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 24. Juni 2021, Az. II.1-BS4610.2/30

1.1 Nach Nr. 1.4 wird folgende Nr. 1.5 angefügt:

„1.5 1Für Schülerinnen und Schüler, für die ein Vorrücken aufgrund ihrer Leistungen nicht möglich ist, sind im Schuljahr 2020/2021 Entscheidungen über ein Vorrücken auf Probe nach Art. 53 Abs. 6 Satz 2 BayEUG zu treffen. 2Dabei wird die im Einzelfall zu Leistungsminderungen führende erhebliche Beeinträchtigung infolge der COVID-19-Pandemie in besonderem Maße gewichtet, auch hinsichtlich der Erwartung, ob die entstandenen Lücken geschlossen werden können, und der Prognose, ob das angestrebte Bildungsziel erreicht werden kann.

https://www.verkuendung-bayern.de/files/baymbl/2021/442/baymbl-2021-442.pdf

Zur Erklärung, weil ich es selbst auch falsch verstanden habe und entsprechend Entscheidungen zurücknehmen musste: Das Vorrücken auf Probe war hiermit keine Entscheidung mehr auf der Basis von Noten oder Noten in bestimmten Fächern, aber auch keine pädagogische Entscheidung mehr.

Wer es bis hier durchgehalten hat.

Völlig ohne Ironie und Sarkasmus oder väterliche Attitüde: Realschule und Gymnasien in Bayern sind unterschiedliche Schularten (ja…) und pflegen eine unterschiedliche Kultur. Daher reden die Beteiligten reden oft aneinander vorbei.

Ich ärgere mich oft im Alltag über die Gymnasien, mit denen ich zu tun habe – und wenn ich mich ärgere, ärgert sich in der Regel im Anschluss einer am Gymnasium über mich und die Realschule.

In Nürnberg gibt es zwei Schulen, an denen drei Schularten unter einem Dach sind. Ich bilde mir manchmal ein, dass da das Miteinander entspannter ist.

Und ich hoffe, dass die Realschule, die ich sehr mag, und jede andere Schule auch, die Kultur der pädagogischen Notengebung stärker kultivieren würde – und nein, wie gehabt, das heißt nicht, dass immer die bessere Note gegeben wird.

Deutsch leicht gemacht 12: Punk und die Wortarten

Gleich als Warnung: Ich unterrichte seit einiger Zeit kein Deutsch – höre aber aktuell sehr gern deutsche Punk-Musik.

Aktuell die Band „Love A“. Auf dem Album „Eigentlich“ findet sich der Song „Freibad“:

Eis gekauft, Leckmuschel gekauft, Esspapier gekauft.
Hose runter – Freibad.
Fahrradschloss abgesperrt, Schülerausweis vorgezeigt, Caprisonne auf ex.
Hose runter – Freibad.
Wasserrutsche, Wasserrutsche.
Nein, nein, nein, sie liebt dich nicht.
Rückencremen, Kaltwasserdusche.
Nein, nein, nein, sie liebt dich nicht.

Nein, nein, nein, sie liebt dich nicht.
Fahrradschloss aufgesperrt, Susi Neumann abgecheckt, Bademeister – Mittelfinger.
Hose runter – Freibad.
Wasserrutsche, Wasserrutsche.
Nein, nein, nein, sie liebt dich nicht.
Rückencremen, Kaltwasserdusche.
Nein, nein, nein, sie liebt dich nicht.
Nein, nein, nein, sie liebt dich nicht.

Könnte mir vorstellen, dass man anhand des Songs in irgendeinem Zusammenhang mal die Wortarten und ihre Bedeutung erörtern könnte. Es wird fast vollständig auf (finite) Verben vezichtet – außer in „sie liebt dich nicht“. Daneben dann Partizpien. Grundsätzlich unvollständige Sätze. Keine Adjektive.

Funktioniert das Lied? Und wenn ja, als was? Liebeslied? Entliebungslied? Coming of age? Wie werden die Lücken, die grammatikalisch entstehen, eigentlich gefüllt? Wie entsteht Bedeutung?

Ich habe vor langer Zeit, als ich untere Klassen unterrichtet habe, im Zusammenhang mit Wortarten gern Texte schreiben lassen, in denen auf bestimmte Wortarten verzichtet werden sollte – Liebesbriefe ohne Verben, Geburtstagseinladungen ohne Nomen, Postkarten aus dem Urlaub ohne Adjektive. Dies stelle ich mir als Erweiterung im Unterricht vor.

Und dann hören:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=1RSHXahdwSI

PS: Ich hatte im Hinterkopf die ganze Zeit ein Lied der Kölner Band „Schröders Roadshow„, welches in den 80ern das erste mal gehört habe. Dabei dachte ich, dass dies nur aus einem Wort besteht, nämlich „Ulla“. Aber meine Erinnerung trog. Der Referain besteht daraus, ansonsten ist der Text sehr schlecht zu verstehen, aber es scheinen auch dort wenig Verben vorhanden zu sein :D. Wenn man reinhören will – die einzige Möglichkeit (außer Spotify?) ist bei amazon und der Platte „Anarchie in Germoney“:

https://www.amazon.de/Anarchie-Germoney-Schroeder-Roadshow/dp/B0000631H0

Nein, ich habe keine Partner-Dingsbums mit Amazon.

Sozialkunde leicht gemacht 19 – Vorträge, Wochenrückblicke

Wochenrückblicke sind in Sozialkunde bei vielen Lehrern üblich. Hier meine Variante. Bei mir halten zwei Schüler zusammen einen Vortrag.

 

Sozialkundevorträge 2016/17

Überblick

  1. Inhalt: Politische Ereignisse der vergangenen Woche (7/8 Tage)
    1. 5 Ereignisse im groben Abriss
    2. 2 Schwerpunkte (einer pro Schüler)
  2. Durchführung
    1. Termine werden festgelegt, ebenso die Paarung der Schüler
    2. Handout am Abend vor dem Vortrag an Hr. Kuban mailen
    3. Dauer: 10 Minuten insgesamt
    4. Freier Vortrag, Bilder möglich
  3. Bewertet werden
    1. Das Handout
    2. Der Vortrag
    3. Die Auswahl der Ereignisse
    4. Beantwortung von Fragen

Handout

  • Die Hintergründe, Zusammenhänge der Ereignisse in Stichworten (das Handout kann und wird umfangreicher sein als der Vortrag, da ihr zeitlich begrenzt seid)
  • Eventuell Bilder
  • Nicht mehr als 1 DINA4 Seite

 

Die ausgewählten Ereignisse sollten

  • Politischer Natur
  • Aktuell
  • Weitreichend (zeitlich und inhaltlich)
  • Relevant sein (große Bedeutung für viele Menschen haben)

Sonstiges

Es können Themen wiederholt behandelt werden, weil manche politischen Themen sehr lang aktuell sind, dann aber sollten neue Aspekte genannt werden

Als kleine Hilfe zur Erarbeitung von politischen Ereignissen: Politikfeldanalyse

In der Politikfeldanalyse versucht man abgegrenzte Politikfelder für sich zu betrachten und nach einem bestimmten Muster zu analysieren. Politikfelder können z.B. die Außenpolitik, die Innenpolitik oder die Umwelt sein. Denkbar sind aber auch spezielle Themen, wie z.B. aktuell die Bundespräsidentenwahl, der Syrienkonflikt, Islamischer Terrorismus usw.

Die Fragen, die man sich bei der Analyse stellt, lauten:

  1. WAS tun die politischen Akteure?
  2. WARUM tun sie es?
  3. WAS BEWIRKEN sie?

Es geht dabei also hauptsächlich um Inhalte (Policy) und Prozesse (Politics).

