Analog und Digital – Dritter Teil, der Anfang

IMG_20141107_204909Mir ist heute auf dem Weg von der Schule nachhause eingefallen,wie das mit den Gedankenspielereien zum Thema Analog und Digital angefangen hat: Mit meiner Armbanduhr.

Ich habe bis vor einiger Zeit nie wirklich lang eine Uhr bei mir getragen. Bis zum Ende des Studiums war dies auch nicht nötig, im Lehrerberuf habe ich Verschiedenes durchprobiert: Armbanduhren, Taschenuhren, Handys, der Blick aus dem Fenster. Nachteile waren: Armbanduhren gingen immer schnell kaputt, weil ich im Unterricht dauernd mit dem Verschluss rumspielte, da ich sie nicht mochte; Taschenuhren gingen kaputt, weil…keine Ahnung…weil sie in der Hosentasche waren; das Fenster war nicht praktikabel, weil man bei uns an der Schule nicht aus allen Fenstern eine Uhr sehen konnte und die Uhren in den Klassenzimmern von den Schülern immer verstellt werden; Das Handy war ok (und ja, ich gehöre zu den Konservativen, die meinen, dass das, was Erwachsenen erlaubt ist, nicht automatisch auch für Kinder erlaubt ist – nämlich ein Handy in der Schule zu nutzen), aber es hatte einen Nachteil, der mir erst jetzt klar wurde.

Naja, jedenfalls besitze ich seit einiger Zeit einen Fitness-Tracker (einen Jawbone UP), den ich am Handgelenk getragen habe. Ich merkte irgendwann, dass ich ihn nicht mehr bemerkte. Er trug sich angenehm und unauffällig – und im Gegensatz zu den Armbanduhren vorher, musste ich das Ding nicht alle zehn Minuten abnehmen (manche Schüler sagten mir nach, dass ich das in den Armbanduhrversuchszeiten dauernd im Unterricht gemacht habe: Uhr ab, aufs Pult, Uhr dran, Uhr ab…).

Jedenfalls habe ich mir in diesem Jahr zu meinem Geburtstag eine Armbanduhr gewünscht und angefangen sie zu tragen. Und dieses Mal ging es einfach so – wie das Tracking Armband. So, dass ich sie manchmal vergesse und auch nachmittags weiter trage. Das allein ist aber nicht das Aufregende.

Vielmehr ist mir aufgefallen, dass mir meine Armbanduhr viel besser hilft, Zeit einzuschätzen. Beispielhaft im Verlauf einer Unterrichtsstunde. Mit dem Blick auf eine digitale Zeitanzeige kann ich viel schlechter einschätzen, wie ich in der Stunde zeitlich stehe oder wie lang es noch bis zum Ende ist. Auf dem Zifferblatt einer analogen Uhr fällt mir das leicht. Die Stellung der Zeiger vermittelt mir ein geradezu greifbares Gefühl dafür, wie viel Zeit ich noch habe. Es vermittelt mir meinen Standort in der Zeit ganz grundsätzlich besser als die digitale Uhr.

Ich weiß nicht so recht, warum das so ist. Aber es ist gut. Vielleicht sind ja manchmal Dinge einfach gut.

gehört und gesehen: Tingvall Trio

Schon am 20. September zum Schulstart nach Wendelstein gefahren in die Freie Waldorfschule, um einem Konzert vom Tingvall Trio beizuwohnen, welches auf Release Tour war für das neue Album „Beat“.

Entsprechend der geringen Größe des Festsaals der Schule – die Grundfläche empfunden halb so groß wie eine Einfach-Turnhalle – saßen wir in der ersten Reihe praktisch auf der Bühne. Und selbst aus der zeitlichen Distanz heraus kann ich mich an ein intensives Jazz-Musikerlebnis erinnern. Ich habe ein paar Wochen ins Land gehen lassen, weil ich sonst wohl zu blumig und enthusiastisch davon berichtet hätte. Aber ich war nach der ersten 20 Minuten geradezu atemlos. Und es ließ über zwei Stunden lang nicht nach.

Eine ältere Konzertaufnahme stammt aus Hamburg, bei der im ersten Song deutlich wird, was ich meine:

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https://www.youtube.com/watch?v=IVbrvAUCJAQ

Leider habe ich zu meinem aktuellen Lieblingsstück kein Live-Video gefunden.