Arbeiten mit dem Grundgesetz (Grundrechte, Institutionen, Parteien) – Nachtrag zum Vortrag

Mitte der Woche habe ich einen Vortrag gehalten zu dem, was ich im Unterricht so mit dem Grundgesetz mache. Vier Ideen habe ich präsentiert, drei waren ausgereift, eine gescheitert – also schon vor dem Vortrag. Vielleicht schaffe ich es in absehbarer Zeit diese Ideen hier auch aufzubereiten.

Ich habe darauf hingewiesen, dass ich in diesem Blog noch ein paar Hinweise nachreichen werde, bzw. Links.

Zum Inselspiel

Inselspiel auf der Wikiseite des Regio Montanus Gymnasiums – kurze offene Variante

Inselspiel in der Zeitschrift „Politik und Unterricht“ – etwas ausgeprägter mit zielgerichteten Aufträgen, mit Kommentar

Inselspiel in „Politik für Einsteiger“ von der BPB – auch mit zielgerichteten Aufträgen, AB04

Inselspiel des Instituts für Friedenspädagogik

Inselspiel „zum Kaufen“ vom Schroedel Verlag – Hier wird das Spiel erweitert um Texte bekannter Staatsphilosophen (bisschen scrollen)

PS: Beim Suchen gerade bin ich noch auf dieses didaktische Handbuch gestoßen, welches auch das Inselspiel beinhaltet in der Version des Instituts für Friedenspädagogik. Beim ersten Überfliegen habe ich noch einige interessante Aspekte gefunden.

Zu den Grundrechten

Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich in meiner Vorbereitung bisher als sehr hilfreich gefunden habe, einen Kommentar zum Grundgesetz bei der Hand zu haben. Diese gibt es immer wieder bei der BPB zu bestellen. Ich besitze derzeit:

Dieter Hesselberger: Das Grundgesetz – Kommentar

Gramm, Pieper: Grundgesetz, Bürgerkommentar

Besonders bei der Auslegung bestimmter Artikel sind diese Ausführungen gewinnbringend.

Die Mappe mit den Bildkarten gibt es unter diesem Link zu bestellen (Auch online möglich): Anstoß nehmen, dort gibt es einige andere interessante Angebote

Zu meinen Materialien

Ich kann den Besuchern des Vortrags noch die Materialien zum Download anbieten, die ich in Kopie an dem Tag in nicht ausreichender Menge dabei hatte.

Dazu benötige ich einfach eine Email von Ihnen, in der ich ersehen kann, ob Sie wirklich ein Besucher waren. Schreiben Sie doch in die Mail, welche Farbe mein Pullover hatte an dem Tag oder die Raumnummer des Raumes, in dem wir uns befanden (Achten Sie darauf, dass sich der Raum geändert hatte). Alternativ den Veranstaltungsort ganz allgemein.

Dann sende ich ihnen einen Link zu, über den Sie eine begrenzte Zeit lang die Arbeitsblätter herunterladen können.

Sonstiges

Ein Wordle lässt sich mit wordle.net erzeugen.

Das Buch mit den Infografiken hieß: „Verfassung verstehen“

Es gibt einen schönen Blogpost von Herrn Kalt über das Thema „Lehrer und Twitter“.

Es gibt viele weitere bloggende Lehrer. Alle spannend.

 

Aktuelle Projekte in der Schule

Medienscouts


Projekt

Im letzten Jahr haben wir in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium und der Mittelschule am Ort zusammen ein Projekt „Medienscouts“ gestartet. Von allen drei Schularten haben wir Schüler zusammengetrommelt, um sie in einem Blockseminar  auf ihre Tätigkeit vorzubereiten. Zu diesem Zweck konnte wir zwei Medien-Pädagogen vom Kreisjugendring an die Schule holen, die in der Hauptsache diese erste Ausbildung durchführten.

Im laufenden Schuljahr wurden die Scouts dann an ihren Schulen eingesetzt. Dies geschah mit unterschiedlichem Erfolg. An meiner Schule war es sehr durchwachsen, weil ich nicht genug freie Kraftreserven hatte, um sie enger zu begleiten. An der Mittelschule musste das Projekt zugunsten anderer Aktivitäten eingestellt werden. Am Gymnasium lief es besser und ausdauernder.

In diesem Jahr haben wir eine neue Runde eingeläutet und die Bewerberzahlen sind höher als noch im vergangenen Jahr, sodass ich mich grad entschlossen habe, mehr Energie hineinzustecken, weil es doch eins meiner Lieblingsprojekte ist. Das Gymnasium ist weiterhin dabei – die Verbindung hier ist einfacher, weil meine Frau dort die Scouts betreut – , die Mittelschule musste sich leider abkoppeln. Ich verstehe die Hintergründe und finde es dennoch schade. Allerdings musste einer Scouts auf die Mittelschule gehen, so dass wir dort jetzt dennoch jemanden installieren konnten, der uns freundlicherweise auch weiterhin zur Verfügung gestellt wird.

Ausbildung

Wir haben zwei Tage veranschlagt, um verschiedene Punkte durchzuarbeiten. Es beginnt in der Regel mit Lockerung- und Kennenlernspielen – wichtig, weil wir ja, trotz der Nähe zueinander, zwei verschiedene Schülergruppen zusammenbringen (als im letzten Jahr Schüler von drei Schularten zusammenkamen, war ich selbst sehr positiv überrascht, wie gut das klappte). Danach gibt es einen Überblick über die aktuellen Ergebnisse der JIM-Studie (in Auszügen und entschlackt logischerweise). Schließlich sollen verschiedene Themen, die auch später eine Rolle spielen, angeschnitten werden (Cybermobbing, Computerspiele und Spielsucht, Soziale Netzwerke, Handy, Urheberrecht usw.). Im Idealfall wählen die Scouts ihre Themen selbst und vertiefen diese dann in der restlichen Zeit. Parallel dazu zeigen die Pädagogen  verschiedene mediale Arbeitsmöglichkeiten, z.B. Interviews mit Aufnahmegeräten, Digitale Fotografie, Stop-Motion-Technik, auch mit dem Hintergrund, dass diese Techniken in der Arbeit mit den anderen Schülern eingesetzt werden.

Arbeit im Schuljahr

Im laufenden Schuljahr wird ein Wahlunterricht (AK oder AG in anderen Bundesländern) eingerichtet, in dem sich die Scouts regelmäßig treffen und a) ihr eigenes Medienwissen und Nutzungsfähigkeiten vergrößern und b) Einsätze in unteren Klassen planen. Diese Einsätze werden in sogenannten Medienstunden stattfinden, die die Scouts eigenständig organisieren und mit Schülern unterer Jahrgangsstufen durchführen. Im Vergleich zum letzten Jahr will ich dieses Mal auch das a) verstärken, also die Arbeit mit unterschiedlichen Medien und Geräten – natürliches reiner Eigennutz, um selbst Sachen auszuprobieren und zu entdecken. Ich weiß z.B. seit Kurzem, dass die Kreisbildstelle hier einen Koffer mit GPS-Geräten zum Verleih vorrätig hat. Außerdem würde ich gern weiter Nachwuchsautoren für die Schulhomepage rekrutieren. Und schließlich würde ich einfach gern mal wieder so ganz anders arbeiten als im Unterricht.

 

iPad und papierlose Schultasche


Mein Lieblingsprojekt ist im letzten Jahr zwar irgendwie auf einem Höhepunkt angekommen, indem ich vier Vorträge halten durfte zum Thema. Andererseits auch aus den Fugen geraten, weil ich gerätetechnisch etwas ins Schleudern geraten bin. Mein ursprünglicher Plan war schon im vergangenen Jahr, auf ein MacBook umzusteigen für die Schule, aber ich habe dann schnell gemerkt, dass ich damit im Unterricht nicht klarkomme. Es steht am Pult und wenn ich durch die Klasse laufe, bringt mir das gar nichts. Selbst vorn am Pult steht es so niedrig, dass es unpraktisch ist. Ebenso komisch war der Umstieg vom großen iPad auf ein Mini, weil es eben sehr mini ist. Meine schlechter werdenden Augen und die noch schlechtere Möglichkeit, Arbeitsblätter in DINA 4 ordentlich anzeigen zu lassen, bzw. handschriftlich zu füllen, führten dazu, dass ich wieder zu alter Größe zurückkehrte. Und bei diesem Umstieg befinde ich mich grad. Nichtsdestotrotz ist mein Laptop zu meinem Hauptarbeitsgerät geworden (daheim mit großem Monitor), auf dem mein gesamtes relevantes Material vorhanden ist. Diesen trage ich immer mit in die Schule, so dass ich immer Zugriff auf nahezu alles habe. Das bietet mir einen unglaublichen Komfort.

Und ja, natürlich muss ich hinzufügen, dass ich immer noch ein eigenes Büro habe, in dem ich mich ausbreiten kann und genug Steckdosen habe :). Außerdem habe ich keine Kinder, muss keinen Hauskredit abbezahlen und Urlaube halten sich auch in Grenzen. Und in der Familie finde ich immer wieder Abnehmer für ausgemusterte Geräte.

 

Schulische Erweiterung der Technik


Dank eines einsatzfreudigen, nerdigen Systemadministrators und einer umtriebigen Fachlehrerin für IT, die nicht zugeben will, dass sie auch nerdig ist, gehen auch die technischen Umbauarbeiten in den Serverräumen, Computerräumen und bezüglich der Klassenzimmer voran. Es steht Geld zur Verfügung um etwa 10 Klassenzimmer mit Beamer, PC und Lautsprechern auszustatten. Das ist mehr als der ursprüngliche Plan vorsah, der die Schulen mit Whiteboards ausstatten wollte: Jedes Jahr zwei Stück bis in jedem Klassenzimmer eines gewesen wäre – d.h. nach 12 Jahren wäre es dann soweit gewesen. Dann wäre ich 57. Einige kleine Probleme müssen noch angegangen werden, aber es ist schon so, dass ich eine gewisse Grundfreude verspüre.

Vision Kino – USB Stick mit Material zur Filmbildung

Erinnere mich an einen Beitrag von Herrn Rau in diesem Jahr. Filmbildung in der Schule als Empfehlung/Bestimmung der KMK.

Letzte Woche habe ich eine Bestellung aus Berlin / NRW (?) bekommen: Einen USB-Stick von Vision Kino, für 15 Euro.

Klingt wenig aufregend, wurde aber aufregender, als ich mir den Stick genauer anschaute. Es ergab ein prall gefülltes Ding, mit Hintergrundwissen, Arbeitsblättern, Software, Unterrichtsvorschlägen, Filmbeispielen, Interviews, Filmheften, Anleitungen, Broschüren uvm. Satte 4 GB.

Unterlagen

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Software

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Wenn ich es recht verstanden habe, kann man direkt vom Stick arbeiten – so denn man einen WindowsPC nutzt.

In einem ersten Blick habe ich ein paar Arbeitsblätter entdeckt zu den Grundbegriffen beim Film. Die habe ich danach eingesetzt. Auch gefunden habe ich ein kleines spannendes Projekt – eigentlich für die unteren Jahrgänge. Arbeitsauftrag ist es, einen kleinen kurzen Dialog zu verfilmen. Der Clou dabei: Man entnimmt diesen Dialog einem bekannten Film. In dem vorliegenden Fall war das ein Dialogausschnitt aus „Herr der Ringe“.

Ich jedenfalls werde mich bedienen: Dieses kleine Dialogprojekt, dann anhand einer Kurzgeschichte Storyboard für 5 Fotos entwerfen, Drehbuchschreiben. Dazu habe ich mich bei zwei Fortbildungen im Februar angemeldet, die den Besuch mit einer Schulklasse im Kino vorbereiten kann, bzw. über Verfilmungen im Deutschunterricht.

Und ja, jetzt kommt mir keiner mit „Wenn ich Zeit hätte, würde ich das auch machen“. Natürlich kann man das machen und ich würde sagen, es ist ein Leichtes dies im Lehrplan unterzubringen:

  • Medienbildung als übergreifendes Lernziel
  • Literaturverfilmung
  • kreative Bearbeitung von Textvorlagen
  • Erzählvorgänge analysieren
  • Medien und ihre Wirkung erkennen
  • Rezensionen schreiben und analysieren
  • alles das basierend auf den Grundlagen der Entstehung eines Filmes und des technischen Hintergrunds

Und wenn mehr gewünscht wird

Sehr hilfreich und motivierend waren zwei Dinge. Zum einen, dass unsere umtriebige IT-Lehrkraft 10 kleine Digicams für die Schule und die unterrichtliche Arbeit angeschafft hat. Diese bereite ich grad vor für die kleinen Projekte. Der Vorteil ist einfach, auch wenn ich schon die Schüler mit ihren Handys habe arbeiten lassen, dass ich hier sicher sein kann, ein eindeutiges Datei- Format zu bekommen.

Zum anderen haben wir gemäß unseres Medienkonzeptes vom letzten Jahr die ersten Medienscouts ausgebildet, die nun ihre Arbeit aufgenommen haben. Zur Ausbildung waren zwei Medienpädagogen an der Schule, die mit ihrem Equipment einfache kleine Projekte mit unseren Schülern gestartet haben, z.B. gegenseitige Interviews. Das war sehr aufschlussreich, vor allem, weil das doch alles so einfach geht, wenn man mal den schulischen Ballast weglässt – also nicht vorab alles erarbeiten will an Theorie, Methode und Überblick, sondern nach einer knappen Anweisung einfach mal machen lässt. Und ja, dann geht das einfach.

Ergänzend zum Ganzen übrigens: Planet Wissen, wie ein Film entsteht in 5 Schritten.

Die Filme, die hier als Beispiele aufgezeigt werden, findet man in einer Übersicht – am meisten hat mich bisher Herr Rücker von Anna Wahle, wenn ich mich recht entsinne, als Dokumentarfilm zum Thema Integration. Der Link hier zeigt nicht nur den Film, sondern auch das Interview mit der Regisseurin über die Entstehung des Films – eine Kurzübersicht. Allemal spannend. Auch genial: Den Film kann/darf man downloaden!

Die restlichen Filme finden sich hier. Unterrichtsmaterial dazu hier.

(Die Filme sind schon ein paar Jahre alt, für mich aber neu – irgendwie dran vorbeigesurft…)

Sozialkunde – leicht gemacht 16: Bayern 2 Radio-Wissen

Bayern 2 ist ein Radiosender des Bayerischen Rundfunks, dessen Themen breit gestreut sind: Politik, Kultur, Wissen und Musik. Wenn ich quer durch Deutschland fahre – Köln, Hamburg, Berlin und Neerstedt sind regelmäßige Ziele – vermisse ich auf den Fahrten diesen Sender eigentlich am meisten, wenn ich die bayerischen Grenzen überschreite. Ich kenne in anderen Sendegebieten nichts Vergleichbares.

Eine spannende Sendung ist hier RadioWissen, welche in kurzer Form viele Wissensthemen verarbeitet: Philosophisches, Politisches, Literarisches, Technisches usw.

Das Besondere dabei: viele Sendungen lassen sich aus dem Internet herunterladen als mp3 und einige Sendungen werden dabei mit Arbeitsblättern und Tafelbildern für den Unterricht ergänzt.

Eine Sendung, die ich aktuell verwenden möchte, dreht sich um den Begriff der Würde im Hinblick auf das Grundgesetz.  Mit Tafelbild und Arbeitsblättern.