Frickelprojekte zwischendurch (TinyRSS, Amazon TV)

TinyRSSfrüheres Posting

Nach einem 3/4 Jahr habe ich mich wieder an Tiny Tiny RSS gemacht und es auf meinem Webspace installiert. Funktioniert hat der Grundaufbau ja schon vor einem Jahr, mich hatte nur die knifflige Performance zwischen Server und mobilen Geräten gestört. Letzteres gestaltet sich nun viel flüssiger und reibungslos. Auf dem iPhone siehts nun in etwa so aus.

 

Amazon TV

Ja, Amazon, ich weiß, die Bösen. Aber ich lese gern auf meinem Kindle. Sorry. Und den automatischen MP3-Rippe für alle gekaufte Musik finde ich auch Klasse.

Seit einigen Tagen habe ich nun auch die Amazon TV Box bei mir stehen. Mein technischer Freund lieferte ein paar Frickel-Ideen mit passenden Links und nun ersetzt es sowohl mein Apple TV und den Raspberry Pi mit Openelec (XBMC, alias Kodi). Allein die Reduzierung der Kabel hinter dem Fernseher war es wert. Das AppleTV will ich jetzt in die Schule mitnehmen und dort den Einsatz testen

Aber wieso. Nun, ich bin seit einigen Jahren Prime Kunde bei Amazon, u.a. wegen der Versandkosten und der schnellen Lieferung. Vor einiger Zeit verschmolzen die Ilovefilm-Angebote und das Prime Angebot zu einem Gesamtpaket, was das Streamen von Filmen und Serien aus dem Amazon Angebot möglich machte. Lange Zeit habe ich vom iPhone auf das Apple TV gestreamt, was eher unpraktisch war.

Nun aber ganz simpel über die Amazon Box. Plus, und das ist noch einmal Mehrwert, die Möglichkeit durch einen Umweg auch XBMC/Kodi darauf zu installieren, um einen Mediaplayer für die NAS im Haus zu haben, auf der meine Musik und meine gekauften Videos lagern.

Nicht falsch verstehen: Keine Werbung für Amazon, aber wer ohnehin Prime Kunde ist, kann mit der Box aus dem Ganzen noch etwas mehr herausholen.

Hrrm, und ja, den Game-Controller habe ich auch schon.

Was leider (noch) nicht funktioniert, ist Airplay über XBMC/Kodi.

Links:

XBMC installieren auf der Amazon Box

Analog und Digital – Zweiter Teil

Analog

In der 7. Klasse fand ich meinen ersten Freund, den ersten echten Freund. Und zwei Jahre lang waren wir dicke, ein eingespieltes Duo in der Klasse. Wir spielten in derselben Handballmannschaft, fingen das Rauchen an und verstanden uns einfach so. Als ich zu Beginn der 9. Klasse wegzog, glaubte niemand daran, dass das über mehr als 400km erhalten werden konnte – außer wir eben. Da damals das Telefonieren teuer war und der Apparat ja meist im Flur hing oder stand, wo alle mithören konnten, schrieben wir uns Briefe. So etwa 15 Jahre lang, bis zum Ende des Studiums. Ich wurde dann sein Trauzeuge. Und dann ebbte es aus mit uns – nicht wegen der Trauzeugengeschichte – einfach, weil, eben.

Unsere Briefe waren selten kürzer als zwei Seiten, manchmal auf Luftpostpapier geschrieben oder getippt, um Gewicht zu sparen. Manchmal Seiten in Schnellheftern zusammengefasst, wenn eine lange Periode mal grundlegend zusammengefasst werden musste. Geschrieben wurde sonst in der Regel mit der Hand. Wir waren uns im Klaren, dass die Frage, ob Schreibmaschine jetzt unpersönlicher wäre, ziemlich egal war – unsere Briefe waren immer persönlich.

Keine Frage: Ich habe diese Briefe noch. Sie lagern im Keller in einem Umzugskarton mit vielen anderen Dingen, die ich aufgeschrieben habe in Tagebüchern, Heften, auf Blättern. Auch die Briefe von all den anderen Menschen, die weggezogen sind.

Und ja, um einen Gedanken von Herrn Rau aufzugreifen, alle diese Briefmenschen waren und sind reale Freunde, immer. Noch.