Ergänzend dazu noch ein kleines Filmchen aus youtube über Menschenrechte.

httpv://www.youtube.com/watch?v=fjagWFEmnpg

Sozialkunde – leicht gemacht 15: Vom Fragen

Vorwort

Als ich in der 9. Klasse war, sind wir mit unserem Lehrer auf Klassenfahrt nach Münster gefahren. Dort gab es das übliche Programm, u.a. Führungen. Irgendwann in der Zeit danach wurde ich von meinem Klassenlehrer beiseite genommen und in ein Gespräch verwickelt, in dessen Verlauf er meinte, ich sei doch ziemlich intelligent. Im ersten Moment war ich baff, weil das so noch nie jemand zu mir gesagt hatte. Auf meine Nachfrage, wie er denn darauf käme, antwortete er, dass ihm das auf den Führungen in Münster aufgefallen sei. Ich gab meiner Verwunderung Ausdruck, dass ich dort doch hauptsächlich Fragen gestellt hätte. Ja, sagte er, aber das hätte meine Intelligenz deutlich gezeigt. Einer der Sätze, die ich mir bewahre bis heute – 30 Jahre später.

Vom Fragen in der Schule

In meinen 10. Klassen in diesem Schuljahr lasse ich in Sozialkunde Kurzvorträge halten über aktuelle politische Themen. Die ersten Vorträge, die ich hörte, waren eher enttäuschend. Dies vor allem, weil sie über eine Wiedergabe dessen, was man in den Zeitungen lesen, im Internet finden oder in den Nachrichten sehen konnte, nicht hinaus gingen. Sie waren eben vor allem Darstellung des Ereignisses, keine Vertiefung, keine wirkliche Problematisierung.

In den letzten Stunden wollte ich das thematisieren an einem x-beliebigen Inhalt und wollte sie zu einem Thema Fragen formulieren lassen. Und dann merkte ich das Problem, wieder mal. Das lag nämlich darin, dass sie zu sehr auf das gegenteilige Modell gepolt sind: nämlich Fragen zu beantworten. Klassisch: Sie sollen lernen, dann bekommen sie Fragen zum Gelernten und die Antworten sind das, was dann zählt und bewertet wird. Die Antworten stehen logischerweise schon vorher fest. Selbst Fragen zu stellen ist ihnen fremd, weil damit ja verbunden ist, etwas nicht zu wissen, was wiederum im Schulsystem als Niederlage Mangel einzuschätzen ist.

Im Kern also sind Fragen im Unterricht nicht dazu da, Wissen zu erlangen, weiter zu kommen oder etwas zu verstehen. Ja, ich weiß, natürlich dürfen Schüler im Unterricht fragen und dann erklärt der Lehrer es ihnen – diese Art Fragen meine ich aber nicht.

Saudi Arabien lehnt die Wahl als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat ab – Fragen und Lernen

Das Thema der letzten Stunde lautete aus aktuellem Anlass: Saudi Arabien lehnt die Wahl als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat ab. Der Bezug zur Schülerwirklichkeit mag auf den ersten Blick etwas fern liegen, aber man mag mir glauben, dass ich den Bezug herstellen konnte – dies hat aber mit Umständen zu tun, die Dritte betreffen, daher erwähne ich sie hier nicht.

Ich habe zu der Stunde nichts weiter vorbereitet als die Themenstellung herauszusuchen.

Der Aufforderung, Fragen zum Thema zu stellen, kamen die Schüler gewohnt zögerlich, aber nach Ermutigung dann doch flüssiger nach. Letztlich konnte ich zusammenfassend die Fragen untergliedern in 3 Gruppen, steigernd im Anspruch:

  • Wissensfragen: Wo liegt Saudi Arabien? Was ist die Hauptstadt? Wie heißen die Nachbarländer? Was ist der Sicherheitsrat?usw.
  • Erkenntnisfragen: Wieso lehnen sie ab? Wer lehnt genau ab? Welche Vor-/Nachteile hat das Land? usw.
  • Transferfragen: Welche Folgen wird dies haben?

Im weiteren Verlauf der Stunde aktivierten wir unser Vorwissen und konnten versuchen die Fragen zu beantworten. Und wie erhofft, konnte sich so das Bild etwas konkretisieren. Es halfen dabei folgende Informationen, die bruchstückhaft vorhanden waren:

  • Nachbarländer oder nah dran sind: Israel, Ägypten, Syrien, Irak, Iran, Jemen
  • Problematisch sind dabei: Israel, Syrien und Iran
  • Es gab Nachrichten, dass Saudi Arabien von Deutschland U-Boote, Leopard 2- und Radpanzer kaufen will
  • Fußball-Weltmeisterschaft soll „dort“ stattfinden – also eigentlich in Katar, welches ein eigenständiges Land darstellt und an Saudi Arabien grenzt
  • Saudi Arabien ist kein demokratisches Land
  • Es ist ein bedeutendes erdölexportierendes Land
  • Der Sicherheitsrat ist ein Instrument der UNO, die wiederum Friedenssicherung betreibt
  • Gab es da nicht eine riesige Waffenmesse?

Alle diese Informationen konnten der Klasse entlockt werden, ohne dass externe Quellen angezapft wurden. In einer Klasse habe ich lediglich mein MacBook an den Beamer und ans Netz gehängt und wir haben uns die Lage Saudi Arabiens bei Googlemaps angeschaut, bzw. eine Grafik mit dem Aufbau des Sicherheitsrates.

Wir haben also gelernt – ohne eine minutiöse Unterrichtsvorbereitung und mit vielen Fragen als Ausgangspunkt. Das weitere Unterrichtsgespräch verruchte zwischen diesen Einzelpunkten Verbindungen herzustellen. Dabei drehte es sich um das Sicherheitsbedürfnis von Saudi Arabien und die Abhängigkeit westlicher Staaten vom Öl.

Wie geht es weiter?

Natürlich habe ich uns ein Arbeitsblatt besorgt zum Thema, vom Aktualitätendienst des Schrödel-Verlags. Das werden wir bearbeiten. Überraschenderweise aber wird dies nicht alle Fragen beantworten, denn es konzentriert sich auf die Reformforderungen Saudi Arabiens, die in ihrer Notwendigkeit sicher nicht von der Hand zu weisen sind. Nicht gefragt wird nach den Gründen der Ablehnung, die in den Zeitungen nachzulesen sind: die Haltung der UNO im Syrienkonflikt, in dem Saudi Arabien tatkräftig die Rebellen unterstützt und die aus ihrer Sicht weichen Position beim Thema Iran und Nutzung der Atomkraft. Beides sind Umstände, die die Lage des Landes aus ihrer Sicht unsicherer machen.

Überraschenderweise aber werden auch in den Zeitungen nicht alle Fragen des Unterrichts beantwortet. Vor allem die Fragen, warum ein nicht demokratisches Land in den Sicherheitsrat gewählt wird und warum ein Land, das in den letzten Jahren zum besten Waffenkunden deutscher Firmen aufgestiegen ist, einen Sitz im Sicherheitsrat ablehnt.

Deutschland forderte übrigens im September Reformen.

Unterm Strich

Ich will mir hier keinen pädagogisch-didaktischen Heiligenschein aufsetzen, aber wir haben in dieser Stunde gelernt, ohne dass ich sie vorbereitet hätte im klassischen Sinn. Und müsste (Violinen im Hintergrund) Schule nicht so sein (Pauken): Lernort? (Finale ausblendend).

Gelernt:

  • Schüler wissen mehr als man allgemeinhin denkt
  • Sie bekommen viel mit von der Welt
  • Das Zusammentragen von Wissensbruchstücken kann ein Gesamtbild erzeugen
  • Fragen erzeugen Wissen, nicht die Antworten (bestätigt)
  • die Nachbarländer von Saudi Arabien
  • Antworten auf Fragen erzeugen immer wieder neue Fragen

Ich habe versucht Educamper zu werden – #ecb13 #lernlab

Ich habe vor einer Woche versucht, ein Educamper zu werden auf dem Educamp 2013 in Berlin (#ecb13). Über das #LernLab hinaus habe ich es nicht wirklich geschafft.

Gereizt hat mich die Berliner Veranstaltung, weil vorgeschaltet das #LernLab organisiert wurde. Also die Durchführung von Unterricht nach Vorstellungen der digitalen/Web2.0-Lehrer genau von diesen. Die Heinrich-von-Stephan-Schule, bzw. deren Kollegium und Schulleitung hatte dies ermöglicht. Das versprach viel – und hielt auf meiner Schiene nur wenig, was nur bedingt am fehlenden Wlan lag.

Ich habe an jenem Freitag drei Doppelstunden gesehen, von denen mich eine überzeugte – diejenige von @lammatini über die Nutzung eines Backchannels im allgemeinen Unterrichtsgespräch. Das Setting war zwar, aus meiner Sicht, für die Schüler einschüchternd (6 Lehrer waren anwesend, die sich dann auch noch alle in das Gespräch einbringen wollten), aber ich denke, sowohl der inhaltliche Kern wie auch die Anwendung des Tools wurden verstanden. In den beiden anderen Doppelstunden wurde nach meiner Einschätzung an den Schülern vorbeiunterrichtet. Dies lag nicht nur am Tool, sondern daran, dass die Schüler inhaltlich/sprachlich überfordert wurden und das eingesetzte Tools keine zusätzliche Dimension oder Erkenntnis schaffen konnten. Grad aber die inhaltliche Überforderung der Schüler empfand ich als besonders schwerwiegend und hat mir innerlich Unwohlsein bereitet.

Dass in anderen Doppelstunden andere Erfahrungen gemacht wurden, ist sehr schön. Ich kann mir vorstellen, dass dort erfahrene Menschen mit iPads und Blogs gearbeitet haben, so dass über das Tools hinaus gelernt werden konnte. Da ich aus Höflichkeit und entsprechend des Wunsches des Schulleiters nicht den Raum wechseln wollte, habe ich also nur meine sehr durchwachsenen Erlebnisse.

Die Erfahrung aber in diese Schule reingeschnuppert zu haben, ohne den Anspruch zu äußern, nun wirklich etwas vom Alltag und der pädagogischen Arbeit dort zu kennen, wirkt bei mir nach. Der Schulleiter Großpietsch hat in seiner Berliner Art Eindruck auf mich gemacht, weil er bei allen Hindernissen der Schulpolitik und -verwaltung die Schule reformerisch voranbringt. Schon die Tatsache, dass es keinen Schulgong gibt, hat mich den ganzen Tag verfolgt und gezeigt, dass diese einfache Änderung Entspannung in den Schulalltag bringen kann. (Großpietsch am Morgen: „Die Schüler haben doch alle Uhren. Die wissen, wann es weitergeht.“) Und dass Reformpädagogik nicht gleichzeitig „Kuschelpädagagogik“ bedeutet, zeigten die Lehrer im Umgang mit den Schülern – im besten Sinn den Menschen annehmend und gleichzeitig fordernd. Hier könnte ich lernen.

Viele Twitter-/Blogger-Äußerungen sprechen davon, dass die Schülerschaft der Heinrich-von-Stephan-Schule so außerordentlich war. Ich möchte das einschränken. Auch ich habe sie als offen kennengelernt (vor allem in den Bankgesprächen während der nicht so spannenden Stunden) und sehr freundlich. Dennoch will ich hinzufügen: So wie meine Schüler. Mich hat also nicht im Kern gewundert, dass sie so höflich waren, sondern dass sie so höflich waren wie meine. Denn ich muss zugeben, dass ich beim Stichwort Moabit an Brennpunktschule dachte. Ich bin in einer ähnlichen Gegend in Hamburg aufgewachsen und habe in Nürnberg 10 Jahre in der Südstadt/Gostenhof gewohnt, d.h. ich bin mit entsprechenden Vorurteilen nach Moabit gefahren. Und keine davon wurden bestätigt. Die Schülergespräche auf den Gängen drehten sich um die Themen meiner Schüler. Die Sprache dabei war dieselbe. Die Schüler vor mir waren neugierig, woher ich komme und was ich unterrichte. Alles wie Schule eben. Und deswegen habe ich auch Schüler erlebt, die eben nicht so höflich waren – sich z.B. lustig machten über einen Mitschüler, der klüger war als sie und sich deswegen nicht neben ihn setzen wollten. Und Schüler, die zu Wikipedia surfen sollten und seltsamerweise auf der Seite von Fenerbace Istanbul landeten. Alles wie Schule eben.

Alles in allem war der erste Tag des Educamps also erfahrungsreich, aber durchwachsen. Den zweiten Tag, gleichzeitig der erste Tag des #ecb13, habe ich nur bis zum ersten Viertel erlebt und bin dann abgereist – ich hatte ziemlich deutlich das Gefühl zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein. Vielleicht probiere ich es in Frankfurt noch einmal. Das wird günstiger liegen am Anfang der Osterferien hier in Bayern.

BTW.: Ich bringe meinen Schülern übrigens bei, dass es keine Schande ist, Vorurteile zu haben – sondern nur, zu ignorieren, dass es welche sind und sie nicht ändern zu wollen.

Meine Software überrascht mich

Ich habe oft nicht die Zeit oder Lust, mich wirklich ohne konkretes Projekt in die Tiefen einer Software vorzuarbeiten. Manche Sachen entdecke ich dann per Zufall nebenbei.

Heute z.B. habe ich in Evernote die Themen der Kurzarbeit Geschichte 10 gesucht. Nach der Eingabe der Suchworte „Kalter Krieg“ gab er mir Folgendes aus:

Bildschirmfoto 2013-10-22 um 17.52.05

Oben das Suchfeld. Unten im Foto die Hervorhebungen stammen von Evernote selbst.

Heißt also: Evernote liest nicht nur PDF-Dokumente, sondern auch meine Fotos von handschriftlichen Kreide-Tafelbildern. Darüber hinaus indexiert er die Begriffe für die Suche.

Wohoo.

Nebenbei habe ich gestern meine Macs kostenlos upgedatet auf die neue Version von OS X: Mavericks. Wunderbar.

 

Projekte/Unterricht zum neuen Schuljahr

Nachdem die allgemeinen Aufgaben nun abgearbeitet wurden und ich die zweite Version meines Fachartikels über Googlemaps im Geschichtsunterricht abgegeben habe, kann ich mich meinen eigenen Ideen für den Unterricht widmen.

Medienscouts / Medienkonzept

Ein größeres Projekt, was wir anschieben, sind die Medienscouts, die wir grad zusammen mit der Mittelschule und dem Gymnasium vor Ort ausbilden möchten. Unterstützung finden wir dabei im Kreisjugendring, der ähnliche Projekte grad an anderen Schulen im Kreis durchführt. An unserer Schule ist dies Bestandteil eines Medienkonzepts, welches von zwei Lehrern und mir seit letztem Jahr vorangebracht wird.

Wiki again

Nachdem ich im letzten Jahr mit meiner Wiki-Arbeit im Untericht nicht so zufrieden war, möchte ich dieses Jahr wieder zufriedener werden und hier verstärkt dran arbeiten. Mein erstes Wiki, was ich in Zusammenhang von mir aus aufgesetzt hatte, lief über Wikispaces und begleitete die Vorbereitung zu einer Kurzarbeit im Fach Geschichte. Mittlerweile habe ich das vom ersten Halbjahr (im zweiten Halbjahr hatte ich nicht mehr genug Zeit, weil ich schon die ersten Aufgaben des Ersten Stellvertreters übernehmen musste – daher ist der zweite Teil recht brüchig) überführt in ein Schulwiki (MediaWiki), welches ich an die Schulhomepage angehängt habe. Letzteres würde auch gern weiter ausbauen. Meine ersten Versuche habe ich ja schon einmal beschrieben.