Heutzutage schreibe ich nach diesem Verständnis im Jahr etwa einen Brief. Der Rest sind Karten, Emails oder Nachrichten. Manchmal denke ich, das liegt daran, dass ich nicht mehr rauche (Rauchen und Schreiben hing lang zusammen), andere Male, dass ich mich nicht mehr über Tage hinweg auf eine Sache konzentrieren kann. Das mit dem Rauchen ist dämlich, denn schon als ich noch geraucht habe, gab es weniger Briefe (Außerdem erkenne ich in diesem Gedanken, dass der Süchtige in mir immer noch da ist – „Ja, rauch wieder mal eine, dann kannst du auch wieder schreiben“). Das mit der Konzentration ist schon eher ein Problem, denn Briefe (übrigens wie Blogpostings) entstanden über mehrere Tage hinweg, wenn ich die Inhalte habe durch den Kopf rollen lassen. Angesichts meiner Arbeitstage habe ich heute nicht die Muße, über mehrere Tage hinweg Briefe vorzubereiten. In den Ferien vielleicht. Vielleicht.

Hinzugekommen ist aber in den letzten Jahren etwas, was, glaube ich mal gehört zu haben, mich mit Kafka verbindet. Nämlich die Unfähigkeit wirklich zu schreiben, wenn nicht alles zusammenpasst: Papier, Stift, Tinte, Umgebung, Stimmung, Zeit, Wetter. Jaja, Ich und Kafka.

Kurz: In den letzten Jahren habe ich das handschriftliche Schreiben zu einem großen Teil aufgegeben. Auch schon bevor ich mit diesem ganzen Tablet-Zeug angefangen habe. Achja, das Tablet.

Digital

Jeder, der interntechnisch und technisch unterwegs ist, wird wohl diese Kurve kennen – den sogenannten Hype-Zyklus:
Gartner Hype Zyklus
Ich muss zugeben, dass es mir genauso ging und geht, wenn ich meinen ganzen technischen Schnick-Schnack betrachte, den ich so in den Jahren seit 2010 zusammengetragen habe.

2010 ist mein Jahr 0, sozusagen, das Jahr, in dem ich mir das erste iPad kaufte. Und danach gab ich bei Google die Suchworte „iPad“ „Lehrer“ ein und schon stieg meine Kurve rasant. Zu dem Pad kamen dann noch Blogs, Wikis, Smartphones dazu, daneben viele andere Akronyme: NAS, WEB2.0, XBMC, MAMP, RSS.

Und ja derzeit befinde ich mich ungefähr an der aufsteigenden Kurve nach dem Tal der Enttäuschungen und Misserfolgen. Auf dem Weg der Erleuchtung, oh Gott. Selbsterkenntnis reicht ja schon mal. Auf Kreidefressen fand ich neulich den katalytischen Gedanken dazu: „Lernlab KAS? Zu Hilfe!“

Beziehen kann ich die Kurve auch auf meinen Versuch Handschrift und Computer (mal so allgemein) zu verbinden. In der Schublade liegen diverse Versuche dazu in Form von Pad-Stiften (Gummispitze, Diskus, mit und ohne Bluetooth-Ankopplung). Dazu diverse Apps: Noteshelf, Goodnotes, PDF-Expert. Darüber hinaus die beiden letzten Exemplare der Lightscribe-Stifte: kabelgebunden und bluetoothfähig.

Das Ziel, die Handschrift komfortabel ins Digitale zu bekommen, wird nicht erreicht. Schreiben auf einem Glasdisplay ist nicht mal ansatzweise dem Schreiben auf Papier ähnlich, zusammenhängende Texte sind mir nicht möglich. Die Lightscribestifte, mit denen man auf Papier schreibt, sind so dick, dass ich einen Krampf bekomme beim Schreiben und die Verbindungen mit dem Mac sind umständlich.

Meine Enttäuschung beginnt mit dem Gedanken: Warum quäle ich mich, um auf ein digitales Gerät auf analogem Weg Inhalten zu bringen?

Das war es eigentlich auch schon – Projekt beendet. Handschrift auf Display

Zurück analog

Der Anfangsgedanke hier führt vielleicht ein wenig in die Irre.  Denn natürlich gibt es grundlegende Unterschiede zwischen dem persönlichen Schreiben von Briefen und dem beruflichen Schreiben auf einem Tablet/Mac. Und zwischen diesen beiden Polen gibt es viele Zwischenpunkte, die sich nicht fassen lassen in dem Gegreine über die verlorene Haptik, dem Geruch des Papiers und der Schönheit der Handschrift oder auf der anderen Seite dem Diktat des Digitalen.