Zu diesem Zweck habe ich in der letzten Stunde meine 9. Klässler (Deutsch) animiert, sich auf dem Schulwiki anzumelden und dort auf einer vorbereiteten Seite ein Wunsch-Erörterungsthema zu notieren. Außerdem gehörte dazu, eine Quelle mit Link anzugeben, wo es Informationen zum entsprechenden Thema im Netz gibt. Das empfand ich als niedrigschwelligen Einstieg in die eigene Erarbeitung von Artikeln im weitesten Sinn. Habe wenig dazu erklärt und bisher haben es die meisten geschafft. Ist eine pfiffige Klasse, die mir bisher Freude macht.

Unterm Strich also zweigleisig: Einmal ein Wiki, welches ich zur Darstellung und Erweiterung meines Unterrichts nutzen möchte und auf der anderen Seite eines, welches die Schüler selbst füllen sollen. Ich bin hier immer noch ein großer Fan von Andreas Kalt.

In diesem Rahmen möchte ich Wikis in Deutsch, Geschichte und Sozialkunde einsetzen. Dazu werde ich im Kollegium Wiki-Fortbildungen anbieten.

Damit auch schon die zweite Baustelle oder das zweite Experimentierfeld: die ursprüngliche Idee war es, dem Schreiben im Deutschunterricht mehr Raum zu geben, gleichzeitig damit auch dem Lesen eigener und anderer (speziell fiktiver/literarischer) Texte. Im Rahmen meines Unterrichts also verstärkt folgende Dinge:

Schreibportfolios again

In 8 und 9 jeweils über die Halbjahre.

In 8 im ersten Halbjahr vor allem eigene Texte entsprechend der Schulaufgabenformen im ersten Halbjahr (Erzählen zu einem Bild und Inhaltsangabe), sowohl in Entwurfsform als auch in Reinform (in „schön“). Im zweiten Halbjahr bildet bei mir zunächst ein Zeitungsprojekt einen Schwerpunkt, welches als Schulaufgabe benotet wird. Das heißt hier verlange ich dann ohnehin ein Portfolio. In 8 habe ich vor Jahren, als es diese Schulaufgabenform noch gab, die Bildbeschreibung durchgeführt. Klingt angestaubt, aber als Vorbereitung sollten die Schüler in Kurzvorträgen Gemälde vorstellen. Hier habe ich selbst, der ich mich bis dahin wenig um Bildende Kunst / Galerie-Dingsbums gekümmert habe, selbst noch am meisten herausgezogen. Zugegeben beflügelt durch Scarlett Johansson. Und diese Vorträge lasse ich heute noch halten in 8.

httpv://www.youtube.com/watch?v=dIcrCFh0aM8

In 9 dreht sich im ersten Halbjahr im Schreibportfolio alles um die Vorbereitung von Erörterungen. D.h. es finden sich dort Materialien aller Art, Mustergliederungen, Zeitungsausschnitte usw. Einzelne Themenbearbeitungen sollen auch im Wiki erscheinen. Eventuell auch Einzelteile von Musteraufsätzen.Es geht also wieder um die erweiterten Erörterungsschulaufgaben. Die Schüler können sich vor der Schulaufgabe Mappen zusammenstellen mit Material, welches sie in der Schulaufgabe selbst dann benutzen dürfen. Im zweiten Halbjahr, wo es um den sogenannten „Textgebundenen Aufsatz“ gehen soll (Interpretation von Sach- und/oder literarischen Texten), bin ich noch nicht sicher, wie ich ein Schreibportfolio unterbringen möchte.

Unterm Strich sollen also die Portfolios dem Schreibprozess dienen und jeweils eine mündliche Note ergeben.

Dazu lesen, lesen, lesen. In 9 angefangen mit Woyzeck, Schnelldurchlauf. Aber es folgt mehr.

Und am Rande

Habe leider im ganzen Durcheinander meiner neuen Position ein wenig zwei Dinge aus dem Auge verloren, die ich eigentlich weiter verfolgen wollte, und zwar die ganze OER-Geschichte und damit verbunden ein vermehrtes Engagement in diesem Bereich. Dazu versuchte ich die Aktivitäten bei der ZUM zu verfolgen und mich in der digitale-schule-bayern einzubringen. Aber ich muss sehen, was der Tinnitus zulässt.

Dieser Artikel wurde begleitet von Selah Sue.

httpv://youtu.be/FE29S_Kd5l4

Manche meinen Lechts und Rinks kann man nicht velwechsern –

Werch ein Illtum (Ernst Jandl).

Mit dieser Überschrift steige ich oft in eine Sozialkundestunde über „Politische Denkfamilien“ ein. Diesen Begriff habe ich mal irgendwo aufgeschnappt (Ich meine bei der Bundeszentrale in einem Lexikon) und fand ihn für das Thema so passend, dass ich ihn gern verwende, was von Anfang an nicht leicht ist – vor allem, weil Viele bestimmte Vorstellungen von „links“ und „rechts“ haben, ohne dies aber wirklich zu reflektieren.

Erst heute las ich z.B. in der Zeitung ein Interview mit Bruno Jonas, wo er gefragt wurde, ob er denn nun ein linker Kabarettist sei. Auf diese schon nicht sehr überlegte Frage kam dann entsprechend eine ebenso wenig durchdachte Antwort: „Ich äußere mich nicht parteipolitisch.“

Also Lektion Nr. 1: Rechts und links sind keine Begriffe, mit denen man sich zu bestimmten Parteien einordnen kann. Wie z.B. kann es sonst sein, dass Heiner Geißler, CDU, gleichzeitig Mitglied bei attac ist, der Organisation, die (wie Geißler selbst) heftig und andauernd Kapitalismus und Globalisierung kritisiert?

Wer hat’s erfunden?

Der zweite Schritt meiner Stunde besteht darin, dass ich die Begriffe links und rechts links und rechts an die Tafel schreibe, eine horizontale Linie ziehe und den Schülern den Auftrag gebe, dass sie doch sich selbst und ihr politisches Denken einmal mit einem Kreide-Kreuz auf dieser Linie einordnen sollen. NATÜRLICH verlasse ich den Raum, wenn sie das machen.

Wenn ich den Raum wieder betrete findet sich meist ein ähnliches Bild: Viele Kreuze befinden sich in der Mitte der dreiteiligen Tafel, wenige ganz links, rechts aber will keiner so recht sein. Vereinzelt finde ich welche, selten.

Die Deutung lässt sich verschieden aufziehen.

Zum einen tun sich viele, nicht nur Jugendliche, schwer, sich politisch einzuordnen – viele Menschen verweigern sich auch, weil sie angreifbar werden. Dann tituliert man sich gern als jemand, „der sich nicht einordnen lässt oder will“. Dies soll dann von unabhängigem Denken zeugen, was es in der Regel nicht ist. Um aus dem Konflikt herauszukommen, macht man das Kreuz in der Mitte und glaubt, damit muss man keine Stellung beziehen.

Zum anderen frage ich danach auch einfach ins Plenum, was ihrer Meinung nach links und rechts bedeutet. Dann läuft alles in die Richtung, dass die Rechten ja die Nazis seien und die Linken sind (mittlerweile erst) diese Partei aus der DDR. Und rechts will keiner sein und links in diesem Sinne ist nebulös.

Eine dritte These bezüglich des Tafelbildes ist die, dass linkes Denken entwicklungstechnisch früher als auftritt als rechtes. Dies mag in der Natur der Sache liegen („Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz…) beleidigt aber vielleicht linkes Denken als kindisch. Dies aber beleidigt Kinder ebenso wie linkes Denken.

Also erkläre ich:

Übereinstimmend wird auf die Französische Revolution verwiesen, in dessen Verlauf die ersten Nationalversammlungen einberufen wurden. Hier wurden die Abgeordneten (ohne dass es wirklich Parteien gegeben hat) entsprechend ihrer Ausrichtung gesetzt: Links (vom Präsidenten aus gesehen) saßen die Revolutionären, Progressiven (Fortschrittlichen) – Rechts wiederum die Königstreuen, Monarchisten, Konservativen (Bewahrenden).

Gegensätze und/oder Alternativen

Nach dieser Erklärung sollen die verschiedenen Denkfamilien erarbeitet werden. Dies geht wunderbar mit Texten aus dem Politiklexikon der bpb.de:

Konservativismus

– Hauptbegriffe: Tradition, Bewahrung der aktuellen politischen Ordnung, Verteilung von Macht und Eigentum, Nation, starker Staat

Liberalismus

– Hauptbegriffe: Freiheit, Ablehnung/Einschränkung jeder (staatlichen )Einflussnahme,   Selbstregulierung der Wirtschaft über einen freien Markt

Sozialismus

– Hauptbegriffe: Freiheit UND Gleichheit, Abschaffung der Herrschaft über Menschen, Ablehnung des Kapitalismus, Schaffung von Gleichheit durch staatliche Eingriffe

Die Texte werden gekürzt. Im Überblick reichen oft die einleitenden Absätze, ohne genauer auf Unterströmungen einzugehen. Arbeitet man die Hauptbegriffe heraus, findet man Überschneidungen und Unterschiede.

Danach kann man den Denkfamilien aktuelle Parteien zuordnen. Parteiprogramme sichten. Wahlplakate analysieren und zuordnen lassen. Vor allem aber auch erklären, was in diesem Zusammenhang links- und rechtsextrem bedeutet, bzw. am Tafelbild des Einstiegs deutlich machen (ich gehe dann in rechte Ecke des Klassenzimmers, um zu erklären, dass das, was sie unter rechts verstehen, eigentlich rechtsextrem ist – Also: Überbetonung des „Volks“, Ablehnung/Unterordnung persönlicher Freiheit, Rassismus, radikal nationalistisch.

In diesem Zusammenhang habe ich neulich in einer Klasse ein sehr gutes Material der Bundeszentrale benutzt: „Was denken Nazis?

Grenzen

Links und rechts sind sehr grobe Begriffe. Vor allem, weil sie nicht wirklich etwas über politische Inhalte aussagen. Nicht umsonst spricht man ja auch innerhalb von Parteien von linken/rechten Flügeln, Traditionellen, Konservativen und Fortschrittlichen. Daher ist eine eigene Zuordnung schwer. Wenig überraschend werden links/rechts ja auch eher gebraucht, um jemand von außen zuzuordnen. Da ist man dann eine „linke Zecke“ oder „eine rechte Glatze“. Aber dann wiederum gibt es die „Linksfaschisten“ und „Godwin’s Law„.

Wenn man sich jedoch mit den Begriffen der „Denkfamilien“ auseinandergesetzt hat, wird das Ganze meiner Meinung nach schon leichter. Vor allem, weil man dann auch handfeste Grundbegriffe in Diskussionen und Auseinandersetzungen mit anderen hat.

Muss man sich politisch-gedanklich überhaupt verorten?

Generell bin ich der Meinung, dass es notwendig ist. Aber natürlich muss man mehr als das – sich auch mit dem beschäftigen, was man so „meint“. Notwendig vor allem, um sich zu wappnen gegen alle, die Redegewandtheit als Waffe einsetzen.

Für die Politische Bildung existiert der sogenannte Beutelsbacher Konsens, nach drei Grundpinzipien im Politikunterricht beachtet werden müssen: 1. Das Überwältigungsverbot, nach dem kein Schüler mit der Meinung des Lehrers überrollt werden darf, 2. Das Gebot der Kontroversität, nach der politische Themen, die in der Wirklichkeit umstritten sind, auch so im Unterricht dargestellt werden müssen und 3. das Ziel, den Lernenden inhaltlich und methodisch zu befähigen, dass er sich seine eigene Meinung bilden kann.

Klingen alle drei Punkte vernunftmäßig einsichtig, sind sie doch nicht ganz unumstritten. Ich erwähne nur zum ersten Punkt, dass hier schnell geschlossen werden wurde, dass der Lehrer keine Meinung äußern darf, um die Schüler nicht zu beeinflussen. Dies ist im laufenden Unterricht oft schwer, denn die Schüler fragen natürlich nach. Halte ich mich aus einer Meinungsbildung mit meiner Meinung heraus, bin ich ja doch ein schlechtes Vorbild – so als Meinungsloser. Nun ist man aber soweit zu sagen, dass eine solche Äußerung notwendig ist, wenn man sie am Ende eines schulischen Meinungsbildungsprozesses stellt und nicht an den Anfang. Und wenn man diese eigene Meinung auch begründet.

Wer es etwas genauer nachlesen möchte, ist im Netz an der richtigen Stelle.

Ein Linker?

In diesem Zusammenhang taucht in der genannten Stunde von mir auch ein Gedicht von Erich Fried auf. Dies enthält eine Definition von rechts/links, die ich persönlich sehr schön finde und für mich gern beanspruche – auch und vor allem als Lehrer. In dessen ersten Zeile heißt es:

Wer Kindern sagt
Ihr habt rechts zu denken
der ist ein Rechter
Wer Kindern sagt
Ihr habt links zu denken
der ist ein Rechter

Und es endet mit

Wer Kindern sagt
was er selbst denkt
und ihnen auch sagt
dass daran etwas falsch sein könnte
der ist vielleicht
ein Linker

Verunsicherungen (damit wollte ich eigentlich einleiten)

Ich lese mich grad ein in linke Positionen und Theorien: Autonome, Antifa, Kommunismus, Anarchismus. Veröffentlichungen dazu sind bunt. Zum Anarchismus gab es ein Comic (im Sozialkundeunterricht wird man oft mit Fragen / Anmerkungen bezüglich des Anarchismus konfrontiert), zur Antifa einen Theorieband, die Autonomen werden in einem Abriss behandelt und der Kommunismus findet seinen Ausdruck in einem Kinderbuch.

Diese Liste habe ich auch zusammengestellt, weil mich seit einiger Zeit irritiert, dass der Begriff „Kapitalismus“ in der öffentlichen Diskussion immer öfter auftaucht – ohne an sich in die Kritik zu geraten. Vor 20 Jahren existierte dieser aber noch als „Kampfbegriff“ und jeder, der ihn benutzte, bekam zu hören, dass er noch „nach Moskau gehen“ solle.

Mittlerweile aber darf man den Kapitalismus kritisieren, ohne Kommunist zu sein (zu müssen). Das überrascht mich.

Alltag in Tafelbildern

Freitagabend – was man da so macht? Sich vom Korrigieren abhalten.

Ich bin grad mal mein Camera-Upload-Verzeichnis in der Dropbox durchgegangen. Dort tauchten einige Fotografien auf von Tafelbildern, die ich hauptsächlich gemacht habe, um mich in der Folgestunde dran zu erinnern, wo ich stehen geblieben war. Wie gesagt – die Schulleitungsarbeit fordert ihren Tribut.

Die Highlights.

7. Klasse Deutsch: Was gehört in die Einleitung der Inhaltsangabe? Rahmen: Behandlung einer Lektüre.

Einleitunginhaltsangabe

 

Dieselbe Klasse, Folgestunde: Ausformulierung einer Standard-Einleitung.

einleitungausformuliert

Sozialkunde (10. Klasse): Der Politikzyklus als Werkzeug der Politischen Analyse. Beispiel: Ausstieg aus der Atomenergie.

Politikzyklus

 

Sozialkunde (10. Klasse): Der Politikzyklus am Beispiel E10

Politikzyklus E10

 

Geschichte 10: Themen der Kurzarbeit „Kalter Krieg“

Kurzarbeit

 

Deutsch 9: Erörterung – Stille Diskussion an der Tafel: Facebook ist böse.