Mein Weg der Erleuchtung beginnt also mit dem Gedanken, dass jede Absicht, jeder Moment des Schreibens seine gerade passende Form bekommt. Mein reflektives, kontemplatives, kathartisches, persönliches Schreiben bleibt analog, das berufliche, ordnende, öffentliche, dokumentierende Schreiben bleibt digital.  Welche das ist, kann ich eigentlich nicht grundsätzlich festlegen.

Seit März diesen Jahres liegt nämlich in meiner Schultasche neben der iPad-Hülle auch ein Notizbuch. Mit so etwas konnte ich nie etwas anfangen, weil sie zu sehr analog erscheinen: Die Reihenfolge der Zettel ist fest, Inhaltsverzeichnisse nur sehr schwer anzulegen, Wiederfinden ist also sehr schwer. Nachdem ich aber dieses E-Book gefunden habe, und mich ein wenig mit den Möglichkeiten beschäftigte, musste ich dieses Vorurteil ein wenig abbauen.

Nun es aber, zugegeben, *räusper*, die Evernote-Ausgabe eines Moleskines. Aber hier sammeln sich alle diese handschriftlichen Notizen, die nebenbei entstehen und deren Haltbarkeit ich nicht beim Schreiben einschätzen kann., die schnellen Notizen. Besonders wichtige Notizseiten fotografiere ich später und archiviere ich in Evernote.

Und seltsamerweise macht eben an dieser Stelle meine Kurve des Hype-Zyklus einen Schlenker, denn am Ende steht, dass ich wieder gern mit der Hand schreibe. Zähneknirschend muss ich zugeben, dass ich es vor allem deswegen manchmal genieße, weil die Ablenkungsmöglichkeiten eines Notizbuches sehr eingeschränkt sind.

Analog und Digital – Erster Teil

Als ich neulich meine Blogroll erneuert und ergänzt habe, fügte ich an jeden eine kleine Bemerkung an. Klang ein wenig wie einschleimen, war aber nicht so gedacht. Denn in der Tat hat mir Felix Schaumburg anfangs ein wenig reingeholfen in die ganze Web 2.0 und iPad Geschichte, weil er auf meine Emails geantwortet hat. Und ja, einige Male dachte ich auch, den Laden hier dichtzumachen, weil es doch immer wieder Zeit kostet und ich mich ernsthaft fragte, ob ich noch was Wichtiges zu sagen habe. Und da kommt eben, ohne dass er es will oder auch nur bemerkt, Herr Rau ins Spiel und mit ihm Hanjo und Heiko. Von Ihnen kommen immer neue Ideen, die ich selbst nachverfolgen, nachlese, nachdenke. Das Ergebnis davon könnte, sollte, müsste dann also auch wieder zurück ins Netz.

Und das alles ist doch recht seltsam, habe ich grad mal Herrn Rau persönlich getroffen, Felix ebenfalls und Corinna auch einmal. Hanjo will ich immer mal besuchen, wenn ich das nächste Mal in den Norden an die See fahre – dann auch am liebsten zu Timo.

Und hier in diesem Haus geistern diese Namen herum, zwischen meiner Frau und mir. Morgens nach der ersten Twitterrunde am Frühstückstisch nach der Morgenzeitung. „Hast du gelesen?“ „Hast du gesehen?“ z.B. @Herrbrause @DerBastard @turbozopf. Später dann wiederum die neuen Einblicke aus München, neue Wanderungen, neues Essen @kaltmamsell . Neue Bilder @fascinatingpictures. Mit @_rya s Pferd, das sehr krank war, haben wir ein wenig mitgefiebert. @rinpaku hat neue Tattoos.

Und alle diese Namen werden hier so genannt wie die Namen der Freunde, der RL-Menschen. Die „echten“ Menschen, wie man so leichthin sagen möchte. Und damit einen qualitativen Unterschied machen: Nur die, die man wirklich sehen kann, sind echt, sind wirklich, sind von Bedeutung.

Komisch eigentlich. Dabei vertraue ich doch einigen von denen hier ganz ordentlich.

Lese auf www.vorspeisenplatte.de am 18. Oktober einen Hinweis auf ein Brotbackbuch und halte es am Ende der Woche in den Händen. Ferien vor der Tür und jetzt wird gebacken. So einfach ist das mit den fremden Bekannten.