Facebookboese

 

Deutsch 7: Eine komplett unvorbereitete Stunde gehalten. Einstieg war die Wiederholung der Wortarten, dann Wiederholung der Zeitformen. Dann ruderte ich, schaute zu Mehmet (Namen geändert) und bat ihn, vier deutsche Personalformen von „Ich sage“ ins Türkische zu übersetzen und anzuschreiben. Entsprechend konnte ich dann noch mal von Wortstamm und Endung anfangen und wir verglichen mal. Daraus entwickelte sich dann, dass mehrere Schüler in ihrer Muttersprache/oder sonstwie  beherrschter Sprache drankamen. So standen dann an der Tafel, von links nach rechts: litauisch, kroatisch, französisch, englisch, deutsch, türkisch, spanisch. Unterrichtsgespräch über Ähnlichkeiten und Unterschiede. Vermutungen darüber, woher das kommt. Rechts ein „Pater Noster“ erklärt, kennt man heute nicht mehr.

In der Folgestunde führte ich das dann fort, indem ich vom gotischen „Vater unser“ ausging und wir uns nach einer kurzen Übersetzung an die Worte für „Mutter“ und „Vater“ machten, wieder in den Sprachen des Vortags.  Anschließend ein Gespräch darüber, dass es offensichtlich überall die förmliche Anrede gibt (Vater) und die vertrauliche (Papa). Und trotz aller sprachlichen Unterschiede gibt es immer wieder Gemeinsamkeiten zu entdecken. Abschließend noch versucht das Wort „Himmel“ in die verschiedenen Sprachen zu setzen. Und schnell kamen doch einige drauf, dass dieses Wort zwei Bedeutungen hat und entsprechend auch immer mindestens zwei Worte dafür existieren: Himmel im naturwissenschaftlichen Sinn (Sky) und im transzendentalen Verständnis (Heaven).

Ich erinnerte mich daran, dass ich das „Vater unser“ schon mal an der Tafel hatte in einer 9. Klasse. Damals standen die ersten Zeilen auch in Vietnamesisch dort. Das war damals interessant, weil wir mit dem, der es übersetzen wollte, darüber reden konnten, wo speziell die Schwierigkeiten lagen – eben in Worten, die eine religiöse „Aufladung“ besitzen.

Was ich auch schon mal in einer oberen Klasse durchgeführt habe, die ähnlich sprachenreich war wie mein aktuelle 7., war das Übersetzen eines Gedichts von Hermann Hesse, und zwar „Im Nebel“. Die Sprachenkonstellation war recht spannend – es fand sich albanisch und arabisch darunter.

konjugieren

vaterunsergotisch

 

Das letzte Tafelbild hat auch eine etwas längere Geschichte. Bei uns sind die Hälfte der Klassenzimmer so angeordnet, dass man sie von den Gängen der anderen Hälfte aus durch große Fenster einsehen kann. Beliebter Umstand, der zu Störungen führt, wenn dort Leute Faxen machen und damit eben auf einen Schlag zehn Klassenzimmer ablenken – das überreißt aber auch nicht jeder.

Freitag zu später Vormittagsstunde hatte ich Unterricht in meiner 7. Klasse und gegenüber lungerten 10. Klässler rum, die das eben auch nicht umrissen. Ich also, erhöhter Blutdruck, rüber und, wie es ein ehemaliger Studienkollege gern bezeichnete, „die Wildsau gegeben“. Oder für meine pädagogisch zarter besaiteten Leser: „Die Schüler auf ihr abweichendes Verhalten aufmerksam gemacht und sie diskursiv und sehr nachhaltig um eine Änderung gebeten.“

Wie nachhaltig habe ich dann übrigens gemerkt, als ich wieder in meine 7. kam. Dort herrschte nach meinem Eintritt Grabesstille. Und nach einigen Sekunden war mir auch klar warum: Sie hatten mich natürlich ebenfalls durch die Fenster beobachten können. Offensichtlich war das auch ohne Ton sehr beeindruckend gewesen.

Jedenfalls habe ich dann mit der Klasse mal durchgesprochen, warum ich so aufgebracht war – dass sie eben durch ihr Verhalten mehr als eine Klasse abgelenkt haben usw. Wir spielten Disziplinarausschuss: in der Mitte standen die Vergehen, rechts die von der Klasse vorgeschlagenen „Strafen“. „Sandsack sein für Hr. Kuban“, steht da als erstes. Ich muss wirklich Eindruck gemacht haben. Es wurde dann „Plätzchen backen für die ganze Klasse“ draus.

Diszi

 

Deutsch – schnell gemacht 9: Grundbegriffe der Filmanalyse und Fotografieren/Filmen mit dem Handy

9. und 7. Klasse Deutsch.

In beiden Klassen nahm ich in zwei Stunden ein paar Grundbegriffe zur Filmanalyse durch. Mein Anschauungsbeispiel dazu ist der Anfang des Films „Im Juli“ von Fatih Akin. In den ersten 15 Minuten werden alle Einstellungen und Kameraperspektiven gezeigt und es wird eine witzige Geschichte dazu erzählt.

httpv://www.youtube.com/watch?v=sopzCo0nN6k

Grundsätzlich halte ich von Fatih Akin Filmen recht viel im Deutschunterricht. Den Film „Kurz und Schmerzlos“ kann man gut in Zusammenhang mit dem Aufbau klassischer Dramen verwenden, inklusive der entsprechenden Begriffe wie Hybris und Katharsis. Schöner deutscher Gangsterfilm allemal. Und ich steh auf Altona. Logisch.

httpv://www.youtube.com/watch?v=2UuNFT7dKOI

Material für die Filmanalyse habe ich im Netz gefunden:

Variante Klasse 7

Grundbegriffe Filmanalyse durchgenommen, erst am Arbeitsblatt mit Schnippelbildern, auch anhand von „IM Juli“. Danach ein Arbeitsblatt mit dem Auftrag, eine kleine Geschichte in 5 Bildern selbst zu erzählen. Vorgabe war: jede Kameraeinstellung einmal zu benutzen. (Das offizielle Arbeitsblatt finde ich grad nicht mehr). Die Aufgabe war denkbar einfach:

„Jemand sitzt im Klassenzimmer und schreibt etwas auf ein Papier: „Ich möchte dich gern treffen.“ Ein anderer Jemand betritt den Raum, nähert sich dem Schreiber und will ihm über die Schulter blicken. Das bemerkt der Schreiber und deckt das Geschriebene schnell ab.“

Im Gegensatz zur 9. Klasse, die ich den Ort, wo sie fotografieren wollten, frei auswählen ließ, durfte die 7. nur im Klassenzimmer arbeiten. Das ging einigermaßen. Die Ergebnisse jedenfalls sind zufriedenstellend. Ihr Werkzeug, das Handy, hatten sie dabei. Die Ergebnisse habe ich über Beamer präsentiert. Und benotet.

Variante Klasse 9

Grundbegriffe wie oben erarbeitet, dann aber eine Geschichte vorgegeben von Selim Özdogan:

httpv://www.youtube.com/watch?v=EgszUIcStwQ

Diese Geschichte in 5 Bildern neu zu erzählen, war dann die Aufgabe. Keine Requisiten war eine wichtige Vorgabe, weil ich aus Erfahrung weiß, dass sonst zu viel Zeit damit verplempert wird, Zeug zusammen zu suchen. Sie durften auf dem gesamten Schulgelände fotografieren.

Die Variante Klasse 9 habe ich noch erweitert. Zu einer anderen Geschichte von Özdogan („Marita“) sollten sie einen Film drehen. Hier als Vorgabe: Kein Ton, nur Musik unterlegen, nicht länger als 5 Minuten.

Fazit

Die Schüler taten sich anfangs schwer, sind dann aber gut ins Arbeiten gekommen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Ich war überrascht, wie gut sie die Fotos umsetzen können. In der 9. etwas besser als in der 7., aber das Grundprinzip haben sie sicher in der 7 auch kapiert.